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Charles Grey, 2. Earl Grey

Charles Grey, 2. Earl Grey KG, PC (* 13. März 1764 in Fallodon bei Alnwick, Northumberland; † 17. Juli 1845 in Howick) war ein britischer Staatsmann.

Leben und Wirken

Charles Grey wurde am Eton College und an der University of Cambridge ausgebildet, bereiste sodann Frankreich, Spanien und Italien und wurde, erst 20 Jahre alt, für die Grafschaft Northumberland ins Unterhaus gewählt. In seiner Jungfernrede gegen William Pitts Handelsvertrag mit Frankreich 1787 entwickelte er vorzügliche Kenntnisse der französischen Zustände. Er war anfangs mit dem Prinzen von Wales (dem späteren Georg IV.) näher befreundet, bald aber entstand zwischen beiden eine Spannung, weil Grey es mit Entrüstung ablehnte, zugunsten des Prinzen eine Handlung von zweifelhafter Ehrenhaftigkeit zu begehen.

Seitdem war sein Verhältnis zu dem Prinzen ein kaltes; trotzdem aber war er ein eifriger Verteidiger der Rechte desselben, als 1788 bei der Krankheit des Königs eine Regentschaft ernannt werden sollte. 1792 begann Grey den Kampf für eine Parlamentsreform, indem er die berühmte Petition der von ihm mit gestifteten Gesellschaft der Volksfreunde überreichte, welche um die Beseitigung der Missbräuche im englischen Repräsentationssystem sowie um Wiederherstellung dreijähriger Parlamente und um Bestimmungen zur Verminderung der Wahlkosten bat. Auf diese und andre Petitionen derselben Art baute Grey 1793 einen Antrag auf Niedersetzung eines Untersuchungsausschusses, doch wurde derselbe verworfen. Nachdem 1806 Greys Vater zum Earl erhoben worden war, erhielt Grey den Höflichkeitstitel Viscount Howick, wurde nach Pitts Tod erster Lord der Admiralität und nach Fox' wenige Monate später erfolgtem Eintritt Außenminister.

Nach Entlassung dieses Whigministeriums und der Bildung des Ministeriums Portland saß Grey 23 Jahre lang in der Opposition und wirkte namentlich mit zur Unterdrückung des Sklavenhandels. Als Erbe seines Vaters war er im November 1807 ins Oberhaus eingetreten, wo er die Führung der Opposition übernahm, ohne indes seine frühere Popularität ganz behaupten zu können. Zweimal, 1809 und 1812, wurde mit ihm wegen der Übernahme eines Ministerpostens verhandelt; doch scheiterten die Verhandlungen beide Male: 1809, weil er nicht hoffen konnte, die Genehmigung des Königs zur Katholikenemanzipation zu erlangen, 1812, weil seine Forderung, die ersten Hofämter neu zu besetzen, um den Einfluss der Kamarilla zu brechen, abgeschlagen wurde.

1815, nach Napoleons Rückkehr von Elba, verteidigte Grey kräftig Frankreichs Recht, seine Verfassung selbst zu ordnen, und sprach mit Beredsamkeit gegen die Einmischung in die Geschicke desselben. Während des berüchtigten Prozesses gegen die Königin Karoline, Gemahlin Georgs IV., zeichnete sich Grey als Verteidiger jener unglücklichen Fürstin aus.

Auch gegen das Ministerium Canning blieb er in der Opposition, unterstützte aber Wellingtons Widerstand gegen die Corn Laws, was ihm einen großen Teil seines Ansehens beim Volke kostete, den er nur schwer durch sein Auftreten für die Emanzipation der Katholiken wiederzugewinnen vermochte.

Nachdem sich das Ministerium Wellington 1830 aufgelöst hatte, trat Grey an die Spitze eines neuen, welches sich zu „Parlamentsreform, Verminderung der Staatslasten und Nichteinmischung in die Angelegenheiten fremder Staaten“ verpflichtete. Die von demselben eingebrachte Reformbill, mit welcher Grey den Gedanken verwirklichen wollte, der die Anfänge seiner politischen Wirksamkeit geleitet hatte, wurde 1832 vom Unterhaus angenommen, von den Lords aber abgelehnt.

Darauf nahm Grey seine Entlassung vor, trat aber nach wenigen Tagen wieder ins Ministerium ein, nachdem Wellington seinen Widerstand gegen die Gesetzesvorlage aufgegeben hatte, worauf dieselbe im Juni 1832 zum Gesetz erhoben wurde. Weniger entsprach Grey seinem Programm hinsichtlich der Verminderung der Staatsausgaben, und durch sein Armengesetz und seine Maßregelungen gegen Irland zog er sich sogar solch heftigen Tadel zu, dass er im Juli 1834 endgültig aus dem Amt schied.

Zu den hervorragendsten Maßregeln seiner Verwaltung gehören noch die Aufhebung des Monopols der Ostindien-Kompanie und die Emanzipation der Afrikaner in den britischen Kolonien, welche freilich dem Land 20 Mill. Pfd. Sterling kostete. Noch etwa zwei Jahre lang nach seinem Rücktritt vom Ministerium besuchte Lord Grey gelegentlich das Oberhaus; gegen Ende 1836 zog er sich ganz von den Staatsgeschäften zurück. Er starb am 17. Juli 1845.

Mit Georgiana Spencer, der späteren Herzogin von Devonshire, hatte er eine illegitime Tochter, Eliza Couteney.

Nach Charles Grey wurde die Teemischung Earl Grey benannt.

Dieser Artikel basiert auf einem gemeinfreien Text („public domain“) aus Meyers Konversations-Lexikon, 4. Auflage von 1888–1890. Bitte entferne diesen Hinweis nur, wenn Du den Artikel so weit überarbeitet oder neu geschrieben hast, dass der Text den aktuellen Wissensstand zu diesem Thema widerspiegelt und dies mit Quellen belegt ist, wenn der Artikel heutigen sprachlichen Anforderungen genügt und wenn er keine Wertungen enthält, die den Wikipedia-Grundsatz des neutralen Standpunkts verletzen.
Personendaten
Grey, Charles Grey, 2. Earl
Erster Lord der Admiralität, Außenminister, Erster Lord des Schatzes und Premierminister
13. März 1764
Fallodon bei Alnwick, Northumberland, England
17. Juli 1845
Howick