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Maxime Weygand

Maxime Weygand (* 21. Januar 1867 in Brüssel; † 28. Januar 1965 in Paris) war ein französischer General und Politiker im Ersten und Zweiten Weltkrieg.

Inhaltsverzeichnis

Aufstieg

Die Herkunft des Karriereoffziers blieb Zeit seines Lebens mysteriös und auch er selbst sah keinen Anlass diesen Punkt seiner Biographie durch eigene Aussage zu klären. Gerüchten zufolge soll er ein illegitimer Sohn der Kaiserin Charlotte von Mexiko gewesen sein, doch ist weder ein Beweis oder Gegenbeweis je erbracht worden. Seine Jugend verlief jedenfalls bewiesenermaßen finanziell gut situiert unter den Fittichen einer großbürgerlichen jüdischen Familie in Marseille und Paris. Er graduierte 1885 an der Militärakademie Saint-Cyr und wurde zur Kavallerie versetzt. In der Vorkriegszeit lehnte er mehrere Gelegenheiten eine Generalstabsausbildung zu absolvieren ab, jeweils mit der Begründung die Nähe zur Truppe sei ihm wichtiger. Der Erste Weltkrieg erwies sich als Katalysator für die Karriere des Berufssoldaten. Zwar entrückte er der Nähe der Truppe schon nach einem Monat nach Kriegsbeginn, doch tat dies seinem weiteren Aufstieg keinen Abbruch. In den Stab des Marschalls Foch berufen, wurde er bis zum Kriegsende in den Rang eines Generalmajors erhoben. Als enger Mitarbeiter Fochs war er auch bei den Waffenstillstandsverhandlungen mit dem Kaiserreich zugegen, auch wenn seine Unterschrift unter dem Dokument fehlte.

1920 diente er in einer erfolglosen Mission als Berater auf polnischer Seite im Krieg gegen die Sowjetunion. Der General wurde zwar bei seiner Rückkehr als Nationalheld gefeiert, doch betrug sein Anteil am Sieg des polnischen Staates unter Marschall Pilsudski auch nach eigener Aussage gleich null. Er traf nach der Entscheidungsschlacht von Warschau in Polen ein und die Armee des wiedererstandenen Staates erhoffte sich von Frankreich nur materielle Hilfe. Für einen französischen Generalstäbler hatte man aufgrund der Talente der eigenen Heerführer keine Verwendung.

Dieser erfolglose Zwischenfall sollte allerdings Episode bleiben. Weygand wurde 1923 in den Nahen Osten geschickt, wo er als Kommandeur der Streitkräfte der Republik in der Levante und als Hochkommissar von Syrien und dem Libanon diente. Zurückgekehrt nach Frankreich übernahm er die Leitung des Zentrums für höhere militärische Studien, bevor er 1935 in den Ruhestand trat.

Zweiter Weltkrieg

"Ehe Deutschland Frankreich mit einiger Sicherheit des Erfolges angreifen könnte, brauchte es eine überwältigende Überlegenheit. Die Steigerung der französischen Rüstung, die hinreichen würde, um einem deutschen Angriff zu begegnen, ist daher erheblich geringer als die, die Deutschland für den Angriff braucht. Die Lage ist daher für eine beträchtliche Zeitspanne ohne große Anstrengung Frankreichs gesichert, solange nicht durch eine neue wissenschaftliche Entdeckung die Kriegsführung revolutioniert wird." - Bankwitz, Phillip : "Maxime Weygand and Civil Military Relations in Modern France", Harvard 1967

So äußerte sich der Militär von Berufs wegen noch 1934. Weygand zeigte sich zwar nicht wie sein späterer politischer Weggefährte Marschall Pétain als gleichgültig gegenüber neuen Technologien auf dem Schlachtfeld, doch war er auch keiner ihrer Vorkämpfer. Ob er die Theorie des Blitzkrieges vor dem Angriff der Wehrmacht erfasste, bleibt hinsichtlich seines folgenden Verhaltens zweifelhaft.

Zu Beginn der Spannungen um den Ausbruch des Krieges wurde Weygand 1939 aus dem Ruhestand zurückversetzt und er kehrte an seine alter Wirkungsstätte, den Nahen Osten, als Kommandant der dortigen französischen Truppen zurück. Im Angesicht des Debakels der alliierten Truppen 1940 im Fall wurde er allerdings als Oberkommandeur an Stelle des abgesetzten Gamelin eingesetzt. Sein kurzer Auftritt auf dem wichtigsten militärischen Kommando blieb aber ebenso kurz wie ruhmlos. Er übernahm den Posten seines Vorgängers zwar zu einem Zeitpunkt, an dem die Niederlage sich schon im strategischen Bereich abzeichnete, doch verstärkte er diese durch sein Handeln. Während die Generäle der deutschen Gegenseite eng bei ihren Truppen in mobilen Befehlsständen führten, verblieb der französische Kommandeur in seinem Hauptquartier und forderte zwei volle Tage Bedenkzeit ein. Das Ergebnis derselben war, die gleiche Gegenoffensive zu befehlen, die sein Vorgänger ebenfalls befürwortet hatte. Dies zeugt davon, dass Weygand selbst 1940 das Konzept seiner Gegner nicht erfasst hatte, und er unfähig war, in "Panzerzeiten" zu denken.

Im Regime von Vichy

Analog zur Mehrheit der hohen Militärführung setzte er sich für eine rasche Beendigung der Feindseligkeiten mit dem Dritten Reich ein. Er unterzeichnete nicht nur den Waffenstillstand von Compiègne 1940, sondern machte auch seinen Einfluss geltend ihn unter dem französischen Offizierskorps populärer zu machen. Dem Regime von Vichy diente er in mehreren Ämtern, unter anderem als Verteidigungsminister, wenn auch nur für drei Monate. Er ergriff die Initiative als er per Erlass im Jahre 1941 sämtliche jüdische Studenten von den Hochschulen ausschloss. Ebenso machte er sich durch die Deportation von Regimegegnern in Konzentrationslager nach Nordafrika um die Stabilität des autoritären Regimes "verdient". Erwähnenswert ist auch noch seine Rolle bei der logistischen Unterstützung des deutschen Afrikakorps, welche teilweise durch Mittel der vichy-treuen Truppen versorgt wurde. Gegen Kriegsende wurde er nach Deutschland verschleppt, wo er 1945 von amerikanischen Truppen befreit wurde. Zurück in der Heimat, wurde er als Kollaborateur verurteilt und verbüßte eine zweijährige Gefängngisstrafe bis 1948. Nach dem Krieg war er zwar zur politischen Bedeutungslosigkeit verurteilt, doch hinderte ihn dies nicht an einer reichen publizistischen Tätigkeit, unter anderem auch über Charles de Gaulle, der vom Kollaborationsregime seinerseits in Abwesenheit zum Tode verurteilt wurde. Ebenso vertrat er zeitlebends eine rechts-nationalistische Spielart der Politik, so blieb er zum Beispiel Gegner des Abzugs aus Algerien.

Personendaten
Weygand, Maxime
französischer General und Politiker im ersten und Zweiten Weltkrieg
21. Januar 1867
Brüssel
28. Januar 1965
Paris