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Siebensaitige Gitarre

Eine siebensaitige Gitarre ist eine Gitarre mit sieben Saiten anstatt der üblichen sechs. Solche Gitarren sind nicht so weit verbreitet wie die sechssaitige Variante, jedoch benutzt eine Minderheit von Gitarristen sie seit mehr als 150 Jahren. Manche Typen dieses Instruments sind spezifisch für bestimmte Kulturen wie zum Beispiel die russische und die brasilianische Gitarre.

In der Gegenwart finden siebensaitige E-Gitarren vor allem im Metal- (Bands wie Dream Theater, Morbid Angel ) und Nu-Metal-Bereich (z.B. Limp Bizkit, Korn) Verwendung.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

In der Epoche der Renaissance war die Gitarre im Allgemeinen mit vier Saitenpaaren bespannt. Im Barock waren es fünf Saitenpaare und es wurde eine große Vielfalt an Stimmungen genutzt. Während des 18. Jahrhunderts verbreiteten sich Gitarren mit sechs Saitenpaaren und nach 1800 wurde die heutige Version mit sechs Einzelsaiten zum Standard. Diese Entwicklung verbildlicht das Streben der Spieler, den Tonumfang des Instruments zu erweitern. Die siebensaitige Gitarre ist ein weiteres Resultat dieses Wunsches nach Erweiterung des Tonumfangs und wird seit 150 Jahren benutzt. Der französische Gitarrist Napoléon Coste komponierte einige Werke mit einer siebensaitigen Gitarre klar im Auge, die um eine freischwingende D-Saite, manchmal auch auf C gestimmte Saite ergänzt ist.

Konstruktion

Zusätzliche Saiten werden normalerweise hinzugefügt, um den Tonumfang der modernen sechssaitige Gitarre um einige Basstöne zu erweitern. Diese Saiten werden im Allgemeinen auf zwei verschiedenen Wegen angebracht: Der erste und verbreitetere Weg ist es, das Griffbrett zu verbreitern, so dass die freischwingende Basssaite mit der linken Hand gestoppt werden kann. Die zweite Methode ist es, das Griffbrett unverändert zu lassen und stattdessen Saiten nahe der vorhandenen Basssaiten frei vom Griffbrett anzubringen, so wie beispielsweise Saiten der Theorbe oder Erzlaute. Diese nicht greifbaren Basssaiten werden historisch als Bordunsaiten bezeichnet.

Die russische Gitarre

Die klassische und akustische siebensaitige Gitarre erreichte Russland zu Beginn des 19. Jahrhunderts, am wahrscheinlichsten als Weiterentwicklung der Kobza (eine traditionelle ukrainische Laute) oder der Barock-Laute. In Russland ist sie unter dem Namen semistrunnaya gitara (семиструнная гитара) oder einfach semistrunka (семиструнка) bekannt.

Ihre Erfindung wird Andrei Sychra zugeschrieben, der mehr als tausend Kompositionen schrieb, von denen fünfundsiebzig in den 1840er Jahren von Stellovsky und in den 1880er wiederum von Gutheil wiederveröffentlicht wurden. Manche von ihnen wurden 1926 zu Zeiten in der Sowjetunion wiederveröffentlicht.

Dieser Gitarrentyp wird russische Gitarre genannt, da sie ursprünglich in Russland und später in der Sowjetunion gespielt wurde. in den 1970er und 1980er Jahren war sie dort weit bekannter als die reguläre sechssaitige Gitarre, ist jedoch seitdem wieder verschwunden und heute nur noch schwierig zu finden.

Die russische Gitarre wird traditionell ohne Plektrum gespielt. Stattdessen werden die Finger zum Zupfen oder Anschlagen verwendet. Sie ist in Terzen gestimmt, im Gegensatz zu spanischen Gitarre, auf einen offenen G-Dur-Akkord (D’, G’, H, D, g, h, d’).

Die brasilianische siebensaitige Gitarre

Die brasilianische siebensaitige Gitarre ist eine akustische Gitarre die hauptsächlich in Choro- und Samba-Musik verwendet wird. Sie wurde im frühen 20. Jahrhundert als Gitarre mit Stahlsaiten nach Brasilien gebracht. Der Stil des "Baixaria"-Kontrapunktes und Begleitungstechnik wurde während des 20. Jahrhunderts entwickelt, insbesondere von Dino 7 Cordas und Raphael Rebello. In den frühen 1980er Jahren wurde für den Gitarristen Luiz Otavio Braga eine Nylonsaiten-Version der Gitarre angefertigt, die danach zum Standard für die meisten Kontrapunkt-Choro-Musiker wurde.

Die siebensaitige brasilianische Gitarre ist normalerweise wie die klassische Gitarre gestimmt, nur mit einem zusätzlichen tiefen C unter der tiefen E-Saite (C-E-A-D-G-h-e), manche Musiker stimmen das C jedoch auch auf H herunter, sodass sie dieselbe Stimmung wie eine siebensaitige E-Gitarre erreichen (H-E-A-D-G-h-e).

Die siebensaitige E-Gitarre

Hohlkörper- und Halbresonanz-E-Gitarren

In den USA, während der 1930er Jahre, hatte der Jazz-Gitarrist George Van Eps eine siebensaitige Gitarre, die für ihn von Epiphone Guitars spezialgefertigt wurde. Die Gitarre war im Grunde eine normale elektrische Gitarre mit einer zusätzlichen Basssaite, normalerweise auf A gestimmt.

Mehrere Jazz-Gitarristen begannen nach Van Eps siebensaitige Gitarren zu benutzen, unter anderem Bucky Pizzarelli, Howard Alden, Ron Eschete, Lenny Breau und John Pizzarelli. Letzterer ist der Autor des Foxwoods-Casino-Themes und Sohn der Jazz-Legende Bucky Pizzarelli.

Die ersten siebensaitigen E-Gitarren wurden als Hohlkörper oder Semi-Hohlkörper gebaut, so dass die Gitarre einen zentralen Resonanzkörper oder einen zentralen Block mit einzelnen Resonanzkammern an den Seiten hatte.

Die siebensaitige Solidbody-E-Gitarre

Die erste siebensaitige E-Gitarre die aus einem Festkörper bestand ging 1990 mit dem Steve-Vai-Signaturemodell von Ibanez in kommerzielle Produktion, der Ibanez Universe. Steve Vai war zu dieser Zeit einerseits gefesselt von der Zahl Sieben an sich, andererseits - wie die Klassik- und Jazz-Gitarristen - von den Möglichkeiten durch den neuen Tonumfang, den die zusätzliche Saite bot. Nach anfänglichen Experimenten mit einem hohen A, wurde ein tiefes H hinzugefügt (H-E-A-D-G-h-e). Zur gleichen Zeit experimentierte auch George Lynch unabhängig mit Siebensaiter-Designs, entschied sich dann aber gegen eine Weiterentwicklung, da es einige Probleme mit dem entfernbaren Pickup-System gab. Vai begann mit Whitesnake zu touren und benutzte einen Prototyp der siebensaitigen Gitarre und benutzte die Gitarre dann für seine 1990-Veröffentlichung Passion and Warfare, welches zum Meilenstein der Geschichte des instrumentalen Rock wurde.

In den frühen 1990er Jahren begannen einige Metal-Gitarristen die siebensaitige Gitarre zu nutzen (erwähnenswert ist John Petrucci von Dream Theater und Trey Azagthoth und Erik Rutan von Morbid Angel). Sie sahen in dem Instrument die Möglichkeit tiefe Riffs zu spielen ohne umzustimmen, aber gleichzeitig auch Töne im normalen Tonumfang für Soli benutzen zu können.

In den späten 1990ern dann kam es zum Wiederaufleben des Instruments, als Nu-Metal-bands wie Korn und Limp Bizkit die siebensaitige Gitarre wieder in die Rockmusik einführten. Unter starker Benutzung der siebten Saite (meist auf tiefes H oder A gestimmt), verbanden diese Bands Merkmale aus der Metalmusik mit Rap-Einflüssen. Viele Gitarrenbau-Firmen nahmen die siebensaitige Gitarre ins Sortiment auf.

Im Jazz-Bereich benutzen manche Gitarristen siebensaitige Instrumente mit einer zusätzlichen tiefen A-Saite ("Jazz-Tuning").

Kritik an der siebensaitigen E-Gitarre

Die siebensaitige E-Gitarre erntete Kritik, da einige Songs, die mit den neuen Tönen gespielt werden, ebenso mit einer tiefergestimmten sechssaitigen Gitarre gespielt werden könnten. Dies trifft natürlich nur auf Songs zu, die nicht den zusätzlichen Tonumfang einer siebensaitigen E-Gitarre ausschöpfen.

Weitere siebensaitige Gitarrenkonstruktionen

Springtime

Für Laura-Mary Carter von der Band Blood Red Shoes erfand Yuri Landman im Jahr 2008 die Springtime, eine siebensaitige Triplo-E-Gitarre. Die E-Gitarre ist 3-stereofonisch mit drei rotierten Tonabnehmern gebaut und funktioniert ähnlich wie eine E-Baritongitarre, E-Gitarre und E-Bouzouki über drei Gitarrenverstärker.[1]

Quellen

  1. http://myownmusicindustry.nl/archive/2008-05-26/gitaarbouwer-landman-levert-nieuw-product-af Pressemitteilung auf Niederländisch