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The Rolling Stones

The Rolling Stones

Gründung 1962
Genre Rock
Website http://www.rollingstones.com
Gründungsmitglieder
Gesang Mick Jagger
Bass Dick Taylor (bis 1962)
Gitarre Keith Richards
Gitarre Brian Jones (bis † 1969)
Schlagzeug Tony Chapman (bis 1963)
Piano Ian Stewart (bis 1964, † 1985)
Aktuelle Besetzung
Gesang Mick Jagger
Gitarre Keith Richards
Gitarre Ron Wood (seit 1975)
Schlagzeug Charlie Watts (seit 1963)
Ehemalige Mitglieder
Bass Bill Wyman (1962-1993)
Gitarre Mick Taylor (1969-1974)

The Rolling Stones sind eine englische Rockband. Sie wurden 1962 von Brian Jones, Mick Jagger und Keith Richards als Rhythm-and-Blues-Band gegründet. Im Laufe der folgenden zehn Jahre wurden die Rolling Stones zu einer der erfolgreichsten Rockgruppen der Welt. In den sechziger und siebziger Jahren etablierten sie sich durch ihren exzessiven Lebensstil als „bad boys“ der Musikszene. Die Band geht heute noch auf Welttourneen und veröffentlicht Alben. Heute zählen sie zu den „dienstältesten“ Rockbands.

Inhaltsverzeichnis

Die Geschichte

1961–1967

Die Geschichte der Rolling Stones begann Ende Oktober 1961 auf dem Bahnsteig in Dartford, Grafschaft Kent. Mick Jagger war auf dem Weg zur London School of Economics und wartete auf den Zug nach London. Keith Richards wollte ebenfalls nach London, zum Sidcup Art College. Die beiden kannten sich aus früheren Schuljahren. Jagger trug Schallplatten von Chuck Berry und Muddy Waters unter dem Arm und sie stellten fest, dass sie die Begeisterung für diese Künstler teilten und verabredeten sich, um Musik zu hören und Rock ’n’ Roll und Blues zu spielen.

Mit ihrer ersten gemeinsamen Band übten sie in den Hinterzimmern der elterlichen Wohnungen und nannten sich „Little Boy Blue and the Blue Boys“ (einer der Blue Boys war Dick Taylor (später bei The Pretty Things)).

Im März 1962 besuchten Mick Jagger und Keith Richards erstmals einen Jazz-Club in Ealing (Broadway Station/London), in dem der Bluesmusiker Alexis Korner mit seiner Band Blues Incorporated auftrat. Am 7. April 1962 jammten sie auf der Bühne des Jazz-Clubs in Ealing mit Alexis Korner. Über Korner lernten sie den aus Cheltenham stammenden Gitarristen Brian Jones kennen.

Brian Jones war ein sehr talentierter Gitarrist. Er nannte sich damals Elmo Lewis. Als Gitarrist überzeugte er besonders durch seine Bottleneck-Technik. Im Juni 1962 bemühte er sich intensiv darum, zusammen mit dem Pianisten Ian Stewart, eine eigene Band zu gründen. Er sprach mit Mick Jagger, der Interesse bekundete, in die Band einzusteigen, sofern seine Dartford-Kumpels Keith Richards und Dick Taylor auch dabei wären. Dagegen gab es keine Einwände, so dass sie sich daran machten, ein Repertoire von R&B-Songs einzuüben.

Alexis Korner's Blues Incorporated spielten inzwischen zweimal wöchentlich (Donnerstag und Samstag) im Londoner Marquee Club. Aufgrund eines Aufnahmetermins bei der BBC mussten sie einen für Donnerstag, den 12. Juli 1962 vereinbarten Auftritt im Marquee Club absagen. Als Ersatz vermittelte Alexis Korner die Band um Brian Jones.

In der Besetzung Mick Jagger (Gesang), Keith Richards (Gitarre), Brian Jones (Gitarre), Dick Taylor (Bass), Ian Stewart (Klavier) und Tony Chapman (Schlagzeug) hatten die Rollin' Stones am 12. Juli 1962 im Marquee Club in London ihren ersten Auftritt. Brian Jones hatte sich beim Namen Rollin' Stones durch den Muddy-Waters-Blues 'Mannish Boy' (1956) und der dortigen Zeile „I'm a rollin' stone“ inspirieren lassen [1].

Am 7. Dezember 1962 wurde Dick Taylor durch den Bassisten Bill Wyman ersetzt. Der inzwischen das Schlagzeug bedienende Mick Avory schied ebenfalls aus. Im Januar 1963 nahm Charlie Watts, den Jones, Jagger und Richards bereits als Mitglied von Alexis Korners Blues Incorporated kannten, die Stelle des Schlagzeugers bei den Rolling Stones ein. Den ersten Auftritt in der später Weltruhm erreichenden Formation hatten die Stones am 14. Januar 1963 im Flamingo Jazz Club in Soho. Inzwischen nannten sie sich The Rolling Stones.

Der erste Manager der Stones, Giorgio Gomelsky ließ die Gruppe in seinem Crawdaddy Club auftreten, der für die nächsten acht Monate zu deren Basis wurde. Ein redegewandter junger Mann, der nebenbei der ehemalige Pressesprecher der Beatles war, Andrew Loog Oldham, verschaffte der Band einen Schallplattenvertrag bei Decca Records und wurde ihr neuer Manager. Noch vor der Veröffentlichung der ersten Single Come On (7. Juni 1963/# 21 UK), einer Komposition von Chuck Berry, sorgte der Manager dafür, dass Ian Stewart nicht länger Mitglied der Band blieb. Oldham war der Meinung, „dass sechs Bandmitglieder einfach zu viel seien und Stewart sowieso nicht hip genug aussähe“. Als Pianist und Roadie blieb Ian Stewart den Stones aber bis zu seinem Tod (1985) erhalten. Andrew Loog Oldham wollte die Stones als „böse“ Version der Beatles aufbauen und stilisierte sie anfangs als „Droogs“, jugendliche Kriminelle aus Anthony Burgess' Roman A Clockwork Orange.

Nach einem Treffen mit John Lennon und Paul McCartney, die zu einem Stones-Auftritt im Crawdaddy Club in Richmond kamen, überließen diese den Stones ihre Komposition I Wanna Be Your Man. Dieses Stück (mit rasantem Bottleneck-Gitarrensolo von Brian Jones) erschien am 1. November 1963 als zweite Single der Rolling Stones (# 12 UK).

Am 17. Januar 1964 wurde die EP The Rolling Stones veröffentlicht. Die Schallplatte mit den Stücken Bye Bye Johnny, Money (That’s What I Want), You Better Move on und Poison Ivy erreichte Platz 15 der UK-Charts.

Not Fade Away, eine Komposition von Norman Petty und Buddy Holly, die an Bo Diddley erinnerte, war die nächste Single. Sie wurde am 21. Februar 1964 in Großbritannien herausgebracht und erreichte den dritten Platz der Charts. Not Fade Away war auch die erste Veröffentlichung (9. März 1964) der Stones in den USA.

Die erste Langspielplatte The Rolling Stones wurde am 26. April 1964 herausgegeben und belegte elf Wochen lang den ersten Platz der UK-Charts. In den USA erschien die LP unter dem Titel England’s Newest Hitmakers am 10. Mai 1964 und kam immerhin auf Platz 11 der Charts.

Vom 6. bis 20. Juni 1964 absolvierten die Stones ihre erste USA-Tournee und nahmen auch erstmals Songs in den Chess-Studios in Chicago auf. Zum Tourneestart wurde in den USA die Eigenkomposition Tell Me als Single veröffentlicht - unter dem Komponisten-Pseudonym Nanker/Phelge.

Mit der am 26. Juni 1964 veröffentlichten Single It’s All Over Now hatten die Stones ihren ersten Nummer-Eins-Hit in Großbritannien. Eine weitere EP erschien am 14. August 1964 unter dem Titel Five by Five mit folgenden Stücken: If You Need Me, Empty Heart, Confessin the Blues, 2120 South Michigan Avenue und Around and Around. In Großbritannien gab es für diese EP 200.000 Vorbestellungen.

Zu Beginn ihrer Karriere konzentrierten Mick Jagger und Keith Richards ihre musikalische Tätigkeit hauptsächlich auf Bühnen-Auftritte – um ihren Bekanntheitsgrad zu steigern – und weniger darauf, eigene Stücke zu komponieren. So bedienten sich die Rolling Stones vornehmlich aus dem Repertoire US-amerikanischer Bluesmusiker, wie z. B. Muddy Waters, Howlin' Wolf, Willie Dixon, Robert Johnson, John Lee Hooker und Chuck Berry.

Aus Vermarktungsgründen wurden Jagger und Richards von Oldham angehalten, vermehrt eigene Songs zu verfassen. Anfangs komponierten Jagger und Richards fast ausschließlich Balladen, wie As Tears Go By, das, von Marianne Faithfull gesungen, Mitte 1964 zu einem Top-Ten-Hit in Großbritannien wurde. Dieses Stück wurde 1965 unter dem Titel Con le mie lacrime von den Stones auch auf italienisch eingespielt und in Italien veröffentlicht.

Die nächste Nummer-Zwei-Single, das Bluesstück Little Red Rooster (veröffentlicht in GB am 13. November 1964), war eine Coverversion und stammte im Original von Willie Dixon. Es ist geprägt durch das subtile Spiel von Brian Jones auf der Slide-Gitarre und Mick Jaggers Mundharmonika.

Ihre erste selbstverfasste Nr. 1 in England wurde die am 26. Februar 1965 veröffentlichte Single The Last Time, die sich allerdings nahe an den Gospel This May Be the Last Time anlehnt, der zuerst 1954 von The Staple Singers aufgenommen wurde und später (1957) ein großer Hit der Blind Boys of Alabama war.[2]. Es folgte (I Can’t Get No) Satisfaction (27. Mai 1965). Damit schafften die Stones den weltweiten Durchbruch (#1 in Großbritannien und den USA). Im gleichen Jahr erreichte mit Get Off Of My Cloud (22. Oktober 1965) ein weiteres Stück den ersten Platz in den britischen und US-Charts.

Am 11. September 1965 starteten die Rolling Stones ihre erste Österreich, Deutschland-Tournee. Sie gastierten in Münster (11. September 1965, Halle Münsterland), Essen (12. September 1965, Gruga-Halle), Hamburg (13. September 1965, Ernst-Merck-Halle), München (14. September 1965, Circus Krone), Berlin (15. September 1965, Waldbühne) und Wien (17. September 1965, Wiener Stadthalle).

Galten die Rolling Stones gegenüber den Beatles vornehmlich als bessere Liveband (und umgekehrt als die schlechtere Studio-Band), so wurde ihnen inzwischen auch im Songwriting eine ähnliche Qualität wie den Liverpoolern attestiert. Das Album Aftermath aus dem Jahre 1966 enthielt ausschließlich eigene Kompositionen. Es wurde allerseits gelobt und wird, neben Revolver von den Beatles, Pet Sounds von den Beach Boys und Blonde on Blonde von Bob Dylan, als eines der großen Alben des Jahres gewertet.

Die Singles des Jahres 1966 waren 19th Nervous Breakdown (veröffentlicht am 4. Februar 1966, Nr. 2 UK-/US-Charts), Paint It Black (veröffentlicht am 7. Mai 1966, Nr. 1 UK-/US-Charts) und Have You Seen Your Mother, Baby, Standing in the Shadow? (veröffentlicht am 23. September 1966, # 5 UK, # 9 US).

Die Rolling Stones waren seit 1963 durchgehend auf Konzertreisen, verbrachten nebenher viele Tage und noch viel mehr Nächte in Tonstudios und waren Ende des Jahres 1966 ziemlich ausgebrannt; insbesondere dem gesundheitlich angeschlagenen Brian Jones fiel es schwer, den Weg in dem vorgelegten Tempo mitzugehen.

Am 13. Januar 1967 wurde Let’s Spend the Night Together (# 3 UK), mit der gleichwertigen Rückseite Ruby Tuesday (# 1 USA), herausgebracht. Das am 22. Januar 1967 veröffentliche Album Between the Buttons erreichte in Großbritannien Platz 3 und in den USA Platz 2 der Charts. Die europäische Fassung enthielt die beiden Stücke nicht (sondern statt dessen Backstreet Girl und Please Go Home). Als die Stones 1967 einen Auftritt in der „Ed Sullivan Show“ hatten, mussten sie den Text der Single in „Let’s spend some time together“ ändern, aus Rücksichtnahme auf die Prüderie der US-Amerikaner.

Ernsthaftere Probleme sollte es im Laufe des Jahres noch geben. In Keith Richards’ Landhaus Redlands in Sussex fand am Wochenende 11./.12.1967 eine Party statt, an der u. a. der Fotograf Michael Cooper, der Kunsthändler Robert Fraser, George Harrison und Pattie Boyd sowie Mick Jagger und Marianne Faithfull teilnahmen. Nachdem George Harrison und Pattie Boyd die Party verlassen hatten, fand eine Razzia statt (Keith Richards ist nach wie vor der Meinung, dass die Polizei mit dem Eingriff wartete, bis George Harrison mit seiner Frau Pattie Redlands verlassen hatte). Bei Jagger fand man nur relativ harmlose, in England jedoch verbotene Amphetamine, welche ein Arzt während eines Aufenthaltes in Italien seiner Freundin Marianne Faithfull verschrieben hatte. Richards wurde angeklagt wegen Duldung des Konsums von Rauschmitteln in seinem Haus. Beiden drohten mehrjährige Haftstrafen. Aufgrund eines vom Chefredakteur der Times verfassten Zeitungsartikels („Who breaks a butterfly on a wheel?“) schlug die Meinung um, so dass lediglich Geldstrafen ausgesprochen wurden. Mick Jagger verbrachte zu Beginn der Ermittlungen eine Nacht im Gefängnis und soll dort das Stück 2000 Light Years from Home geschrieben haben. Die Rockband The Who zeigte sich solidarisch, indem sie die Stones-Songs The Last Time und Under My Thumb aufnahm und als Singles veröffentlichte. Im Mai 1967 wurde Brian Jones verhaftet; bei ihm fand die Polizei Tabletten, Marihuana und Kokain-Spuren. Mit der Auflage, sich in professionelle Hilfe zu begeben, wurde er gegen eine Kaution freigelassen.

Zwischen den Verhaftungen und Gerichtsverhandlungen gingen die Stones auf eine weitere Europa-Tournee (25. März bis 17. April 1967), in deren Verlauf sie zum zweiten Mal in Deutschland auftraten: am 29. März 1967 in Bremen (Stadthalle), am 30. März 1967 in Köln (Sporthalle), am 31. März 1967 in Dortmund (Westfalenhalle) und am 1. April 1967 in Hamburg (Ernst-Merck-Halle).

Stücke, die auf den USA-Veröffentlichungen von Aftermath und Between the Buttons nicht enthalten waren, drei neue Lieder (My Girl, Ride on Baby und Sittin’ on a Fence) sowie einige Singles befanden sich auf dem Album Flowers, das am 15. Juli 1967 herausgegeben wurde (# 3 US-Charts).

Am 20. August 1967 veröffentlichten die Stones We Love You (# 8 UK, # 14 US). Der Song beginnt mit Schritten und dem Zuknallen einer Zellentür sowie einem fulminanten Piano-Intro von Nicky Hopkins. John Lennon und Paul McCartney sind im Backgroundchor dabei. Offiziell wurde verkündet, dass es sich bei dem Song um einen Dank der Stones an ihre Fans handelte. Wahrscheinlich verhöhnten sie mit We Love You jedoch wohl eher die einschlägige Boulevardpresse, welche sich an den Razzien und Verhaftungen ergötzte (und angeblich auch gezielte Informationen an die Polizei weiterleitete).

Als musikalische Antwort auf das bahnbrechende Album Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band der Beatles und dem Zeitgeist folgend, nahmen die Stones ein psychedelisch geprägtes Album auf: Their Satanic Majesties Request (8. Dezember 1967, # 3 UK, # 2 US) liegt kompositorisch und sound-experimentell ein vielschichtiges Musikkonzept zugrunde und weist mit 2000 Light Years From Home und She’s a Rainbow zwei atypische Stones-Klassiker auf.

1968–1972

Eine neue Single erschien am 24. Mai 1968: Jumpin’ Jack Flash mit den Keith-Richards-typischen Gitarrenriffs und die auch von ihm gespielten druckvollen Bassläufe (Wyman spielte Orgel), Watts’ knochentrockenen Drums und Mick Jaggers Stimme mit snobistischen Cockney-Akzent wurde ein weiterer Nummer-Eins-Hit für die Stones. Ende 1968 wurde Beggars Banquet veröffentlicht. Die LP enthält klassischen Country Blues, Rhythm and Blues und Rock. Es ist das erste von vier in Folge erschienenen Studioalben, die als die besten der Rolling Stones gelten und somit die Jahre von 1968 bis 1972 als die fruchtbarste Zeit der Band dokumentierten.

Am 11. Dezember 1968 fand in London der „Rolling Stones-Rock and Roll-Circus“ statt. Es handelte sich dabei um eine Show, die für das Fernsehen aufgezeichnet wurde. Zum R&R-Circus luden die Stones u. a. John Lennon, The Who, Jethro Tull und Taj Mahal ein. Die Aufzeichnung (mit Feuerschlucker und Artisten) wurde nicht im Fernsehen gezeigt, da die Stones angeblich der Meinung waren, dass ihr Auftritt gegenüber der Show von The Who deutlich schwächer ausfiel. 1995 wurde der „Rolling Stones-Rock and Roll-Circus“ als Video (und auch als CD), später als DVD, veröffentlicht.

Aufgrund der persönlichen Probleme von Jagger, Richards und insbesondere Brian Jones, der infolge seines starken Drogenkonsums schon länger körperlich in keiner guten Verfassung war, hatten die Stones bereits seit mehr als zwei Jahren kein Konzert mehr gegeben. Der vorbestrafte Jones verließ die Band am 8. Juni 1969 auf Drängen von Jagger und Richards. Er plante eine neue progressive Blues-Band zu gründen, doch dazu kam es nicht mehr. Am 3. Juli 1969 ertrank er unter bis heute ungeklärten Umständen bei einer Party in seinem Pool (In dem inhaltlich umstrittenen Spielfilm „Stoned“ von Stephen Woolley aus dem Jahr 2005 wird behauptet, dass der Bauunternehmer Frank Thorogood auf seinem Sterbebett 1993 zugab, Brian Jones ertränkt zu haben). Das zwei Tage später zur Einführung des neuen Gitarristen Mick Taylor – er kam von John Mayalls Bluesbreakers – geplante Free Concert im Londoner Hyde Park wurde zur Gedenkveranstaltung für Brian Jones. Vor etwa 250.000 Menschen trug Jagger im Gedenken an Brian Jones ein Gedicht von Shelley vor, ließ hunderte von Schmetterlingen in die Nachmittagssonne aufsteigen und sang zum ersten Mal live den neuen Nummer-Eins-Hit der Stones: Honky Tonk Women.

Im November 1969 wurde Let It Bleed veröffentlicht; das Nachfolgealbum für Beggars Banquet. Im selben Monat begann nach zweieinhalbjährigen Bühnenabstinenz eine erfolgreiche US-Tournee. Get Yer Ya-Ya’s Out beinhaltet Live-Aufnahmen dieser Tournee aus New York und gilt als eines der besten Live-Alben der Rockmusik. Die positiven Eindrücke dieser Tournee wurden durch die Ereignisse im nordkalifornischen Altamont, vom 6. Dezember 1969 getrübt. Bei diesem kurzfristig umorganisierten Free Concert, zu dem etwa 300.000 Menschen kamen und an dem Jefferson Airplane, Santana, Crosby, Stills, Nash & Young und die Flying Burrito Brothers teilnahmen, starben vier Menschen. Der 18-jährige Meredith Hunter wurde durch einen der als Ordner angeheuerten Hells Angels direkt vor der Bühne, angeblich in Notwehr, erstochen. Er hatte mit einer Pistole in Richtung der Bühne gezielt. Dieser Vorfall markiert im Rückblick das Ende der überwiegend friedvollen Love and Peace Generation. Ein Film über die US-Tournee wurde durch Albert und David Maysles gedreht und kam unter dem Titel Gimme Shelter in die Kinos.

Anfang der 1970er begannen die Stones, sich ihrer alten Wurzeln zu entledigen, denn der Plattenvertrag mit Decca Records lief aus. Außerdem trennte man sich von Manager Allen Klein (die Rechtsstreitigkeiten zogen sich über viele Jahre hin). Tatsächlich waren die Stones in dieser Zeit fast pleite, da die Rechte an allen bis dahin veröffentlichten Stücken bis heute bei Decca liegen. Aufgrund der hohen Steuerbelastungen in England verlegten die Stones ihre Wohnsitze nach Südfrankreich und gründeten ihr eigenes Plattenlabel: Rolling Stones Records – mit der inzwischen weltbekannten roten Zunge als Markenzeichen, die entgegen landläufiger Meinung nicht von Andy Warhol, sondern von John Pasche entworfen wurde. Die Stones-Zunge wurde zum ersten Mal 1971 auf der Innenhülle des Albums Sticky Fingers veröffentlicht.[3] Durch das eigene Plattenlabel wurde eine größere Unabhängigkeit von den großen Plattenfirmen erreicht, und die Rechte aller folgenden Veröffentlichungen lagen bei der Band selbst, wodurch sich die finanzielle Lage der fünf Musiker, vor allem aber der zwei Songschreiber Jagger und Richards, schnell verbesserte.

Obwohl Mick Jagger immer weniger Zeit mit seinen Bandkollegen verbrachte, da er nach und nach zum Mitglied des internationalen Jetset wurde, lief es musikalisch weiter glänzend: Im April 1971 wurde das von den Kritikern hochgelobte Album Sticky Fingers veröffentlicht. Für neue Impulse sorgte der mittlerweile fest in die Band integrierte Mick Taylor, der im Rückblick als der handwerklich beste aller Stones-Gitarristen gilt, was er z. B. in den Songs Sway, Can’t You Hear Me Knocking und Moonlight Mile unter Beweis stellte.

Im Keller der von Keith Richards gemieteten Villa Nellcôte im südfranzösischen Villefranche-sur-Mer entstand der nächste Klassiker: Exile on Main Street. Ein Doppelalbum, das anfänglich von der Kritik aufgrund des rauen und unfertig wirkenden Sounds sehr skeptisch aufgenommen wurde. Inzwischen wird Exile gerade auch aufgrund des Sounds geschätzt und gehört zu den künstlerischen Höhepunkten der Stones. Das Album erscheint stets auf vorderen Plätzen, wenn es um die Wahl der besten Alben aller Zeiten geht.

1973–1983

Die Tourneen der Jahre 1972 (USA) und 1973 (Europa) knüpften an den Erfolg des Doppelalbums an und zeigten die Stärken der Stones. Sie spielten in den USA 1972 zwar bei fast jedem Konzert dieselben Songs, dafür glänzte Mick Taylor mit seinen Gitarrensoli in Love in Vain und Midnight Rambler. Auf der US-Tournee 1972 wurde in Fort Worth und in Houston der Konzert-Film Ladies and Gentlemen, the Rolling Stones gedreht. Ein inoffizieller Film, Cocksucker Blues, wurde nicht veröffentlicht, da er das Tourneeleben ungeschminkt mit Sex- und Drogenszenen zeigt und deshalb für ein breites Publikum als ungeeignet erschien.

Am 18. Januar 1973 gaben die Stones im Inglewood Forum / Los Angeles ein Benifizkonzert für die Opfer des Erdbebens (1972) in Nicaragua

Die Europa-Tournee 1973 gilt als Höhepunkt der Rolling-Stones-Konzertkarriere. Ein in Brüssel am 17. Oktober aufgenommenes Live-Album erschien nie offiziell und kursiert nur als weit verbreitete Raubpressung. Es gilt gemeinhin als beste Live-Aufnahme der Rolling Stones. Vielen Musikkritikern erscheint es als kurios, dass eine der stärksten Livephasen der Band undokumentiert bleiben muss.

Zur Europatournee 1973 war das Album Goats Head Soup erschienen, das seinerzeit als eher schwach eingestuft wurde. Im Rückblick entsprach es einfach nicht dem Standard der vier Vorgängeralben. Im Gesamtwerk der Stones nimmt es trotzdem eine hohe Position ein, und das nicht nur, weil es mit Angie einen ihrer größten Hits enthielt. Das Folge-Album It’s Only Rock ’n’ Roll (1974) wies einen gewissen Mangel an Inspiritation auf. Auf Black and Blue (1976) war erstmals Ron Wood von den Faces)dabei

Die Stones fielen seit Ende der sechziger Jahre als Band nicht nur durch ihre Musik auf, sondern auch durch ihre Skandale. Besonders Keith Richards machte durch seinen Drogenkonsum von sich reden. Mitte der 1970er Jahre schien es nur eine Frage der Zeit zu sein, wann er Brian Jones, Jimi Hendrix, Janis Joplin oder Jim Morrison folgen würde. Seine Beziehung zum Fotomodell Anita Pallenberg, die ebenfalls stark heroinabhängig war, schien ihn mit in die Tiefe zu ziehen. So erschien die Verhaftung in Toronto wegen Drogenbesitzes im Jahr 1977 im Nachhinein als heilsamer Schock für Richards. Im Zusammenhang mit dem anschließenden Prozess, bei dem ihm bis zu sieben Jahre Haft drohten, sagte er sich endgültig vom Heroin los. Er wurde zu einer Geldstrafe verurteilt und gab aufgrund einer Auflage des Gerichts für eine Blindenstiftung (Canadian National Institute for the Blind -CNIB) 1979 in Oshawa, Kanada, ein Gratiskonzert mit der eilig zusammengestellten Band New Barbarians und mit den Rolling Stones.

Auch in der Gruppe hat es inzwischen Veränderungen gegeben: Im Dezember 1974 verließ Mick Taylor die Band. Nachfolger wurde, nachdem er die Stones zunächst als Gastgitarrist auf einer USA-Tour unterstützte, Ron Wood. Er weist zwar nicht die gleiche Virtuosität wie Mick Taylor auf, passt jedoch aufgrund seines integrativen, fröhlichen Charakters wesentlich besser ins Bandgefüge. Keith Richards kommentierte den Austritt Taylors in einem TV Interview auf seine Weise: „Es ist eine Frechheit. Die Stones verlässt man nur im Sarg oder man wird rausgeschmissen.“

Vieles deutet darauf hin, dass der musikalische Erfolg der Band in den frühen 70er Jahren in erheblichem Maß auf Mick Taylors Gitarrenarbeit zurückzuführen ist. Das Verhältnis der jetzigen Stones zu ihrem früheren Ausnahmegitarristen könnte als verkrampft bezeichnet werden. Mick Jagger erkennt jedoch mittlerweile den Einfluss Mick Taylors an. In einer von den Rolling Stones autorisierten Biographie heißt es, man habe sich gewundert, dass sich Mick Taylor nicht als Solokünstler habe etablieren können. Mick Taylor selbst tingelt mit seiner eigenen Band in kleinen Clubs umher und gesteht mittlerweile ein, dass es ein Fehler war, die Rolling Stones (so früh) verlassen zu haben.

Auf der gigantisch inszenierten US-Tournee 1975 spielten die Stones derart schlecht, dass manche Kritiker schon das Ende der Gruppe kommen sahen. Der unpräzise Gesang von Mick Jagger fiel auch auf der Europa-Tournee 1976 auf (beispielsweise auf dem offiziellen Live-Doppelalbum Love You Live). In dieser Zeit lebte Mick Jagger – wie viele andere Künstler, beispielsweise David Bowie – sein androgynes Image am stärksten aus.

Ron Woods Integration klappte gut. Keith Richards:„ Mit Mick (Taylor) waren die Fronten insoweit abgesteckt, als er für die Soli zuständig war und ich die Rhythmus-Gitarre spielte. Bei Ronnie ist das anders, wir können uns gegenseitig zuspielen…“ (Quelle: The Rolling Stones - In eigenen Worten / Palmyra-Verlag)

Das rauere Gitarrenspiel Woods machte sich in der Musik der Stones bemerkbar und fand seinen Höhepunkt in dem für viele Kritiker letzten Meisterwerk Some Girls, das 1978 als Antwort auf die auf dem Höhepunkt befindliche Punkbewegung erschien. Es enthält alles, was ein klassisches Stones-Album ausmacht: einprägsame Gitarrenriffs mit starken Blueswurzeln, anzügliche und chauvinistische Texte sowie ein geniales, Proteste auslösendes Cover.

Die ausgehenden 1970er sind noch einmal von einer großen Kreativität gekennzeichnet. In dieser Zeit entstehen viele Songs, die noch die Basis für die folgenden drei Alben Emotional Rescue 1980, Tattoo You 1981 und Undercover of the Night 1983 bildeten.

Fast schon automatisch schloss sich den Veröffentlichungen von Some Girls und Tattoo You Tourneen an; die Konzerte fanden zumeist nur noch in Stadien statt. 1978 tourten die Stones vom 10. Juni bis zum 26. Juli durch die USA.

Vom 25. September bis 19. Dezember 1981 absolvierten die Rolling Stones die bis dato größte und erfolgreichste Tournee in der Musikbranche; über 2 Millionen Besucher bescherten den Stones einen Verdienst von etwa 50 Millionen Dollar. Das im Juni 1982 veröffentlichte Album Still Life enthält Aufnahmen dieser Tournee. Dokumentiert wurde das Konzertereignis auch für das Kino: Hal Ashby ließ Konzerte der Tournee filmen. Der Film erschien in Deutschland unter dem Titel Rocks Off; in den USA unter dem Titel Let’s Spend the Night Together. Enthalten sind Aufnahmen der Konzerte im Sun Devil Stadium in Phoenix (Arizona) und der Brandan Byrne Arena im Meadowlands Sports Complex in East Rutherford (New Jersey).

Im Sommer 1982 gab es erstmals seit 1976 auch wieder Auftritte der Band in Europa. Die Konzerte fanden nun auch in Europa erstmals, bis auf die Konzerte in Frankfurt/M., ausschließlich in Fussballstadien statt. Die Tournee war äußerst erfolgreich (die Tickets für die 6 Konzerte in Deutschland waren binnen eines Tages verkauft, so dass zusätzliche Konzerte stattfanden) und stellte auch in Bezug auf die Zuschauerzahlen neue Bestmarken auf.

1983–1988

In den 1980ern kam es zu massiven Spannungen innerhalb der Band aufgrund von Differenzen zwischen Richards und Jagger, der partout nicht mit den Stones touren wollte (weder zur 1983 veröffentlichen LP Undercover noch anlässlich den 1986er Veröffentlichung Dirty Work), da er sich seiner Solo-Karriere widmen wollte. So veröffentlichte Jagger die Alben She’s the Boss (Februar 1985) und Primitive Cool (September 1987) und machte sich auch mit darauffolgenden Konzerten selbstständig, in deren Verlauf er allerdings hauptsächlich Stones-Stücke spielte, was Keith Richards entsprechend in Rage brachte. Das offensichtliche Vorhaben Jaggers, auch als Solo-Künstler zum Superstar zu werden, ließ sich nicht umsetzen.

Wohl auch aus Trotz begab sich Keith Richards ins Tonstudio, um mit einigen befreundeten Musikern (u. a. Steve Jordan und Ivan Neville) ein Album aufzunehmen. Talk is Cheap erschien am 3. Oktober 1988. Mit den X-Pensive Winos ging er auf eine Tournee durch elf Städte in den USA im November/Dezember 1988, wo er fast ausschließlich seine Solosongs spielte (Ausnahmen z. B. Happy, Before They Make Me Run).

Vor Veröffentlichung des Albums Dirty Work (März 1986) unterzeichneten die Stones bei CBS-Records einen neuen Vertrag, der ihnen 25 Millionen Dollar bescherte. Die meisten Songs auf Dirty Work klingen schroff und manches gewollt unfertig. Richards übernimmt zum ersten Mal auf einem Album bei zwei Liedern den Gesang (Sleep Tonight und Too Rude). Zum Gedenken an den verstorbenen Ian Stewart ist am Ende der zweiten Seite eine 30 Sekunden lange Aufnahme zu hören, in der dieser sein typisches Boogie-Woogie-Klavier spielt. Die Single Harlem Shuffle erreichte in GB und den USA jeweils die Top Ten der Charts.

1989–2000

Im Januar 1989 trafen sich Mick Jagger und Keith Richards mit ein paar Gitarren, Keyboards zu einigen Drinks auf Barbados; sie beendeten ihre Zwistigkeiten und schrieben Songs für ein neues Album. Zur Aufnahme der Band – inklusive Mick Taylor, Ronnie Wood und Ian Stewart – in die Rock and Roll Hall of Fame am 18. Januar 1989 unterbrachen sie ihren Inselaufenthalt.

Die Stones nahmen im Juni und Juli das Album Steel Wheels (veröffentlicht 28. August 1989) auf. Die vorab erschienene Single Mixed Emotions erreichte in GB und den USA jeweils die Top Ten der Charts. Am 31. August 1989 starteten die Stones - sehnsuchtsvoll von ihren Fans zurückerwartet - nach sieben Jahren erstmals wieder eine Tournee. Als weitere Musiker waren die Keyboarder Chuck Leavell und Matt Clifford, der Saxofonist Bobby Keys sowie 2 Backgroundsängerinnen dabei. Die Veranstalter garantierten den Stones für die US-Tour, die unter dem Titel Steel Wheels lief, eine Einnahme von 70 Millionen Dollar.

Die Europa-Tournee fand 1990 unter dem Titel Urban Jungle statt. Es fanden zwei Konzerte mit der Steel-Wheels-Bühne von der USA-Tour in Berlin-Weissensee statt. Um die Bühne nach Europa zu schaffen, wurden zwei Jumbojets benötigt. Die Stones präsentierten ihren Fans erstmals seit langer Zeit auch mehrere Songs aus den 1960er Jahren, wie zum Beispiel Paint It, Black, Ruby Tuesday und 2000 Light Years from Home. Die Inszenierung der Konzerte mit Kulissenaufbauten, aufblasbaren Puppen, Videowänden und Lichteffekten erreichte neue Dimensionen und stand zumindest gleichwertig neben der Musik. Das im April 1991 veröffentlichte Live-Album Flashpoint beinhaltete Aufnahmen dieser Tournee sowie die zwei neuen Studioaufnahmen „Sex Drive“ und „Highwire“, in dem kritisch zum Golfkrieg Stellung bezogen und die Liste der Songs erweiterte, die durch den BBC aus dem Radioprogramm verbannt wurden,

Nachdem der Vertrag mit CBS-Records endete, fanden die Stones in Virgin-Records 1991 (bei einer Gage von umgerechnet 38,1 Millionen Euro) einen neuen Vertriebspartner.

1993 verließ Bill Wyman die Band aus persönlichen Gründen. Auf den folgenden Platten und Tourneen spielte der Bassist Darryl Jones, der allerdings nicht als offizielles Bandmitglied gilt.

Die Stones setzten ihre erfolgreichen Welt-Tourneen fort. Sie traten in riesigen Stadien auf und feierten Triumphe. Die Gigantomanie und der Perfektionismus dieser vollständig durchorganisierten Großtourneen erstickten nach Meinung von Kritikern allerdings jegliche Spontanität. Auch die überaus durchgreifende Vermarktung dieser Tourneen (z. B. Sponsoring durch Volkswagen oder American Express) stieß auf Kritik.

Love is strong kündigte als Single-Auskopplung am 4. Juli 1994 die neue LP sowie eine weitere Welttournee an. Voodoo Lounge erschien am 11. Juli 1994 und wurde zu einem der bestverkauften Alben der Stones; die Voodoo-Lounge-Tournee avancierte zur bis dahin erfolgreichsten Tour der Musikgeschichte. Die Bühnenpräsentation setzte neue Maßstäbe: Der Mittelpunkt des Bühnenaufbaus war eine chromblitzende, dem Hals und Kopf einer Kobra nachempfundene, feuerspeiende Säule. Auf überdimensionalen Videowänden wurden nicht nur die Musiker gezeigt, sondern auch computeranimierte Darstellungen, wie etwa der Ritt einer leichtbekleideten Frau auf einer 'Stones-Zunge'. Zum Song Honky Tonk Women wurden alte Schwarzweißaufnahmen von Frauen gezeigt, die sich - für ehemalige Verhältnisse - recht frivol zur Schau stellten.

Während der Voodoo-Lounge-Tournee gaben die Stones auch einige wenige Konzerte in Clubs, wie dem "Paradiso" in Amsterdam. Mitschnitte davon sowie auf akustischen Gitarren basierende neue Studio-Aufnahmen bekannter Stones-Songs beinhaltet das am 13. November 1995 veröffentlichte Album Stripped.

Am 22. September 1997 veröffentlichten die Stones Anybody seen my Baby vom Album Bridges to Babylon, das am 27. September 1997 erschien. Die Tournee begann am 23. September 1997 - wie gewohnt - in den USA und führte die Stones 1998 auch nach Europa. Das Bühnenbild war geprägt von einem riesigen, kreisrunden Videoschirm sowie goldenen Büsten und Statuen. Zu Beginn der Show wurde eine donnernde Explosion simuliert, an deren Ende Keith Richards (mit Eidechsen-Sonnenbrille und Leopardenmantelimitat) seine markanten Riffs zu dem Eröffnungssong (I can't get no) Satisfaction abfeuerte.

Live-Aufnahmen der "Bridges-to-Babylon-Tournee" wurden auf dem Album No Security am 2. November 1998 veröffentlicht. Erstmals folgte zu einem Live-Album eine Tournee: Vom 25. Januar bis zum 20. April 1999 fand die No-Security-Tour durch Nord-Amerika statt.

Um die im Jahre 1998 ausgefallenen Konzerte (inklusive einige Zusatzauftritte) nachzuholen, setzten die Stones vom 29. Mai bis 20. Juni 1999 die Bridges-to-Babylon - Tournee in Europa fort.

Nach 2000

Zum 40-jährigen Bestehen begannen die Rolling Stones am 3. September 2002 in Boston die Forty Licks-Tour, die sie wiederum rund um die Welt führte. Am 30. September 2002 erschien die Doppel-CD Forty Licks. Auf dem Album sind erstmals Songs der Stones aus allen Perioden (also auch aus der Decca-Zeit) enthalten; es bietet so einen umfassenden Greatest-Hits-Überblick. Außerdem beinhaltet das Album vier neue Songs.

Zum ersten Mal seit den frühen 70er Jahren spielten die Rolling Stones auf der 40-Licks-Tour nicht nur in Stadien, sondern auch in kleineren Hallen und ausgesuchten Clubs, wie zum Beispiel im „Circus Krone Bau“ in München und dem Olympia in Paris. Ausschnitte aus diesen Konzerten sind auf der Box „Four Flicks“ enthalten, die am 3. November 2003 veröffentlicht wurde und auf drei DVDs je eine der unterschiedlichen Stadion-, Arena- und Theater-Shows enthält. Auf der vierten DVD ist die Vorbereitung der Tournee (einschließlich Proben der Band) dokumentiert; außerdem sind einige Stationen der Tournee in 'Licks around the World' enthalten.

Zwischen zwei Auftritten in Europa flogen die Stones Ende Juli 2003 nach Kanada, um an einem Open-Air-Konzert in Toronto, deren Erlöse zur Bekämpfung von der SARS-Epidemie verwendet wurden, teilzunehmen. Dokumentiert ist dieses auf der DVD „SARStock“. An der Veranstaltung nahmen auch AC/DC und Justin Timberlake teil. Aufgrund der SARS-Epidemie fielen die im Frühjahr 2003 geplanten Konzerte in Hongkong aus; sie wurden am 7. und 9. November 2003 nachgeholt.

Am 10. Mai 2005 kündigten die Stones anlässlich eines Minikonzerts vor Hunderten von Fans und Journalisten auf dem Platz vor der New Yorker Juilliard-Musikhochschule eine neue Welttournee an, die am 21. August 2005 in Boston startete. Charlie Watts sprach von der letzten Tour der Stones, was Jagger aber umgehend dementierte: „Wir kündigen die letzte Tour nicht an“.

Der Titel Oh No, Not You Again wurde beim Konzert am 10. Mai 2005 erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Zum Tourstart wurde am 22. August 2005 die Single Streets of Love veröffentlicht. Am 5. September 2005 erschien mit A Bigger Bang ihr erstes Studio-Album seit Bridges to Babylon (1997). Die durch Amerika führende Tournee startete am 21. August 2005 in Boston.

Der Titel Angie diente während des Wahlkampfes zur Bundestagswahl 2005 als „Erkennungsmelodie“ für die Wahlkampfauftritte der Kandidatin Angela Merkel. Da deren Partei, die CDU, es versäumte, das Einverständnis der Urheber einzuholen und dieses auch nachträglich nicht erteilt wurde, musste die Erkennungsmelodie ersetzt werden.

Das größte Konzert der Stones fand am 18. Februar 2006 in der brasilianischen Stadt Rio de Janeiro statt. Rund 1,2 Millionen Zuschauer drängten sich am Strand des Stadtteils Copacabana vor einer monströsen Bühne. Der Besuch des Konzerts war kostenlos, die Stadt zahlte allerdings 750.000 Dollar für den Auftritt, der zudem durch Sponsorengelder finanziert wurde.

Im Rahmen der Bigger-Bang-Tour traten die Stones am 8. April 2006 erstmals in Shanghai (Grand Stage) auf. Vor 8.000 Zuschauern verzichtete die Gruppe auf Bitten der chinesischen Regierung auf das Spielen von Songs mit sexuellem Inhalt (Honky Tonk Women, Brown Sugar, Let’s Spend the Night Together). Der Beginn der Bigger-Bang-Europa-Tournee verzögerte sich aufgrund einer Kopfverletzung von Keith Richards, welche sich dieser angeblich bei einem Palmensturz auf den Fidschi-Inseln zuzog. Am 11. Juli 2006 begann dann die Europa-Tournee in Mailand; sie endete am 6. September 2006 mit einem Konzert in Horsens (Dänemark). Bereits am 20. September 2006 gingen die Stones wieder auf eine Tournee durch Nordamerika.

Der letzte Teil ihrer seit 2005 laufenden A Bigger Bang Tour begann am 5. Juni 2007 in Belgien und endet am 26. August 2007 in London. Mit dieser Tour erwirtschafteten sie mehr als eine halbe Milliarde Dollar.[4]

Am 27. Juni 2007 erschien das vier DVDs umfassende Box-Set The Biggest Bang; u. a. mit Aufnahmen der Konzerte in Rio de Janeiro und Austin (Texas). Neue Chartregeln von Media Control bringen Ende Juli 2007 nach 38 Jahren ihren Nummer-1-Hit Paint It, Black zurück in die Single-Charts auf Platz 49. In den Top100 werden jetzt auch Titel berücksichtigt, die nur als Download, nicht als Maxi-CD erhältlich sind.

Laut Pressemeldungen zahlten die Rolling Stones in den letzten 20 Jahren auf Einkünfte von 450 Mio. US-Dollar lediglich 7,2 Mio. Dollar Steuern – eine Quote von rund 1,5 Prozent.[5]

Am 04.April 2008 erschien das Album Shine a Light. Es ist der Soundtrack zum dokumentarischen Konzertfilm über die Stones von Regisseur Martin Scorsese. Der Film eröffnete am 7. Februar die Berlinale 2008 und wurde vom 4. April 2008 an in den Kinos gezeigt.

Bei eben diesem filmisch festgehaltenen Konzert vom 29. Oktober 2006, zog sich Ahmet Ertegün bei einem Sturz eine Hirnblutung zu und verstarb nach längerem Koma am 14. Dezember 2006. Ahmet Ertegün war der Gründer des Plattenlables Atlantic Records.

Bereits in den frühen 80er Jahren als „Rock-Opas“ und „Dinosaurier“ von Jugendmagazinen totgesagt, überraschten die Stones immer wieder aufs neue und bewiesen ihren Kritikern, dass das Alter keine Rolle spielt, erfolgreich Rock-Musik zu machen. So können die Stones mittlerweile auf mehr als 2000 Konzerte zurückblicken.

Mitte März 2008 verkündete Mick Jagger, dass die Band Ende 2008 wieder ins Studio gehen werde, um ein neues Album aufzunehmen. Die Songwritings dazu begännen im Sommer 2008, nach den Promotions für den Film Shine A Light.

Diskografie

Bemerkenswert ist die eher seltsam anmutende Veröffentlichungspolitik der Gruppe. Bis heute gibt es keine Gesamtausgabe ihres musikalischen Werkes, etwa in Form einer Mehrfach-CD-Box, die auch unveröffentlichte Stücke enthält, wie sie z. B. von The Who mit Maximum R&B vorgelegt wurde. Mit der Veröffentlichung von Forty Licks im Jahr 2002 sind zum ersten Mal die bekanntesten Songs aus beiden Epochen (mit 1964 bis 1970 und nach 1971 bis heute) enthalten. Das 2005 veröffentliche Album Rarities enthielt ebenfalls nicht gerade die von den Fans erwarteten Raritäten.

Auch fast sämtliche Live-Platten sind nie komplett live aufgenommen. Es kursieren zahlreiche Bootlegs, die von Fans begeistert gekauft werden. Aus der Epoche (1969-1974) mit dem Ausnahmegitarristen Mick Taylor ist zum Bedauern vieler Fans lediglich ein Konzert aus dem Madison Square Garden in New York offiziell auf Get yer ya ya's out dokumentiert. Mick Taylors Gitarrenspiel im Rahmen der US Tournee 1972 sowie der Europatournee 1973 gilt als unerreicht und sensationell.

Als eines der wenigen offiziellen Live-Alben ist Get Yer Ya-Ya’s Out aus dem Jahr 1970 hervorzuheben. Viele Lieder sind im Nachhinein durch Zumischungen (Overdubs) und Bearbeitungen derart verändert worden, dass sie teilweise die Konzertsituation nur noch eingeschränkt wiedergeben. Trotzdem gilt Get Yer Ya-Ya’s Out als eines der besten Rock-Livealben und spiegelt das Gitarrenspiel Mick Taylors in seinen Anfängen wider.

Anmerkung: Bei den hier angegebenen Veröffentlichungen handelt es sich ausschließlich um Alben, die zum Zeitpunkt des Erscheinens mit neuem Material der Band oder als Livealben erschienen sind; keine Sampler. Bis zur Veröffentlichung von Their Satanic Majesties Request wurden von der Plattenfirma der Rolling Stones jeweils verschiedene Versionen der Platten für die Märkte USA und Großbritannien produziert. Ausschließlich für den deutschen Markt wurde die Platte Around & Around produziert und im September 1964 veröffentlicht.

Durch diese Aufteilung in verschiedene Märkte unterscheiden sich die US- und UK-Platten bis zum Album Between the Buttons leicht.

Die Tabelle soll einen Überblick ermöglichen:

Datum UK-Veröffentlichungen US-Veröffentlichungen
April 1964 The Rolling Stones The Rolling Stones: England's Newest Hit Makers
Oktober 1964   12 x 5
Januar 1965 No. 2  
April 1965   Now
Juli 1965   Out of Our Heads
September 1965 Out of Our Heads  
Dezember 1965   December's Children
April 1966 Aftermath  
Mai 1966   Aftermath
November 1966   Got Live If You Want It! (Live)
Januar 1967 Between the Buttons Between the Buttons
Juni 1967   Flowers
November 1967 Their Satanic Majesties Request  
November 1968 Beggars Banquet  
November 1969 Let it Bleed  
September 1970 Get Yer Ya-Ya’s Out (Live)  
April 1971 Sticky Fingers  
Mai 1972 Exile on Main Street  
August 1973 Goats Head Soup  
Oktober 1974 It’s Only Rock ’n’ Roll  
Juni 1975 Made in the Shade  
Juni 1975 Metamorphosis  
April 1976 Black and Blue  
September 1977 Love You Live (Live)  
Juni 1978 Some Girls  
Juni 1980 Emotional Rescue  
März 1981 Sucking in the Seventies  
August 1981 Tattoo You  
Juni 1982 Still Life (American Concert 1981)  
November 1983 Undercover  
Juli 1984 Rewind  
März 1986 Dirty Work  
August 1989 Singles Collection: The London Years  
August 1989 Steel Wheels  
Juni 1990 Hot Rocks 1964-1971  
April 1991 Flashpoint (Live-Album mit 2 neuen Titeln)  
November 1993 Jump Back: The Best of The Rolling Stones  
Juli 1994 Voodoo Lounge  
November 1995 Stripped (live)  
Oktober 1996 Rock and Roll Circus (Live)  
September 1997 Bridges to Babylon  
Oktober 1998 No Security (Live)  
September 2002 Forty Licks (Best-of-Album mit 4 neuen Titeln)  
November 2004 Live Licks (Live)  
September 2005 A Bigger Bang  
November 2005 Rarities 1971–2003  
April 2008 Shine a Light  

Literatur

Fußnoten

  1. Bill Wymans Rolling Stones Story. S. 37
  2. Hayes & Laughton, Gospel Records 1943-1969 S. 706 und S. 228
  3. http://www.johnpasche.com/flash6.html
  4. http://www.spiegel.de/kultur/musik/0,1518,509744,00.html
  5. http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/artikel/950/100850/
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