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Diez

Dieser Artikel behandelt die Stadt Diez, für weitere Bedeutungen siehe Diez (Begriffsklärung).
Wappen Deutschlandkarte
Koordinaten: 50° 22′ N, 8° 1′ O
Basisdaten
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Landkreis: Rhein-Lahn-Kreis
Verbandsgemeinde: Diez
Höhe: 110 m ü. NN
Fläche: 266,41 km²
Einwohner: 10.910 (31. Dez. 2006)
Bevölkerungsdichte: 41 Einwohner je km²
Postleitzahl: 65582
Vorwahl: 06432
Kfz-Kennzeichen: EMS
Gemeindeschlüssel: 07 1 41 029
Adresse der Verbandsverwaltung: Louise-Seher-Straße 1
65582 Diez
Webpräsenz:
www.vgdiez.de
Stadtbürgermeister: Gerhard Maxeiner (WG)

Diez ist eine Stadt im Rhein-Lahn-Kreis in Rheinland-Pfalz, unmittelbar an der Grenze zu Hessen. Diez ist Sitz der Verbandsgemeinde Diez.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Geografische Lage

Die Landschaft um Diez gehört zum Rheinischen Schiefergebirge. Das Lahntal bildet dabei die Grenze zwischen den Mittelgebirgen des nördlich gelegenen Westerwaldes und des nach Süden ansteigenden Taunus. In der Diezer Pforte verlässt die Lahn das Limburger Becken und geht, von ansteigenden Terrassenfluren begleitet, bei Fachingen in das Untere Lahntal. Die Stadt Diez liegt an der Mündung der, im Taunus entspringenden, Aar in die Lahn.

Geologie

Die Böden in der Region Diez gehören überwiegend zu den Braun- bzw. Parabraunerden. [1][2]

Politik

Partnerstadt

Partnerstadt von Diez ist der sächsische Kurort Bad Düben.

Geschichte

Erste menschliche Siedlungsspuren für die Altsteinzeit (20.000-12.000 v. Chr.) ergaben sich durch Funde im Höhlensystem der Wildweiberlei (zwischen Diez und Altendiez)[3][4] Auch in keltischer Zeit war der Diezer Raum weiterhin besiedelt. Davon zeugen Hügelgräber und Funde von latènezeitlicher Keramik.

Der Ortsname Diez macht eine Wandlung vom fränkischen Theodissa über Thidesse/Diedisse und Dietz hin zu der heutigen Schreibweise Diez durch.

Die Siedlung Theodissa wurde bereits 790 in einer Urkunde Karls des Großen , als Besitztum der Abtei Prüm erwähnt. In der nach-karolingischen Zeit gehört Diez, im Bereich des Niederlahngau, zum Herrschaftsbereich der Konradiner. In der Nachfolge der Konradiner entsteht dann in der ersten Hälfte des 9. Jahrhunderts die Grafschaft Diez, der Bau des Grafenschlosses fällt ebenfalls in diese Zeit. Die Grafen von Diez werden im Jahr 1073 zum ersten Mal namentlich in einer Verkaufsurkunde von Gütern in Bodenheim erwähnt. Heinrich II. von Diez (1145-1189) begleitete Barbarossa auf dessen Italienzügen und war dort an diplomatischen Verhandlungen beteiligt[5]. Sein Sohn Heinrich III. gehörte dem Regentschaftsrat und dem Erzieherkreis Heinrich VII. an. Graf Gerhard IV.(1276-1308) gründete 1289 ein Kollegiatsstift am Fuße des Burgbergs. Die Gründungsgemeinschaft stammte aus dem Chorherrenstift Salz. Es wurde nach der Patronin der Kirche "Sankt Marien Stift" benannt.

Die Stadt Diez erhielt durch Ludwig dem Bayern 1329 das Stadtrecht. Eine Stadtbefestigung mit Mauer und fünf Toren wurde daraufhin errichtet. Die Dynastie der Grafen von Diez ist bereits 1386 erloschen. Ab 1453, nach dem Tod seines Sohnes nennt sich Philipp der Ältere Graf von Katzenelnbogen-Diez. In seinen Besitzurkunden findet sich schon 1446 ein Weingarten jenseits der Brücke von Henne Krebs. 1479 stirbt die männliche Linie der Grafen von Katzenelnbogen aus. Heinrich III. von Hessen beerbt ihn. Der Titel Graf zu Diez (Dietz) ist bis heute Bestandteil des Familiennamens im Haus Hessen.

Die Stadt wurde später der Stammsitz der Grafen von Nassau-Diez, die im 17. und 18. Jahrhundert als Statthalter in den Niederlanden Dienst taten und auf die das heutige niederländische Königshaus zurückgeht.

1806 ging die Grafschaft Nassau-Diez im Herzogtum Nassau auf. 1702 wird die Linie Nassau-Diez beerbt durch die Linie Nassau-Oranien.

16./17. September 1796 kommt es im Zuge des 2. Koalitionskrieges zwischen Österreichern und Franzosen in der Gegend zwischen Diez und Limburg (vor allem in der Diersteiner Aue) zur Schlacht. Diez wird wechselnd sowohl für Österreicher wie auch Franzosen Einquartierungsort.

Ende des 18. Jahrhunderts gingen alle linksrheinischen Gebiete an Frankreich über und das Fürstentum Oranien entstand. 1866 wurde das Nassauer Land und damit auch Diez preußisch.

1867 wurde im Zuge der preußischen Verwaltungsreform der Unterlahnkreis gebildet, zu dessen Kreisstadt Diez erhoben wurde. Anfangs gehörte auch Limburg zum Unterlahnkreis. Die Bischofsstadt bekam indes im Jahre 1886 den Sitz des neu errichteten Kreises Limburg. Im Zuge der Gebietsreform im Jahre 1969 wurden der Unterlahnkreis und der Loreleykreis (Sitz: St. Goarshausen) zum Rhein-Lahn-Kreis zusammengelegt, zu dessen Sitz die Kurstadt Bad Ems ernannt wurde. Damit verlor Diez seine Funktion als Kreisstadt

An die Hinrichtung von 16 jungen Luxemburgern im Herbst 1944[6] erinnert im Rudolf-Heck-Park ein Denkmal. Unmittelbar daneben befindet sich ein Gedenkstein für die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft.

Religionen

Christentum

Römisch-Katholische Kirche

Die Stadt Diez ist der römisch-katholischen Kirchengemeinde Herz-Jesu in Diez zugeordnet und gehört mit ihr zum Pastoralen Raum Diez, welcher selbst wiederum dem Bezirk Limburg im Bistum Limburg eingegliedert ist[7].

Evangelische Kirche (EKHN)

Auf evangelischer Seite ist die Kernstadt Diez der Stiftkirchengemeinde und der Stadtteil Freiendiez der Kirchengemeinde St. Jakobus, jeweils im Dekanat Diez der Propstei Süd-Nassau in der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) zugehörig.

Judentum

Einwohner jüdischen Glaubens lassen sich in Diez bereits im Mittelalter nachweisen (1286 bzw. 1303). In den Jahren 1337 und 1348/49 ist auch die jüdische Bevölkerung in Diez von Pogromen betroffen. Die Höchstzahl von jüdischen Einwohnern wird 1895 mit 130 Personen gezählt. Zunächst ist Diez auch der Sitz des Bezirksrabbinates, ab Ende des 18. Jh. dann Sitz des Landesrabbiners von Nassau-Oranien. Ab 1860 gehört dann die jüdische Gemeinde in Diez zum Rabbinatsbezirk Ems.[8]

In Diez bestand ein Deutsch-israelitisches Kinderheim bis zu seiner Schließung im Jahr 1935. Eine Gedenktafel auf dem Schlossberg (oberhalb der Schlossbergtreppe) erinnert an die Vertreibung und Deportation der Kinder und ihrer Erzieher(innen) am 20. August 1935.[9]

Die Synagoge wurde in den Novemberpogromen 1938 geschändet, die Inneneinrichtung zerstört. Nach dem Krieg wurde das Gebäude 1951 abgebrochen. Ein alter jüdischer Friedhof (angelegt Anfang 17. Jh.) wurde in der Nationalsozialistischen Zeit eingeebnet. Auf dem Grundstück befindet sich heute das Finanzamt. Ein neuerer jüdischer Friedhof (angelegt Ende 19. Jh.) liegt auf dem Guckenberg in Diez.[10]

Islam

Die nächste Moschee befindet sich in Limburg.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Bauwerke

Beherrscht wird das Stadtbild vom hochmittelalterlichen Grafenschloss Diez, dessen älteste Teile im 11. Jahrhundert erbaut wurden. Von 1743 bis 1784 wurde das Grafenschloss als nassauisches Amtshaus genutzt, danach diente es als Strafanstalt beziehungsweise Zuchthaus bis 1927.

Seit 24. Juni 2006 ist es ein Jugendgästehaus des DJH und bietet seit dem 3. Oktober 2007 dem neuen Museum im Grafenschloss Platz (im Arbeitsflügel und im Gotischen Haus).

Unterhalb des Grafenschlosses liegt die mittelalterliche Stiftskirche, erbaut von Graf Gerhard 1289. Sie war Maria geweiht und Sitz eines Chorherrenstifts. Im Inneren befinden sich mehrere Grabmähler Diezer und Nassauer Adliger, unter denen das künstlerisch aufwändig gestaltete der Fürstin Amalie von Diez-Nassau hervorsticht. Weiteres markantes Ausstattungsstück ist der romanische Grabstein. Er ist älter als die Kirche, sein Ursprung ist unbekannt.

Die Stadtmauer, sowie Reste eines der Stadttore, aus dem 14./15. Jahrhundert sind noch teilweise erhalten.

Am nördlichen Stadtrand liegt das Barockschloss Oranienstein, das 1684 Fürstin Albertine Agnes (1634 - 1696) auf den Ruinen des Benediktinerinnenklosters „Dierstein“ errichten ließ. Ihre Nichte Henriette Amalie von Nassau-Diez, eine geborene Prinzessin von Anhalt-Dessau gestaltete das Schloss 1696 zu einem Barockschloss um. Unter ihr wurde der Bau dann endgültig nach 21 Jahren im Jahr 1705 fertig gestellt.

Museen

Das Museum Nassau-Oranien in Schloss Oranienstein, bietet regelmäßige Führungen durch die barocken Räumlichkeiten des Schlosses an und zeigt die Bezüge von Diez, über das Adelsgeschlecht der Oranier, zum heutigen niederländischen Königshaus auf.

Das Regionalmuseum Diez im Grafenschloss Diez. Themen der Dauerausstellung: Vor- und Frühgeschichte, Geschichte des Grafenschlosses, Stadtgeschichte Diez (vom Mittelalter bis heute), Fürstengalerie.

Der Hain

Der "Hain" ist der Diezer Stadtwald. Das rund 40 Hektar große Gelände war ursprünglich Teil der Parkanlage von Schloss Oranienstein. Wilhelm V. (1748-1806) schenkte das Areal den Bürgern der Stadt Diez. Heute dient der Hain als Naherholungsgebiet mit Spielplatz, Trimm-Dich-Pfad und Tennis- sowie Minigolfplätzen.

Musik und Konzerte

Bildende Kunst

Darstellende Kunst

Kulturzentren und Veranstaltungsorte

Feste, Unterhaltung, Brauchtum

Weitere Einrichtungen

Wirtschaft und Infrastruktur

Diez ist Bundeswehrstandort (siehe dort) und verfügt über verschiedene Kleinindustrie. Von Bedeutung war die Kalk- und Marmorindustrie, doch wurden die meisten Steinbrüche in den siebziger Jahren stillgelegt.

Behörden, Institutionen, Einrichtungen

Stadtentwicklung und Standortmarketing

Bündnis Innenstadt Diez (BID)

Nach dem Vorbild des nordamerikanischen Konzept des "Business Improvement District" hat sich 2006/2007 eine Genossenschaft in Diez zusammengeschlossen, um als private Immobilien- und Standortgemeinschaft die Innenstadt von Diez zu beleben und (mit-)zu entwickeln. Eine Basis dazu bietet auch die intensive Zusammenarbeit mit der Verbandsgemeinde Diez. Auf diese Weise werden synergetisch private und kommunale Ressourcen genutzt werden, um auch neue Möglichkeiten der Entwicklung für den Geschäfts- und Dienstleistungssektor der Stadt umsetzen zu können. Zwischen dem Bündnis Innenstadt Diez (BID) und der Stadt Diez wurde dazu im Mai 2008 ein entsprechender Kooperationsvertrag geschlossen.

Oraniertisch

Die Initiativ-Gruppe "Oraniertisch", von Diezer Bürgerinnen und Bürgern, ist ein nichtgewerblicher Zusammenschluss zur Entwicklung der Lebenswelt der Stadt und Region Diez. Diese Arbeit findet in sechs bestehenden Arbeitskreisen statt, die sich innerhalb ihres Themengebietes Arbeitsschwerpunkte und Projekte wählen und bearbeiten.

Arbeitskreis 1 Handel – Gewerbe – Wirtschaft / Arbeitskreis 2 Freizeit + Tourismus / Arbeitskreis 3 Bürger – Gesundheit – Soziales / Arbeitskreis 4 Städtebau + Verkehr / Arbeitskreis 5 Kunst + Kultur / Arbeitskreis 6 Umwelt /

Verkehr

Die Bundesautobahn (BAB) 3 bzw. A 3, mit der Anschlussstelle 41 Diez und die Bundesstraßen B 54 und B 417 stellen die Hauptverkehrsadern für Diez dar.

Diez ist über die Bahnstrecke Koblenz-Gießen (Lahntalbahn) an das deutsche Bahnnetz angeschlossen. Und wird sowohl von der Vectus Verkehrsgesellschaft mbH, als auch der Deutschen Bahn AG bedient. Weitere Bahnlinien: Oberwesterwaldbahn und Unterwesterwaldbahn mit Haltepunkt Diez-Ost stellen die Verbindung in den Westerwald her.

Zahlreiche Buslinien im Verkehrsverbund Rhein-Mosel (VRM) verbinden Diez im ÖPNV mit dem Umland.

Die Stadt ist eine Station an der deutsch-niederländischen Ferienstraße Oranier-Route der Lahn-Ferien-Straße und dem Rheinischen Sagenweg.

Bildung, Erziehung, Schulen

Kindergärten und Kindertagesstätten

Schulen

Bildungsträger und Erwachsenenbildung

Jugendzentrum und Jugendhilfe

Gesundheits- und Sozialwesen

Krankenhaus und Fachklinik

Rettungs- und Hilfsdienste


Persönlichkeiten

Söhne und Töchter der Stadt

Persönlichkeiten, die vor Ort gewirkt haben

Quellen

  1. Geologische Übersichtskarte von Hessen
  2. Bodenübersichtskarte von Hessen.
  3. Höhlenforschung Rhein-Lahn-Kreis
  4. Geschichte Rhein-Lahn-Kreis
  5. Zu Graf Heinrich II. von Diez siehe: Italia et Germania. Liber amicorum Arnold Esch, hg. v. H. Keller/W. Paravicini/W. Schieder (Tübingen 2001) S. 425-438
  6. Text von Adolf Morlang
  7. Internetpräsenz der Katholischen Pfarrgemeinde Herz-Jesu in Diez
  8. Informationen zur jüdischen Gemeinde und zur Synagoge Diez
  9. Information auf den Seiten des Rhein-Lahn-Kreises
  10. Informationen zu den jüdischen Friedhöfen in Diez
  11. Internetpräsenz der Stadtbücherei Diez


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