Heim

Gerade

Dieser Artikel behandelt die Gerade in der Geometrie; für andere Bedeutungen siehe Gerade (Begriffsklärung).

Eine gerade Linie oder kurz Gerade ist ein Element der Geometrie. Anschaulich stellt man sich darunter eine unendlich lange, unendlich dünne Linie vor. Moderne axiomatische Theorien der Geometrie nehmen darauf aber keinen Bezug (Synthetische Geometrie). Für sie ist eine Gerade ein Ding ohne innere Eigenschaften, lediglich die Beziehungen zu anderen Geraden, Punkten und Ebenen sind von Bedeutung. In der Analytischen Geometrie wird eine Gerade als eine Menge von Punkten realisiert. Genauer: In einem Vektorraum, dessen Elemente "Punkte" heißen, ist eine Gerade nach Definition eine additive Nebenklasse eines eindimensionalen Unterraumes.

Inhaltsverzeichnis

Synthetische Geometrie

In seinen Elementen hat Euklid eine explizite Definition einer Geraden gegeben, die dem anschaulichen Bild entspricht. Für Sätze und ihre Beweise spielt diese Definition jedoch keine Rolle. Moderne Axiomensysteme verzichten daher auf eine solche Definition.

Eine Gerade ist in diesem Fall ein Begriff, auf den die einzelnen Axiome Bezug nehmen. Ein Beispiel ist das erste Axiom aus Hilberts Axiomensystem:

Zwei voneinander verschiedene Punkte P und Q bestimmen stets eine Gerade g.

Die Bedeutung des Begriffs Gerade ergibt sich aus der Gesamtheit der Axiome. Eine Interpretation als eine unendlich lange, unendlich dünne Linie ist nicht zwingend, sondern nur eine Anregung, was man sich anschaulich darunter vorstellen könnte.

In der projektiven Ebene sind die Begriffe Punkt und Gerade sogar vollständig austauschbar (Dualität). Damit ist es hier möglich, sich eine Gerade als unendlich klein und einen Punkt als unendlich lang und unendlich dünn vorzustellen.

Analytische Geometrie

In drei Dimensionen über dem Körper der reellen Zahlen erfüllt die Analytische Geometrie alle Bedingungen, die Hilbert in seinem Axiomensystem der Geometrie voraussetzt. In diesem Fall ist eine Gerade somit auch eine Gerade im Sinne Hilberts.

Es ist möglich, eine Gerade mit Hilfe eines Stützvektors v und eines Richtungsvektors u zu beschreiben. Die zugehörige Gerade ist dann

Die affine Hülle von zwei verschiedenen Vektoren x und y

ist ebenfalls eine Gerade.

Auch der Lösungsraum eines (inhomogenen) linearen Gleichungssystems mit n − 1 linear unabhängigen Gleichungen ist ein affiner Unterraum der Dimension Eins und somit eine Gerade. In zwei Dimensionen kann eine Gerade folglich durch eine Geradengleichung

αx + βy = γ

angegeben werden, wobei und entweder α oder β ungleich Null sein muss.

Kürzester Weg

Im reellen euklidischen Raum liegt der kürzeste Weg zwischen zwei Punkten auf einer Geraden. Verallgemeinert man diese Eigenschaft der Geraden auf gekrümmten Räumen (Mannigfaltigkeiten), so gelangt man zum Begriff der geodätischen Linie Geodäte.

Bestimmung der Gleichung einer Geraden in der Ebene

Die Gleichung einer Geraden in der Ebene kann man auf drei verschiedenen Weisen bestimmen:

Punkt-Richtungs-Gleichung:

Gegeben sind ein Punkt P0(x0 | y0) und der Neigungswinkel (Anstiegswinkel) α.

Gegeben sind ein Punkt P0(x0 | y0) und die Steigung (der Anstieg) m.

Zwei-Punkte-Gleichung:

Gegeben sind zwei Punkte P1(x1 | y1) und P2(x2 | y2).

Lage zweier Geraden zueinander

Zwei Geraden können folgende Lagebeziehungen zueinander haben. Sie können:

Im Sinne der Theorie der Relationen spricht man auch von Parallelität, wenn beide Geraden identisch sind, insbesondere ist jede Gerade zu sich selbst parallel. Zur Präzisierung unterscheidet man dann zwischen "echt parallel" und "identisch".