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Entdeckung Amerikas

Unter der Entdeckung Amerikas versteht man heute die erste Sichtung des amerikanischen Kontinents durch Seefahrer aus dem europäischen oder asiatischen Zivilisationsraum. Obwohl heute bekannt ist, dass bereits um das Jahr 1000 Grænlendingar − unter Leif Eriksson – amerikanischen Boden betraten, gilt heute allgemein Christoph Kolumbus als Entdecker Amerikas, da erst nach seiner Entdeckung der Karibik am 12. Oktober 1492 die kontinuierliche Erkundung und schließlich Eroberung des Kontinents durch die europäischen Nationen begann, weshalb dieses Datum einen wichtigen Wendepunkt in der Menschheitsgeschichte markiert.

Das amerikanische Festland erreichte als erster Giovanni Caboto. Als eigener Kontinent wurde Amerika erst 1507 vom Italiener Amerigo Vespucci erkannt und im selben Jahr von Martin Waldseemüller nach diesem als America benannt.

Die erstmalige Entdeckung und Besiedlung Amerikas durch Menschen erfolgte nach der bisher vorrangig vertretenen Lehrmeinung vor 12.000 Jahren über die Beringstraße durch Bewohner Nordostasiens, ihre Nachkommen sind die amerikanischen Ureinwohner. Neuere Forschungen und Funde lassen jedoch auch weitere Besiedlungen schon vor 15.000 Jahren an der südlichen Pazifikküste von Südamerika als möglich erscheinen.

Inhaltsverzeichnis

Sicher belegte Entdeckungsfahrten

Skandinavier (um 875–1000)

Der erste Europäer, der das nordamerikanische Festland zu Gesicht bekommen hat, dürfte Bjarne Herjulfsson gewesen sein. Er kam 986 auf der Fahrt von Island nach Grönland vom Kurs ab und berichtete später von „bewaldeten Hügeln im Westen“. Das gesichtete Land erkundete er aber nicht weiter. Da aber auch Grönland geographisch zum nordamerikanischen Kontinent gehört, kann bereits Gunnbjørn als dessen Entdecker (um 875) gelten. Laut einer Saga landete Gunnbjørn wenig später auch auf dem amerikanischen Festland, wissenschaftliche Beweise für diese These gibt es aber nicht.

Nach heutigen Erkenntnissen war mit hoher Wahrscheinlichkeit Leif Eriksson der erste Europäer, der in Amerika an Land ging. Eriksson brach um das Jahr 1000 von Grönland aus auf, wo sein Vater Erik der Rote 986 die erste Siedlung gegründet hatte. Auf der Suche nach neuem Land im Westen gelangte Leif Eriksson mit seiner Mannschaft nach Amerika. Die Grænlendingar nannten das von ihnen entdeckte Küstengebiet Vinland, wobei es sich wahrscheinlich um das heutige Neufundland handelte. Bei L’Anse aux Meadows wurden im 20. Jahrhundert archäologische Funde gemacht, die den Grænlendingarn zugeordnet wurden. Die Münze von Maine kam wohl von dort über Handelswege der Ureinwohner zu ihrem Fundort.

Auf einer Expedition von Leifs Bruder Thorvald kam es offenbar zu einer ersten Begegnung von Indianern und Grænlendingarn. Die Grænlendingar nannten die amerikanischen Ureinwohner Skraelinger („Schwächlinge“ oder „hässliche Menschen“). Um 1020 begab sich der Grænlendingar Thorfinn Karlsefni nach Vinland, um dort eine Siedlung zu gründen. Nahrungsmangel und Kämpfe mit den Indianern zwangen die Grænlendingar dazu, Vinland nach wenigen Jahren wieder zu verlassen.

Offen ist, ob die Grænlendingar auch das amerikanische Festland erreichten. Die Grönländer-Saga, die von den Entdeckungsfahrten der Grænlendingar nach Vinland berichtet, nennt auch die Länder Helluland und Markland, an denen sie auf dem Weg nach Vinland vorbeigekommen seien. Bei diesen Ländern könnte es sich um die Baffininsel und Labrador handeln. Es gibt auch Forscher, die Vinland nicht mit Neufundland gleichsetzen, sondern mit Neuschottland oder Massachusetts.
Dass die Grænlendingar auch weiter ins Landesinnere vordrangen, ist unwahrscheinlich. Der 1898 in Minnesota gefundene Runenstein von Kensington wird heute als Fälschung angesehen.

Um 1004 gebar die Isländerin Guðríður Þorbjarnardóttir das erste Kind europäischer Abstammung in Amerika.

Christoph Kolumbus (1492)

Hauptartikel: Entdeckung Amerikas 1492

Christoph Kolumbus stieß auf Amerika bei dem Versuch, Indien durch Überquerung des Atlantischen Ozeans zu erreichen, statt, wie bisher üblich, auf dem Landweg, oder durch die Umsegelung Afrikas, wie dies vor allem von portugiesischer Seite vorangetrieben wurde.

Giovanni Caboto (1497)

Der italienische Forscher und Seefahrer Giovanni Caboto (engl. John Cabot) trat 1484 in englische Dienste. König Heinrich VII. beauftragte ihn 1496 mit der Suche eines Westwegs in das Kaiserreich China. In Begleitung seines Sohns Sebastiano trat er die Reise an und entdeckte dabei am 24. Juni 1497 als erster Europäer der Frühen Neuzeit das nordamerikanische Festland, wobei es sich wahrscheinlich um Labrador handelte. Caboto hatte einen Brief für den Chinesischen König dabei, der aber nie ankam, da er und vier seiner Schiffe auf seiner zweiten Reise über den Atlantik 1498 verschwanden.

Hypothetische Entdeckungsfahrten

Konkrete Jahres- und Personenangaben

Hui Shen (499)

Die erste Überlieferung, die für eine Reise von China nach Amerika spricht, stammt aus dem Jahr 499. Damals bzw. um 480 soll ein chinesisches Schiff das Land Fusang erreicht haben, das nach einem Baum benannt war, der dort vorkam. Dieser Fusang-Baum wird ähnlich den mittelamerikanischen Agaven beschrieben. Der Legende nach segelte das Schiff des Hui Shen an der Küste entlang Richtung Norden und dann von Alaska bis nach Mexiko. Dem Bericht nach fanden die Chinesen dort ein hochentwickeltes Volk, das "eine Art Schrift, aber [keine] Festungen [...] besitzt und keine Kriege führt". Die Bambussprossen ähnlichen Früchte des Fusang-Baumes wurden laut Hui Shen von den Eingeborenen gegessen. Er selbst blieb angeblich 40 Jahre lang in Fusang und kehrte dann mit 300 Pfund Seide nach China zurück, wo sein Reisebericht im kaiserlichen Archiv verwahrt wurde.

Brendan der Reisende (531 oder 556-573)

Der irische Mönch Brendan will im 6. Jahrhundert von Irland aus über verschiedene Inseln, die als Shetland, Färöer und Island gedeutet werden können, ins "Gelobte Land" gereist sein. Dies ist jedoch hochspekulativ, angeblich reiste er mit 12 Begleitern und keine der von ihm beschriebenen Inseln im Westen wurden je gefunden. Brendans fiktive Reise wurde schon 1603 von Gabriel Rollenhagen mit in seine Sammlung "wahrhafter Lügen" aufgenommen.

Chaschchasch ibn Said ibn Aswad (889)

Aufzeichnungen des muslimischen Historikers und Geographen al-Masudi zufolge unternahmen ab 880 muslimische Handelsreisende ausgedehnte Reisen in den Nord- und Südatlantik und besiedelten die Kanaren. Unter Chaschchāsch ibn Saʿīd ibn Aswad aus dem damals andalusisch-arabischen Córdoba sollen sie dabei 889 nicht nur Amerika entdeckt, sondern sogar alte Karten gehabt und neue angefertigt haben. Masudis Schilderung gibt keinen Hinweis auf solche Karten und lässt bei genauer Lektüre eher den Schluss zu, dass Chaschchāsch eher eine Kaperfahrt auf eigene Rechnung und mit Lizenz des Kalifen von Cordoba ausgerüstet und die französische Küste heimgesucht hat.[1] Die alten Karten basierten angeblich auf Navigationsaufzeichnungen der Phönizier, die möglicherweise bereits im 6. Jahrhundert v. Chr. bis nach Nord- oder Mittelamerika gelangten.

Kolumbus wiederum warb nachweislich mit Chaschchāschs Reiseberichten und al-Masudis Karten am spanischen Hof für seine eigene Expedition. Er startete schließlich vom Hafen Palos, von dem auch Chaschchasch losgesegelt war, und in Kolumbus' Mannschaft befanden sich zwei Morisken.

Die gleichen muslimischen Quellen soll auch der osmanische Admiral Piri Reis gehabt haben und auf deren Basis 1516 die amerikanische Küste in seine eigenen Karten übertragen haben. Entgegen der gängigen Auffassung, dass Piri Reis die Notizen Kolumbus kopiert haben soll, hält der US-Ethnologe Brent Kennedy es für möglich, dass es umgekehrt gewesen sein könnte.

Madoc (1170)

Madoc war ein walisischer Prinz, der 1170 nach Westen reiste. Nach seiner Rückkehr berichtete er von einem riesigen Land, in dem er gewesen sei. Mit einer Gruppe von Siedlern brach er dorthin auf. Es gab nie wieder ein Lebenszeichen von ihnen.

In späteren Jahrhunderten gab es immer wieder Gerüchte, dass im Inneren Nordamerikas ein Indianerstamm existiere, dessen Angehörige Walisisch sprächen. Es soll sich dabei um den Stamm der Mandan im heutigen Missouri gehandelt haben.

Brüder Vivaldi (1291)

Die Annalen der Republik Genua verfügen im Mai 1291 über einen Eintrag, nach dem der Doge Tedisio Doria die Genueser Kaufleute Ugolino Vivaldi und dessen Bruder Vandino (nach anderen Autoren hießen sie Vadinus und Guido Vivaldi) zusammen mit anderen Bürgern Genuas und zwei Minoritenbrüdern an Bord von zwei gut ausgerüsteten, besegelten Galeeren, der San Antonio und der Allegrança, mit Proviant und Wasser versehen zu einer Fahrt nach Indien aufbrachen, die Meerenge von Gibraltar passierten und mindestens bis zu einer Stelle gelangten, die Gozara (= Kap Juby nördlich des Kap Bojador) genannt wurde. Auf einer der Kanareninseln sollen sie frisches Wasser und Proviant geladen haben. Der Name einer kleinen unbewohnten Insel nördlich von Lanzarote, Alegranza, wird mit den Brüdern Vivaldi in Verbindung gebracht. Deren weiteres Schicksal ist unbekannt.

Der Sohn eines der Vivaldi-Brüder hat eine Suche nach den Verschollenen in Ostafrika begonnen. Der Seefahrer Antoniotto Usodimare will Überlebende der Seeexpedition der Vivaldis getroffen haben, als er mit Alvise Cadamosto in den Golf von Guinea gelangte. Dem Marinehistoriker de la Roncière verdanken wir die Überlieferung, eine der beiden Galeeren sei bei einer Havarie auf eine Sandbank verloren gegangen, während das zweite die Senegalmündung zwar erreichte, aber dort havarierte.

Strenggenommen handelt es sich dabei nicht um eine Entdeckung Amerikas, wohl aber um eine Seeexpedition, die nach Westen führte und durch einwandfreie Quellen sicher nachgewiesen ist. Die Tatsache, dass die Vivaldis vor 1312, dem offiziellen Entdeckungsdatum der Kanarischen Inseln durch den Genueser Adeligen Lancelotto Malocello, dort landeten, um Wasser und Vorräte aufzufüllen, zeigt, dass die Kanaren und vermutlich auch die Passatwinde nicht mehr unbekannt waren (sonst hätte man keine besegelten Galeeren benutzt), Voraussetzungen für die Amerikaentdeckung.

Abubakari II. (1312)

Nach einer Theorie des malischen Romanautors Gaoussou Diawara[2] überquerte der König von Mali, Abubakari (Abu Bakr) II., vom heutigen Gambia aus mit ca. 2000 hochseetüchtigen Schiffen, davon die Hälfte allein mit Trinkwasser und Proviant, den Atlantischen Ozean. Zuvor hatte er die Regentschaft an seinen Bruder, Mansa Musa, abgegeben. Er landete an der Küste Brasiliens, nahe dem heutigen Recife. Der heutige Name der Region, Pernambuco, stammt nach Meinung von Diawara vom Namen der reichen Gold-Minen Malis, Boure Bambouk.

Bei einer vorangegangenen, ersten Expedition auf seinen Befehl, an der er nicht persönlich teilnahm, hatte Abubakari II. 200 Schiffe über den Atlantik gesandt, von denen alle bis auf eins durch einen heftigen Sturm auf See versunken waren. Der einzige überlebende Zeuge der Katastrophe berichtete seinem Fürst, dass sie auf offener See unerwartet auf eine heftige Strömung, wie von einem Fluss trafen, woraufhin alle Schiffe, die ihre Fahrt fortsetzten, wie von einem Strudel verschwanden.

Zwei Skelette negroider, etwa 30jähriger Männer, deren Zähne künstliche Verstümmelungen aufwiesen, wie sie bei traditionellen afrikanischen Stammesgesellschaften belegt sind, mit präkolumbischen, keramischen Schmuckstücken an den Handgelenken, wurden auf den karibischen Jungferninseln gefunden. Den Bodenproben zufolge müssen die Männer um etwa 1250 hier begraben worden sein. Weitere Untersuchungen des Fundortes wurden unterlassen, weil das Smithsonian Institution wegen eines Eisennagels die Datierung für irreführend hielt. Die Fundstelle wurde nicht weiter untersucht, Salzwasser drang ein und die Fundstelle wurde in einen Müllabladeplatz verwandelt. Eisen wurde jedoch bereits 650 v. Chr. in Meroe, Nubien, gewonnen und in Westafrika nachweislich im 7. Jahrhundert, lange vor Kolumbus geschmiedet.

Auf Kolumbus zweiter Reise erfuhr er von Indígenas auf Española von schwarzen Menschen mit metallischen Speerspitzen, die sie „gua-nin“ nannten. Eine Probe, die er nach Spanien zur Prüfung sandte, wurde als eine Legierung aus Gold, Silber und Kupfer identifiziert. Das Wort „gua-nin“ soll aus westafrikanischen Stammessprachen entlehnt sein. Auch erwähnten viele Konquistadoren Begegnungen mit Schwarzen, wie z. B. 1523 Vasco Núñez de Balboa, der eine kriegerische Auseinandersetzung zwischen einem Indianerdorf und Schwarzen beschrieb. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts berichtete der Missionar Gregor Garcia von einer Begegnung mit einem Afrikaner auf einer Insel bei Cartagena/Kolumbien.

Prinz Zichmni (1398)

Am 2. Juni 1398 erreichte angeblich ein gewisser „Prinz Zichmni“ zusammen mit dem italienischen Admiral Antonio Zeno Neufundland. Sie waren auf der Suche nach „Estotiland“ (Neufundland?) und „Drogio“ (Nova Scotia?). Prinz Zichmni war der Fürst von „Frislanda“, der bereits vorher zusammen mit Zeno die Shetland-Inseln eroberte.

Die Geschichte stammte vom Venezianer Nicolo Zeno, einem Nachfahren des Antonio Zeno. Er entdeckte Briefe seines Ururgroßvaters und veröffentlichte sie 1558. Anfangs hielt man die Briefe für eine Fälschung, jedoch kamen mit der Zeit immer mehr Indizien zu Tage, die für die Echtheit der Briefe sprechen. Johann Reinhold Forster, Vater von Georg Forster, sah in „Prinz Zichmni“ den Prinzen Henry Sinclair, Earl of Orkney (ital. principe d'Orkney). „Frislanda“ wäre demnach die ital. Schreibweise von Fer Island (zwischen Orkneys und den Shetlands).

Diese Legende ist auch eine der zahlreichen Verschwörungstheorien in Zusammenhang mit dem Templerorden. So soll diese Reise 90 Jahre nach der Auflösung des Ordens erfolgt sein, auf Zenos Segeln soll weithin sichtbar das Tatzenkreuz geprangt haben.

Zhou Wen, Zhou Man und Hong Bao (1421)

Der britische Autor Gavin Menzies hat 2002 die Hypothese aufgestellt, dass im Jahr 1421 eine große chinesische Flotte unter den Admiralen Zhou Man, Zhou Wen und Hong Bao aus dem Gefolge Zheng Hes Amerika entdeckt habe. Menzies Hypothese wird jedoch von Fachhistorikern als Phantasieprodukt abgelehnt.[3] [4]

Portugiesen (15. Jahrhundert)

Im 15. Jahrhundert soll es portugiesische Entdeckungsfahrten nach Mittel- und Südamerika gegeben haben. 1431 und 1448 sollen sie die Großen Antillen erreicht haben und dort eine Kolonie gegründet haben, die bei Kolumbus' Ankunft noch bestanden haben soll. Auch auf dem südamerikanischen Festland sollen Portugiesen gelandet sein. Sie hielten das Land für unbedeutend und so kam es, dass die Entdeckung unbekannt blieb.

Für diese Reise spricht, dass durch den Vertrag von Tordesillas im Jahr 1494 alle Länder westlich einer bestimmten Linie an Spanien fielen, östlich davon an Portugal. Bis zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses lagen alle entdeckten Gebiete westlich. Erst im Jahr 1500 und damit sechs Jahre nach dem Vertrag von Tordesillas wurde nach offizieller Darstellung Brasilien entdeckt und gehörte nach den Vertragsbedingungen somit den Portugiesen.

Didrik Pining, Hans Pothorst, Johannes Scolvus und João Vaz Corte-Real (1473)

1473 führte eine dänische Expedition unter dem als Gouverneur von Grönland in dänischen Diensten stehenden Hildesheimern Didrik Pining und Hans Pothorst, dem Dänen Scolvus und dem Portugiesen Corte-Real in den Nordatlantik. Die Expedition erreichte Grönland. Einige Forscher sehen es als erwiesen an, dass sie auch Labrador und Neufundland erreichten. Corte-Real erhielt später Land auf den Azoren vom portugiesischen König für die Entdeckung der Insel Bacalao verliehen, die auf etlichen Karten des 16. Jahrhunderts etwa auf der Position von Neufundland eingezeichnet wurde.

Der norwegische Forscher Thor Heyerdahl präsentierte zusammen mit anderen Forschern sogar eine alte Karte, die beidseits der Davisstraße Namen portugiesisch-dänischer Siedlungen aufwies. Einige Forscher gehen soweit zu behaupten, Kolumbus solle sich auf die Daten dieser Entdeckungsreise gestützt haben. Manche gehen sogar so weit, Johannes Scolvus mit Kolumbus gleichzusetzen.

Basken

Eine Theorie über den Ursprung des Namens der oben erwähnten Insel Bacalao geht davon aus, dass baskische Fischer bereits im 15. Jahrhundert vor Neufundland gefischt und somit ebenfalls vor Kolumbus Amerika entdeckt haben, da Bacalao auf Spanisch "getrockneter Stockfisch" bedeutet.

Jean Cousin (1488)

Aufgrund verschiedener Chroniken des 15. Jahrhunderts gilt als wahrscheinlich, dass der französische Kapitän und Kriegsheld Jean Cousin 1488 mit einem Handelsschiff der Reederei Ango von Dieppe nach Westafrika aufbrach und abgetrieben von der Äquatorströmung in Höhe der Azoren nach zweimonatiger Fahrt jenseits des Atlantiks auf ein unbekanntes Land und einen gewaltigen Strom stieß, den er "Maragnon" nannte (es dürfte sich dabei um den Amazonas handeln, der noch heute in einem Abschnitt Río Marañón genannt wird) und 1489 nach kurzem Aufenthalt über Westafrika wohlbehalten nach Dieppe zurückkehrte.

Mögliche Entdeckungen ohne Jahres- und Personenangabe

Solutréener (um 14.000 v. Chr.)

Menschen der aus Südfrankreich stammenden Kultur des Solutréen überquerten nach einer Theorie der US-Amerikaner Bruce Bradley und Dennis Stanford den Atlantik. In Cactus Hill (Virginia) fand man Speerspitzen aus der Zeit vor Clovis, die denen des Solutréen sehr ähnlich sind. Als angeblicher Beweis für die Theorie werden Gen-Analysen einiger Indianerstämme angeführt, die eine Vermischung von ursprünglich aus Asien stammenden Menschen mit anderen aus Westeuropa um 13.000 v. Chr. belegen sollen.

Siehe hierzu auch den Artikel über den Kennewick-Mann.

Aborigines

Auf dem südamerikanischen Kontinent entdeckte man Schädel und Knochenreste von Menschen. Es stellte sich heraus, dass diese Schädel keine Mongoliden (wie die typischen Indígenas), sondern Negriden waren. Sie könnten vor dem Eintreffen der Indígenas das Festland erreicht haben, da sie sehr früh Schifffahrt betrieben. Sie wurden wahrscheinlich von den aus dem Norden kommenden Indígenas nach Süden vertrieben.

In einer Höhle in Südbrasilien entdeckten französische Forscher rituelle Jagdszenen, die denen der Aborigines Australiens nicht unähnlich waren. Mittlerweile scheinen sie sich sicher, dass diese Jagdszenen die Jagd einer Menschengruppe auf eine andere darstellen. Untersuchungen an einwandfrei datierbaren menschlichen Schädeln auf dem südamerikanischen Kontinent weisen in Größe und Form starke Übereinstimmungen mit denen der australischen Aborigines auf. Der jüngste, nachweisliche Fund dieses Menschentyps lässt sich auf etwa 7.000 Jahre datieren. Dann verschwindet dieser Menschentyp, der offenkundig längere Zeit mehr oder weniger friedlich mit dem eher asiatisch-mongolischen Menschentyp zusammen gelebt hat, ziemlich plötzlich spurlos. Nur in Feuerland lassen sich gewisse biologische und kulturelle Anhaltspunkte für die Herkunft der Onas, einer Anfang des 20. Jahrhunderts ausgestorbenen indigenen Gruppe, von einem amerikanischen Aborigine finden.

Ägypter

Der norwegische Anthropologe Thor Heyerdahl bewies 1970, dass eine Überquerung des Atlantiks mit einem Schilfboot nach altägyptischer Bauweise möglich ist. Bislang gab es jedoch keinen Hinweis, dass solche Fahrten in der Antike tatsächlich stattfanden. Bei Haaranalysen ägyptischer Mumien fand man allerdings Spuren von Kokain und Nikotin, was erneut Spekulationen über Transatlantikfahrten in vorchristlicher Zeit auslöste. Bislang ging man nämlich davon aus, dass die ausschließlich in Südamerika heimische Coca-Pflanze erst 1569 durch den spanischen Arzt Nicolás Monardes nach Europa kam. Es gibt für diese Kokain- und Nikotinspuren allerdings auch die Theorie, dass sie von afrikanischen Pflanzen stammen könnten, die bis heute noch nicht umfangreich chemisch analysiert wurden.

Phönizier/Karthager

Die fähigen Seefahrer der Phönizier durchfuhren das gesamte Mittelmeer und darüber hinaus. Nachgewiesen sind Entdeckungsfahrten zu den britischen Inseln (durch Himilkon) und zum Golf von Guinea (durch Hanno) im frühen 5. Jahrhundert v. Chr., als ebenfalls wahrscheinlich gelten Fahrten zu den Kanaren und Azoren, sowie die Umrundung Afrikas im Auftrag des ägyptischen Pharaos Necho.

Möglicherweise entdeckten sie auf einer ihrer Fahrten auch Teile Amerikas, Beweise für diese Theorie gibt es bislang aber nicht. Die in Brasilien gefundenen phönizischen Münzen erwiesen sich als Fälschung. Ebenfalls umstritten ist die Echtheit der Inschrift von Parahaiba.

Bezüge bei Aristoteles, Diodor

Viele antike griechische und römische Schriftsteller und Gelehrte schrieben über eine riesige Insel westlich des atlantischen Ozeans. Die Städte sollen reich an Gold gewesen sein. Auch Aristoteles (4. Jh. v. Chr.) schrieb: "... jenseits der Säulen des Herakles entdeckten die Karthager (= Phönizier) eine unbewohnte Insel, die reich an Wäldern, an schiffbaren Flüssen und an Früchten sei. Sie liegt mehrere Tagesreisen vom libyschen Festland entfernt...". Im 1. Jahrhundert v. Chr. berichtete Diodor über eine Insel mit "beträchtlicher Ausdehnung": "... Das Land ist durchzogen von schiffbaren Flüssen... Früher blieb diese Insel aufgrund ihrer großen Entfernung von der bekannten Welt unentdeckt, wurde aber zu einer späteren Zeit entdeckt...".

Viele Historiker sehen in diesen Berichten die Beschreibung von atlantischen Inseln, wie Madeira, den Kanaren oder Azoren, wobei keine dieser Inseln einen schiffbaren Fluss oder eine "beträchtliche Ausdehnung" aufweist.

Römer

Römische Seefahrer fuhren im ersten und zweiten Jahrhundert nach Christus nachweislich bis Ceylon. Wahrscheinlich erreichten sie sogar das Kaiserreich China, was chinesische Berichte vermuten lassen. Hinweise oder schriftliche Quellen für Reisen von Römern über den Atlantik gibt es jedoch nicht. Meldungen römischer Münzfunde an der US-amerikanischen Ostküste und aus anderen amerikanischen Staaten gab es wiederholt, konnten jedoch nie bestätigt werden.

Japaner

An der Küste von Ecuador, nahe Valdivia fand man 1960 Töpferware aus dem 4. und 3. Jahrtausend v. Chr. im Stil der japanischen Jomon-Kultur. Es ist unklar wie sie dorthin gelangte, man vermutet, dass japanische Fischfänger in einen Sturm gerieten und bis nach Südamerika getrieben wurden.

Diese Hypothese wird von Fachleuten als möglich, aber unwahrscheinlich gehandelt. Eine ähnliche Hypothese gibt es mit den Chinesen. Vor der kalifornischen Küste werden immer wieder chinesische Ankersteine gefunden, allerdings kann man nicht feststellen, aus welcher Zeit diese stammen.

Sonstiges

Landkarten

Vinland-Karte

Die Vinland-Karte ist eine der umstrittensten Landkarten der Erde. Sie zeigt im Nordatlantik die Inseln Island, Grönland und Vinland, letztere mit der Anmerkung "von den Gefährten Bjarni und Leif entdeckt". Grönland ist bereits als Insel in einer ähnlichen wie der heute bekannten Form dargestellt.
Die Herkunft der Karte lässt sich nur bis ins Jahr 1957 zurückverfolgen, doch konnte das Pergament mit der Radiokarbonmethode auf 1434 datiert werden. Die Zeichnungen allerdings wurden mit einer Tinte angefertigt, die Titandioxid enthielt - was erst seit 1924 industriell hergestellt wird und regelmäßig in Tinte Verwendung findet. Somit wurde die Karte als Fälschung eingestuft.
Neuere Forschungen allerdings erwiesen, dass Tinte, die das seltene natürlich vorkommende Titandioxid enthält, vereinzelt schon im 14. Jahrhundert genutzt wurde. Dadurch flammte der Streit um die Karte wieder auf.

Die Karte des Piri Reis

1929 wurde in Istanbul eine alte Landkarte des Atlantiks des osmanischen Flottenadmirals Piri Reis entdeckt. Die Karte stammt vermutlich aus dem Jahr 1513. Er selbst gab an, dass er für die Landkarte ca. zwanzig verschiedene (ältere) Karten verwendet habe. Auf der Karte sind Länder eingezeichnet, die zu seiner Zeit noch nicht entdeckt waren. Während Nordamerika nicht eingezeichnet war, ist Südamerika sehr genau abgebildet. Mittelamerika und die Karibik wurden übergroß dargestellt. Piri Reis hat bei der Abzeichnung einige Fehler gemacht, so wurde z. B. der Amazonas doppelt und Kuba senkrecht gezeichnet. Nebenbei sind auch Tiere abgebildet, wie zum Beispiel Affen in Südamerika und Papageien auf den karibischen Inseln. Es wurde nicht angegeben, woher Piri Reis die Karten hat und aus welchem Jahr sie stammen.

Bauwerke

Pyramiden von Güímar

Die Pyramiden von Güímar sind eine Ansammlung von sechs kleinen Stufenpyramiden, die im 19. Jahrhundert auf der Insel Teneriffa errichtet wurden. Sie wurden seit Beginn der 1990er von Thor Heyerdahl, Astrophysikern und Archäologen untersucht. Bekannt ist, dass es solche "Pyramiden" einst an vielen Orten der Kanarischen Inseln gab, jedoch sind nur die in Güímar überregional bekannt geworden.[5][6][7]

Den Pyramidenbau, der in Mittelamerika ebenso wie im Vorderen Orient unabhängig voneinander entwickelt wurde, sah Heyerdahl als Indiz seiner Theorien an, nach denen die Menschheit schon im Altertum transozeanische Kontakte gepflegt habe. Die Tatsache, dass ausgerechnet auf Teneriffa Stufenpyramiden entdeckt wurden, sah Heyerdahl als fehlendes Glied (missing link) für seine Theorien an, da die Kanaren am günstigsten Schifffahrtsweg zwischen dem Mittelmeer und Zentralamerika liegen. Die Datierung der "Pyramiden" in das 19. Jahrhundert wurde von Heyerdahl nicht wissenschaftlich bestritten, er weist sogar auf die Grabungsergebnisse in seinem "Museum Casa Chacona" auf einer Info-Tafel hin. Das hielt ihn jedoch nicht davon ab, weiter an den vorspanischen Ursprung der "Pyramiden" zu glauben.[8].

Fußnoten

  1. Masudi, Bis zu den Grenzen der Erde. Auszüge aus dem Buch der Goldwäschen. Hg. v. Gernot Rotter. München 1988, S. 51 f. Solche Kaperfahrten, die im 16. und 17. Jahrhundert das Mittelmeer und die südeuropäische Atlantikküste unsicher machten, waren nachweislich auch schon vor dem Jahr 1000 üblich.
  2. Joan Baxter (BBC-Korrespondentin in Westafrika), "Africa's Greatest Explorer" (2000)
  3. 1421 exposed - Kritische Seite eines internationalen Expertenteams
  4. Robert Finlay: "How Not to (Re)Write World History: Gavin Menzies and the Chinese Discovery of America". In: Journal of World History, 15, Nr. 2, 2004 - Buchrezension
  5. Juan Francisco Navarro Mederos/Maria Cruz Jiménez Gómez: El difusionismo atlántico y las pirámides de Chacona, in: Miguel Ángel Molinero Polo/Domingo Sola Antequera: Arte y Sociedad del Egipto antiguo. Madrid 2000, ISBN 978-84-7490-604-2, S. 241-253; hier: S. 246-249.
  6. Juan Francisco Navarro Mederos: Arqueología de las Islas Canarias, in: Espacio, Tiempo y Forma, Serie I, Prehistoria y Arqueología, Bd. 10, 1997, S. 447-478; hier: S. 467.
  7. Antonio Aparicio Juan/César Esteban López: Las Pirámides de Güímar: mito y realidad. Centro de la Cultura Popular Canaria, La Laguna 2005, ISBN 978-84-7926-510-6.
  8. Offizieller Flyer des Pyramidenparks in Güímar, automatisch erworben mit der Eintrittskarte am 16.02.2008: Pirámides de Güímar. Parque Etnográfico. DEUTSCH. Ohne Jahr, ohne Ort.

Literatur

Siehe auch