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Grenzach-Wyhlen

Wappen Deutschlandkarte
Koordinaten: 47° 33′ N, 7° 40′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Freiburg
Landkreis: Lörrach
Höhe: 277 m ü. NN
Fläche: 17,32 km²
Einwohner: 13.631 (31. Dez. 2006)[1]
Bevölkerungsdichte: 787 Einwohner je km²
Postleitzahl: 79639
Vorwahl: 07624
Kfz-Kennzeichen:
Gemeindeschlüssel: 08 3 36 105
Gemeindegliederung: 2 Ortsteile
Adresse der Gemeindeverwaltung: Hauptstraße 10
79639 Grenzach-Wyhlen
Webpräsenz:
www.grenzach-wyhlen.de
Bürgermeister: Jörg Lutz

Grenzach-Wyhlen ist eine Gemeinde im Landkreis Lörrach in Baden-Württemberg im äußersten Südwesten Deutschlands.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Geografische Lage

Grenzach-Wyhlen liegt am Hochrhein im Dreiländereck von Schweiz, Frankreich und Deutschland an den südlichen Ausläufern des Südschwarzwalds. In direkter Nähe liegt der Dinkelberg.

Nachbargemeinden

Die Gemeinde grenzt im Norden an Inzlingen, im Osten an die Stadt Rheinfelden (Stadtteil Herten), im Süden an die Schweizer Gemeinden Pratteln, im Westen an Muttenz und Birsfelden, alle im Kanton Basel-Landschaft sowie im Nordwesten an Riehen und Bettingen im Kanton Basel-Stadt.

Geschichte

Die Gemeinde Grenzach-Wyhlen liegt in der äußersten Südwestecke Deutschlands am Rheinknie bei Basel. Mit Wirkung vom 1. Januar 1975 wurden die beiden selbständigen Orte Grenzach und Wyhlen aufgrund der Verwaltungsreform zur neuen Gemeinde Grenzach-Wyhlen zusammengeschlossen. Dieses neue Gemeinwesen besitzt eine Fläche von 1.732 ha, auf der 13.724 (Stand: 30. Januar 2008) Einwohner leben.

Obwohl die Orte Grenzach und Wyhlen erst im 13. Jahrhundert urkundlich erwähnt werden, liegen sie dennoch auf sehr altem Siedlungsboden. In vorrömischer Zeit waren Kelten hier ansässig, wie Grabhügel aus der Hallstattzeit (ca. 750–450 v. Chr.) sowie Bronzearmbänder aus der Latènezeit (ca. 450 v. Chr. – 1. Jahrhundert n. Chr.) beweisen. Um die Mitte des ersten nachchristlichen Jahrhunderts gerieten die hier wohnenden Kelten unter römische Herrschaft. Unser Gebiet gehörte nun über 200 Jahre lang zum Römischen Reich und lag im unmittelbaren rechtsrheinischen Vorfeld der großen linksrheinischen Römerstadt Augusta Raurica, die durch eine Brücke mit dem rechten Rheinufer verbunden war.

An die Römerzeit erinnern auf unserer Gemarkung mehrere römische Gutshöfe, deren Fundamente festgestellt worden sind. Die große herrschaftliche Villa von Grenzach wurde 1983/84 zum Teil ausgegraben und mit einem Schutzhaus versehen, das auch gleichzeitig als Museum für die wichtigsten Funde dient. Diese Villa mit ihren imposanten, bis zu einer Höhe von 2,80 m erhaltenen Mauern war Teil einer Niederlassung, welche den Namen Carantiacum (Gut des Carantius) trug. Diese römische Siedlungsbezeichnung liegt unserem Ortsnamen „Grenzach“ zugrunde.

Auf die Römerzeit geht wohl auch der für Deutschland einmalige Buchswald von Grenzach zurück, der sich über mehrere Kilometer am Südhang des Dinkelberges entlangzieht.

Im 3. nachchristlichen Jahrhundert eroberten die germanischen Alamannen Südwestdeutschland und ließen sich in der Folgezeit auch auf dem Boden unserer jetzigen Gemarkung nieder. Sie nannten den östlichen Bereich nach den dort vorhandenen Gutshöfen „ze wilon“, bei den Villen, woraus der Name „Wyhlen“ wurde. Nach der Niederlage der Alamannen gegen die Franken 496/7 wurden auch unsere beiden Orte Teil des Fränkischen Reiches. Im Zuge der mittelalterlichen Territorialbildungen entstand dann zwischen den beiden Orten eine Landesgrenze, wobei Grenzach zur Markgrafschaft Baden und Wyhlen zu Vorderösterreich gehörte. Die beiden Orte wurden immer wieder Opfer kriegerischer Auseinandersetzungen. So verheerten im Dreißigjährigen Krieg (1618 bis 1648) besonders die Schweden unser Gebiet. Anschließend waren es dann die Kriege zwischen Österreich und Frankreich, unter denen die Bevölkerung besonders zu leiden hatte. 1805 wurde Österreich nach der Schlacht bei Austerlitz und im darauffolgenden Frieden von Preßburg (1806) zur Abtretung seiner oberrheinischen Besitzungen gezwungen, wodurch das österreichische Wyhlen an das Großherzogtum Baden fiel. Damit gehörten die beiden Orte erstmals wieder seit etwa 500 Jahren einer einzigen Territorialherrschaft an.

Bis um die Mitte des 19. Jahrhunderts lebte die Bevölkerung der beiden Gemeinden hauptsächlich von den Erträgen der Landwirtschaft, des Weinbaues und des Fischfangs aus dem nahegelegenen Rhein. Dies änderte sich dann mit dem Bau der Eisenbahnlinie zwischen Basel und Konstanz, die 1856 bis 1863 vollendet wurde. Dieser Schienenweg begünstigte die Niederlassung von Fabriken und damit die Industrialisierung der beiden Orte. Dabei ging Wyhlen der Nachbargemeinde mit der Gründung eines Salzwerkes im Jahre 1868 voraus. Dieses wurde 1878 von den belgischen Solvay-Werken übernommen, welche hier Soda und Ammoniak produzierten. 1897 folgte dann eine Maschinenfabrik, und 1912 wurde der Bau eines Rheinkraftwerkes abgeschlossen.

Grenzach schien sich zuerst zu einem Kurort zu entwickeln, nachdem man 1863 eine sehr heilkräftige Mineralquelle entdeckt hatte. Doch am Ende des 19. Jahrhunderts wurden hier von der nahen Stadt Basel aus mehrere Industriebetriebe erstellt, welche diese Entwicklung jäh unterbrachen. Zu den damals gegründeten Unternehmen gehören die heutigen Weltfirmen Roche Pharma AG und Ciba Spezialitätenchemie Grenzach GmbH, welche vor allem pharmazeutische Produkte herstellen. In jener Zeit ließ sich auch die Tapetenfabrik Salubra hier nieder, und nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich die Walzenfabrik Wetzel (heute: Wetzel GmbH Druck- und Prägetechnologie) ebenfalls zu einem sehr bedeutenden Unternehmen. Dazu kamen noch weitere Industriebetriebe, die alle dazu beitrugen, dass die beiden ehemaligen Bauerndörfer Grenzach und Wyhlen zu bedeutenden Industrieorten wurden.

Die beiden Gemeinden haben nach dem Zweiten Weltkrieg große kommunale Leistungen vollbracht, wobei folgende Einrichtungen geschaffen wurden: Eine neue Grund- und Hauptschule, eine Realschule und ein Gymnasium (die beiden letzteren sind seit 1976 zusammen in einem Schulzentrum untergebracht), eine Sport- und Schwimmhalle, ein Haus der Begegnung, ein Feuerwehrdepot und eine Rote-Kreuz-Station sowie eine Mehrzweckhalle und eine neue Sporthalle beim Schulzentrum. Dazu kamen noch ein Seniorenzentrum, eine neue Trinkwasseraufbereitungsanlage und ein umfangreiches Kanalisationssystem. Außerdem beteiligte man sich auch an einer Industriegroßkläranlage, und das Straßennetz wurde weitgehend ausgebaut.

Im Jahre 1990 kam schließlich die Verschwisterung mit Pietrasanta zustande, welche eine sehr positive Entwicklung genommen hat. Text: Dr. Erhard Richter

Literatur: Erhard Richter "Beiträge zur Geschichte von Grenzach-Wyhlen und Umgebung" erhältlich im örtlichen Buchhandel und in den Rathäusern der Gemeinde Preis 28,00 Euro.

Ortsteil Rührberg

Der zu Grenzach-Wyhlen gehörende Ort Rührberg liegt oberhalb von Wyhlen (500m ü. NN). Er wurde etwa 1750 erstmals schriftlich erwähnt und um 1830 wurde er von Bauern besiedelt. Rührberg hat ca. 400–500 Einwohner.

Politik

Bürgermeister

Seit 1999 Jörg Lutz (parteilos), 2007 Wiederwahl mit ca. 98 %

Gemeinderat

Die Gemeinderatswahl am 13. Juni 2004 brachte folgendes Ergebnis:

Partei Anteil * Sitze *
CDU 25,5% +3,7% 6 +1
SPD 24,5% -0,7% 5 -1
FDP/DVP 19,3% +0,9% 4 ±0
FWG 17,9% -5,6% 4 -1
GRÜNE 12,7% +1,7% 3 +1
Gesamt 100% 22

* Die Zahlen stellen die Veränderung zur vorherige Gemeinderatswahl dar.

Gemeindepartnerschaften

Grenzach-Wyhlen unterhält seit 1990 eine Partnerschaft mit dem italienischen Pietrasanta.

Bürgermeister

Der Bürgermeister der Gemeinde Grenzach-Wyhlen ist seit 1999 Jörg Lutz (SPD).

Wirtschaft und Infrastruktur

Verkehr

Die Gemeinde ist über die Hochrheinbahn (Basel - Kreuzlingen) mit dem überregionalen Schienennetz verbunden. Darüber hinaus verfügt sie über einige lokale und regionale Busverbindungen. Sie gehört dem Regio Verkehrsverbund Lörrach an. Die Bundesstraße B 34 nach Bodman-Ludwigshafen verknüpft Grenzach-Wyhlen mit dem überregionalen Straßennetz. Nächste Autobahnanschlusstellen sind Rheinfelden-Süd/Grenzach-Wyhlen/(B34) (A 861), Lörrach-Ost (A 98) sowie in der Schweiz Basel-Ost/Wettstein (A 2)

Um Güter von der Straße auf die Schiene zu verlagern und damit umweltfreundlicher zu transportieren, ist bei der Gemeinde der „Hochrhein-Güterbypass“ geplant, gegen dessen Realisierung es jedoch Anwohnerproteste gibt.

Ansässige Unternehmen

In Grenzach-Wyhlen ist die Roche Deutschland Holding GmbH ansässig, die in Deutschland knapp 10.000 Arbeitsplätze unterhält. Auch die NaturEnergie AG, einer der bundesweit größten Anbieter von Ökostrom hat in der Gemeinde ihren Sitz und betreibt an der Staustufe Augst/Wyhlen ein Wasserkraftwerk.

Bildung

In Grenzach-Wyhlen bestehen alle Schularten des dreigliedrigen Schulsystems. Auf dem Lise-Meitner-Gymnasium kann das Abitur abgelegt werden. Auf dem gleichen Gelände in der Kantstraße besteht auch eine Realschule. Daneben gibt es mit der Bärenfelsschule in Grenzach und der Lindenschule in Wyhlen zwei Grund- und Hauptschulen. Außerdem gibt es mit der Hebelschule in Wyhlen eine reine Grundschule. Für die Kleinsten gibt es zwei kommunale, zwei evangelische, zwei katholische und einen privaten Kindergarten.

Musik

Das Schulzentrum Wyhlen gilt auch als Ausenstelle der Musikschule Rheinfelden (Baden). Außerdem gibt es: Den Musikverein Wyhlen und den Musikverein Grenzach.

Medien

In Grenzach-Wyhlen befand sich bis Anfang 2007 eine Sendeanlage des SWR. Sie verwendet als Antennenträger einen 111 Meter hohen, abgespannten Stahlfachwerkmast bei 47°32'12" nördlicher Breite und 7°40'32" östlicher Länge. Obwohl der Sendemast in Grenzach-Wyhlen höher ist als die üblichweise bei Fernsehumsetzern verwendeten Antennenträger, besitzt die Anlage zur Zeit nur eine untergeordnete Bedeutung, denn es wird zur Zeit nur das erste Fernsehprogramm auf Kanal 25 mit 35 W ERP abgestrahlt. Früher wurden auch noch die ersten drei Hörfunkprogramme mit 50 Watt ERP abgestrahlt.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Besondere Erwähnungen verdienen das Grenzacher Schlößle, ein Wasserschloß, das Zehnthaus in Wyhlen und das Kraftwerk Wyhlen.

Im Waldgebiet der Teilgemeinde Grenzach liegt knapp oberhalb des Grenzüberganges "Riehener Weg" (am Fußwanderweg Richtung Hornfelsen) der südlichste Bunker des sogenannten "Westwalls", der allerdings schon kurz nach Kriegsende gesprengt wurde. Gleichwohl ist die Bunkeranlage nebst den Gräben noch gut erhalten.

Der Ortsteil Rührberg liegt am Westweg, einem Fernwanderweg, der an vielen Sehenswürdigkeiten vorbeiführt.

Museen

In Grenzach befindet sich das Museum Römervilla, das vom Verein für Heimatgeschichte betreut wird. Bei der Ausgrabung wurden über zwei Meter hohe Mauerteile einer römischen Peristylvilla freigelegt sowie ein großes Badebecken, Säulen, Marmorprofile von Türen und Fenstern und hochqualitätvolle Wandmalereien.

Naturdenkmäler

Der Buchswald von Grenzach-Wyhlen ist ein Naturschutzgebiet von internationaler Bedeutung.

Sport

Bei den Handballern des TV Grenzach spielt die 1. Damenmannschaft in der Regionalliga. Der örtliche Ruderclub RC Grenzach konnte schon einige WM-Medaillen erringen. Außerdem besitzt der TV Grenzach eine Basketball Abteilung die innerhalb des Basketballverbandes Nordschweiz spielt. Es gibt auch den 1. FC Grenzach, den SV Wyhlen, den Judoclub Grenzach-Wyhlen und viele mehr.

 Commons: Grenzach-Wyhlen – Bilder, Videos und Audiodateien