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Kommerzielle Koordinierung

Der Bereich Kommerzielle Koordinierung (auch unter der Kurzform KoKo bekannt) war eine 1966 im Ministerium für Außenhandel der DDR eingerichtete Abteilung, die vor allem der Beschaffung von Devisen diente.

Inhaltsverzeichnis

Stellung und Struktur der KoKo

Der Bereich Kommerzielle Koordinierung war mit Politbürobeschluss ab 1972 direkt dem Zentralkomitee der SED, speziell Erich Honecker und Wirtschaftssekretär Günter Mittag, untergeordnet und wurde zudem vom Ministerium für Staatssicherheit durch eine eigene Abteilung mit ca. 140 Mitarbeitern kontrolliert. Mitte der 1970er Jahre wurde ihr durch Beschluss des Politbüros die wirtschaftliche Lenkung der entgegen den Vorschriften der Militärregierungsverordnung Nr. 53 in der BRD und auch in anderen westlichen Ländern aus Mitteln der DDR errichteten Unternehmen übertragen, die bis dahin von der Abteilung Verkehr des ZK der SED betreut worden waren; Erträge aus diesen Unternehmen dienten in erheblichem Umfang zur Finanzierung der DKP.[1][2]

Geleitet wurde der Bereich seit der Gründung von Alexander Schalck-Golodkowski, einem langjährigen Mitarbeiter des Ministeriums für Außenhandel, seit 1975 Staatssekretär für Außenhandel. Dessen langjähriger Stellvertreter war Manfred Seidel, Oberst des MfS, sein Vorgänger Horst Roigk, beide ehemals HA XVIII des MfS. Der Hauptsitz der KoKo mit 100 Mitarbeitern und Dienstsitz Schalcks befand sich in Berlin-Mitte, Wallstraße 17–22 in einem unscheinbaren Neubau. Die eigentlichen Firmen des Bereichs mit jeweils bis zu 900 Mitarbeitern (meist deutlich kleiner) befanden sich in Objekten in und um Berlin. Im Hotel Neptun in Warnemünde beispielsweise unterhielt die KoKo eine ständige Suite.

Für ihre Finanztransaktionen nutzte die KoKo die Deutsche Außenhandelsbank AG mit Sitz in Berlin; diese Bank hatte in der DDR den rechtlichen Status eines Devisenausländers und stand damit außerhalb der Kontrollhoheit des Finanzministers.

Das KoKo-Geflecht schien bei der Auflösung der Abteilung im März 1990 undurchschaubar, nur wenige hatten Einblick in die geheimen KoKo-Geschäfte. Für DDR-Normalbürger war der Bereich bis zur Wende 1989 völlig unbekannt.

Hintergrund

Der seit den 1970er Jahren stetig ansteigende Lebensstandard in der DDR war nicht zuletzt durch Importe aus dem Westen ermöglicht worden. Die Kosten hierfür konnten nur zum Teil durch reguläre Exporte von laufenden Produktionsgütern erwirtschaftet werden. Im großen Umfang wurden die aus der UdSSR bezogenen Rohöllieferungen veredelt und weiter verkauft. Der Verfall der Ölpreise ließ die Gewinnmargen jedoch stetig sinken.

Aufgaben und Tätigkeiten

Hauptaufgabe war die Devisenbeschaffung mit allen legalen und illegalen Mitteln, über die Möglichkeiten des normalen Außenhandels hinaus.

Beschaffung von Devisen

Die Versorgung mit Devisen zur Deckung der Importe basierte dabei auf mehreren Bereichen:

Doch die über den Intershop und Genex erwirtschafteten Gelder konnten den Devisenbedarf nicht decken. So kaufte KoKo auch im westlichen Ausland kleinere Unternehmen auf, verwaltete SED-Parteibetriebe im westlichen Ausland (meist Bundesrepublik, Österreich; Treuhandfirmen auch in Liechtenstein, Luxemburg, Schweiz) und verkaufte letztlich sogar Waffen, Kunstwerke, und auch Reliquien aus der Zeit des Nationalsozialismus. Zum Aufspüren dieser Kunstwerke bei Privatleuten und zur Absicherung der Geschäfte wurde eng mit den Fachabteilungen des MfS, der Zoll- und Steuerfahndung zusammengearbeitet. KoKo profitierte auch von den Geldern aus Häftlingsfreikäufen, Müllimporten aus West-Berlin, Blutplasmaexport, Textil- und Zigarettenschmuggel u. a. Außerdem wurden mit Geldern in Millionenhöhe an westlichen Waren- und Termingeldbörsen spekuliert.

Beschaffung von Embargoware

Ein wesentlicher Geschäftsbereich für den die erwirtschafteten Devisen wieder ausgegeben wurden war die Beschaffung von Embargoware aus nichtsozialistischen Staaten und West-Berlin (CoCom-Liste), insbesondere Hochtechnologie für den Aufbau der DDR-Mikroelektronikindustrie, komplette EDV-Anlagen und Militärtechnologie; allein 1986 bis 1990 fanden Käufe für angeblich 900 Mio.DM statt.

Unterstützung von KPD und SEW

Ein anderer wichtiger Ausgabenposten der KoKo war die finanzielle Unterstützung der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP) und der Sozialistischen Einheitspartei Westberlins (SEW). Da die DDR auf dem Gebiet der Bundesrepublik wirtschaftlich nicht aktiv sein durfte, wurde diese Unterstützung über Tarnfimen abgewickelt.[3]

Bedeutung

Während ihres Bestehens konnte KoKo etwa 30 Milliarden DM erwirtschaften und unterhielt etwa 170 Firmen mit ca. 3100 Mitarbeitern in der DDR und im kapitalistischen Ausland.

Aufarbeitung

Der Gesamtbereich der Kommerziellen Koordinierung war Gegenstand des 1. Untersuchungsausschusses des 12. Deutschen Bundestages unter dem Vorsitz des CDU-Abgeordneten Friedrich Vogel. Über das Ergebnis der Untersuchungen gibt es umfangreiche Berichte, vor allem Beschlussempfehlung und Bericht Drucksache 12/7600 vom 27. Mai 1994 mit drei Anlagenbänden und einem Anhangband.[4]

Einzelnachweise

  1. Deutscher Bundestag: Drucksache 12/3920, S. 8 (PDF-Datei; 6,1 MB)
  2. Deutscher Bundestag: Drucksache 12/7600, S. 105 (PDF-Datei; 195 MB!)
  3. Stefan Wolle: Die heile Welt der Diktatur. 2. Auflage, Bonn 1999, S. 209.
  4. Deutscher Bundestag: Drucksache 12/7600 (PDF-Datei; 195 MB!)

Literatur