Heim

Bozen

Bozen
(ital.: Bolzano, lad.: Bulsan/Balsan)
Bezirksgemeinschaft Bozen
Provinz: Bozen (Südtirol)
Region: Trentino-Südtirol
Staat: Italien
Einwohner (VZ 2001 / 31.03.2008): 94.989 / 101.063
Sprachgruppen
laut Volkszählung 2001:
26,29 % deutsch
73,00 % italienisch
0,71 % ladinisch
Koordinaten 46° 30′ N, 11° 21′ OKoordinaten: 46° 30′ N, 11° 21′ O
Meereshöhe: 232 - 1.616 (Zentrum 262) m
Fläche / Dauersiedlungsraum: 52,3 / 28,0 km²
Stadviertel: Zentrum - Bozner Boden - Rentsch, Oberau-Haslach, Europa-Neustift, Don Bosco, Gries-Quirein
Nachbargemeinden: Deutschnofen, Eppan an der Weinstraße, Jenesien, Karneid, Leifers, Pfatten, Ritten, Sarntal, Terlan
Partnerschaft mit: Ödenburg (Sopron)
Postleitzahl: 39100
Vorwahl: 0471
ISTAT-Nummer: 021008
Steuernummer: A952
Politik
Bürgermeister (2005): Dr. Luigi Spagnolli (L'Unione)

Bozen [bo:tsən̩] (italienisch Bolzano [bolˈtsano] örtlich [bolˈdzano], ladinisch Bulsan [bʊlˈzan] oder Balsan, lateinisch Bauzanum) ist die Landeshauptstadt Südtirols, einer autonomen Provinz in Italien, und als solche Sitz der Südtiroler Landesregierung und des Südtiroler Landtags. Seit 1964 ist Bozen Bischofssitz der neugeschaffenen Diözese Bozen-Brixen.

Inhaltsverzeichnis

Gliederung

Klimadiagramm von Bozen

Bozen ist in fünf Stadtteile (siehe Infobox) aufgeteilt, die wiederum mehrere historische Stadtteile und ehemals selbstständige Gemeinden darstellen oder enthalten.

Eingemeindet wurden die (ehemaligen) Landgemeinden Zwölfmalgreien (1911) und Gries (1925). Diese bilden heute noch eigene Katastralgemeinden.

Das historische Bozen bestand nur aus der heutigen Altstadt zwischen Talfer und Eisack, bzw. Zollstange und Wangergasse. Trotzdem wohnten 1910 etwa 45% der Bozner im historischen Bozen.

Die heutigen Stadtteile Europa-Neustift und Don Bosco gehören zum historischen Gries. Das Stadtviertel Oberau-Haslach gehörte zu Zwölfmalgreien (Die Malgreien Haslach, Oberau und ein Teil von St. Jakob mit den Grutzen).

Geschichte

Antike und frühes Mittelalter

Dom von Bozen ohne Gnadenkapelle

Der Talkessel von Bozen war im frühen Mittelalter wegen seiner Sümpfe und häufigen Überschwemmungen unbewohnbar. Es gab jedoch schon zu Römerzeiten neben einer Straßenstation namens Pons Drusi (benannt nach Drusus, der auf seinem Germanienfeldzug vermutlich hier vorbeigekommen ist) eine Siedlung in der Umgebung des heutigen Domes (siehe Bild), wo man Reste einer frühchristlichen Kirche und einiger Gebäude aus dieser Zeit gefunden hat. Diese Siedlung hieß wahrscheinlich Bauzanum, wohl nach einem der ersten Bewohner, der Bauzus oder so ähnlich geheißen hat. Die Militärstation lag wahrscheinlich an der Brücke über den Eisack, in der Nähe der heutigen Ortschaft Kardaun, von dort ging die Straße über Rentsch auf den Ritten. Die Siedlungen im Tal wurden während der Völkerwanderung zugunsten befestigter Anlagen an erhöhter Stelle aufgegeben. In jener Zeit hat es vermutlich auf dem Virgl eine Burg namens Bozen gegeben. Für diese Burg ist ab dem 7. Jahrhundert ein bairischer Graf von Bozen bekannt. Davor war die Gegend von romanisierten Rätern bewohnt und stand zeitweise unter dem Einfluss der Langobarden. Hier hat auch Herzog Tassilo III. die Gründung des Klosters Innichen beschlossen. Zeugnis davon gibt freilich nur mehr die Vigiliuskirche am Virgl, die aus jener Zeit stammt und somit die älteste bestehende Kirche im Raum Bozen ist. Ihr Name weist darauf hin, dass die Kirche von Romanen oder Langobarden errichtet wurde, da der Heilige Vigilius ein Bischof von Trient war.

Mittelalter und Neuzeit

Bozner Lauben

In der Folge gab es eine Grafschaft Bozen, die später aber an das Hochstift von Trient überging. Die Bischöfe haben die Siedlung wieder ins Tal verlegt und die Gründung eines Marktes angeregt.

Bozen ist seit seiner Gründung und Erhebung zur Stadt vor mehr als 800 Jahren eine Handelsstadt, die günstig zwischen den ehemals bedeutenden Handelsdrehkreuzen Venedig und Augsburg liegt. Zu den viermal im Jahr veranstalteten Messen kamen Handelsleute aus Nord und Süd. Deshalb wurde 1635 der Merkantilmagistrat (Handelsgericht) gegründet, der in Marktzeiten aus je 2 deutschen und italienischen Räten (von den Kaufleuten aus ihren Kreisen bestimmt) gebildet wurde.

Das Bozner Becken fasziniert mit seinem einzigartigen Burgenreichtum. Rund 40 Burganlagen auf engstem Raum bilden die größte Burgendichte Europas. Seit dem 12. Jahrhundert wurden im Bozner Becken von adeliger Hand Burgen errichtet, meist an exponierten Punkten, um den Reichtum und die weltliche Macht dieser Familien sichtbar zu machen. Sie wurden an strategisch günstig gelegenen Stellen erbaut. Sie vereinten den Anspruch politischer Macht mit Funktionen der Rechtsprechung und Steuererhebung. Steuern wurden großteils in Naturalabgaben geleistet, weshalb im Burgbereich auch Ställe und Lager für Getreide und Wein vorhanden waren. Im Spätmittelalter wurde die Macht in die Städte Bozen, Meran und Brixen und an den landesfürstlichen Hof nach Schloss Tirol (ab ca. 1420 nach Innsbruck) verlagert. Gleichzeitig etablierten sich die Märkte und die beginnende Geldwirtschaft. Das 14. und 15. Jahrhundert bedeutete somit einen Wandel für die Burgen im Bozner Raum. Viele von ihnen wurden dem Verfall preisgegeben. Dieses Schicksal traf beispielsweise die Burg am Johanneskofel und Walbenstein. Andere Burgen, wie Schloss Runkelstein, Haselburg oder Schloss Maretsch wurden im Stil der Gotik und Renaissance zu Schlössern umgebaut.

Die wohlhabenden Bürger jener Zeit haben sich selbst auch einige Denkmäler gesetzt, so haben in der Pfarrkirche (seit 1964 Conkathedrale) mehr Leute Platz als in jeder anderen Kirche zwischen Verona und München. Die Kaufmannsfamilie Vintler hat 1388 mit dem Ankauf von Schloss Runkelstein den Adelsrang erlangt. Gleichzeitig mit der Stadt etablierten sich um Bozen zwei Landgemeinden (Zwölfmalgreien und Gries), die im 19. bzw. 20. Jahrhundert eingemeindet wurden.

20. Jahrhundert

Gebäude aus den 30er-Jahren

Nach dem Sieg Italiens über Österreich-Ungarn im Ersten Weltkrieg wurde Südtirol und damit auch Bozen 1918 von Italien zunächst besetzt und später annektiert. In der Zeit des Faschismus wurden viele Italiener aus südlichen Regionen nach Bozen umgesiedelt, während zahlreiche deutsche Bozener - wie in Südtirol allgemein - zwischen Auswanderung und rücksichtsloser Assimilierung wählen mussten (siehe dazu: Option).

Um die Italianisierung Südtirols voranzutreiben und den Italienern Arbeit zu geben, wurde in Bozen ein bedeutendes Industriegebiet errichtet. Die Einwohnerzahl wuchs sprunghaft an. Für die italienischen Einwanderer wurden auch Siedlungen im ländlichen Stil errichtet, die häufig über einen Garten verfügten. Diese Majorisierungspolitik wurde auch von der Republik Italien nach dem Krieg bis zur Gewährung eines Autonomiestatuts fortgesetzt, so dass heute fast 75 % der etwa 100.000 Einwohner italienischer Muttersprache sind. Als deutlich sichtbares Zeichen der Italienisierung und des Sieges im Ersten Weltkrieg über Österreich-Ungarn errichtete die italienische faschistische Regierung 1928 mitten in der Stadt ein Siegesdenkmal als Triumphbogen.

Im Zweiten Weltkrieg prägte sich die deutsche Besatzung mit einem KZ Durchgangslager Bozen und dem Hauptquartier der Operationszone Alpenvorland in Bozens Geschichte ein. Das KZ war Ausgangspunkt von mindestens 13 Deportations-Zügen mit italienischen Juden und Widerstandskämpfern.

Das Leben zwischen den Sprach- bzw. Volksgruppen verläuft auch heute noch nicht immer problemlos und ist manchmal spannungsgeladen. Eine der jüngeren Auseinandersetzungen ist die Benennung des sogenannten Siegesplatzes. Er wurde von der Bozener Gemeindeverwaltung zunächst in Friedensplatz umbenannt, um damit einen Stein des Anstoßes zu beseitigen. Daraufhin initiierten einige italienische Parteien, mit an vorderster Front die postfaschistische Alleanza Nazionale, eine Volksbefragung – mit dem Ergebnis, dass aufgrund des Abstimmungsverhaltens der italienischen Mehrheitsbevölkerung der Friedensplatz 2003 wieder in Siegesplatz zurückbenannt werden musste.

1964 wurden die Grenzen der Kirchendiözese Brixen so abgeändert, dass sie für ganz Südtirol zuständig ist. Bozen wurde dadurch Bischofssitz der Diözese Bozen-Brixen.

International ist Bozen besonders durch die Entdeckung des Ötzi in den Südtiroler Alpen bekannt geworden, der im Südtiroler Archäologiemuseum aufbewahrt wird.

Wirtschaft

Per Stichtag 22. Oktober 2001 waren in Bozen 61.376 Mitarbeiter in 11.672 Arbeitsstätten angestellt. Öffentliche Körperschaften haben mit 315 Arbeitsstätten und 13.835 Angestellten hierbei einen nicht unwesentlichen Anteil. 2.308 Angestellte sind bei Non-Profit-Organisationen tätig. Bozen ist vor Meran (35.000), Bruneck (10.700) und Brixen (20.000) der größte Arbeitsstandort Südtirols. Am Mazziniplatz 23 befindet sich der Sitz der Rundfunkgesellschaft RAI Sender Bozen.

Außerdem gehört Bozen zu den größten Weinbaugebieten Südtirols. Bozens Weine werden besonders in St. Magdalena, Guntschna und Gries produziert.

Verkehr

Bozen liegt an der Brennerautobahn und ist somit sowohl nach Süden als auch nach Norden an das europäische Autobahnnetz angebunden. Über die Brennerbahn kann man Innsbruck, München, Mailand, Venedig und Rom direkt erreichen. Die Bahnstrecke Bozen–Meran verbindet die Stadt mit Meran und dem Vinschgau. Des weiteren hat Bozen einen Flughafen. Regionale Buslinien fahren in alle Bezirke und Täler Südtirols. Die Verkehrsleistungen im Stadtgebiet von Bozen bzw. dem näherem Umfeld wurden früher durch umweltfreundliche Straßenbahnen und Lokalbahnen (z. B. Überetscher Bahn) erbracht, wobei die Straßenbahn Bozen 1909 eröffnet und 1948 wieder eingestellt wurde. Lediglich die ehemalige Talstrecke der Rittnerbahn hatte bis zur Einstellung deren Zahnradbetriebes im Jahr 1966 Bestand. Drei Seilbahnen verbinden zwei Gemeinden und eine Fraktion von Bozen mit der Stadt. Der innerstädtische öffentliche Verkehr wird heute mit meist methangasbetriebenen Bussen abgewickelt. Die Altstadt ist für den privaten Verkehr gesperrt. Erwähnenswert sind auch noch zwei Standseilbahnen, Virglbahn und Guntschnabahn welche die Stadt mit den Naherholungsgebieten verbanden. In den vergangenen Jahren wurden zudem die Radwege systematisch zu einem funktionierenden Netz ausgebaut. Als Markenzeichen können die zweibahnigen Fahrradstreifen mit Mittelstreifen und Gegenverkehr gelten, die baulich vom Autoverkehr getrennt sind. Dadurch liegt der Fahrradanteil inzwischen bei 23 Prozent.

Kultur und Bildung

In Bozen gibt es aufgrund der drei Sprachen (deutsch, italienisch, ladinisch) und der verschiedenen Konfessionen zahlreiche Schulen. So wird die im 19. Jahrhundert gebaute Johann-Wolfgang-von-Goethe-Schule, die im Jahre 1908 mit dem Unterrichtsbetrieb begann, nunmehr als fünfklassige Grundschule geführt. Zu den weiterführenden Schulen gehört das Humanistische Gymnasium "Walther v. d. Vogelweide" (600 Schüler) mit klassischem Lyzeum (ursprünglich nur für Mädchen), Sprachenlyzeum (seit 1985), Kunstlyzeum (seit 1992) und einer musikalische Fachrichtung (seit 2003). Seit 1780 besteht - mit einigen Unterbrechungen - ein öffentliches Gymnasium des Franziskanerordens, welches zugleich den Zweig einer Mittelschule anbietet.

1954 wurde das Südtiroler Kulturinstitut gegründet. Hier werden Kontakte zum deutschen Kulturraum gepflegt, es finden Theatergastspiele, Gastkonzerte, Ausstellungen, Autorenlesungen und wissenschaftliche Tagungen statt.

Seit 1998 ist Bozen Sitz der Freien Universität Bozen (FUB) und somit Universitätsstadt. Die Freie Universität Bozen bietet dreisprachige Studiengänge in den Sprachen Deutsch, Italienisch und Englisch an. Erwähnenswert ist auch die Europäische Akademie EURAC, eine parauniversitäre Forschungseinrichtung mit Schwerpunkt Sprachminderheiten und Umwelt.

Neben der Universität beherbergt Bozen auch die nach Claudia de’ Medici benannte Landesfachhochschule für Gesundheitsberufe Claudiana.

Weltbekannt ist auch die ZeLIG, dreijährige und dreisprachige Schule für Dokumentarfilm, Fernsehen und Neue Medien.

Aktuelles

Seit der Gründung der Universität Bozen hat sich Bozen verändert, die Stadt bietet jetzt mehr Gastlokale und das reichhaltige Kulturangebot wurde weiter ausgebaut. Dies hat allerdings auch zu Verstimmungen zwischen Lokalbetreibern und Anrainern geführt. Im Frühjahr/Sommer 2005 erreichten diese Verstimmungen ihren vorläufigen Höhepunkt, einige Lokale mussten vorübergehend ihre Sperrstunde herabsetzen, was dem Image der neuen Universitätsstadt Bozen einen harten Schlag versetzte.

Auch in Bozen leben immer mehr Einwanderer. Die Integration dieser Menschen ist nicht immer leicht, da sie sich oft auch zwischen den Fronten (zwischen Einwohnern deutscher und italienischer Muttersprache ) wiederfinden. 2004 wurde der erste Ausländerbeirat gegründet, der dem Gemeinderat unterstützend zu Seite steht.

2004 wurde der Versuch, vor den Toren der Stadt ein Einkaufszentrum zu errichten, endgültig abgewehrt. Auch die Bemühungen, in Bahnhofsnähe ein größeres Einkaufszentrum zu errichten, scheiterten bis jetzt. Die Südtiroler Raumordnung hemmt die Zersiedlung, die Ansiedelung von großen Märkten auf der grünen Wiese und fördert dafür den Einzelhandel.

Seit 2004 wird an zwei Multiplexkinos gebaut. Ein altes Kino (das Concordia) wurde 2005 geschlossen. Somit hat Bozen zur Zeit nur vier Kinosäle und einige Multifunktionssäle, in denen ab und zu Filme gezeigt werden. Das größte Kino Bozens ist bis April 2007 das renommierte Programmkino Filmclub mit drei Sälen, das alljährlich im April die Bozner Filmtage veranstaltet.

Im Januar 2005 wurde Bozen zur Guggenmusik-Hauptstadt Europas. 34 Guggenmusiken aus der Schweiz und aus Deutschland haben am 39. Europäischen Guggenmusikfestival teilgenommen.

Im Mai 2005 ergab sich bei den Gemeinderatswahlen ein Patt zwischen dem gewählten Bürgermeister Giovanni Ivan Benussi, der von der Casa delle Libertà unterstützt wurde, und dem Gemeinderat, in dem die Parteien des Ulivobündnisses zusammen mit der SVP die Mehrheit stellten. Der amtierende Bürgermeister Giovanni Salghetti Drioli unterlag in der Stichwahl seinem Kontrahenten um nur sieben Stimmen. Nachdem Bürgermeister Benussi die notwendige Mehrheit im Gemeinderat nicht aufbringen konnte, wurde er im Juni 2005 abgesetzt. Bei der Wahl am 6. November 2005 setzte sich Mittelinkskandidat Luigi Spagnolli mit 50,36 % der Stimmen im ersten Wahlgang durch. Die stärkste Partei wurde überraschend die Südtiroler Volkspartei, die 11 der 50 Mandate erlangte (+3).

Die zweisprachige ungarische Stadt Sopron/Ödenburg ist Bozens Partnerstadt.

Söhne und Töchter der Stadt

Bedeutende Persönlichkeiten der Stadt chronologisch nach Geburtsjahr geordnet:

Museen

Kulturelle Stätten

Schlösser und Burgen

Sehenswertes

Siehe auch

 Wiktionary: Bozen – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen und Grammatik
 Commons: Bozen – Bilder, Videos und Audiodateien