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Kubrat

Kubrat (auch Kuvrat) war im 7. Jahrhundert Khagan der sogenannten Protobulgaren. Geboren als Kurt, nahm er später den für den bulgarischen Fürsten üblichen Beiname „Bat“ - was als der „Große“ übersetzt werden kann (wie sein Sohn Bat-Bajan). Das von ihm begründete Reich wurde zur Keimzelle des späteren Bulgarischen Reichs. Er gehörte der einflussreiche bulgarische Herrschaftsdynastie Dulo an.

Von seinen Lebensdaten ist nur bekannt, dass er zwischen 641 und 668 verstarb und das er 60 Jahre regierte, laut dem Namensbuch der bulgarischen Khane. Eine bulgarische Sage nach verbrachte er seine Jugend in Konstantinopel, wo er sich mit dem späteren byzantinischen Kaiser Herakleios Freundschaft schloss und möglicherweise das Christentum annahm. Unter Kubrat schlossen sich die Ur-Bulgarische Stämme (u.a. Kotriguren, Uniguren, Altungarn) im Bereich zwischen Kuban und Asowschen Meer zu einem Großbulgarischen Reich zusammen (zwischen 623 und 636) und lösten sich von der Oberhoheit der Awaren (oder der Westtürken, so Walter Pohl). An der Spitze des Reiches stand der Khagan Kubrat und an dessen Seite wurde ein Rat der Großen Boilen (s. Boljaren) errichtet. Zweiter Mann im Staat war der Kawkhan (hatte mehrere Funktionen inne, unter anderem Oberster Befehlshaber der Streitkräfte und Diplomat), dritter der Irschirguboil (Verwalter der Hauptstadt und Befehlshaber der hauptstädtische Garnison). Als höchste Verwaltungsbeamte und militärische Kommandanten üben sie eine Doppelfunktion aus, die in den nachfolgenden Stufen der administrativen Hierarchie ihre Fortsetzung findet.

634 schloss er ein Bündnis mit dem oströmischen Kaiser Herakleios ab und kämpfte an dessen Seite gegen die Perser. Für seine Verdienste bei der Abwehr der persische Bedrohung bekam er 635 vom byzantinischen Kaiser den Titel Patricius. Nach dem Tod Kaiser Herakleios 641 unterstützt Khan Kubrat dessen Witwe Martina und Kinder im Kampf um den Thron.

635 führte Kubrat einen Feldzug gegen die Awaren an. Dabei wurden die Awaren geschlagen und Kubrat konnte weitere Gebiete der Kotriguren, die zwischen den Fluß Dnister und Pannonien und unter der Herrschaft der Awaren lebten, in sein Großbulgarischen Khaganat einschließen. 648 zog Kubrat erfolgreich gegen die durch dem Kaukasusgebirge vordringende Araber mit Kalif Uthman ibn Affan.

Die Herrschaft von Khagan Kubrat wurde auch durch die religiös tolerante Koexistenz von Animismus (Verehrer Tengris), Buddhisten, Islam und Christentum bekannt. Besondere Achtung erfuhr auch das Militärwesen, das in kritischen Zeiten auch die Rekrutierung von jungen Frauen vorhersah. Zu dem überwiegend aus berittenen Truppen bestehenden Heer, gehörte neben einer leichten Reiterei (wie bei allen Steppenvölkern) zusätzlich noch ein schwer bewaffnete Reiterei, deren Krieger und Pferde mit Eisenpanzerung besonders geschützt waren.

Das von Kubrat begründete Reich wurde jedoch nach seinem Tod von den Chasaren zerstört. Der spätere Protobulgaren-Herrscher Asparuch war Kubrats Sohn. Er regierte das Reich von seine Hauptstadt Phanagoria aus.

Nach seinem Tod 668 oder 671 teilten seine fünf Söhne das Reich und die Bevölkerung, der Legende nach gegen den Wunsch von Kubrat. Fakt ist, dass der älteste Sohn Batbajan in Phanagoria blieb und Khan der Bulgaren wurde, er musste sich aber später den Chasaren unterwerfen. Der zweitälteste Sohn, Khan Kotrag, zog Richtung Norden und gründete das Reich der Wolgabulgaren. Der drittälteste Sohn, Khan Asparuch, zog Richtung Südwesten, wo er das Donaubulgarische Reich gründete. Die jüngsten Söhne Khan Alzek und Khan Kuver nahmen einen Teil, zogen Richtung Westen und wurden Vasall des awarischen Khaganat. Alle diese Reiche (Khaganate) trugen weiter den Namen Bulgarien. Weiter wird angenommen, dass Kubrat noch eine Tochter namens Tschektsche hatte.

1912 wurde in der Nähe des ukrainischen Dorfes Malaja Pereschtschepina (rus. Малое Перещепино) bei Poltawa ein Grab eines Herrschers mit mehr als 800 goldene (ca. 25kg) und silberne (ca. 50kg) Beigaben aus dem VII. Jahrhundert gefunden. Einige der Gegenstände weisen darauf hin, dass der begrabene ein Christ gewesen sei. 1983 entzifferte der österreichische Byzantologe Dr. W. Zeibt zwei der Ringe, auf denen in altgriechisch der Name „Kubrat“ und „Kubrat Patricius“ stand. Seit dem nehmen die Archäologen (u.a. Joachim Werner) an, dass es sich um das Grab von Khagan Kubrat handelt. Der Großteil des Fundes wird heute in der Eremitage in Sankt Petersburg in Russland beherbergt.

Literatur


Personendaten
Kubrat
Kuvrat
Khan der Bulgaren
zwischen 641 und 668