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Mafia

Dieser Artikel behandelt die kriminelle Organisation Mafia; zu weiteren gleichnamigen Begriffen siehe Mafia (Begriffsklärung).

Mafia (auch: Maffia) war ursprünglich die Bezeichnung für einen streng hierarchischen Geheimbund, der seine Macht durch Erpressung, Gewalt und politische Einflussnahme zu festigen und auszubauen versucht und seine Wurzeln im Sizilien des 19. Jahrhunderts hat. Heute bezeichnet man die sizilianische Mafia auch als Cosa Nostra. Die sizilianische Mafia operiert weltweit und hat Verbindungen zu anderen mafiaähnlichen Gruppen.

Die meisten italienischen Verbrecherorganisationen wie die neapolitanische Camorra, die kalabrische 'Ndrangheta und die apulische Sacra Corona Unita werden heute auch dem Mafiabegriff zugeordnet. Darüber hinaus fand und findet der Mafiabegriff immer häufiger Anwendung auf andere Verbrecherorganisationen aus dem Bereich der organisierten Kriminalität wie z.B. die amerikanischen Cosa Nostra, die russische Mafia oder die chinesische Mafia.

Inhaltsverzeichnis

Etymologie und Begriffsgeschichte

Die Abstammung des Begriffes Mafia wird heute ganz unterschiedlichen Quellen zugeordnet (dazu insbesondere Novacco (1959) und Lo Monaco (1990)).

Aus dem Arabischen:

Aus dem Sizilianischen:

Aus anderen italienischen Dialekten:

Laut Duden hat das Wort arabische und italienische Ursprünge und bedeutet Anmaßung.[1]

Akronyme:

Andere Ursprünge:

Frühester schriftlicher Nachweis 1585 als Spitzname einer Hexe, im Sinne von Hybris und Herrschsucht.

Die schließlich ausschlaggebende Prägung des Begriffs mafioso ergab sich durch die im Gefängnis von Palermo spielende Komödie "I mafiusi di la Vicaria" ("Die Mafiosi des Gefängnisses von Vicaria"), welche 1863 uraufgeführt und bald vom Sizilianischen ins Italienische, Mailändische und Neapolitanische übersetzt wurde. Die Komödie veranlasste die Menschen in Palermo dazu, eine zuvor nicht einheitlich benannte kriminelle Organisation Mafia zu nennen, so erscheint 1865 beispielsweise das Wort "Maffia" für Straßenräuber oder Briganten in einem Geheimpapier des Präfekten von Palermo Filippo Gualtiero. Gualtiero schreibt von Nichtstuern, Vagabunden, Mafiosi und allgemein verdächtigen Personen. Verbreitet wurde der Begriff darüber hinaus durch eine von der Regierung angestoßene landesweite Diskussion über das Problem.

Im Falle der Abstammung aus dem toskanischen Dialekt, ist die Verbreitung des Mafia-Begriffs in Sizilien nach der Landung Giuseppe Garibaldis (1860) wahrscheinlich, ähnlich wie auch andere Wörter aus dem Toskanischen. Der früheste nachweisbare Wörterbucheintrag (Novo Vocabolario siciliano-italiano 1868) enthält zugleich die erste etymologische Deutung. Dort heißt es "Mafia. Neologismus zur Bezeichnung von Handlungen, Sprache etc. von einem der den Bravo machen will (chi vuole fare il bravo). ... Sammelbezeichnung aller mafiusi (smàferi [sic!] nennen sich in der Toscana die Schergen (sgherri))." Dem Ethnologen Giuseppe Pitrè zufolge gab es dem Begriff Mafia aber schon vor 1860 und bezeichnete einen "Mafiusu" (mutiger Mann) oder eine "Mafiusedda" (schönes, stolzes Mädchen).

Bereits 1875 ist der Begriff in fast allen europäischen Sprachen nachweisbar.

Die Mafia und die Organisierte Kriminalität

Die Mafia unterscheidet sich von anderen Formen der Organisierten Kriminalität in ihrer Struktur: Die Mafia sizilianischen Ursprungs besteht aus so genannten Familien – wobei es sich hier nicht um Familien im eigentlichen Sinne handelt, sondern um einen engen streng hierarchisch gegliederten Gruppenverband aus Mitgliedern sizilianischer Abstammung – die einem Codex folgen, dessen Regeln jedes Familienmitglied genau einzuhalten hat. Verstöße gegen diese Regeln wurden in der Vergangenheit oft mit brutalsten Mitteln bis hin zu Mord geahndet. Die Mafia ist vor allem auch eine patriarchale Organisation. Frauen haben keinen Zugang zur Hierarchie der Mafiafamilien, die Mitglieder sind ausschließlich Männer. Jede Mafiafamilie hat einen Boss, dem jedes Familienmitglied zu absolutem Gehorsam verpflichtet ist. Diesen Bossen steht wiederum ein Oberboss (capo dei capi bzw. capo dei tutti capi, Boss der Bosse) vor, der uneingeschränkte Macht über alle Familien hat. Die Hierarchie der Mafia ist im Artikel Cosa Nostra aufgelistet.

Die Mafia und wer dazu gezählt werden kann

Eigentlich kann nur die Mafia sizilianischer Herkunft diese Bezeichnung für sich beanspruchen, jedoch werden heute weitere kriminelle Organisationen dem Mafiabegriff zugeordnet.

Italien
Vereinigte Staaten

Kriminelle Bündnisse mafiosen Typs

Folgende kriminelle Organisationen werden oft unter dem Begriff Mafia zusammengefasst, obwohl sie nicht über den sozialhistorischen Kontext verfügen. Diese sind deshalb eher als Organisierte Kriminalität zu bezeichnen, wobei es nicht in allen Fällen tatsächlich eine einheitliche Organisationsstruktur geben muss.

USA
Die Kosher Nostra war ein mafioses Bündnis vor allem im New York der 30er, dem hunderte Morde zugeschrieben werden. Ihren Namen bekam sie in Anlehnung an die Cosa Nostra und die zumeist jüdische Abstammung einiger legendärer Bandenmitglieder wie Meyer Lansky, Bugsy Siegel und Dutch Schultz. Die Kosher Nostra verschwand jedoch mit dem Tod ihrer Mitglieder.

Kolumbien
Lateinamerika wurde in den 70er, 80er und 90er Jahren von zwei kolumbianischen Drogenkartellen, die den lateinamerikanischen und amerikanischen Kokainmarkt fast vollständig unter sich aufteilten, beherrscht. Das mächtigste war das Cali-Kartell, das bis zu 80% des Kokainhandels mit den USA kontrollierte. Das wesentlich kleinere Medellín-Kartell war wegen seines berüchtigten Bosses Pablo Escobar bekannt, der es u.a. durch seine Verbrechen zu einem der reichsten Menschen der Welt und zu einem kurzzeitigen Sitz im kolumbianischen Kongress schaffte, aber 1993 nach längerer Jagd von der Polizei auf der Flucht erschossen wurde.

Polen
In Polen gab es nach dem Zusammenbruch des Kommunismus zwei mafiaähnliche Bündnisse, die Pruszkow-Organisation, die die Gebiete nördlich, südlich und westlich von Warschau für sich beanspruchte und die Wolomin-Mafia, die die Gebiete östlich der Hauptstadt beanspruchte. Die Haupteinnahmequellen der beiden Organisationen waren Schutzgelderpressung, Schmuggel und Drogenhandel. Sie waren für viele Morde verantwortlich, die sowohl an Privatpersonen wie auch an Polizisten verübt worden sind. Mittlerweile sind fast alle Anführer entweder tot oder im Gefängnis, so dass nur noch vereinzelte Gruppen existieren.

Albanien
Die `albanische Mafia´ sind kriminelle Banden mafiosen Typs, deren Geschäftsfelder u.a. Menschenhandel, Drogen- und Zigarettenschmuggel sind.

Russland
Die diversen kriminellen Banden, die nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion in den chaotischen 1990er Jahren entstanden, werden oft als die "Russenmafia" bezeichnet. Inwieweit es sich hier wirklich um kriminelle Organisationen mafiosen Typs handelt, ist unklar.

Asien

Mafia und Politik

Politisch betrachtet ist die Mafia eine Ausprägung rechtskonservativen Denkens, mit einer sehr starken Einschränkung der Prinzipien der Rechtsstaatlichkeit und der freien Marktwirtschaft. Aus dieser politischen Positionierung infiltriert die Mafia insbesondere Parteien des rechten und moderaten Spektrums. Ihr klassischer politischer Gegner sind linke Parteien, linke Gewerkschaften, aber auch zum Teil liberale Bewegungen und Unternehmerverbände. Einfach gesagt sind der Mafia alle Bewegungen entgegengesetzt, deren gemeinsames Interesse die transparente und soziale Gestaltung staatlicher Verhältnisse ist.

Im Fall von Italien war augenscheinlich der Faschismus unter Mussolini ein solcher Gegner der Mafia und zwar der zugleich radikalste und erfolgreichste. Innerhalb weniger Jahre und kraft der Möglichkeiten totalitärer Staatsordnung gelang hier die Zurückdrängung der Mafia bis zur Bedeutungslosigkeit. Als Kehrseite dieses Erfolges und zugleich wichtig zur Präzisierung des Phänomens Mafia, tritt mit dem Faschismus der Mafia weniger ein Gegner als vielmehr ein ungleicher Konkurrent gegenüber. Diese "Mafia-Bindung" totalitärer Staaten wird auch sichtbar, wo, im umgekehrten Fall, beim Zusammenbruch nichtdemokratischer Regime, wie den Staaten des ehemaligen Ostblocks, eine zum Teil rasante Entwicklung der Mafia zu beobachten ist. Auffällig in Erscheinung treten dabei insbesondere frühere Funktionäre aus Geheimdienst, Partei und der Staatswirtschaft.

Die Besonderheit der Mafia, also die Verschmelzung von organisierter Kriminalität und Staat, ist nur möglich in dem Maß, wie sie eine verbreitete, im Volk tief verankerte Mentalität ausdrückt. Ihr Eindringen in die Regierung beschreibt am Fall von Italien Violante (in den Neunziger Jahren Chef der Anti-Mafia-Kommission): "Die Mafia versucht immer mehr, direkt in die Politik einzudringen und stellt sogar ihre eigenen Kandidaten. Daher muss man die Augen offen halten und scharf reagieren" ... "Für die Mafia ist es nicht so sehr das Problem, Verbindungen mit nationalen Politikern zu finden, die Mafia will zu Geld kommen. Daher ist es für die Cosa Nostra wichtig, auch auf lokaler und regionaler Ebene Politiker in die Institutionen einzuschleusen. Alle Parteien müssten sich mit der Gefahr der Mafia-Verstrickung auseinandersetzen."

Im Volk verbreitete Haltung gegen staatliche Ordnung dringt einerseits in alle Instanzen öffentlich sichtbaren politischen Lebens, andererseits organisiert sie hierarchisch gegliederte Entscheidungs-Gremien einschließlich ausführender Organe. So berichtet ein Vincenzo Calcara vom Tag seiner rituellen Aufnahme: "Die Cosa Nostra erkennt die Autorität des Staates nicht an, zu dem sie immer im Gegensatz stand und stehen wird. Wir kümmern uns nicht um den Staat. Unsere Heimat ist die Mafia-Familie, die wir bis zum letzten Blutstropfen verteidigen müssen" [2]

Mafia und Wirtschaft

Ab einem bestimmten Punkt der Akkumulation ökonomischer Ressourcen aus Kriminalität, wird der Aufbau von Strukturen zur Geldwäsche zum strategischen Ausgangspunkt der gesellschaftlichen und internationalen Weiterentwicklung von der klassischen zur modernen Mafia. Dabei streift sie den letzten Schein ihrer "archaischen Züge" ab. Die Mafia infiltriert die Wirtschaft eines Landes und schließlich die internationalen Finanzmärkte als "sauberer Investor". Geht die Infiltration weit genug wird die Mafia zum Wirtschaftsfaktor, der in prädestinierten Regionen den staatlich kontrollierten überragen kann.

Die Gegenleistungen der Mafia sind nicht gemeinschaftlicher Art wie Krankenhäuser, Schulen usw., sondern persönliche Vorteilsverschaffung etwa bei der Verteilung staatlicher Bauaufträge oder bei der Besetzung von Stellen im öffentlichen Dienst. Ergebnis ist der wirtschaftliche und verwaltungstechnische Rückfall hinter andere Landesregionen und in Folge die Abwanderung. Die Folge wiederum sind Wirtschaftshilfen und damit die Stärkung der Mafia, die die Verwaltung dieser Hilfen je nach ihrem Einfluss kontrolliert.

In einem Bericht von «Confesercenti», dem zweitgrößten italienischen Handels- und Unternehmerverband, vom 22. Oktober 2007 im Corriere della Sera wird die Höhe der jährlichen Schutzgelderpressung auf 40 Milliarden Euro geschätzt. Dem Bericht zufolge sollen in Sizilien sieben von zehn Unternehmern Schutzgeld an die Mafia zahlen, in Kalabrien sind es die Hälfte aller Unternehmen. Durch die Kooperation vieler Großunternehmen ist die Mafia in diesen Gebieten zu einem Monopolisten geworden. Supermärkte zahlten rund 5.000 Euro pro Jahr an die Mafia, Bauunternehmen pro Baustelle rund 10.000 Euro.[3]

„Der Schraubstock der Mafia hat bewirkt, dass von 2004 bis 2006 rund 165.000 kommerzielle Aktivitäten eingestellt wurden und 50.000 Hotels dichtgemacht haben.“

Handelsblatt vom 23. Oktober 2007 [4]

Die Anzahl der von Schutzgelderpressung geschädigten Händler wird 2007 auf etwa 160.000 pro Jahr geschätzt und rund 150.000 seien auch Opfer von Wucherern.[5] Die Regierung Prodi kündigte daraufhin eine neue Reihe von Gesetzen an, mit denen z.B. eine leichtere Enteignung von Mafia-beherrschten Betrieben möglich werden soll.

Die Mafia heute

Heute ist "Mafia" ein internationales Synonym für organisierte Kriminalität. "Mafia" wird gleichgesetzt mit gewalttätigen und verschworenen Geheimgesellschaften und kriminellen Klans, die sich in der Prostitution, dem Menschenhandel, dem Drogenhandel betätigen und die ihre Einkünfte aus Erpressung, insbesondere der Schutzgelderpressung, dem illegalen Glücksspiel und Subventionserschleichung bzw. Subventionsbetrug bestreitet. Lohnendes "Geschäftsfeld" ist weiterhin die kriminelle Unterwanderung von legalen Wirtschaftssektoren: der Bauwirtschaft, der Wohnungswirtschaft, der Abfallentsorgung, der Gastronomie, dem offiziellen Bank- und Finanzwesen. Allein in Italien soll die Mafia schätzungsweise 100 Mrd. Euro jährlich erwirtschaften – doppelt soviel wie der Autohersteller Fiat (Stand: 2006). Die Gewinne versucht die Mafia in den normalen Wirtschaftskreislauf einzubringen und so zu legalisieren.

Bekämpfung der Mafia

Behörden

International

National

Wichtige Mafiagegner

Italien


Schweiz

USA

Siehe auch

Literatur

 Wiktionary: Mafia – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen und Grammatik

Wissenschaftliche Artikel

Journalistische Artikel

Quellen

  1. Duden Band 5 (Fremdwörterbuch), siebte Auflage, Dudenverlag 2001.
  2. Bettini 1994, 86 – 88). (Quelle genauer benennen)
  3. „Italiens größtes Unternehmen. Die Mafia GmbH“, tagesschau, 22. Oktober 2007
  4. „90 Milliarden Umsatz. Die Mafia dominiert die Wirtschaft“, Handelsblatt, 23. Oktober 2007
  5. „"Firma“ Mafia."Das größte Unternehmen Italiens“, FAZ, 23. Oktober 2007