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Nowosibirsk

Wappen Karte
Basisdaten
Staat: Russland
Föderationskreis: Sibirien
Föderationssubjekt: Oblast Nowosibirsk
Fläche: 500 km²
Einwohner: 1.397.000 (2006)
Bevölkerungsdichte: 2.794 Einwohner/km²
Höhe: 177 m ü. NN
Postleitzahlen: 630xxx
Telefonvorwahl: (+7) 383
Geografische Lage: 54° 59′ 20" N, 82° 54′ 15" O Koordinaten: 54° 59′ 20" N, 82° 54′ 15" O
Kfz-Kennzeichen: 54
Stadtgliederung:
Adresse
der Stadtverwaltung:
Offizielle Website: http://www.novo-sibirsk.ru/
Politik
Oberbürgermeister:
Liste der Städte in Russland

Nowosibirsk (russisch Новосибирскanhören ?/i) ist die größte Stadt Sibiriens und die drittgrößte Stadt Russlands. Nowosibirsk liegt in der Oblast Nowosibirsk am Ob und an der Transsibirischen Eisenbahn. Die Stadt hat 1,4 Mio. Einwohner und wurde 1893 an einer Brücke über den Ob gegründet. Heute gibt es im Großraum Nowosibirsk sechs Brücken über den gewaltigen Strom des Ob, der hier teilweise fast einen Kilometer breit ist und von Süden nach Norden fließt.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Klimadiagramm von Nowosibirsk

Nowosibirsk liegt am Fluss Ob in Westsibirien. Der Zeitunterschied zwischen Nowosibirsk und Moskau beträgt 3 Stunden.

Die mit über 1,4 Millionen Einwohnern drittgrößte russische und größte russische Stadt östlich des Urals verdankt ihren Aufstieg der Lage an der Transsibirischen Eisenbahn im Süden des Westsibirischen Tieflandes. An der Stelle der heutigen Stadt begann 1893 mit dem Bau einer Eisenbahnbrücke über den Ob der Aufstieg von Nowosibirsk von einem kleinen Dorf zur Millionenstadt.


Geschichte

Die Geschichte von Nowosibirsk steht in engem historischem Zusammenhang mit der Erschließung Westsibiriens. Die Urzelle der Stadt entstand 1893 in Folge der Errichtung der Transsibirischen Eisenbahn. Die Siedlung hieß zunächst Nowaja Derewnja (Neues Dorf), Gussewka, Kriwoschekowski, Alexandrowski, Nowo-Nikolaewski, bis sie 1903 mit den Stadtrechten den Namen Nowonikolajewsk (Новониколаевск, nach dem Namen des letzten Zaren Russlands) erhielt. 1925 wurde die Stadt in Nowosibirsk umbenannt.

Alexander III. begann im späten 19. Jahrhundert mit dem Bau der Transsibirischen Eisenbahn (1890–1900), um eine interne Verkehrsverbindung zum Anschluss der sibirischen Region mit ihrem Reichtum an Bodenschätzen an Moskau und Westrussland zu gewährleisten. Die Verbindung sollte an der alten Stadt Kolywan den Fluss Ob überqueren, jedoch wurden die Pläne geändert, sodass die Brücke bei dem kleinen Dorf Kriwoschokowo errichtet wurde. Da hierzu sehr viele Eisenbahnarbeiter notwendig waren, entstand schnell die Siedlung Nowonikolajewsk direkt in der Nähe der Brücke. Der Name steht in Beziehung zu Zar Nikolaus II..

Das offizielle Gründungsdatum ist die Grundsteinlegung der Brücke mit einem Gottesdienst am 20. Mai 1893. Im Frühjahr 1897 wurde die Brücke für den Verkehr geöffnet, der Bahnhof mit Infrastruktur bestand schon. Da die umliegenden Siedlungen diese Möglichkeit schnell für den Transport ihrer Güter über größere Entfernungen nutzten, erweiterte die Stadt sich zusehends. Nowonikolajewsk hatte zu diesem Zeitpunkt bereits 7.800 Einwohner.

Im Dezember 1903 bekam Nowonikolajewsk den offiziellen Status als Stadt. Inklusive der Bevölkerung der Umgebung hatte es bereits 22.000 Einwohner. 1906 wurde die erste sibirische Bank in Nowonikolajewsk gegründet. 1915 waren es schon fünf Banken. Schnell wurde die Stadt das Finanz- und Handelszentrum der Region. 1907 bekam sie alle Rechte auf Selbstverwaltung zugesprochen. Die Einwohnerzahl betrug inzwischen 47.000. Kurz vor der Oktoberrevolution hatte die Stadt bereits 80.000 Einwohner und war die größte Industriestadt, die nicht allein im Agrarsektor industriell entwickelt war, mit mehr als 40 Schulen, Kinos, einer Hochschule, einer Schiffswerft und mehr als 8 Kirchen.

1917 übernahmen Arbeiter und Soldaten die Stadt. Nowonikolajewsk wurde ein wichtiger strategischer Punkt für die Armee Koltschaks (500.000 Soldaten) in den Bürgerkriegsunruhen, wurde jedoch 1919 von der Roten Armee erobert. Die Brücke wurde zerstört, und die Stadt litt unter den Folgen des Bürgerkrieges. Cholera, Typhus und andere Epidemien kosteten Tausende das Leben. Nowonikolajewsk war in der für die UdSSR schwierigen Anfangszeit eine der wenigen Städte, in denen es an nichts fehlte. 1921 wurden unter Lenin Verwaltungseinrichtungen von Omsk nach Nowonikolajewsk verlagert, und die Stadt wurde die Hauptstadt der Region.

1925 wurde die Stadt auf Wunsch der Einwohner in Nowosibirsk (frei übersetzt „Neues Sibirien“) umbenannt, wie sie auch heute noch heißt. Unter Stalin veränderte sich die Stadt und wurde hauptsächlich zu einem Industriezentrum. Als Handelszentrum verlor sie an Bedeutung. Viele der neuen Industriezweige hatten ihren Schwerpunkt im Agrarsektor.

Während der Hungerperiode 1932–1933 kamen mehr als 170.000 Flüchtlinge nach Nowosibirsk und ließen sich in Slums am Rande der Stadt nieder, die heute große Stadtteile sind. Zwischen 1940–42 wurden mehr als 50 industrielle Fertigungsanlagen von Westrussland nach Nowosibirsk verlagert, und die Stadt wurde ein Rüstungszentrum der Roten Armee. Mehr als 140.000 Flüchtlinge hielten sich zeitweilig in der Stadt auf. Zwischen 1915 und 1945 entstanden mehr als 26 Militärkrankenhäuser in Nowosibirsk.

Nowosibirsk wurde zum Hauptverkehrsknotenpunkt Sibiriens als Verbindung zwischen West und Ost. 1943 wurde die sibirische Abteilung der Akademie der Wissenschaften in Nowosibirsk eröffnet. Ab diesem Zeitpunkt ist Nowosibirsk auch die wichtigste Bildungsstätte Sibiriens. 1954 wurde die Straßenbahn gebaut, Nowosibirsk hatte 287.000 Einwohner. 1955 wurde die Hauptbrücke über den Ob, die „Kommunalni-Brücke“, gebaut.

1957 wurde der Ob-Stausee (1070 km² Fläche, maximal 8,8 Mrd. m³ Stauinhalt) zum Zweck der Stromgewinnung (1687 Mio. kWh im Jahresdurchschnitt) gebaut. Dies hatte weitere Umweltprobleme zu den bereits durch die starke Industrialisierung verursachten zur Folge. Erosion aufgrund vernichteter (überfluteter) Wälder, Überflutungen und Hochwasser traten auf.

Auch an den Ufern des Ob-Stausees wurde 1957 Akademgorodok, die Stadt der Wissenschaft, errichtet (ca. 30 km südlich vom Stadtzentrum) und wurde Zentrum der sibirischen Abteilung der Akademie der Wissenschaften. Dort entstanden innerhalb kürzester Zeit 14 Forschungseinrichtungen und Universitäten, quasi eine neue Stadt. Anfang der 60er-Jahre erreichte Nowosibirsk eine Größe von mehr als einer Million Einwohnern. 1979 wurde mit dem Bau der Metro begonnen, eröffnet wurde die erste Linie 1985.

Kultur

Das kulturelle Leben von Nowosibirsk spielt sich in Theatern, Museen und Galerien ab. Unter den Theatern ist das Akademische Opern- und Ballett-Theater das wohl bekannteste.

Regelmäßig werden die Theater und Künstler der Stadt mit dem renommierten russischen Theaterpreis Goldene Maske ausgezeichnet. So erhielt im Jahr 2004 das Opern- und Ballett-Theater Nowosibirsk die Goldene Maske für seine Inszenierung von Alfred Schnittkes Oper Leben mit einem Idioten. Im Jahr 2005 wurden ihm erneut Goldene Masken verliehen: dem Regisseur Dmitri Tschernjakow und der Bühnenbildnerin Irina Makarowa für ihre Aida-Inszenierung. Das Jugendtheater Globus erhielt zwei Goldene Masken im Jahr 2004 für die Produktion Doppelte Verführung („Двойное непостоянство“), für die Inszenierung und die Hauptdarstellerin Olga Zink. Im Jahr 2005 wurde des Weiteren die Musik-Komödie für das Stück Manche mögens heiß mit der Goldenen Maske ausgezeichnet.

Es gibt in Nowosibirsk ein Heimatmuseum sowie ein relativ neues Museum der Geschichte und Kultur der Völker Sibiriens. Das geologische und zoologische Museum Nowosibirsks genießen Weltruhm.

Nowosibirsk ist das Kulturelle Zentrum Sibiriens und ein wichtiger Standort von Theater und Musik in Russland. Die professionellen Theater in Nowosibirsk rekrutieren ihre Mitglieder aus der berühmten „Glinka“, dem Staatskonservatorium, aus der Ballettschule und der Theaterschule in Nowosibirsk und dem Musikkolleg. International berühmt ist auch das Akademische Symphonieorchester der Staatlichen Philharmonie von Nowosibirsk, gegründet am 1. Januar 1937 und heute geleitet von Professor Arnold Katz, der 1994 zum „Mann des Jahres“ ernannt wurde und 1998 den Staatspreis Russlands erhielt. Eine weitere Besonderheit von Nowosibirsk ist die Violinschule, die internationale Größen wie Anton Barachowski, Wadim Repin und Igor Konowalow hervorbrachte.

Kunstgalerie

Die weltbekannte Kunstgalerie in Nowosibirsk ist ein Mekka für Kunstliebhaber. Die Sammlung beinhaltet eine große Auswahl internationaler Kunst, über 6000 Exponate werden im Museum ausgestellt, unter anderem Werke von Nicholas Roerich.

Sehenswürdigkeiten

Die Stadt kann zahlreiche Zeugnisse des Sozialistischen Klassizismus vorweisen, so zum Beispiel das Opernhaus, die riesige auf dessen Vorplatz aufgestellte Lenin-Statue, das Rathaus, das Lenin-Haus und viele mehr. Zu den Sehenswürdigkeiten Nowosibirsks zählen außerdem Anfang des 20. Jahrhunderts erbaute repräsentative Gebäude wie der Bahnhof im Zentrum der Stadt, einer der größten seiner Art in Russland, die Kunstgalerie, das städtische Heimatmuseum, das Haus der Offiziere sowie zahlreiche Kirchen.

Die Nowosibirsker sehen eine kleine Kapelle, die als Zentrum des Russischen Zarenreiches galt, im Zentrum sowie die ersten beiden Brücken über den Ob (Eisenbahnbrücke sowie Kommunalnyi Most) als wichtigste Sehenswürdigkeiten der Stadt an. Touristen begeistert ferner die restaurierte Alexander-Newski-Kathedrale.

Wirtschaft

Nowosibirsk ist eines der wichtigsten Industrie- und Wissenschaftszentren Russlands.

Die wichtigsten Industrien sind Rüstungsindustrie, Flugzeugbau, Maschinenbau (Werk „Sibelektrotjaschmasch“), Landmaschinenbau (Werk „Sibselmasch“), Metallindustrie (Schwarz- und Buntmetallurgie), Elektrotechnik und Elektronik, chemische und pharmazeutische Industrie, Leicht- und Lebensmittelindustrie, Baumaterialien.

In Akademgorodok und Kolzowo versucht man, die IT-Branche auszubauen. Mehrere kleine und mittelgroße Softwarefirmen entwickeln von hier aus Programme für Europa und Amerika.

Die Stromversorgung von Nowosibirsk erfolgt unter anderem durch die Wasserkraftwerke der Umgebung, insbesondere das Wasserkraftwerk des Ob-Stausees. Ferner versorgen noch mehrere Kohlekraftwerke die Stadt mit Strom und Wärme die aber einen großen umweltbelastenden Faktor darstellen.

Infrastruktur

Metro-Station Beriosowaja Roscha

Nowosibirsk besitzt einen internationalen Flughafen (Tolmatschowo), einen städtischen Flughafen (Gorodskoi Aeroport) (nur Flüge in die nördliche Taiga), einen Binnenhafen, einen Busbahnhof und ist Haltepunkt für die Transsibirische Eisenbahn.

Die Metro Nowosibirsk, die 1985 eröffnet wurde und immer noch ausgebaut wird, besteht aus zwei Linien, die sich im Stadtzentrum überkreuzen und insgesamt elf Stationen zählen. Das Straßenbahnnetz wird seit der Eröffnung der U-Bahn vernachlässigt. Fast alle Strecken im Stadtzentrum wurden eingestellt, der Wagenpark und die verbliebenen Trassen sind in schlechtem Zustand. Seit 1992 sind die Netze auf dem linken und dem rechten Ufer nicht mehr miteinander verbunden. Bedeutender ist das kommunale Trolleybus-System, welches nahezu alle Stadtviertel bedient. Auch hier leidet die Infrastruktur unter mangelnden Investitionen. Der wichtigste Verkehrsträger ist der Busverkehr. Neben kommunalen Linien, die Lücken im Trolleybus-Netz ausfüllen, existieren etliche private Linien. Diese übernehmen immer stärker die Aufgaben der städtischen Verkehrsbetriebe und nutzen vor allem Kleinbusse (GAZ, PAZ) oder Gebrauchtfahrzeuge aus Asien. Nach mehrjährigem ungezügelten Wachstum versucht die Stadt seit 2006, den Markt stärker zu reglementieren, zum Beispiel bessere Fahrzeuge zu fordern.

Die Vorstädte wie Akademgorodok sind erreichbar mit Bussen oder Vorortzügen (Elektritschkas).

Bildung

In Nowosibirsk bestehen zum heutigen Zeitpunkt 24 (mit Filialen von Hochschulen aus anderen Städten 34) Hochschulen, darunter die Staatliche Universität Nowosibirsk, die Staatliche Technische Universität Nowosibirsk und die Staatliche Universität für Architektur und Bauwesen Nowosibirsk. In Nowosibirsk ist ebenfalls das große Konservatorium situiert, und hier ist der Sitz der Sibirischen Sektion der Akademie der Wissenschaften Russlands.

Universitäten


Söhne und Töchter der Stadt


Städtepartnerschaften

Politik und Verwaltung

Nowosibirsk ist in zehn Distrikte aufgeteilt, davon sieben auf der rechten Seite des Ob:

Links des Ob befinden sich zwei weitere Stadtteile:

Der Sowjetski-Distrikt (Советский) liegt links und rechts des Ob am nördlichen Ufer des Ob-Stausees, etwa 20 Kilometer südlich der eigentlichen Stadt. Die Akademikerstadt Akademgorodok zählt zum Sowjetski Distrikt. Ein zweites wissenschaftliches Zentrum, Krasnoobsk, in welchem vor allem landwirtschaftliche Institute ihren Sitz haben, liegt nahe Nowosibirsk, ist aber nicht Teil des Stadtgebiets. Auch die Siedlung Kolzowo – ein Technologiezentrum – gehört verwaltungstechnisch nicht zur Stadt

Siehe auch

 Commons: Nowosibirsk – Bilder, Videos und Audiodateien

Weblinks

Quellen