Schleswig (Stadt)
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Schleswig (Stadt)

Wappen Deutschlandkarte
Koordinaten: 54° 31′ N, 9° 34′ O
Basisdaten
Bundesland: Schleswig-Holstein
Kreis: Schleswig-Flensburg
Höhe: 1 m ü. NN
Fläche: 24,3 km²
Einwohner: 24.036 (31. Dez. 2007)
Bevölkerungsdichte: 989 Einwohner je km²
Postleitzahl: 24837
Vorwahl: 04621
Kfz-Kennzeichen: SL
Gemeindeschlüssel: 01 0 59 075
Adresse der Stadtverwaltung: Rathausmarkt 1
24837 Schleswig
Webpräsenz:
www.schleswig.de
Bürgermeister: Thorsten Dahl
Lage der Stadt Schleswig im Kreis Schleswig-Flensburg

Schleswig (lateinisch: Sliaswig, niederdeutsch: Sleswig, dänisch: Slesvig) ist Kreisstadt des Kreises Schleswig-Flensburg im Norden Schleswig-Holsteins an der Schlei. Der Stadtname kommt aus dem Dänischen und bedeutet Bucht der Schlei.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Die Stadt liegt am Ufer der Schlei, zwischen den beiden Halbinseln Angeln und Schwansen. Nächste größere Städte sind Flensburg, Husum und Kiel. In unmittelbarer Nähe verläuft die Autobahn 7.

Das Stadtgebiet umfasst Höhenlagen von 1 bis 20 m ü. NN.

Momentan entsteht ein neuer Stadtteil an der Stelle, wo sich die „Kaserne auf der Freiheit“ befunden hat. 2008 findet auf den Königswiesen an der Schlei die Landesgartenschau statt.

Geschichte

Schleswig wurde im Jahre 804 erstmals als Sliasthorp erwähnt und feierte im Jahr 2004 sein 1200-jähriges Jubiläum. Die Endung thorp verweist darauf, dass es sich um eine Nebensiedlung handelt.

Die Haithabu genannte Siedlung am Haddebyer Noor wurde von König Gudfred (Göttrik) 808 zum Handelsplatz ausgebaut und 1066 von Slawen zerstört. Die Frage, ob die Keimzellen der gegenüberliegenden heutigen Stadt Schleswig erst nach der Zerstörung von Haithabu gegründet wurden oder schon einige Jahre Bestand hatten, wird bislang in der Forschung kontrovers diskutiert. Jedenfalls übernahm das mittelalterliche Schleswig das Erbe Haithabus als bedeutendste Drehscheibe des nordeuropäischen Handels mit dem schon seit der Wikingerzeit bestehenden Westhafen bei Hollingstedt.

Blick über die Schlei auf den Schleswiger Dom

Gegen 900 erobern die schwedischen Wikinger unter ihrem König Olaf das Gebiet. 934 schlägt der ostfränkische König Heinrich I. der Vogler Olafs Sohn Knuba und macht Haithabu tributpflichtig. Kaiser Otto I. gründet 947 das Bistum Schleswig. Im Jahre 983 erobert der dänische König Harald Blauzahn das Gebiet zurück.

Der Chronist Adam von Bremen berichtete schon im Jahr 1076 ausführlich über die Bedeutung Haithabus und Schleswigs. So wurde unter Erzbischof Adalbert von Bremen in Schleswig eine Synode abgehalten, zu der Vertreter aus ganz Nordeuropa eingeladen waren. Die ersten Bischöfe Schleswigs waren Harald (Haroldus), Poppo und Rodolphus.

Für das Jahr 1134 wird von Saxo Grammaticus der Dom erwähnt. Er berichtet, das sich der dänische König Niels vor den Brüdern der St. Knudsgilde in den Dom flüchten wollte, aber erschlagen wird, weil er 1131 den Herzog Knud Lavard, den Sohn seines älteren Bruders Erik Ejegod, töten ließ.

Die Residenz der Bischöfe war eine Burg, die heute unter dem Schloss Gottorf liegt und zuerst im Jahre 1161 erwähnt wurde, als der Schleswiger Bischof Occo nach der Zerstörung seiner nordwestlich von Schleswig gelegenen Burg Alt-Gottorf seinen Sitz auf die Schlossinsel verlegte. Besitz des Bischofs blieb die Burg bis zum Jahre 1268, danach kam sie im Tausch für die Burg Schwabstedt an die Herzöge von Schleswig und ging 1340 an die in Holstein regierenden Schauenburger Grafen über. Schleswig hatte inzwischen seine Rolle als überregionale Handelsmetropole des Nordens an Lübeck abtreten müssen, war zu dieser Zeit aber noch immer ein Handelsplatz von regionaler Bedeutung, doch ging die regionale Vorrangstellung im Laufe der Zeit auf Flensburg über.

1486 erscheint das von dem Drucker Steffen Arndes gesetzte Messbuch Missale Slesvicense für das Stift in Schleswig als bedeutender norddeutscher Frühdruck.

Nach der Reformation verschwanden bis auf wenige Ausnahmen nahezu alle der zahlreichen Kirchen und Klöster der Stadt. Teilweise wurden sie „in überschäumendem Glaubenseifer gewostet“, d.h. bis auf die Fundamente abgebrochen, was sich bei Ausgrabungen der Maria-Magdalena-Kirche des Dominikanerklosters sehr deutlich zeigte.

Nach der Landesteilung der Herzogtümer Schleswig und Holstein 1544 wurde Schloss Gottorf Residenz der Herzöge von Schleswig-Holstein-Gottorf. Diese blieben der dänischen Krone zunächst eng verbunden, im 17. Jahrhundert führten sie jedoch eine zunehmend eigenständige Politik. Nach dem Großen Nordischen Krieg fielen die Gottorfer Anteile des Herzogtums Schleswig wieder an den dänischen König (1721). Nach dem Verlust der Residenzfunktion wurde das Schloss Sitz des Obergerichts, der Regierungs- und Justizbehörde für das gesamte Herzogtum. 1843 wurden Regierung und Gericht getrennt und die schleswigsche Ständeversammlung wurde wieder eingerichtet. Als Tagungsraum diente der Ständesaal des Rathauses. Neben der Funktion als Behördensitz war Schleswig in erster Linie eine Ackerbürgerstadt. 1711 wurden die beiden Vorstädte Lollfuß und Friedrichsberg eingemeindet.

Ab 1840 wurde der deutsch-dänische Konflikt das beherrschende Thema in der Stadt, deren Bürger sich überwiegend auf die Seite der deutschen Schleswig-Holsteiner stellten. 1848 brach der Bürgerkrieg aus, in dem es am 23. April 1848 zur Schlacht bei Schleswig kam. Nach dem Ende der Kampfhandlungen 1850 wurden die Behörden innerhalb der dänischen Monarchie neu geordnet. Schleswig verlor sämtliche herzogliche Behörden.

Nach dem Deutsch-Dänischen Krieg 1864 wurde Schleswig preußisch und 1868 Sitz des Oberpräsidenten der Provinz Schleswig-Holstein und der Bezirksregierung. Dies blieb sie bis 1917, als Kiel Provinzhauptstadt wurde. Mit der 1946 von der britischen Militärregierung betriebenen Umwandlung Schleswig-Holsteins von einer preußischen Provinz zum deutschen Bundesland wurde Kiel Landeshauptstadt. Als Ausgleich für den Verlust der politischen und administrativen Funktionen wurde Schleswig nach dem Zweiten Weltkrieg Sitz des Oberlandesgerichts, des Landesarchivs, des Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte und des Archäologischen Landesmuseums. Schleswig ist heute kulturelles Zentrum des Landesteils Schleswig.

Politik

Bei der Wahl zur Stadtversammlung im September 2003 errang die CDU 17, die SPD 11 und der SSW 5 der insgesamt 33 Sitze.

Bürgermeister

Amtszeit Name
Beginn Ende
29. Dezember 1885 31. Dezember 1909 Julius Heiberg
1. Januar 1910 31. Dezember 1912 Dr. jur. Wilhelm Brückner
1. April 1913 10. August 1933 Dr. Oscar Behrens
11. August 1933 23. Oktober 1933 Beigeordneter Heinrich Blum, Lehrer, als kommissarischer Bürgermeister
24. Oktober 1933 22. Januar 1934 Dr. Adolf Herting, kommissarischer Bürgermeister
22. Januar 1934 31. Oktober 1937 Franz Friedrich Freiherr von Baselli
11. Dezember 1937 Mai 1945 Dr. Helmut Lemke, NSDAP
15. Mai 1945 30. November 1945 Hans Hinrichs
1. Dezember 1945 19. November 1948 Hermann Clausen, SPD, ab 1948 SSW
19. November 1948 30. April 1950 Jakob Böhme, CDU
01. Mai 1950 30. Dezember 1954 Bruno Lorenzen, parteilos
01. Juni 1955 9. August 1973 Werner Kugler, CDU
12.11.1973 18. Januar 1977 Dr. Bodo Richter, SPD
19. Januar 1978 18. Januar 1990 Heinz Bartheidel, CDU
19. Januar 1990 18. Januar 2002 Klaus Nielsky, SPD
19. Januar 2002 ----- Thorsten Dahl (1. Direktwahl, wiedergewählt bei der 2. Direktwahl 2007), unabhängiger Bewerber, CDU-Mitglied bis Anfang 2007

Wappen

Blasonierung: „In Blau über blauen und silbernen Wellen auf torloser goldener Zinnenmauer ein goldener Zinnenturm, den eine zugewendete goldene Mondsichel und ein sechsstrahliger goldener Stern begleiten.“[2]

Stadtflagge

Flagge

Blasonierung: „Die Stadtflagge ist blau-gelb.“[3]

Die Farben blau-gelb entsprechen denen des Herzogtums Schleswig (siehe auch: Schleswigsche Löwen).

Die Schleswiger Flagge ist nicht in der Kommunalen Wappenrolle Schleswig-Holstein eingetragen.

Religionen

Die überwiegende Mehrheit der Schleswiger ist evangelisch-lutherisch. Daneben finden sich Gemeinden der katholischen Kirche, der evangelisch-lutherischen dänischen Kirche, Jehovas Zeugen und freie Gemeinden.

Kirchen

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Sehenswürdigkeiten

Der Schleswiger Dom St. Petri beherrscht das Bild der Stadt schon von weitem. Sein Turm ist jedoch erst 100 Jahre alt. Er steht in der Altstadt, die ihr altertümliches Bild weitgehend bewahren konnte. Ihr Zentrum ist der Rathausmarkt mit dem Rathaus und seinem alten Ständesaal. Das Rathaus entstand im 19. Jahrhundert durch Umbau des alten Grauklosters, dessen mittelalterliche Reste noch deutlich an der Rückseite des Gebäudes erkennbar sind. Vom Rathausmarkt führt die Lange Straße zum Gallberg und darüber hinaus zum Kornmarkt, wo die Einkaufsstraße Schleswigs beginnt. Dieser erstreckt sich am Nordufer der Schlei und geht in den Stadtteil Lollfuß über, wo neben vielen Kleinbürgerhäusern vor allem das heutige Amtsgericht und das so genannte Präsidentenkloster sehenswert sind.

Im Osten der Altstadt liegt die Fischersiedlung Holm mit einem geschlossen erhaltenen Bestand alter Fischerhäuser. Am Ende der Süderholmstraße befindet sich das alte Johanniskloster mit einem Bibelmuseum.

Der Neuwerk-Garten mit dem Globushaus und Schloss Gottorf im Hintergrund

Etwas außerhalb liegt Schloss Gottorf, heute Sitz der Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen. Das Schlossgebäude selbst kann auf eine über 800-jährige Baugeschichte zurückblicken. Nördlich des Schlosses schließt sich der barocke Neuwerkgarten an, der seit 2004 restituiert wird. Darin liegt das 2005 errichtete Globushaus mit einem Nachbau des Gottorfer Riesenglobus. Nordöstlich des Gartens liegt das Volkskunde Museum Schleswig.

Gegenüber dem Schloss befindet sich der zwischen 1876 und 1878 erbaute Sitz der früheren preußischen Provinzialregierung. Im Volksmund Roter Elefant genannt, bildet es auch optisch ein Pendant zum Schloss. Hier entwarf der erste preußische Regierungspräsident im Auftrag des Reichskanzlers Otto von Bismarck die Reichsversicherungsordnung. Heute ist es Sitz des Oberlandesgerichtes, früher war auch das Oberversicherungsamt dort untergebracht.

Ebenfalls südlich des Schlosses beginnt der Stadtteil Friedrichsberg mit dem 85 Meter hohen Wiking-Turm von 1973, von dem man eine herrliche Aussicht über die Stadt hat. Weitere Sehenswertigkeiten sind das Stadtmuseum im Günderothschen Hof, das Prinzenpalais (heute Sitz des schleswig-holsteinischen Landesarchivs), die Friedrichsberger Dreifaltigkeitskirche und einige Seitenstraßen des Stadtteils.

Am Südufer der Schlei sind die Wallanlagen der alten Wikingerstadt Haithabu zu erkennen. Dort liegt auch das Wikinger-Museum.

Im Jahr 2008 wird die erste Landesgartenschau Schleswig-Holsteins auf den Königswiesen am Nordufer der Schlei stattfinden.

Theater

Das Schleswig-Holsteinische Landestheater und Sinfonieorchester ist die größte Landesbühne Deutschlands. Es geht regelmäßig auf Tournee durch das westliche Schleswig-Holstein.

Büchereien

In Schleswig existieren eine deutsche Stadtbibliothek und eine dänische Bücherei.

Museen

Die Stadt Schleswig ist Standort einer Reihe von Museen. Unter anderem hat die Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen Schloss Gottorf ihren Sitz in Schleswig. Im Schloss sind das Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte und das Archäologisches Landesmuseum untergebracht. Auf dem Hesterberg liegt das Volkskunde Museum Schleswig, das Stadtmuseum befindet im Günderothschen Hof, das Museum für Outsiderkunst im Präsidentenkloster. In der Fischersiedlung Holm gibt es ein Holm-Museum. Vor den Toren der Stadt befinden sich das Wikinger-Museum Haithabu in Busdorf (Ortsteil Haddeby) und das von der dänischen Minderheit getragene Danewerkmuseum (Danevirkegården) in Groß Dannewerk. Besonders für Familien mit Kindern ist das Teddy-Bär-Haus auf dem Areal des Stadtmuseums in der Schleswiger Friedrichstraße (OT Friedrichsberg) zu empfehlen. Im Präsidentenkloster am Stadtweg (gegenüber Hertie) befinden sich zudem die Ostdeutschen Heimatstuben, in denen die Vertriebenenverbände an die ehemaligen deutschen Ostgebiete erinnern.

Sprachen

In Schleswig werden Hochdeutsch, Niederdeutsch und Dänisch gesprochen. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts wurde in der Stadt noch Sønderjysk („Plattdänisch“) gesprochen.

Wirtschaft und Infrastruktur

Die Stadt Schleswig verfügt kaum über nennenswerte Industriebetriebe. Im Norden der Stadt befindet sich ein größeres Gewerbegebiet. Der Fremdenverkehr hat einige Bedeutung, und es gibt etwas Küstenfischerei. Zahlreiche Rechtsanwälte haben sich an dem Gerichtssitz niedergelassen.

Ladenstraße Schleswig, März 2008


Verkehr

Als Verbindung von der Altstadt zum Bahnhof diente von 1890 bis 1936 eine Straßenbahn, die ab 1910 elektrisch angetrieben wurde.

Der Bahnhof Schleswig liegt an der Bahnstrecke Neumünster–Flensburg. Nach der Annexion des Landes Schleswig durch Preußen 1867 wurde diese Bahnstrecke durch Umstrukturierung des übernommenen Bahnnetzes erbaut und Schleswig erhielt seinen Bahnhof an der neuen Staatsbahnstrecke.

Medien

Regionale Tageszeitung Schleswigs ist unter anderem die Schleswiger Nachrichten. Die dänischsprachige Tageszeitung Flensborg Avis hat ebenfalls eine lokale Redaktion in der Stadt. Besondere Bedeutung haben zudem die Kieler Nachrichten. Im nahen Flensburg betreibt der Norddeutsche Rundfunk ein Fernseh- und Hörfunkstudio, in dem Beiträge aus der Region produziert werden. Die in Schleswig am meisten gehörten Radioprogramme sind Radio Schleswig-Holstein (RSH) sowie die NDR 1 Welle Nord des NDR. Die Angehörigen der dänischen Minderheit nutzen zudem die hier über Kabel zu empfangenen dänischen Fernsehsender DR I und TV Syd.

Partnerstädte

Öffentliche Einrichtungen

Gerichte

In Schleswig befinden sich außer dem Amtsgericht, mit dem für Schleswig-Holstein zuständigen zentralen Mahngericht, auch das Oberlandesgericht, das Landessozialgericht, das Verwaltungs- und Oberverwaltungsgericht des Landes Schleswig Holstein, sowie das Sozialgericht Schleswig. Die Stadt ist schließlich als Sitz des geplanten Schleswig-Holsteinischen Landesverfassungsgerichts vorgesehen.

Schulen

Die nächsten Universitäten befinden sich in Kiel und Flensburg.

Persönlichkeiten

Söhne und Töchter der Stadt:

In Schleswig aufgewachsen, aber in anderen Orten geboren, sind:

Mit Schleswig verbunden sind:

Literatur

Quellen

  1. Geoklima 2.1
  2. Kommunale Wappenrolle Schleswig-Holstein
  3. Hauptsatzung der Stadt Schleswig
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