Heim

Neid

Dieser Artikel beschreibt den Neid als Emotion. Die gleichnamige Fußballtrainerin ist unter Silvia Neid zu finden.

Unter Neid versteht man das ethisch vorwerfbare, gefühlsmäßige (emotionale) Verübeln der Besserstellung konkreter Anderer. Ähnlich, aber ungebräuchlicher ist der Begriff Missgunst. Fehlt es am ethischen Vorwurf, spricht man auch von Unbehagen gegenüber Überlegenheit, die man selber gerne hätte und nicht zu erreichen vermag. Will man Neid rechtfertigen, so ist eher von einem Streben nach Gleichheit die Rede. Wie andere Gefühle auch, hat der Neid Vorteile für den, der ihn hegt.

Das Gegenteil des Neides ist die Gunst.

Inhaltsverzeichnis

Näheres

Neidisch ist mithin jemand (der „Neider“), den ein Besitztum oder Vorzug anderer - auch unbewusst - kränkt (ein Minderwertigkeitsgefühl auslöst). Das Ziel des Neides ist dementsprechend, den beneideten Vorzug aus der Welt zu schaffen (nicht primär, ihn an sich zu bringen; das wäre dann zum Beispiel Habsucht). Neid kann sich nicht nur auf Besitztümer beziehen, sondern ebenso auf beispielsweise biologisch (Gesundheit) oder kulturell (Schönheit) geprägte Merkmale wie auch direkt auf den sozialen Status (der „Klassenbeste“, der „Torschützenkönig“). In gesteigerter Form kann der Neid für Beneidete gefährlich werden, dem gegenüber er oft verschwiegen wird, wenn er zur Triebkraft feindseligen Handelns wird.

Bewertung des Neides in Religionen

In der Bibel wird Neid an mehreren Stellen verurteilt, zum Beispiel Röm 1,29 EU, 1 Tim 6,4 EU, Tit 3,3 EU, 1 Petr 2,1 EU, Jak 3,14+16 EU, Gal 5,21 EU. Der Neid gehört seit dem späten 6. Jahrhundert zu den sieben Hauptsünden (siehe auch zur Abgrenzung Todsünden) der Römisch-Katholischen Kirche.

Im Hinduismus wird gesellschaftliche Ungleichheit als Folge des individuellen spirituellen Karmas dargestellt und Neid lediglich als das nicht akzeptierte Karma bzw. Schicksal, das der Welt der Kasten entgegensteht. Danach kann nur ein spirituell-esoterischer Aufstieg nach dem Anerkennen des eigenen Karmas erfolgen, der einen in eine höhere Kaste nach einer späteren Wiedergeburt bringt, oder ganz im Jenseits. Als Anti-Neid-Konzept ist der Hinduismus sehr populär bei den durch das Karma weniger benachteiligten und bestimmt so den Großteil der Welt von 850 Millionen Hinduisten.

Sozialneid

Unter Sozialneid versteht man den Neid in einem sozialen Milieu auf eine – auch nur vermeintlich – besser gestellte Gruppierung (Bezugsgruppe). Er kann sich sowohl auf Privilegien als auch auf Besitz beziehen. „Neid“ wird in diesem Zusammenhang auch als polemischer Kampfbegriff gegen Soziale Bewegungen (historisch zum Beispiel gegen die Arbeiterbewegung) benutzt, um den eignen Vorzug (das eigene Privileg) zu wahren. Dem liegt der Gedanke zu Grunde, ein Wunsch nach Gleichheit entspränge dem Neid, und dieser rühre aus der Unfähigkeit der Neider, durch Leistung den beneideten Vorzug selber zu erringen.

Umdeutungen des Neides in Evolutionstheorie und Psychoanalyse

Die Evolutionstheorie von François Lelord vertritt die These, der Neid – hier einzig im Sinne eines emotionalen Verhaltens – diene der Optimierung des Überlebens von Gruppen. Die Emotion Neid wäre dann ein biosozial abgestützter Mechanismus im Gruppenleben.

Es werden folgende Überlegungen vertreten:

  1. „Neid“ begünstige insbesondere die Entstehung von Ehrgeiz, um durch eigene Anstrengungen und eigenen Erfolg mit dem „Beneideten“ gleichzuziehen. Dieser positive Wettbewerb erhöhe die Überlebenschancen.
  2. Neid begünstige die Entwicklung von Fairness in einer Gruppe, weil er die Empfindlichkeit für Ungleichheiten innerhalb der Gruppe steigere, damit den Gerechtigkeitssinn [umstritten]. Fairness in einer Gruppe verhindere unnötige Streitereien und daraus folgende Verletzungen. Dadurch erhöhe sich die Überlebenschanche der gesamten Gruppe.

Der Psychoanalytiker Rolf Haubl unterscheidet zwischen dem negativen feindselig-schädigenden und depressiv-lähmenden sowie dem positiven ehrgeizig-stimulierenden und empört-rechtenden Neid, der das Gerechtigkeitsgefühl anregt und auf Veränderung drängt.[1]

Der Neider sieht sich im Vergleich zu dem Beneideten zurückgesetzt. Aber auch der Beneidete fühlt sich durch den Neid regelmäßig bedrängt bzw. diffus gefährdet. Neid ist daher sowohl für den Neider, aber auch für den Beneideten ein im Sinne des psychologischen Egoismus abträgliches Element. Hieraus resultiert seine Mißbilligung.

Sonstiges

Sogenannte Neidköpfe, meist angebracht an Giebeln, sollten dem Volksglauben nach das Unheil und Böse abwehren. Die bösen Mächte und Geister sollten den Menschen in den damit bedachten Gebäuden nichts neiden und sie damit nicht gegen die Bewohner aufbringen.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Stern: "Neidische Augen sind unersättlich"

Literatur