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Basmala

Die Basmala (arabisch بسملة‎) ist die Eröffnungsformel von 113 der 114 Suren des Korans, in dem sie insgesamt 114 mal vorkommt.

Das Verb dazu heißt bei den arabischen Grammatikern basmala / بسمل ‎ /„diese Formel aussprechen oder schreiben“.[1]

Die Basmala lautet: bismi 'llahi r-rahmāni r-rahim / بسم الله الرحمن الرحيم ‎ / bismi ʾllāhi ʾr-raḥmāni ʾr-raḥīmi /„Im Namen des barmherzigen und gnädigen Gottes“.[2] Ar-rahman („der Barmherzige“) und ar-rahim („der Gnädige“) sind auch die ersten beiden der 99 Namen Allahs.

Eine weitere Bezeichnung dieser Formel ist: tasmiya, d. h. das Aussprechen des göttlichen Namens durch die Basmala.

Inhaltsverzeichnis

Koran

Im Koran fehlt die Basmala vor Sure 9 und erscheint in Sure 27 ein zweites Mal in Vers 30 als Eröffnungsformel eines Briefes von Salomo an die Königin von Saba. In verkürzter Form, „Im Namen Gottes“ sagt es Noah in Sure 11, Vers 41:

„Steiget in das Schiff ein! Im Namen Gottes geschehe seine Fahrt und seine Landung!“

In den meisten Koranausgaben gilt sie nur in Sure 1 al-Fatiha als Teil des Textes und wird nur dort als eigener Vers gezählt. Der Koranexeget al-Zamachschari führt in seinem Tafsir-Werk aus, dass die Basmala nach Meinung der alten Grammatiker von Basra, Medina und Syrien in der Verszählung des Korans nicht berücksichtigt wurde, sondern nur als Segensspruch und als Trennungszeichen zwischen den einzelnen Suren galt. Die alten Grammatiker von Mekka und Kufa, ferner der Rechtsgelehrte asch-Schafii betrachteten diese Formel dagegen als Teil der Suren. In der Koranübersetzung der Ahmadiyya wird die Basmala immer als erster Vers gezählt, weswegen alle andere Verse eine von der Norm abweichende Nummerierung aufweisen.

Auch gab es schon in den ältesten, heute erhaltenen Korancodices kleine Ornamentfelder als Surentrenner, die man über der Basmala der neunten Sure eingefügt hat. Alle Motive dieser Surentrenner aus dem ersten und zweiten muslimischen Jahrhundert (7. und 8. Jahrhundert n. Chr.) stehen unter byzantinischem Einfluss.[3]

Geschichte

Die Basmala hat die vorislamischen Invokationen „im Namen von al-'Uzza“, oder „im Namen von al-Lat“, die Nennung der größten Gottheiten auf der Arabischen Halbinsel im 7. Jahrhundert, nur allmählich ersetzen können. Noch der Vertrag von al-Hudaiybiyya, den Mohammed mit seinen mekkanischen Gegnern abschloss, begann mit der schon in der vorislamischen Zeit bekannten Formel: bismika Allāhumma: „In Deinem Namen, Herrgott“, also mit der für die Polytheisten bekannten Gottesbezeichnung Allāhumma, die im übrigen in Verbindung mit den islamischen Wallfahrtszeremonien vom Islam übernommen wurde. Auch ein Schreiben Mohammeds an den byzantinischen Statthalter Ägyptens al-Muqauqis beginnt in einer Überlieferungsvariante nicht mit der Basmala, sondern mit der Formel bismika Allāhumma.[4]

Das Sendschreiben Mohammeds an die Bischöfe von Nadschran (asāqifat naǧrān) beginnt mit folgender Formel: bismi ilāhi Ibrāhīma wa-Isḥāqa wa-Yaʿqūba, d. h. „Im Namen Gottes des Abraham, des Isaak und des Jakob“.[5]

Die älteste paläographisch belegte Inschrift, die mit der archaischen Formel Allāhumma beginnt ist auf den 17. März 666 datiert.[6]

In der islamischen Epigraphik ist die Basmala bereits im Jahre 653 auf einem in Assuan aufgefundenen Stein dokumentiert;[7] nur unwesentlich jünger ist eine Inschrift aus der Zeit des Umayyadenkalifen 'Abd al-Malik ibn Marwan, die neben der Basmala auch die Schahada enthält.[8] Daß die Basmala in den ältesten epigraphischen Dokumenten allerdings nicht durchgehend verwendet wurde, zeigt der Fund aus Taif aus der Regierungszeit von Mu'awiya aus dem Jahr 677.[9] Epigraphische Funde aus dem 2. muslimischen Jahrhundert, die der saudische Wissenschaftler Sa'd 'Abd al-'Aziz ibn Sa'd al-Rashid in der Nähe von Medina gesammelt und 1993 publiziert hat, enthalten die Basmala überhaupt nicht, obwohl alle 55 Texte religiösen Inhalts sind; nur die alte Invokation Allāhumma erscheint in zwei der publizierten Inschriften.[10]

Es ist zugleich hervorzuheben, dass literarische Papyri – d. h. profane und nicht-koranische Dokumente – aus den Bereichen Kauf- und Erbrecht, Eheverträge, Schenkungsurkunden usw. seit dem frühen 3. muslimischen Jahrhundert (9. Jahrhundert) die Basmala durchgehend erwähnen.[11]

Volksfrömmigkeit

Religiöse Reden, Ansprachen, Referate, Widmungen oder Briefe werden mit der Basmala eingeleitet. Überliefert ist die Auffassung, dass jede wichtige und religiös-verpflichtete Handlung, die ohne Basmala beginnt und durchgeführt wird, an sich nichtig batil / باطل ‎ / bāṭil /„wertlos, nichtig, ungültig“ sei.

Das Fleisch geschächteter Tiere, die ohne die Basmala getötet wurden, darf ein Muslim nicht verzehren, da es dann nicht halal ist. Eine Ausnahme bildet koscheres Fleisch, denn auch über dieses wurde eine Invokation im Namen Gottes ausgesprochen.

Auch in anderen Lebenssituationen ist die Basmala, auch in der gekürzten Form als „im Namen Gottes“ heute noch islamrechtlich vorgesehene Norm (mašrūʿ), aber keine Pflicht: vor Beginn der Koranlesung, vor Antritt einer Reise, vor dem Betreten eines Hauses und der Moschee und beim Verlassen derselben, beim Anzünden des Abendlichtes, vor dem ehelichen Geschlechtsverkehr, beim Handauflegen auf eine schmerzhafte Stelle eines anderen, bei der Grablegung eines Toten.[12]

Den populären islamischen Prophetenlegenden (Qisas al-Anbiya) zufolge, stand die Basmala geschrieben: auf Adams Oberschenkel, auf den Flügeln des Erzengels Gabriel, auf dem Siegel des Königs Salomon und auf der Zunge von Jesu.[13]

Die Formel spielt im islamischen Volksglauben, in der Magie – auf Amuletten – und in der islamischen Mystik eine bedeutende Rolle. Denn es war erforderlich, die Islamisierung des Amulettwesens vorzunehmen, die magischen Sitten und Bräuche aus dem Profanen in den Bereich des Glaubens zu führen. Nichts eignet sich dafür mehr als die Basmala „mit der der gläubige Muslim jedes Handschreiben zu eröffnen pflegt“ [14] und die Darstellung von Menschen- oder Tiergestalten im Islam mit Schriftzeichen ersetzt. Wie die Basmala [15] erfüllt im übrigen die Erwähnung der 99 Namen Gottes in magischen Praktiken und auf Amuletten denselben Zweck.[16]

Die Basmala ist noch vor der Schahada das in der arabischen Kalligraphie am häufigsten vorkommende Motiv.

Quellen

  1. al-mausu'a al-fiqhiyya. Bd. 3. S. 83
  2. Übersetzung: Rudi Paret: Der Koran. 10. Auflage. Kohlhammer-Verlag, 2007, S. 439-440. „Innerhalb der Basmala (und unten Vers 3) steht ar-raḥmān (ebenso wie ar-raḥīm) nicht als selbständiges Substantiv, sondern attributiv“ (Rudi Paret: Der Koran. Kommentar und Konkordanz. S. 11)
  3. von Bothmer-Ohlig-Puin: Neue Wege der Koranforschung. S. 36, 43–45
  4. Muḥammad Ḥamīdullāh: Maǧmūʿat al-waṯāʾiq as-siyāsiyya lil-ʿahd al-nabawī wal-ḫilāfati r-rāšida. 3 Auflage. Beirut 1969, S. 108.
  5. Muḥammad Ḥamīdullāh, op.cit. S. 139
  6. Adolf Grohmann: Eine neue arabische Inschrift aus der ersten Haelfte des 1. Jahrhunderts der Higra. In: Mélanges Taha Husain (Hrsg.): Publiés par Abdurrahman Badawi. Kairo 1962, S. 39–40.
  7. Abdullah el-Azzeh, Abbildung 4
  8. Siehe Moshe Sharon, passim
  9. G. C. Miles, passim
  10. Kitābāt islāmiyya, S. 51 und 63
  11. R. G. Khoury: Chrestomathie. (passim; 98 Urkunden im Original, in der Edition und Übersetzung).
  12. al-mausūʿa al-fiqhiyya. S. 92
  13. E. Doutté: Magie et religion. In: The Encyclopaedia of Islam. New Edition. I.1084 (B. Carra de Vaux; L. Gardet), S. 211.
  14. Rudi Paret: Symbolik des Islam. S. 91.
  15. Siehe die Abbildungen bei A. Fodor: Amulets, Nr. 107, 177, 291 auf Ringen, Tafeln und Anhängern
  16. E. Doutté: Magic et religion. S. 203–207.; R. Paret: Symbolik im Islam. S. 86–87.

Literatur