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Kreis Aachen

Dieser Artikel behandelt den seit 1. Januar 1972 bis 20. Oktober 2009 bestehenden Kreis Aachen in Nordrhein-Westfalen; für den Vorgänger (Landkreis Aachen 1816–1971) siehe Geschichte des Kreises Aachen; für die ab 21. Oktober 2009 per Aachen-Gesetz beschlossene Rechtsnachfolgerin siehe Städteregion Aachen.


Der Kreis Aachen ist ein Kreis im äußersten Westen von Nordrhein-Westfalen. Er ist Teil der Region Aachen sowie der Euregio Maas-Rhein und gehört zum Regierungsbezirk Köln. Er geht zurück auf den Landkreis Aachen, welcher 1816 (im ehemaligen Regierungsbezirk Aachen in der preußischen Rheinprovinz) aus den von 1798 bis 1814 französischen Kantonen Burtscheid und Eschweiler im Arrondissement Aachen, Département Roer sowie Teilen des Kantons Rolduc im Arrondissement Maastricht, Département Meuse-Inférieure entstanden ist.

Der Kreis Aachen wird gemäß Aachen-Gesetz mit Ablauf des 20. Oktober 2009 aufgelöst und aus den Gemeinden des Kreises Aachen und der Stadt Aachen wird mit Wirkung vom 21. Oktober 2009 als neuer Gemeindeverband die Gebietskörperschaft Städteregion Aachen gebildet.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Räumliche Lage

Der Kreis Aachen besteht heute aus sieben Städten und zwei Gemeinden. Er erstreckt sich von der Stadt Baesweiler im Norden über ca. 50 Kilometer bis zur Stadt Monschau im Süden. An der schmalsten Stelle verfügt er über eine Breite von nur 6 km.

Während die nördlichen und östlichen Teile des Kreises geographisch und topographisch zu den Bördenlandschaften der Niederrheinischen Bucht gehören, dehnt sich der südliche Teil des Kreises auf die Mittelgebirgslandschaft der Eifel aus.

Geografische Lage
Nördliche Breite: 50° 57' - 50° 30'
Östliche Länge: 06° 04' - 06° 25'
Entfernungen
Nord-Süd: ca. 50 km
Ost-West: ca. 10 km

Kreisgliederung

Im Kreis Aachen gibt es neun kreisangehörige Gemeinden, von denen sieben den Titel „Stadt“ führen. Sechs davon sind Mittlere kreisangehörige Städte mit 25.000 bis 60.000 Einwohnern.

Gemeinde Gemeindeart Fläche km²* Einwohner gesamt* Einwohner männlich* Einwohner weiblich* Einwohner je km²*
Alsdorf mittlere kreisangehörige Stadt 31,67 46.164 22.746 23.418 1.458
Baesweiler mittlere kreisangehörige Stadt 27,77 28.253 13.925 14.328 1.017
Eschweiler mittlere kreisangehörige Stadt 75,93 55.758 27.029 28.729 734
Herzogenrath mittlere kreisangehörige Stadt 33,40 47.333 23.188 24.145 1.417
Monschau kreisangehörige Stadt 94,62 12.876 6.419 6.457 136
Roetgen kreisangehörige Gemeinde 39,03 8.180 4.008 4.172 210
Simmerath kreisangehörige Gemeinde 111,01 15.596 7.862 7.734 140
Stolberg mittlere kreisangehörige Stadt 98,51 58.329 28.649 29.680 592
Würselen mittlere kreisangehörige Stadt 34,39 37.601 18.072 19.529 1.093
Kreis Aachen Kreis 546,33 310.090 151.898 158.192 568

*: Quelle: LDS NRW, Stand: 30. Juni 2007

Obwohl die kreisfreie Stadt Aachen selbst nicht zum Kreis Aachen gehört, befindet sich dort dennoch der Kreissitz. Grund hierfür ist die Tatsache, dass das Kreishaus bzw. Landratsamt auf ehemals Burtscheider Stadtgebiet liegt. Vor dem Zusammenschluss mit der Stadt Aachen gehörte Burtscheid noch zum Kreis Aachen.

Nachbarkreise bzw. -städte

Der Kreis Aachen grenzt im Norden an den Kreis Heinsberg, im Osten an die Kreise Düren und Euskirchen, im Süden und Westen an Belgien, im Westen an die kreisfreie Stadt Aachen und an die Niederlande.

Kreisgrenze
Kreisgrenze gesamt: 224 km
Zu Belgien: 43,9 km
Zu den Niederlanden: 9,7 km
Zum Kreis Heinsberg: 14,6 km
Zum Kreis Düren: 95,4 km
Zum Kreis Euskirchen: 19,3 km
Zur Stadt Aachen: 41,1 km

Gewässer

Durch das Kreisgebiet fließen

Im Kreisgebiet liegen

Geschichte

Wichtige prähistorische Funde, primitive Faustkeile und Steingeräte zeugen davon, dass dieser Landstrich schon in der Altsteinzeit bewohnt war. Während der 400-jährigen Herrschaft der Römer erlebte der Aachener Raum eine wirtschaftliche und kulturelle Blütezeit. Fürsten, Kaiser, Könige, Herzöge und Ritter befehdeten sich in der Vergangenheit unaufhörlich und verwüsteten dabei immer wieder das Land. Franken, Normannen, Staufen und Welfen, Österreicher, Spanier, Lothringer, Hessen, Holländer, Schweden und Franzosen, sie alle zogen hier durch oder kämpften. Trotz der vielen Kriege und Erbauseinandersetzungen blieben die im 14. Jahrhundert errichteten territorialen Verhältnisse im „Aachener Reich“ bestehen, bis die ersten französischen Revolutionsheere 1792 das linke Rheinufer besetzten. An die Stelle der vielen weltlichen und geistlichen Herrschaften trat nach französischem Vorbild eine Neugliederung der Verwaltungsbezirke. Aachen wurde die Hauptstadt des Rurdépartements (Département de la Roer) für 42 Kantone (im Kreis Aachen: Burtscheid, Eschweiler und Montjoie/Monschau) und 331 Mairien, also auch für das ganze Land um Aachen und Monschau. Die Völkerschlacht bei Leipzig im Oktober 1813 beendete die französische Herrschaft in Deutschland. Dank seiner Beteiligung an den Freiheitskriegen erhielt Preußen durch das Wiener Traktat neben anderen Bereichen auch das Aachener Gebiet zugesprochen. 1815 setzte Preußen den Kreis Aachen aus den ehemaligen französischen Kantonen zusammen und wählten Burtscheid als Kreissitz, das jedoch Ende des 19. Jahrhunderts nach Aachen eingemeindet wurde. So ist die Stadt Aachen bis heute sowohl kreisfreie Stadt als auch Kreissitz. Am 1. Januar 1972 wurden der Kreis Aachen und der Kreis Monschau zu einem neuen Kreis Aachen vereint. Hinzu kommt die Gemeinde Baesweiler (heute Stadt Baesweiler) aus dem aufgelösten Selfkantkreis Geilenkirchen-Heinsberg. Verwaltungssitz blieb die kreisfreie Stadt Aachen.

Siehe dazu auch den Hauptartikel: Geschichte des Kreises Aachen

Politik

Kreisverwaltung

Landrat des Kreises Aachen ist Carl Meulenbergh, am 26. September 2004 mit 50,2 % wiedergewählt, (CDU). 1. stellvertretender Landrat ist Hans Körfer (CDU). 2. stellvertretender Landrat ist Erwin Künkeler (SPD). 3. stellvertretende Landrätin ist Aggi Majewski (Bündnis 90/ Die Grünen). Der Kreisdirektor ist Helmut Etschenberg.

Landräte

Als Landräte des Kreises Aachen waren bzw. ist tätig:

Wappen

Die Blasonierung des Kreiswappens des Kreises Aachen lautet in der Hauptsatzung des Kreises Aachen: „In Blau ein goldenes (gelbes) Hirschgeweih, auf dessen Grind stehend ein silberner (weißer) Schwan mit schwarzen Füßen, ebensolchem Schnabel und roter Zunge; darüber im Schildhaupt in Gold (Gelb) ein schreitender, rotbezungter, schwarzer Löwe.“

Im Schildhaupt ist ein Löwe dargestellt, da sich das Kreisgebiet im Wesentlichen aus Gebietsteilen des ehemaligen Herzogtums Jülich zusammensetzt. Der Schwan auf dem Hirschgeweih im blauen Feld steht für die vormalige Reichsabtei und ehemalige Stadt Burtscheid, auf deren Gebiet sich die Kreisverwaltung des Kreises Aachen befindet.

Burgen, Burgruinen und Herrenhäuser im Kreis Aachen

Der Kreis Aachen ist besonders reich an Burgen, Herrenhäusern und Ruinen. Hier eine Auswahl:

Museen

siehe auch: Liste deutscher Museen nach Orten, Liste deutscher Museen nach Themen

Verkehr

Straßen

Durch das Kreisgebiet verlaufen die Bundesautobahnen A 4, mit der Raststätte Aachener Land, A 44 und A 544.

Das Straßenverkehrsamt für Kreis und Stadt Aachen befindet sich in Würselen. Siehe auch: StädteRegion Aachen

Eisenbahnen

Der Kreis liegt im Gebiet des Aachener Verkehrsverbunds. Bahnstrecken führen von Aachen im Kreisgebiet in Richtung Heerlen, Mönchengladbach, Düsseldorf, Düren, Köln und Lüttich. Außerdem sind weitere Strecken auf der euregiobahn in Bau.

Die Region Aachen wird seit 1841 von der Schnellfahrstrecke Köln–Aachen und seit 1852 von der Bahnstrecke Aachen–Mönchengladbach durchzogen. Die euregiobahn betreibt im Kreis Aachen einen Schienenpersonennahverkehr auf den Nebenstrecken. Weitere wichtige Strecken sind die Talbahnlinie, die Vennbahn und die Ringbahn Herzogenrath-Alsdorf-Stolberg

Geschichte der Eisenbahn im Kreis Aachen

Durch den zunehmenden Individualverkehr sowie die Beendigung des Bergbaus im Aachener Steinkohlenrevier wurden zahlreiche Nebenstrecken wegen mangelnder Rentabilität stillgelegt und abgebaut. Dabei handelt es sich um folgende Strecken:

Die Eisenbahngeschichte von Eschweiler begann in den 1840er Jahren mit der Eröffnung des Eschweiler Hauptbahnhofs im Stadtteil Röthgen. Ursprünglich war die Trasse und der Hauptbahnhof an der heutigen Jülicher Straße zwischen Eschweiler und Dürwiß geplant; sie wurde in den 1930er Jahren zum Bau der Bundesautobahn 4 genutzt. Drei Trassen führen durch Eschweiler: die Hauptfahrstrecke Köln-Aachen mit Nothberg, Eschweiler Hbf und bis 1935 Stolberg Hbf, die Talbahn mit Eschweiler-Weísweiler, Eschweiler-Nothberg, Eschweiler-Tal (heute: Eschweiler-Talbahnhof/Raiffeisenplatz), Eschweiler-West, Eschweiler-Röhe (stillgelegt) und Eschweiler-Aue und die Ringbahn mit Eschweiler-St. Jöris.

Die Eisenbahngeschichte von Stolberg ist eng verknüpft mit der Expansion der Stolberger Industrie, wo Kuperhöfe und anderen Großbetriebe den Bau von Bahnhöfen und Gleisanlagen forcierten. In der Nähe des Stolberger Hbf wurde bis 1976 ein Eisenbahnbetriebswerk unterhalten. Weitere Bahnhöfe waren der Bahnhof Atsch und der Bahnhof Velau.

Wirtschaft

In wirtschaftsstruktureller Hinsicht ist der Kreis Aachen dreigeteilt: im Norden liegt das Wurmrevier mit den Städten

Neben bekannten Firmen der Glasindustrie und Nadelfabrikation sowie Nahrungsmittelbetrieben haben sich hier inzwischen weitere wachstumsintensive und technologieorientierte Betriebe angesiedelt. Darüber hinaus bestimmt eine große Zahl von mittelständischen Unternehmen mit breitgefächertem Liefer- und Leistungsprogramm das Wirtschaftsbild.

Zwischen dem Nordkreis und den Städten und Gemeinden des Altkreises Monschau (Südkreis) liegen die traditionsreichen Industriestädte

So nahmen in der Stadt Eschweiler z. B. der Hoesch- und der Thyssen-Konzern seinen Anfang. Glas-, Kunststoff- und vor allem Metallverarbeitungsbetriebe sind hier heute ebenso ansässig wie Firmen aus der chemischen und pharmazeutischen Branche. Darüber hinaus sind in Eschweiler eine Vielzahl von mittleren und kleinen Betrieben ansässig, wobei sich die Stadt immer mehr zu einem regionalem Einkaufszentrum entwickelt. In Eschweiler wurde der Eschweiler Bergwerks-Verein EBV 1834 gegründet, der für eine ganze Region bis in die 1990er Jahre Arbeitgeber war. Eschweilers Bodenschätze sind in erster Linie Steinkohle, Braunkohle und Zink. Auch die Stolberger Industrie weist eine reiche Tradition auf. Chemische und Messingindustrie verschafften der Stadt hohes Ansehen, was noch heute in vielen Firmennamen zu finden ist. Dies hinterließ aber auch hohe Umweltschäden wie die Gressenicher Krankheit, Bleikinder und Vegla-Polder.

Der Rückzug des Steinkohlenbergbaus führte im Wurmrevier und Inderevier um die Städte Alsdorf, Eschweiler, Herzogenrath und Würselen zu einer bisher unbekannten Aufbruchstimmung. Eine Vielzahl von zukunftsweisenden Projekten sind geplant oder bereits in Angriff genommen. Dazu zählt u.a. die Erschließung von großflächigen Industrie- und Gewerbegebieten. Im ehemaligen Braunkohlentagebau „Zukunft“ ist der Blausteinsee entstanden, ein überregionales Freizeit- und Erholungsgebiet.

Der südliche Teil des Kreises Aachen mit der Stadt

verfügt als Teil des Naturparks Nordeifel über besondere landschaftliche Reize und bildet mit dem Gebiet um die Rurtalsperre, der zweitgrößten Talsperre Deutschlands, einen ausgesprochenen Fremdenverkehrsschwerpunkt. Neben der „Weißen Industrie“ sind jedoch auch beachtliche gewerbliche Ansätze vorhanden.

Wegen des beruflich breitgefächerten Arbeitskräftepotentials und der vorhandenen Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten besteht im Kreis Aachen die Möglichkeit, auf eine zahlenmäßig starke und im Vergleich zu anderen Regionen junge und leistungsfähige Arbeitskraftreserve zurückgreifen zu können. In Simmerath unterhält die Handwerkskammer ein überregionales Berufsbildungs- und Gewerbeförderungszentrum. In Alsdorf besteht seit 1984 der Verein für allgemeine und berufliche Weiterbild e.V. (VABW), der die Weiterbildung von Arbeitnehmern im Bereich der neuen Technologien zum Ziel hat.

Literatur

Quellen

Siehe auch

 Wikinews: Aachen – Nachrichten
 Commons: Kreis Aachen – Bilder, Videos und Audiodateien