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Anthologie

Eine Anthologie oder Blütenlese (gr. ἀνθολογία ánthología „Sammeln von Blumen“) ist eine Sammlung ausgewählter Texte verschiedener Autoren oder eine themenbezogene Zusammenstellung aus literarischen, musikalischen oder grafischen Werken. Eine Sonderform der Anthologie ist das Lesebuch.

Der Begriff hat sich im 18. Jahrhundert allgemein für Sammlungen von Lyrik, Aphorismen, Erzählungen etc. durchgesetzt. Zusammenstellungen von Epigrammen gab es aber schon in der Antike. Im Hellenismus wurde „Anthologie“ auch ein Titel für Gedichtsammlungen.

Inhaltsverzeichnis

Anthologien mit Themenschwerpunkt

Meist sind Anthologien einem bestimmten thematischen Schwerpunkt gewidmet. Dazu gibt es eine Reihe konkreter Möglichkeiten:

Kurze Geschichte der Anthologien

Erste Sammelwerke von Epigrammen gab es schon vor der Zeitenwende — etwa den „Kranz“ des Philosophen und Dichters Meleagros von Gadera (70 v. Chr. und des Philippos von Thessaloniki. Basierend auf ihnen und dem „Kyklos des Agathias“ (etwa 560) schuf der byzantinische Theologe Konstantinos Kephalas um 900 eine in Kategorien geliederte Anthologie, die vielfach erweitert wurde. Der Heidelberger Codex Palatinus (lat. für „Pfälzer Handschrift“) gab ihr den Namen Anthologia Palatina.

Ebenfalls in Byzanz editierte der Humanist Maximos Planudes um 1300 die Anthologia Planudea. Im Spätmittelalter entstanden Sammlungen lateinischer Alltagslyrik wie die Carmina Burana — eine Thematik, die 1573 der französische Altphilologe Joseph Justus Scaliger fortsetzte. Durch Erasmus von Rotterdam erhielten Anthologien auch didaktische Funktionen, wie in der Sentenzensammlung Adagiorum Collectanea (1500). Nach 1700 erschienen unveröffentlichte Gedichte von Benjamin Neukirch und 1781 nannte Friedrich Schiller seine Gedichtsammlung Anthologie.

Eine weitere bedeutende französische Gedichtanthologie war Le Parnasse contemporain (dt. Der zeitgenössische Parnass) (1866, 1871, 1876) von Alphonse Lemerre.

Die fantastische Literatur erhielt ihr Sammelwerk 1941 durch Jorge Luis Borges, vom Franzosen André Breton stammt die Anthologie de l’Humor Noir (1937), von Walter Höllerer das Lyrikbuch zur Jahrhundertmitte (1956). Danach entstanden — mit zunehmendem Interesse und Wohlstand der Leserschaft — verschiedenste Anthologien, von denen einige unten als Weblink angeführt sind.

Griechische bis „freie“ Anthologie

Dass das griechische Synonym für „Blütenlese“ den Wortstamm Logos enthält, lässt vielfache Deutungen der hier behandelten künstlerischen Auswahlmethoden zu. Für antike Wissenschaftler geht der Logos weit über die Bedeutung des o. e. legein (lesen) hinaus — siehe bei Heraklit, Platon oder beim Johannes-Prolog: er kann außer Wort und Rede auch Gedanke und Begriff meinen, sowie Bericht, Beweis, Erklärung usw. Auch mit Gott und Universum wird der Logos gleichgesetzt.

Wenn Griechen oder spätere Eklektiker eine Auswahl der schönsten Blüten „vorlegen“ (ἄνθη λέγειν, ánthē légein), so kann dies — auch ganz wörtlich genommen — von Prosaischem und Liebesgedichten über sarkastische Sprüche und philosophische Aphorismen bis zur Deutung von Bildende Kunst reichen.

Durch das Internet bahnt sich hier eine eher banale Entwicklung an: zahlreiche Initiativen veranstalten Wettbewerbe für Hobby-Schriftsteller, und unter „Anthologie“ zeigt jede Suchmaschine ein buntes literarisches Gemisch. So finden sich sogar „Blütenlesen“, die von Gedichten und Geschichten nur einer Person künden.

Demgegenüber laden die jährlichen Anthologien mehrerer Verlage zwar auch zur freien Beteiligung ein, nehmen aber nur die besten Beiträge ins Buch auf. In beiden Fällen werden die Beiträge meist in Kategorien wie Lyrik, Prosa, Krimi, Kurzgeschichten, Erotik, Satire usw. geordnet.

Siehe auch