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Wissenschaft

Wissenschaft ist der Erwerb von neuem Wissen durch Forschung, seine Weitergabe durch Lehre, der gesellschaftliche, historische und institutionelle Rahmen, in dem dies organisiert betrieben wird, sowie die Gesamtheit des so erworbenen menschlichen Wissens. Forschung ist die methodische Suche nach neuen Erkenntnissen, ihre systematische Dokumentation und Veröffentlichung in Form von wissenschaftlichen Arbeiten. Prinzipiell soll jedermann die Forschungsergebnisse nachvollziehen, überprüfen und für sich nutzen können. Lehre ist die Weitergabe der Grundlagen des wissenschaftlichen Forschens und die Vermittlung eines Überblicks über das Wissen eines Forschungsfelds, den aktuellen Stand der Forschung.

Inhaltsverzeichnis

Wissenschaftsbetrieb

Eine frühe dokumentierte Form eines organisierten wissenschaftlichen Lehrbetriebs findet sich im antiken Griechenland mit der platonischen Akademie, die (mit Unterbrechungen) bis in die Spätantike Bestand hatte. Wissenschaft der Neuzeit findet traditionell an Universitäten statt, die auf diese Idee zurückgehen. Daneben sind Wissenschaftler auch an Akademien, Ämtern, privat finanzierten Forschungsinstituten, Beratungsfirmen und in der Wirtschaft beschäftigt. In Deutschland ist eine bedeutende öffentliche "Förderorganisation" die Deutsche Forschungsgemeinschaft, die projektbezogen Forschung an Universitäten und außeruniversitären Einrichtungen fördert. Daneben existieren "Forschungsträgerorganisationen" wie etwa die Helmholtz-Gemeinschaft, die Max-Planck-Gesellschaft und die Leibniz-Gemeinschaft, die - von Bund und Ländern finanziert - eigene Forschungsinstitute betreiben. In Österreich entsprechen der DFG die Forschungsfonds Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF) und FFF in der Schweiz und Frankreich die nationalen Forschungsfonds. Andere Fonds werden z. B. von Großindustrien oder dem Europäischen Patentamt dotiert.

Neben den wissenschaftlichen Veröffentlichungen erfolgt der Austausch mit anderen Forschern durch Fachkonferenzen, bei Kongressen der internationalen Dachverbände und scientific Unions (z. B. IUGG, COSPAR, IUPsyS, ISWA, SSRN) oder der UNO-Organisation. Auch Einladungen zu Seminaren, Institutsbesuchen, Arbeitsgruppen oder Gastprofessuren spielen eine Rolle. Von großer Bedeutung sind auch Auslandaufenthalte und internationale Forschungsprojekte.

Für die interdisziplinäre Forschung wurden in den letzten Jahrzehnten eine Reihe von Instituten geschaffen, in denen industrielle und universitäre Forschung zusammenwirken (Wissenschaftstransfer). Zum Teil verfügen Unternehmen aber auch über eigene Forschungseinrichtungen, in denen Grundlagenforschung betrieben wird.

Die eigentliche Teilnahme am Wissenschaftsbetrieb ist grundsätzlich nicht an Voraussetzungen oder Bedingungen geknüpft: Die wissenschaftliche Betätigung außerhalb des akademischen oder industriellen Wissenschaftsbetriebs steht jedermann offen und ist auch gesetzlich von der Forschungsfreiheit abgedeckt. Universitäten bieten außerdem die voraussetzungsfreie Teilnahme am Lehrbetrieb als Gasthörer an. Wesentliche wissenschaftliche Leistungen außerhalb eines beruflichen Rahmens sind jedoch die absolute Ausnahme geblieben. Die staatlich bezahlte berufliche Tätigkeit als Wissenschaftler ist meist an die Voraussetzung des Abschlusses eines Studiums gebunden, für das wiederum die Hochschulreife notwendig ist. Leitende öffentlich finanzierte Positionen in der Forschung und die Beantragung von öffentlichen Forschungsgeldern erfordern die Promotion, die Professur die Habilitation. In den USA findet sich statt der Habilitation das Tenure Track-System, das 2002 ganz ähnlich in Form der Juniorprofessur auch in Deutschland eingeführt wurde.

Für die Wissenschaftspolitik an Bedeutung gewonnen hat die Wissenschaftsforschung, die wissenschaftliche Praxis mit empirischen Methoden zu untersuchen und zu beschreiben versucht. Dabei kommen unter anderen Methoden der Scientometrie zum Einsatz. Die Ergebnisse der Wissenschaftsforschung haben im Rahmen der Evaluation Einfluss auf Entscheidungen.

Gesellschaftliche Fragen innerhalb des Wissenschaftsbetriebs sowie die gesellschaftlichen Zusammenhänge und Beziehungen zwischen Wissenschaft, Politik und übriger Gesellschaft untersucht die Wissenssoziologie.

Wissenschaftstheorie

In diesem Artikel oder Abschnitt fehlen folgende wichtige Informationen: Willkürliche Zusammenstellung einiger Sichtweisen während andere fehlen; im relativen Verhältnis unangemessen viel Platz für den Kritischen Rationalismus

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Hauptartikel: Wissenschaftstheorie

Die Wissenschaftstheorie ist ein Teilgebiet der Philosophie, das sich mit dem Selbstverständnis von Wissenschaft in Form der Analyse ihrer Voraussetzungen, Methoden und Ziele beschäftigt. Dabei wird besonders ihr Wahrheitsanspruch kritisch hinterfragt. Für die Forschung, die nach neuen Erkenntnissen sucht, ist insbesondere die Frage nach den Methoden und Voraussetzungen der Erkenntnisgewinnung von Bedeutung. Diese Frage wird in der Erkenntnistheorie behandelt. Einstein schreibt: "Die gegenseitige Beziehung von Erkenntnistheorie und Wissenschaft ist von merkwürdiger Art. Sie ist aufeinander angewiesen. Erkenntnistheorie ohne den Kontakt mit Wissenschaft wird zum leeren Schema; Wissenschaft ohne Erkenntnistheorie ist soweit überhaupt denkbar primitiv und verworren"[1]

In der Antike finden sich zur Erkenntnistheorie erste Ansätze in der Ideenlehre von Platon und der Substanzlehre von Aristoteles. Für die Neuzeit bestimmend ist der Widerstreit zwischen dem Empirismus (ursprünglich von Francis Bacon) und dem Rationalismus (manchmal auch Intellektualismus genannt; ursprünglich von René Descartes). Der Empirismus sieht Erkenntnis als Resultat von reinen Sinneserfahrungen, die durch den Induktionsschluss – dessen Rechtfertigung von David Hume angegriffen wurde – zu allgemeingültigen Theorien verbunden werden, für den Rationalismus ist Erkenntnis das Resultat von reiner Vernunft. Immanuel Kant versuchte beide Sichtweisen unter Umgehung von Humes Problem miteinander zu vereinen, indem er Erfahrung und Vernunft durch vor aller Erfahrung liegende (a priori) Anschauungen und Kategorien verband. Der logische Empirismus versuchte, Humes Problem ohne solche zusätzlichen Annahmen zu lösen, indem Verifizierbarkeit durch Beobachtungen als wesentliche Eigenschaft von wissenschaftlichen Theorien vorgeschlagen wurde. Nicht verifizierbare Theorien sind sinnlos und müssen aus der Wissenschaft verbannt werden.

Karl Popper entwickelte in Auseinandersetzung mit Kant und dem logischen Empirismus eine Methode von Versuch und Irrtum und baute darauf seinen Kritischen Rationalismus auf: Wissenschaftlicher Fortschritt ergibt sich durch die Aufstellung kühner Vermutungen und die Versuche, sie zu widerlegen. Popper unterschied dabei erstmals zwei grundsätzliche Vorstellungen von Wissenschaft: Wissenschaft als passiv beobachtende, Wahrnehmungsberichte sammelnde, anhäufende, ordnende, systematisch auswählende und verknüpfende (Entdeckungszusammenhang) Form der Gewinnung von begründeter und gesicherter Erkenntnis (Begründungszusammenhang), und Wissenschaft als aktiv experimentierende, fehlbare Suche nach unbegründeter, spekulativ-theoretischer, absolut wahrer, objektiver Erkenntnis durch kreative Bildung von Vermutungen, Beleuchtung ausgewählter Aspekte durch Wahrnehmung und kritischer Analyse und Beurteilung (siehe Kübel- und Scheinwerfermodell). W. W. Bartley weitete den kritischen Rationalismus wesentlich aus und ergänzte ihn zu einem einheitlichen und logisch zusammenhängenden System des gesamten objektiven Wissens basierend auf einer allumfassenden Methode der Kritik. Die Frage der Wissenschaft ist demnach zweitrangig gegenüber der Frage nach Vernunft, und Vernunft hat nach Bartley keine logische Grenze.

Sich abspaltend von Popper bildeten sich Positionen, die eine betonte Einbeziehung der Wissenschaftsgeschichte anstrebten. Paul Feyerabend sah Durchbrüche in der Wissenschaftsgeschichte immer dort, wo methodische Regeln geändert wurden, und lehnte daher jeden Zwang einer Einheitsmethode als hinderlich ab. Als Konsequenz hielt er eine Sonderstellung der Wissenschaft für rein willkürlich und forderte eine Trennung von Staat und Wissenschaft. Thomas S. Kuhn und Imre Lakatos strebten eine Erkenntnistheorie an, die gleichzeitig den Verlauf der Wissenschaftsgeschichte erklären konnte. Während Kuhn Wissenschaft als irrationalen Wechsel zwischen Paradigmen in ständiger Anpassung an aktuelle Forschungsprobleme auffasste, verband Lakatos diese Sicht mit einer modifiziert von Popper übernommenen Methode zu einer der Methodologie der Forschungsprogramme.

Forschung

Hauptartikel: Forschung

Die praktische Forschung beginnt mit einem Forschungsproblem. Solche Probleme ergeben sich aus früherer Forschung oder aus dem Gesellschaftsalltag. Der erste Schritt ist es, dieses Problem als Forschungsfrage zu beschreiben, um ein zielgerichtetes Vorgehen zu ermöglichen. Forschung schreitet in kleinen Schritten voran: Das Forschungsproblem wird in mehrere, in sich geschlossene Teilprobleme zerlegt, die nacheinander oder von mehreren Forschern parallel bearbeitet werden können. Bei dem Versuch, sein Teilproblem zu lösen, steht dem Wissenschaftler prinzipiell die Wahl der Methode frei. Wesentlich ist nur, dass die Anwendung seiner Methode zu einer Theorie führt, die objektive, d. h. intersubjektive nachprüfbare Aussagen über einen allgemeinen Sachverhalt macht.

Wenn ein Teilproblem zur Zufriedenheit gelöst ist, beginnt die Phase der Veröffentlichung. Traditionell verfasst der Forscher dazu selbst ein Manuskript über die Ergebnisse seiner Arbeit. Dieses besteht aus einer systematischen Darstellung der verwendeten Quellen, der angewendeten Methoden, der durchgeführten Experimente mit vollständiger Offenlegung des Versuchsaufbaus, der beobachteten Phänomene (Messung, Interview), gegebenenfalls der statistischen Auswertung, Beschreibung der aufgestellten Theorie und die durchgeführte Überprüfung dieser Theorie. Insgesamt soll die Forschungsarbeit also möglichst lückenlos dokumentiert werden.

Sobald das Manuskript fertig aufgesetzt wurde, reicht es der Forscher an einen Buchverlag, eine wissenschaftliche Fachzeitschrift oder Konferenz zur Veröffentlichung ein. Dort entscheidet zuerst der Herausgeber, ob die Arbeit überhaupt interessant genug und thematisch passend für die Zeitschrift ist. Wenn dieses Kriterium erfüllt ist, reicht er die Arbeit für das so genannte „Peer review“ (Begutachtung) an einen Gutachter weiter. Dieser überprüft, ob die Darstellung nachvollziehbar und ohne Auslassungen ist und ob Auswertungen und Schlussfolgerungen korrekt sind. Ein Mitglied des Redaktionskomitees der Zeitschrift fungiert dabei als Mittelsmann zwischen dem Forscher und dem Gutachter. Der Forscher hat dadurch die Möglichkeit, grobe Fehler zu verbessern, bevor die Arbeit einem größeren Kreis zugänglich gemacht wird. Wenn der Vorgang abgeschlossen ist, wird das Manuskript gesetzt und in der Zeitschrift abgedruckt. Die nunmehr jedermann zugänglichen Ergebnisse der Arbeit können nun weiter überprüft werden und werfen neue Forschungsfragen auf.

Der Prozess der Forschung ist begleitet vom ständigen regen Austausch unter den Wissenschaftlern des bearbeiteten Forschungsfelds. Auf Fachkonferenzen hat der Forscher die Möglichkeit, seine Lösungen zu den Forschungsproblemen, die er bearbeitet hat (oder Einblicke in seine momentanen Lösungsversuche) einem Kreis von Kollegen zugänglich zu machen und mit ihnen Meinungen, Ideen und Ratschläge auszutauschen. Zudem hat das Internet, das zu wesentlichen Teilen aus Forschungsnetzen besteht, den Austausch unter Wissenschaftlern erheblich geprägt. Während E-Mail den persönlichen Nachrichtenaustausch bereits sehr früh nahezu in Echtzeit ermöglichte, erfreuten sich auch E-Mail-Diskussionslisten zu Fachthemen großer Beliebtheit (ursprünglich ab 1986 auf LISTSERV-Basis im BITNET).

Lehre

Hauptartikel: Lehren

Lehre ist die Tätigkeit, bei der ein Wissenschaftler die Methoden der Forschung an Studenten weitergibt und ihnen einen Überblick über den aktuellen Stand der Forschung auf seinem Gebiet vermittelt. Dazu gehört einerseits das Verfassen von Lehrbüchern, in denen er diese Kenntnisse schriftlich niederlegt, andererseits die Vermittlung des Stoffs in unmittelbarem Kontakt mit den Studenten, durch Vorlesungen, Seminare und Praktika. Diese Veranstaltungen organisieren die veranstaltenden Wissenschaftler selbstständig und führen auch gegebenenfalls selbstständig Prüfungen durch (Lehrmittelfreiheit).

Voraussetzung zur Teilnahme an der Lehre als Student mit Prüfungsanspruch ist die Immatrikulation, die an die Bedingung der Hochschulreife geknüpft ist und je nach Universität und Studienrichtung zusätzlichen Zulassungsbeschränkungen unterliegt (Numerus clausus) und Gebührenpflichtig sein kann (Studiengebühren). Das Studium besteht aus einer Reihe organisatorisch voneinander unabhängiger Veranstaltungen, für die man bei erfolgreicher Absolvierung eine Bestätigungsurkunde bekommt („Scheine“), sowie einer Abschlussarbeit und/oder -Prüfung, die zu einem berufsqualifizierenden Abschluss und einem akademischen Grad führt. Die Einzelheiten sind für jeden Studiengang in einer Studiumsordnung und einer Prüfungsordnung geregelt. In Deutschland war lange Zeit ein zusammenhängendes Studium die Regel, das in Grund- und Hauptstudium unterteilt war. Mit dem Bologna-Prozess hat sich jedoch das amerikanische System mit Bachelor als vollwertigem Abschluss und Master als zusätzlicher Qualifikation etabliert. Die traditionelle Form des Studiums ist das Präsenzstudium. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts (erstmals Mitte des 19. Jahrhunderts) wird von einzelnen Universitäten exklusiv oder als alternative Möglichkeit das Fernstudium angeboten. Diese Form des Studiums ist jedoch die Ausnahme geblieben. Seit dem beginnenden 21. Jahrhundert gibt es auch Versuche mit E-Learning.

In einer Vorlesung liest der Dozent über ein bestimmtes Thema, meist auf Basis eines Lehrbuchs oder eines eigenen Skripts. Vorlesungen finden an Universitäten in Hörsälen statt. Der Dozent steht dabei den Studenten gegenüber und versucht mit Tafel, Projektor oder Beamer das Thema zu vermitteln. Die eigentliche Erlernung des Wissens findet durch die vorlesungsbegleitenden Übungen statt, die von einem Assistenten des Professors geleitet wird und aus der Bearbeitung von wöchentlichen Übungsblättern besteht, die von Hilfskräften („Bremser“) korrigiert und in einer Übungsstunde besprochen werden (je nach Teilnehmeranzahl mit einer Unterteilung der Studenten in Übungsgruppen). Vorlesungen finden in der Vorlesungszeit wöchentlich mit zwei bis sechs Vorlesungsstunden statt; manchmal gibt es auch ein- bis zweiwöchige Blockveranstaltungen in den Semesterferien. In Einstiegsvorlesungen sind anfänglich bis zu 400 Teilnehmer keine Seltenheit. In der Regel findet eine Prüfung über den Übungsstoff („Klausur“) am Ende der Vorlesung statt, die für das Bestehen der Vorlesung ausschlaggebend ist. Für die organisatorische Gestaltung hat der Dozent jedoch sehr weitgehende Freiheiten und kann Lehrmittel, Zulassungsvoraussetzungen (Zwischenprüfung, wöchentliche Leistungsüberprüfung, Pflichtleistung bei Übungsblättern), Prüfungsform (mündlich, schriftlich), und -inhalt sowie Anwesenheitspflicht frei bestimmen, oder aber auch auf Prüfungen ganz verzichten („Sitzschein“).

Seminare finden unter direkter Beteiligung von Studenten statt. Hier behandelt der Dozent in der Regel nur organisatorische Dinge, sowie gegebenenfalls eine kurze Einführung in das Thema zu Beginn und einen Rückblick am Ende. Der eigentliche Inhalt wird dabei von Studenten selbst erarbeitet und vorgetragen. Seminare während der Vorlesungszeit finden einmal wöchentlich statt, daneben gibt es Blockseminare, bei denen die Vorträge an zwei oder drei Tagen in einem Block gehalten werden. Seminare mit Grundlagen- und Einführungsthemen nennt man Proseminar; sie werden früh im Studium absolviert. Seminare mit mehr spezialisierten Themen, die sich an aktuellen Forschungsveröffentlichungen orientieren, sind Hauptseminare. Seltener finden sich gemischte Seminare, die aus zwei entsprechenden Teilen bestehen. Daneben gibt es Oberseminare, die der Präsentation von Abschlussarbeiten dienen, sowie Forschungsseminare, bei denen Teilnehmer eigene Forschungsergebnisse vorstellen. Neben einem Vortrag ist die Anfertigung einer Seminararbeit über das Thema Voraussetzung für die erfolgreiche Absolvierung des Seminars. Die Teilnehmeranzahl in Seminaren ist gemäß der verfügbaren Zeit auf ein gutes Dutzend begrenzt. Seminare finden in der Regel in Seminarräumen statt, bei denen Dozent und Studenten an einem Tisch sitzen.

Ein Praktikum besteht aus der eigenständigen Erarbeitung eines Themas, meist einzeln, manchmal auch in kleinen Gruppen. Einführungspraktika haben den Zweck, grundlegende praktische Fähigkeiten zum Fachgebiet zu vermitteln, während Fortgeschrittenenpraktika sich mit kleineren Problemen der aktuellen Forschung beschäftigen. Die Praktika bestehen aus dem Lösen der Aufgabe und der Anfertigung einer Ausarbeitung dazu. Die Abschlussarbeit ist dem ganz ähnlich, jedoch ausführlicher und tiefgehender.

Werte der Wissenschaft

Ein klassisches, auf Aristoteles zurückgehendes Ideal ist die völlige Neutralität der Forschung, sie sollte autonom, rein, voraussetzungs- und wertefrei sein („tabula rasa“).

Karl Popper sah dies als Wert der Wertefreiheit und somit als paradox an und nahm die Position ein, dass Forschung positiv von Interessen, Zwecken und somit einem Sinn geleitet sein sollte (Suche nach Wahrheit, Lösung von Problemen, Verminderung von Übeln und Leid), während möglicherweise ganz unbewusste negative Konsequenzen bzw. falsche Annahmen immer einer Kritik zugänglich sind. Wissenschaft soll demnach also immer eine kritische Haltung gegenüber eigenen wie fremden Ergebnissen und Thesen einnehmen.

Richard Feynman kritisierte vor allem sinnlos gewordene Forschungspraxis der Cargo-Kult-Wissenschaft, bei der Forschungsergebnisse unkritisch übernommen und vorausgesetzt werden, so dass zwar oberflächlich betrachtet eine methodisch korrekte Forschung stattfindet, jedoch die wissenschaftliche Integrität verloren gegangen ist.

Ignoriert die Wissenschaft vorsätzlich Argumente, spricht man meist von Pseudowissenschaft. Lässt sie sich zum Spielball politischer oder finanzieller Interessen machen, indem sie zugunsten solcher Interessen bewusst wesentliche Aspekte ausblendet, spricht man von Junk Science. Die wissenschaftsähnliche Auseinandersetzung mit Themen, zu denen in der Wissenschaft kein wesentliches Forschungsinteresse besteht, nennt man Parawissenschaft. Zur vorsätzlichen Fälschung von Forschungsergebnissen siehe Betrug und Fälschung in der Wissenschaft.

Mit Massenvernichtungswaffen, Gentechnik und Stammzellenforschung sind im Laufe des 20. Jahrhunderts vermehrt Fragen über ethische Grenzen der Wissenschaft (siehe Wissenschaftsethik) entstanden.

Wissenschaftsbereiche

Bereits Aristoteles gliederte die Wissenschaft in Teilbereiche, so genannte Einzelwissenschaften. Die klassische neuzeitliche Aufteilung differenziert Natur-, Geistes- und Gesellschaftswissenschaften, mit der zunehmenden Verwissenschaftlichung kamen Agrar-, Ingenieurs-, Wirtschafts-, Rechtswissenschaft und Medizin hinzu. Über diese hinaus gibt es verschiedene zweckgebundene Einteilungen, die nicht mehr einheitlich sind. Mit einem zunehmenden Trend zur weiteren Spezialisierung ist die gegenwärtige Situation sehr dynamisch und kaum überschaubar geworden. Historisch gesehen sind die einzelnen Bereiche alle aus der Philosophie entstanden, insbesondere Naturphilosophie und Naturwissenschaft waren lange Zeit in der Naturkunde eng verbunden.

Die Einteilung der Wissenschaft ist insbesondere für organisatorische Zwecke (Fakultäten, Fachbereiche) und für die systematische Ordnung von Veröffentlichungen von Bedeutung (z. B. Dewey Decimal Classification, Universelle Dezimalklassifikation).

Vermehrt gibt es auch die Bestrebung, disziplinübergreifende Bereiche zu etablieren und so Erkenntnisse einzelner Wissenschaften gewinnbringend zu verknüpfen.

Siehe auch

Literatur

Einzelnachweise

  1. Paul Arthur Schilpp (Hrsg.): Albert Einstein als Philosoph und Naturforscher (Stuttgart: Kohlhammer, 1949), S. 507, zitiert bei [1]