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Melencolia I

Melencolia I oder Melancholia I (1514) ist einer der drei Meisterstiche Albrecht Dürers (vgl.: Ritter, Tod und Teufel und Der heilige Hieronymus im Gehäus). Er gilt als das rätselhafteste Werk Dürers und zeichnet sich – wie viele seiner Werke – durch eine komplexe Ikonographie und Symbolik aus.

Inhaltsverzeichnis

Bildinhalt und Symbolik

Deutung

Dieses äußerst rätselhafte Werk verschließt sich einer vollständigen Interpretation. Ein naheliegender Ansatz besteht darin, es als eine Allegorie der Melancholie oder Depression zu sehen. Ferner besteht die Möglichkeit, es in Beziehung zu den anderen Meisterstichen zu setzen. Ähnlich wie die Temperamentenlehre sich in den Vier Aposteln widerspiegelt, stellen die drei Meisterstiche drei unterschiedliche Lebensformen dar. Den mittelalterlichen Vorstellungen der vita activa des Ritters und der vita contemplativa des Hieronymus stellt Dürer eine dritte, möglicherweise modernere Lebensform gegenüber.

Die Frauengestalt steht nicht nur für die Melancholie, sondern auch für den Künstler. Der Künstler ist anders als seine Mitmenschen von einem tiefgründigeren Wesen. Sein Genie ist zugleich Segen und Fluch, da er durch ein Jammertal aus Trübsal muss, ehe er zur Kunst gelangt. Melancholie wird als eine Voraussetzung für Kreativität verstanden. Durch die Symbolik des Bildes werden außerdem Kunst und Tod miteinander in Verbindung gebracht.

Ein interessanter Aspekt ist zudem, dass die Figur des Künstlers untätig Gedanken wälzt, anstatt sich künstlerisch zu betätigen (wie in der durch den eifrig beschäftigten Putto dargestellten „Jugend“). Möglicherweise spürt sie ein Unbehagen angesichts der Begrenztheit der eigenen Existenz und der eigenen Kunst, die nicht an das Göttliche heranreicht.

Albrecht Dürer scheint viel von seinem eigenen Selbstverständnis in das Bild eingearbeitet zu haben. Der Stich ist auf unzählige Weisen interpretierbar und verwehrt sich einer endgültigen Auslegung. Aus diesem Grund wird er zu Recht und nicht nur wegen der großen Kunstfertigkeit zu den „Meisterstichen“ gezählt.

Rezeption

Gottfried Keller inspirierte Dürers Blatt zu dem Gedicht Melancholie. In dessen letzter Strophe deutet der Dichter die Engelsgestalt im Sinne der Romantik als Verkörperung der künstlerischen Phantasie.

Der ursprüngliche Titel von Jean-Paul Sartes Roman Der Ekel sollte, nach Dürers Kupferstich "Melancholia" sein. Der endgültige Titel, französisch "La nausée", wurde ihm erst vom Verleger Sartres verliehen.[1]

Literatur

Einzelnachweise

  1. Jean-Paul Sartre: "Der Ekel"; Rowohlt Taschenbuch; Reinbek 2003