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Aubing-Lochhausen-Langwied

Aubing, Lochhausen und Langwied sind Stadtteile im Westen Münchens.

Zusammen bilden sie seit 1992 den Stadtbezirk 22 Aubing-Lochhausen-Langwied, den mit rund 3.400 ha größten Bezirk der Stadt mit der gleichzeitig geringsten Bevölkerungsdichte bei 37.532 Einwohnern (Stand 2002), weshalb noch heute ausgedehnte Grün-, Wald- und landwirtschaftliche Flächen existieren, die zusammen mit der Aubinger Lohe und dem Erholungsgebiet Langwieder See wichtige Ausgleichs- und Erholungsfunktionen für den gesamten Münchner Westen erfüllen.

Derzeit entsteht auf einer großen freien Fläche zwischen Aubing/Neuaubing und der großen Kreisstadt Germering auf Münchner Grund der Stadtteil Freiham, östlich des Gutes Freiham.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte und Beschreibung

Aubing

Aubing wurde erstmals im Jahre 1010 als Ubingen urkundlich erwähnt. Dieser Name ist mit hoher Wahrscheinlichkeit von dem bajuwarischen Männernamen Ubo abgeleitet, wobei allerdings keine Person mit einem solchen Namen bekannt ist. Die lange, vor allem Kindern in der Schule erzählte Geschichte vom "Gründer Ubo, der sich mit seinem Fuhrwerk hier niederließ", ist ebenso erfunden wie die einige Kilometer weiter kolportierte Gründungsgeschichte Pasings in Form des "Paoso". Beide gab es nicht.

Die Ungarnnot im 10. Jahrhundert

Um das Jahr 900 n. Chr. erwuchs Bayern eine Gefahr aus dem Osten, die für mehr als ein halbes Jahrhundert zu einer Bürde für das ganze Abendland wurde. Die Ungarn waren von ihren Ländern am Schwarzen Meer verdrängt worden und gingen unter ihrem Führer Arpad auf Siedlungssuche nach Westen. Das bayerische Heer, das die Hauptlast der Ungarnabwehr trug, erlitt 907 bei Preßburg eine vernichtende Niederlage. Herzog Arnulf trat die Nachfolge seines in dieser Schlacht gefallenen Vaters Luitpold an. Herzog Arnulf reorganisierte und verstärkte die bayerischen Truppen. Zur Finanzierung der Landesverteidigung kam es zu umfangreichen Enteignungen von Kirchengut. Insbesondere die Klöster, die durch ihre großen Anstrengungen, das Land zu entwickeln, den Grund für jene spezifisch christlich-altbairische Kultur, die uns heute allzu oft nur mehr als Folklore entgegentritt, gelegt haben, gingen nieder – oft bis zum völligen Ruin. Erst mit der Schlacht auf dem Lechfeld bei Augsburg wurden 955 die Ungarn endgültig aus Bayern vertrieben. Aber auch kircheninterne Entwicklungen trugen zum Verfall monastischen Lebens bei. Das Land war nicht nur materiell ausgeblutet.

Rückerstattungen von Klosterbesitz

Herzog in Bayern war inzwischen Heinrich der IV., der als Heinrich II. im Jahre 1002 deutscher König und 1014 Kaiser wurde. Auch der politisch weitsichtige König Heinrich II. brauchte für die Hebung der Landeskultur in Bayern die Klöster. Er verschaffte den alten Monasterien eine neue wirtschaftliche Basis, indem er ihnen auf der Grundlage so genannter „Entfremdungslisten“ früheren Besitz zurückgab. Am 16. April des Jahres 1010 ließ König Heinrich II. in der Reichskanzlei zu Regensburg eine Urkunde ausfertigen, in der er den Kanonikern von Polling, die später die Regel der Augustiner-Chorherren angenommen haben, Besitzungen in acht oberbayerischen Orten zurückgibt, darunter auch in Aubing. In dieser Urkunde ist Aubing als „Ubingun“ zum ersten Mal beim Namen genannt. Neben dieser Erstnennung ist für die Aubinger Ortsgeschichte aber auch die Tatsache von großer Bedeutung, dass das Kloster Polling in Aubing Altbesitz aus seiner benediktinischen Frühzeit hatte. Bezüglich der Herkunft des Pollinger Besitzes in Aubing ist an eine Vergabung durch die frühen bayerischen Herzöge zu denken. Dieser Umstand rückt die Möglichkeit, Polling auch als Gründer der Aubinger Ortskirche in Betracht zu ziehen, ins Blickfeld.

Aubing ist in der Königsurkunde gleich zweimal erwähnt. Dem Stift Polling sollten nämlich nicht nur Höfe und Land in Aubing zurückgegeben werden, sondern auch der Zehent. Das war der zehnte Teil der Produktion der Bauern, welche die Zehenthöfe bewirtschafteten. Obgleich das Stift Polling im Bistum Augsburg lag, erwies sich der Freisinger Bischof Egilbert, Kanzler und Freund Heinrichs II., als wichtiger Vertreter der Interessen Pollings. Heinrich II. wurde schließlich als Gründer des Bistums Bamberg mit seiner Frau Kunigunde heilig gesprochen.

Was blieb?

Es gilt heute als gesichert, dass es den Pollinger Kanonikern nicht gelang, den Grundbesitz zu Aubing, auf dem seit der Enteignung durch Herzog Arnulf immer noch Lehensnehmer der Herzöge saßen, zurückzugewinnen. Im Falle Aubings waren das welfische und wittelsbachische Dienstleute, die urkundlich vielfach belegten Herren von Aubing. Einen Rechtstitel, als solcher ist die Urkunde von 1010 einzuordnen, zu haben, war schon damals eine Sache, ihn zu realisieren, jedoch eine andere. Da half auch nicht, dass Papst Innozenz III. dem Stift Polling in einem Diplom des Jahres 1136 Rechte in Aubing und, erstmals, auch in Freiham bestätigte. Der Anspruch der Pollinger Chorherren auf Land und Höfe erledigte sich spätestens im Jahr 1330, als der wittelsbachische Kaiser Ludwig der Bayer sein Herzogsgut zu Aubing als Ausstattung an das von ihm gegründete Kloster Ettal vergab. Geblieben ist dem Stift hingegen der Zehent aus jenen Höfen, an denen sie Besitz nicht mehr erlangen konnten. Um diesen Zehent wurde heftig gestritten, u.a. mit den Ettaler Äbten, bis Polling ihn im 18. Jhdt. an einen Münchner Bürger verkaufte. Kloster und Stift Polling sind indessen aus der Aubinger Ortsgeschichte nicht mehr fortzudenken.

1818 wurde die Gemeinde Aubing mit Gemeindeteilen Aubing, Freiham und Moosschwaige gegründet. Am 1. April 1942 wurde die Gemeinde Aubing ohne Eingemeindungsvertrag der Stadt München angeschlossen.

Aubing wird durch die Bahnlinie München-Buchloe in Alt- und Neu-Aubing geteilt.

Alt-Aubing spiegelt den dörflichen Ursprung Aubings mit den noch immer vorhandenen bäuerlichen Gebäuden wider. Den alten Ortskern bildet die 1480 erbaute gotisch-barocke Pfarrkirche St. Quirin mit ihrem etwa tausend Jahre alten, romanischen Turm.

Neu-Aubing entstand Anfang des 20. Jahrhunderts als Eisenbahner- und Arbeitersiedlung im Bereich der Limesstraße.

Ein weiteres Neubauviertel mit S-Bahnstation Westkreuz und zwei Schulen entstand in den 60er Jahren. Ein Einkaufszentrum und die katholische Pfarrkirche St. Lukas bilden das Zentrum.

Wappen

Das Aubinger Wappen geht auf das Wappen einer ortsansässigen Adelsfamilie des 12. bis 14.Jahrhunderts zurück. Verwendet wurde es in einer Urkunde von einem gewissen Hartmann von Aubing am 1. Mai 1334. Der endgültige Entwurf geht auf den Heraldiker Otto Hupp zurück und wurde am 23. Februar 1933 genehmigt. Das Wappen zeigt drei grüne Blätter auf Silbergrund.

Heute trägt Aubing offiziell wie alle anderen Münchner Stadtteile das Wappen der Stadt München.

Vereine

Alt-Aubing besitzt viele Vereine, darunter auch den Burschenverein Aubing, der alle drei Jahre in der Ortsmitte an der Kreuzung Alto-/Bergsonstraße den Maibaum aufstellt. Dieser besitzt dreidimensionale Figuren, die teilweise aus Holz geschnitzt wurden und sehr selten sind. Der Burschenverein veranstaltet das "Aubinger Traubenfest" und ist Mitinitiator und -Organisator des Aubinger Herbstfestes. Dieses wird alljährlich vom Freiflächenverein München-Aubing e.V. auf der "Belandwiese" am Germeringer Weg veranstaltet.

Lochhausener Ortsgeschichte

Die Besiedlung des Gebietes um das heutige Lochhausen erfolgte seit ca. 1500 v. Chr., wie Funde von Grabstätten und Bronzewaffen am Südende der Aubinger Lohe und an der heutigen Lochhausener Straße beweisen. Keltenschanzen bei Langwied und in der Aubinger Lohe, sowie römische Münzfunde lassen eine gewisse Siedlungskontinuität erkennen, wobei allerdings Zeugnisse von möglichen Bewohnern aus der Bajuwarenzeit fehlen, außer in Aubing (damals "Ubo" genannt) oder Menzing (damals "Menzo" genannt).

Urkundlich erwähnt wird der Ort Lochhausen erstmals um 950, als Bischof Lantpert von Freising die Orte "lohhusa" (übersetzt= "Häuser an der Lohe") und Malching gegen einen anderen Besitz tauschte. Demnach muss der Ort schon zuvor Freisinger Eigentum gewesen sein. Die frühmittelalterliche Salzstraße von Salzburg nach Augsburg führte nachweislich über Langwied (um 1100 "lancwate" genannt = "lange Furt") und Lochhausen.

Seit Ende des 11. Jh. ist ein Ortsadel in Lochhausen bezeugt, die "Maganus" und die "Wichnant".

Im 12. Jh. war Lochhausen im Besitz einer hochfreien Familie, deren Angehörige Vasallen der Grafen von Dießen-Andechs waren. Im Gefolge von Kaiser Barbarossa brachen sie zum Kreuzzug ins Heilige Land auf und kehrten vermutlich nicht zurück, denn nach 1190 gibt es keine Hinweise mehr auf sie.

Das Herzogsurbar von 1230 verzeichnet außerdem Höfe in Lochhausen als Besitz der Wittelsbacher, die sie im frühen 14. Jh. zeitweise an die angesehene Münchner Familie Kuchenmeister als Lehen vergaben.

1330 übereignete Kaiser Ludwig der Bayer drei Höfe in Lochhausen zusammen mit dem Dorf Aubing seiner Klostergründung Ettal. In der Folgezeit gingen die meisten Anwesen in Langwied und Lochhausen in den Besitz von Klöstern (z.B. Polling, Wessobrunn, Fürstenfeld, Augustiner- und Angerkloster in München) und Kirchen (St. Peter in München, St. Quirin in Aubing und St. Michael in Lochhausen) über, wohin sie bis ins 19. Jh. noch jeweils "freystiftig" blieben. 1500 umfasste Lochhausen 8 und Langwied 18 Anwesen. Im 18. Jh. wurde die Ertragsfähigkeit des Mergelbodens ihrer Äcker im Gegensatz zu den umliegenden Moosgründen gerühmt.

Beide Dörfer gehörten bis 1802 zum Gebiet des Landgerichtes Dachau. 1818 wurde Lochhausen mit dem fast doppelt so großen Langwied zu einer Gemeinde zusammengefasst, aber erst 1884 wurde eine direkte Ortsverbindung gebaut. 1839 wurde Lochhausen Haltestelle der neuen Eisenbahnstrecke München-Augsburg. Seit Ende des 19. Jh. spielte infolge des lehmhaltigen Bodens die Ziegelindustrie eine bedeutende Rolle, was auch im Zusammenhang mit der damals regen Bautätigkeit in München, dem Lochhausen 1942 eingemeindet wurde, zu sehen ist. Von den ursprünglich drei Ziegeleien stellten als letzte 1968 die "Süddeutschen-Ziegel-Werke", eine Tochtergesellschaft der "Heidelberger-Zement-Werke AG", aus Rentabilitätsgründen ihren Betrieb ein.

Den alten Ortskern bildet die Pfarrkirche St. Michael (Lochhausen).

Langwied

Langwied wurde erstmals 1269/1271 als "Lanquat" erwähnt. Der Name Langwied bedeutet am langen Wald (althochdeutsch: daz witu = Holz, Wald). Die Endung quat in dem bis zum 15. Jahrhundert verwendeten Namen, könnte von waten kommen und eventuell auf eine Furt zum Durchwaten des Langwieder Baches anspielen.

1818 wurde die Gemeinde Langwied zusammen mit Lochhausen und Gröbenzell gebildet. Am 1. April 1942 wurde die Gemeinde mit Vertrag vom 29. August/2. September 1941 durch die Stadt München eingemeindet. Nördliche Teile von Langwied bildeten mit anderen Gemeindeteilen 1952 die Gemeinde Gröbenzell.

Wirtschaft

Verkehrsanbindung

Autobahnen

Das Gebiet in und direkt um Aubing, Lochhausen, Langwied ist über folgende Anschlussstellen angebunden an:

A 99

A 8

ÖPNV

Der Stadtteil wird von den Linien S4, S5, S6 und S8 der Münchner S-Bahn an den Haltepunkten und Bahnhöfen Langwied, Lochhausen, Leienfelsstraße, Aubing, Westkreuz und Neuaubing an das Schnellbahnnetz des MVV angebunden. Zahlreiche Buslinien erschließen ferner den Stadtteil.

Längster Autobahntunnel Bayerns

Seit der Eröffnung des Teilstücks der A 99 als Verbindung zwischen der Anschlussstelle München-Lochhausen und der A 96 München-Lindau im Februar 2006, der eine Untertunnelung großer Teile Aubings vorausging, verfügt Aubing über den mit 1.935 Metern längsten Autobahntunnel Bayerns.

Statistik

(Stand jeweils am 31. Dezember, Einwohner mit Hauptwohnsitz)

Jahr Einw. davon Ausländer Fläche ha EW/ha Quelle mit weiteren Daten
2000 37.425 6.576 (17,6%) 3.404,56 11 Statistisches Taschenbuch München 2001. pdf-Download
2001 37.693 6.659 (17,7%) 3.404,56 11 Statistisches Taschenbuch München 2002. pdf-Download
2002 37.532 6.650 (17,7%) 3.404,56 11 Statistisches Taschenbuch München 2003. pdf-Download
2003 37.556 6.739 (17,9%) 3.405,09 11 Statistisches Taschenbuch München 2004. pdf-Download
2004 37.595 6.835 (18,2%) 3.405,63 11 Statistisches Taschenbuch München 2005. pdf-Download
2005 37.560 7.015 (18,7%) 3.405,76 11 Statistisches Taschenbuch München 2006. pdf-Download

Quellen

Koordinaten: 48° 9' 30" N, 11° 25' 10" O