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Odessa

Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen werden unter Odessa (Begriffsklärung) aufgeführt.
Odessa
(Одеса)
DMS
Odessa
Basisdaten
Oblast: Oblast Odessa
Rajon: Kreisfreie Stadt
Höhe: 40 m
Fläche: 163,0 km²
Einwohner: 1.001.000 (1. Jan. 2007 [1])
Bevölkerungsdichte: 6.141,1 Einwohner je km²
Postleitzahlen: 65000 - 65480
Vorwahl: +380 48
Geographische Lage: 46° 29′ N, 30° 44′ OKoordinaten: 46° 29′ 0″ N, 30° 44′ 0″ O
Verwaltungsgliederung: 8 Stadtrajone
Verwaltung
Bürgermeister: Eduard Hurwiz
Adresse: Думська Площа 1
65004 м. Одеса
Website: http://www.odessa.ua/
Statistische Informationen

Odessa (ukrainisch Одеса; russisch Одесса) ist eine Stadt in der Ukraine. Sie ist mit rund 1.000.000 Einwohnern die wichtigste Hafenstadt des Landes am Schwarzen Meer.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Vor Gründung Odessas

In der Antike lebten hier verschiedene iranische Steppenvölker wie die Skythen und Sarmaten, sowie der thrakische Stamm der Tyrageten. Im ersten Jahrhundert vor Christus gelangte es unter dakische Herrschaft. Im Frühmittelalter war das Gebiet von ostslawischen Stämmen Ulitschen und Duleben bewohnt, die mit der Zeit von türkischen Nomadenvölkern wie Petschenegen und Kumanen verdrängt wurden. Im 14. Jahrhundert lag das Gebiet am Schwarzen Meer zwischen den Flüssen Dnister und Dnepr im Einflussbereich des Großfürstentums Litauen. Um 1764 wurde nahe einer tatarischen Siedlung mit dem Namen „Hacıbey“ (bzw. „Hadschi Bai“ oder „Khadzhibei“) vom Osmanischen Reich eine Festung, die „Yeni Dünya“ (bzw. „Jeni-Dunia“, zu deutsch „Neue Welt“) hieß, errichtet. Diese wurde von russischen Truppen unter dem Befehl des neapolitanischen Generalmajors Joseph de Ribas am 14. September 1789 im Russisch-Türkischen Krieg von 1787 bis 1792 eingenommen.

Gouvernement Neurussland

Mit dem Frieden von Jassy ging 1792 alles Gebiet östlich des Dnister vom Osmanischen Reich an Russland über. Die Stadt Odessa wurde im Jahre 1794 auf Anweisung von Katharina der Großen bei der 1789 eingenommenen Festung angelegt, um einen leistungsfähigen Militärhafen für den Schwarzmeer- und Mittelmeerraum zu haben.

De Ribas war bis 1797 der erste Statthalter, dem Armand Emmanuel du Plessis, duc de Richelieu von 1803 bis 1814 folgte.

Karte Odessa

Die neue Stadt wurde ein großer Erfolg. Ihr frühes Wachstum verdankt die Stadt dem Herzog von Richelieu, der als Gouverneur von 1803 - 1814 regierte. An ihn erinnert seit 1828 eine Bronzestatue, geschaffen von Ivan Martos. Er war vor der Französischen Revolution geflohen und diente in der Armee Katharina der Großen gegen die Türken. Ihm verdankt die Stadt die Anlagen und die Infrastruktur. Auf ihn gehen die langen unterirdischen Gänge, die Katakomben, zurück. Die tragenden Wände vieler Häuser bestehen aus Kalkstein, der in den Steinbrüchen unterhalb der Stadt heraus gebrochen wurde. Das Wohnhaus des Gouverneurs wurde mit einem kilometerlangen unterirdischen Gang verbunden; einerseits mit seinem Arbeitssitz, andererseits als Fluchtweg mit dem Meer. Im Zweiten Weltkrieg fanden Partisanen Unterschlupf in den Katakomben, heute sind sie ein Touristenziel. Auch seinem Nachfolger, Graf Alexandre Andrault de Langeron verdankt Odessa viel, so gründete er 1817 das Lyceum Richelieu (später dann Neurussische Universität) und erklärte Odessa zu einem Freihafen.

Zwischen 1803 und 1818 bestand eine Kanzlei für die Neurussland-Siedler im Gebiet von Odessa, die 1818 für etwa 15.500 nichtrussische Siedler zuständig war. Es gehörten dazu 4 deutsche Distrikte: Liebenthal, Beresan, Kutchurgan und Glücksthal und verschiedene einzelne deutsche Dörfer, sowie die bulgarischen und griechischen Distrikte: Ternovka, Buyalik und Parkani. Zusätzlich noch vier schwedische, neun jüdische und das serbische Dorf Zetin. Nach 1818 wurde die Kanzlei zu einer regionalen Niederlassung des Fürsorgekomitees für ausländische Siedler in Cherson. Sie wurde 1833 geschlossen.

Viele Juden verließen Polen nach den Teilungen von 1793 und 1795 in Richtung Odessa, so dass zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Bevölkerung zu etwa 30 % aus Juden bestand. 1821 kam es in Odessa bei der Beerdigung des Patriarchen von Konstantinopel Gregor V. zum ersten Pogrom, bei dem 14 Juden getötet wurden. Dem folgten weitere Pogrome 1859, 1871, 1881 und 1905.[2]

Ihren Aufschwung als moderne Hafenstadt nahm Odessa nach 1823 unter dem Generalgouverneur von Neurussland und Bessarabien, Graf Michail Semjonowitsch Woronzow. Er machte die Stadt zu seinem Verwaltungssitz, engagierte westeuropäische Ingenieure und Ärzte und organisierte viele städtebauliche Projekte. Er gründete ein Theater, eine öffentliche Bibliothek, ein Lyzeum, ein Institut für orientalische Sprachen, verschiedene wissenschaftliche Gesellschaften und protegierte englische und französische Lokalzeitungen. Zwischen 1823 und 1849 verdoppelte sich die Bevölkerung Odessas. Der russische Dichter Alexander Puschkin lobte in der Erzählung Eugen Onegin die Freiheit und Ungezwungenheit in der Stadt.

Von 1878 bis 1895 stand Grigory Grigorevich Marazli an der Spitze der Stadt. Er war der Sohn eines in Odessa zu Wohlstand gekommenen griechischen Getreidehändlers und Förderers des in Odessa 1814 gegründeten griechischen Geheimbundes Filiki Eteria. Marazli finanzierte mit Teilen seines ererbten Vermögens eine Vielzahl von öffentlichen Bauten in Odessa.

Auf dem russischen Linienschiff Fürst Potjomkin von Tauris (rus. Knjas Potjomkin Tawritscheski) der Schwarzmeerflotte kam es am 27. Juni 1905 zur Meuterei. Das von den Meuterern übernommene Schiff lief in den Hafen von Odessa ein, aber die Matrosen unterstützten nicht einen zu dieser Zeit stattfindenden Generalstreik in der Stadt, der Teil der Russischen Revolution von 1905 war. Das Ereignis war Grundlage für den Film Panzerkreuzer Potemkin.

Ukrainische Volksrepublik

Die Ukrainische Volksrepublik wurde im Verlauf des Russischen Bürgerkriegs gegründet, doch war sie dem Angriff der Roten Armee nicht gewachsen. So war Odessa von Januar bis März 1918 sowjetisch. Durch den Friedensvertrag von Brest-Litowsk wurde die Volksrepublik, einschließlich der Stadt Odessa, offiziell unabhängig, doch tatsächlich war sie abhängig vom Deutschen Kaiserreich und seinen Verbündeten.

Von März bis Dezember 1918 waren Truppen der Mittelmächte in der Ukrainischen Volksrepublik. Der südliche Teil des Landes und damit auch Odessa wurde von Österreichern bis zum Ende von Österreich-Ungarn kontrolliert. Die Verantwortlichen waren nacheinander Eduard von Böhm-Ermolli und Alfred Krauss.

Nach deren Rückzug eroberte die Entente Odessa. Das Ziel war unter anderem die Unterstützung von Anton Iwanowitsch Denikin, General der Weißen Armee. Französische, griechische und einige wenige polnische, rumänische und freiwillige russische Truppen landeten in Odessa an und blieben dort vom 18. Dezember 1918 bis zum 8. April 1919. General Borius war Militärgouverneur von Odessa. Nach einer schweren Niederlage der Alliierten in Cherson, weil ein Hungeraufstand in der Stadt drohte und es auf den französischen Kriegsschiffen France und Jean Bart im Schwarzen Meer unter der Führung von André Marty zur Meuterei gekommen war, zogen sich die Franzosen zurück[3] und Denikin übernahm die Stadt. Die griechische Bevölkerung Odessas wurde mit Schiffen evakuiert und General Lucjan Żeligowski führte seine polnische Division, die im Gebiet um den Fluss Kuban operierte ebenfalls aus Russland via Odessa heraus.

Ukrainische SSR

Ab 1920 war Odessa sowjetisch und Teil der Ukrainischen SSR.

Der ukrainischen Hungersnot von 1932/34, dem Holodomor, fielen auch in Odessa viele Menschen zum Opfer. So sollen im ersten Halbjahr 1933 im Oblast Odessa täglich nur 830 kcal[4] pro Person zur Verfügung gestanden haben, was etwa die Hälfte des heute als notwendig betrachteten Grundumsatzes ist.

Odessa lag bei Beginn des Russlandfeldzugs der Deutschen Armee im Angriffsbereich der rumänischen 4. Armee, die gegen die verteidigende sowjetische 9. Armee (Tscherewitschenko) rasch Erfolge erzielte. Die Schlacht um Odessa begann als die Stadt am 5. August 1941 erreicht wurde. Die sowjetische Führung erklärte Odessa zur Verteidigungszone, in der sich Reste der zurückflutenden Truppen mit den etwa 35.000 Verteidigern (Marine und Freiwillige) einigelten. Die „Unterstadt“ (höhlenartige Steinbrüche) wurde zur Deckung genutzt. Weiter über See verstärkt, konnte die Garnison alle rumänischen Angriffe bis zum Oktober abwehren. Die Lage wurde jedoch wegen des deutschen Vormarschs Richtung Krim schließlich aussichtslos, so dass Odessa seit 1. Oktober geräumt wurde. Die sowjetische Schwarzmeerflotte brachte bis 16.10. noch 70.000 Soldaten und 15.000 Zivilisten nach Sewastopol.

Wegen der Schlappe von Odessa war der Oberbefehlshaber der rumänischen Belagerer, Korpsgen Ciuperca, am 9. September abgelöst und durch den bisherigen Kriegsminister General Jacobici ersetzt worden. Im März 1944 erhielt die 3. Ukrainische Front (Malinowski), die bereits am südlichen Bug hielt, den Auftrag, zum Dnjestr vorzustoßen und Odessa zu nehmen.

Aus mehreren Brückenköpfen am rechten Bug-Ufer gingen drei sowjetische Armeen Ende des Monats gegen die deutsche 6. Armee (Angelis) vor. Diese konnte sich nur hinhaltend verteidigen, zumal sie im Rücken von starken Partisanen-Kräften bedroht war. Am 10. April 1944 musste sie Odessa räumen und hinter den Dnjestr zurückgehen. Mit dem Verlust dieses Hafens zeichnete sich das Ende der deutschen Kriegführung im Schwarzen Meer ab. In Odessa richteten die Sowjets in der Folgezeit die Uprawlenije 7-159 ein, in der wie in den meisten Gefangenenlagern zunächst katastrophale Zustände herrschten. Allein 1944/1945 starben dort 5.000 deutsche Gefangene, und erst 1948 besserte sich die Lage. 1949 wurde die Lagergruppe durch Übernahme der Uprawlenije 7-126 Mykolajiw vergrößert. In Odessa war zeitweise auch das Gefangenen-Hospital 3-986 stationiert, wo von September 1944 bis Ende 47 ca. 4.500 deutsche Soldaten starben.

Während des Zweiten Weltkrieges war Odessa somit von 1941 bis 1944 von rumänischen und deutschen Truppen besetzt. Die Stadt war ab Dezember 1941 Sitz des rumänischen Hauptquartiers von Transnistrien. Während der Besatzungszeit wurden etwa 60.000 Einwohner ermordet oder deportiert, die meisten waren Juden. Besonders die Massaker vom 23. bis zum 25. Oktober 1941 bleiben in Erinnerung. Bei einer Explosion im rumänischen Hauptquartier in Odessa starben insgesamt 61 Personen, einschließlich des rumänischen Generals Glogojeanu. Ministerpräsident Ion Antonescu gab daraufhin den Befehl als Vergeltung für jeden getöteten Offizier 200 und für jeden Soldaten 100 Juden oder Kommunisten zu töten. Daraus entwickelte sich ein Massaker, bei dem etwa 30.000 Juden getötet wurden.

Republik Ukraine

Odessa verfügt über enorme Modernisierungsressourcen und die junge Elite in Wirtschaft und Wissenschaft ist tendenziell für die Westorientierung von "Nascha Ukraina", trotzdem wählte Odessa blau in der Orangen Revolution.

Bevölkerung

Die Geschichte der Stadt ist traditionell von vielen Völkern und Konfessionen geprägt.

Die Ukrainer bilden mit 57 % die Mehrheit der Einwohner. Außerdem leben hier Russen (34 %), Juden, Rumänen (Moldauer), Griechen, Deutsche, Franzosen, Araber, Türken, Armenier, Georgier und weitere Bevölkerungsgruppen. Odessa gehört zu den ukrainischen Gebieten, in denen Russisch sehr verbreitet ist. Insgesamt geben 63 % der Einwohner die russische Sprache als Sprache des Alltags an.

Als gemeinsame Bezeichnung nennen sich die Einwohner Odessas Odessiten. Im Selbstbild findet sich als stärkstes Element die Weltoffenheit, eine Eigenschaft, die sich aus der Lage an der Nahtstelle zwischen Orient und Okzident ergibt.

Religion

Die Mehrheit der Bevölkerung ist christlich-orthodox.

Der Anteil der Juden betrug vor der deutschen Eroberung der Stadt im Sommer 1941 etwa 20 Prozent.

Heute ist Odessa Bischofssitz der Deutschen Evangelisch-Lutherischen Kirche der Ukraine.

Wirtschaft

Verkehr

Neben dem nahegelegenen Illitschiwsk, sowie Mykolajiw, Cherson und Sewastopol ist Odessa einer der wichtigsten Häfen der Ukraine. Von hier aus bestehen Straßen- und Eisenbahnverbindungen ins Hinterland, vor allem nach Galizien, Podolien und Moldawien, aber auch in die Hauptstadt Kiew. Dreimal wöchentlich fährt ein durchgehender Schlafwagen nach Berlin. Der Flughafen der Stadt liegt im Südwesten und verfügt über nationale und internationale Flugverbindungen.

Hochschulen

Die Neurussische Universität wurde am 13. Mai 1865[5] eröffnet, 1945 wurde sie nach dem ukrainischen Träger des Nobelpreises für Physiologie oder Medizin Ilja Iljitsch Metschnikow in Staatliche I.-I.-Metschnikow-Universität Odessa umbenannt. Weitere Universitäten in Odessa sind die am 18. September 1918 gegründete Staatliche Polytechnische Universität Odessa, die Staatliche Marineuniversität Odessa, die um 1900 gegründete Staatliche Medizinische Universität Odessa, die Südukrainische Staatliche Pädagogische K.-D.-Uschinski-Universität Odessa (nach dem russischen Pädagogen Konstantin Dmitrijewitsch Uschinski (* 1824, † 1870)) und die Staatliche Wirtschaftsuniversität Odessa. Darüber hinaus gibt es noch einige Akademien in Odessa. [6]

Politik

Stadtgliederung

Odessa gliedert sich in folgende 8 Stadtrajone: Rajon Schowtnewe, Rajon Illitsch, Rajon Kiew, Rajon Lenin, Rajon Malynowskyj, Rajon Prymorske, Rajon Suworow, Rajon Zentral

Sehenswürdigkeiten

Städtepartnerschaften

Söhne und Töchter der Stadt

In Odessa geboren:

Wissenschaftler:

Sportler:

Künstler, Musiker und Schriftsteller:

Weitere Personen:

Auf andere Weise mit Odessa verbundene Personen:

Literatur

 Commons: Odessa – Bilder, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Державний комітет статистики України
  2. Jewish Community of Odessa, Ukraine
  3. Mark Plant: Fortified Odessa – März 1919
  4. The Great Famine-Genocide in Soviet Ukraine (Holodomor)
  5. ukrweekly.com: Geschichte der Neurussischen Universität
  6. Staatliche Hochschulen in Odessa
  7. Quelle: Kulturhistorisches Institut Odessa - Jewish Museum.