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Gwadar

Gwadar (گوادر) ist eine pakistanische Hafenstadt mit etwa 53.080 Einwohnern (2006).[1] Sie liegt am Arabischen Meer im Südwesten des Landes in der wüstenhaften Region Makran, die zu Belutschistan gehört, auf der sandigen Halbinsel, die ebenfalls Gwadar heißt. Die Halbinsel hat eine Fläche von 307 Quadratmeilen. Karachi liegt 290 Meilen Richtung Osten, die Hauptstadt Makrans Turbat 160 Meilen nach Nordosten.[2]

In Gwadar existiert ein altes Zentrum der ismailitischen Gemeinde. Die Ismailiten spielen eine zentrale Rolle in der Stadt und der lokalen Gesellschaft.[2]

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Die Region um das heutige Gwadar wurde während der Bronzezeit von einem unbekannten Volk bewohnt, das in einigen Oasen siedelte. Später wurde das Gebiet zur Provinz Gedrosien des persischen Achämenidenreich. Vermutlich wurde es von Kyros II. erobert. Während der Eroberungszüge von Alexander dem Großen segelte sein Admiral Nearchus mit einer Flotte entlang der Küste des heutigen Makran. Er beschrieb die Gegend als trocken und bergig in der die Ichthyophagoi (Fischesser) leben. Deren Name ist die griechische Übersetzung des altpersischenMahi khoran“, wovon sich der heutige Name der Region Makran herleitet.[3] Nach dem Zusammenbruch Alexanders Reichs wurde die Region von Seleukos I. regiert, einem der Generäle Alexanders. Ab 303 v. Chr. wurde die Region von Chandara Gupta Moria und anderen lokalen Herrschern regiert. Zeitweise war die Stadt die Heimat von Piraten.[4]

Im Jahre 711 eroberte Muhammad bin Qasim mit einem arabisch-muslimischen Heer Gwadar. Später folgten andere Eroberer, wie das Mogulreich und die Safawiden. Früh spielte Gwadar eine wichtige Rolle beim Handel mit Sklaven, Gewürzen und Elfenbein zwischen den Anrainern des Indischen Ozeans und Zentralasien.[2] Im 16. Jahrhundert scheiterten die Portugiesen beim Versuch die Stadt zu erobern am Widerstand des Stammes der Kalmat.[4] Danach regierten knapp 200 Jahre lokale Stämme der Belutschen das Gebiet. 1783 übertrug Mir Nasir, der Khan von Kalat die Oberhoheit über Gwadar an Sultan ibn Ahmad von der omanischen Said-Dynastie, der zuvor aus Maskat geflohen war.[2][5] Nachdem Sultan ibn Ahmad Maskat zurückerobert hatte, behielt er die Kontrolle über Gwadar und übertrug die Herrschaft einem Gouverneur (Wali). Dieser wurde beauftragt auch die nahe im heutigen Iran gelegene Küstenstadt Chah Bahar zu unterwerfen. In der Zeit der omanischen Herrschaft wurde die Festung in Gwardar errichtet.[2] Der Oman wurde 1891 britisches Protektorat. Gwadar blieb Teil des Omans als das umliegende Gebiet als Pakistan 1947 die Unabhängigkeit vom Vereinigten Königreich erhielt.

Am 8. September 1958 übergab der Oman die Enklave Gwadar an Pakistan, nachdem Aga Khan III. drei Millionen Pfund gezahlt hatte.[4][6][2] Gwadar wurde Teil der Provinz Belutschistan.

Ab März 2002 entstand in Gwadar unter chinesischer Führung ein Öl- und Container-Tiefseehafen, der als erster Hafen Pakistans für alle Schiffgrößen geeignet ist. Pakistan verspricht sich eine wirtschaftliche Entwicklung der gesamten Region und eine Entlastung von Karachi als sein Haupthandelshafen. 2007 wurde der Hafen offiziell eröffnet. Eine Milliarde US-Dollar hatte der Bau bis dahin gekostet. 2004 und 2006 wurden insgesamt sechs chinesische Ingenieure von belutschischen Aufständischen ermordet.[7] 2010 soll der gesamte Komplex fertig sein. Neben dem Hafen sind auch ein Industriegebiet und eine Autobahn, die Gwadar mit dem restlichen Land verbinden soll, geplant. Bisher führt von Gwadar nur eine Straße nach Karachi. China baut außerdem einen neuen Flughafen.

2007 übertrug die Regierung Pakistans die Hafenverwaltung für 25 Jahre an PSA Singapore. Gwadar hat nun für 40 Jahre den Status eines steuerfreien Hafens.[8]

Strategische Bedeutung des Hafens

Gwadar liegt am Eingang zum Persischen Golf von wo ein Großteil der Erdöllieferungen der Welt stammen. In naher Zukunft sollen Chinas zentralasiatische Westprovinzen von Gwadar aus über den Landweg mit Erdöl und anderen Rohstoffen aus Arabien und Afrika versorgt werden. Wichtig erscheint China sicherlich auch, daß man über die Verladung in Gwadar einen Teil der Seetransporte von Westen durch die unsichere Straße von Malakka vermeiden kann. Gleichzeitig können die Westprovinzen Chinas ihre Handelsgüter über zum Teil von China gebaute Straßen transportieren und über Gwadar einschiffen. Zudem führt eine Erdgaspipline von den zentralasiatischen „stan-Staaten“ nach Gwadar und ermöglicht auch den Transport des Erdgases über den Seeweg. Hier steht Gwadar in direkter Konkurrenz zu iranischen Häfen. Probleme bereiten jedoch die ungelösten Konflikte zwischen belutschischen Nationalisten bzw. Seperatisten und der Zentralregierung Pakistans.

Ein weiterer wichtiger Umstand ist die Möglichkeit der Marine der Volksrepublik China, diesen Hafen als Stützpunkt zu nutzen. Hier spielt auch die unmittelbare Nähe zum Rivalen Indien eine entscheidende Rolle wie auch die Tatsache, dass Gwadar nur rund 400 Kilometer von der für die Energieversorgung der gesamten Welt höchst bedeutsamen Straße von Hormus entfernt liegt. Gwadar werden aufgrund seiner hervorragenden geopolitischen Lage eine rasante Entwicklung vorhergesagt. [9]

Quellen

  1. World Gazetteer, Stefan Helders, "Gwādar", 06.11.2006
  2. a b c d e f Oman.org
  3. Livius.org: "Gedrosia" von Jona Lendering
  4. a b c Vision Gwadar - Historical Perspectives
  5. Dott. Beatrice Nicolini: Oman Studies Centre, "International trade networks: The Omani Enclave of Gwadar"
  6. GEPA2 - Gesellschaft für Aussenwirtschaft, Marketing und Design mbH
  7. BBC, 20.03.2007, Pakistan launches strategic port
  8. Khaleeq Kiani, Dawn, 40-year tax relief for Gwadar port operators
  9. Arte, Mit offenen Karten, Belutschistan - Ein erneuter Bürgerkrieg?

Koordinaten: 25° 08' N 62° 20' O