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Flugbegleiter

Flugbegleiter/-in (engl.: flight attendant, früher auch: steward/-ess) ist die Berufsbezeichnung für Dienstleistungskräfte in einem Passagierflugzeug, die Passagiere auf Flugreisen betreuen und darüber hinaus im Notfall für eine rasche und geordnete Evakuierung sorgen sollen. In den europäischen gesetzlichen Bestimmungen JAR-OPS 1 Abschnitt O werden die Flugbegleiter in Abgrenzung zur Flugbesatzung, mit der die Cockpitbesatzung – also Piloten und Flugingenieure – gemeint ist, als Kabinenbesatzung bezeichnet. Sie zählen zum fliegenden Personal einer Fluggesellschaft oder seltener einer Luftwaffeneinheit. Die militärische Bezeichnung ist Lufttransportbegleiter.

In der Anfangszeit der Luftfahrt galt diese Tätigkeit als Traumberuf vieler Mädchen. Dieses Bild hat sich mit dem Aufkommen des massenhaften Luftverkehrs gewandelt.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Der weltweit erste Steward an Bord eines Luftfahrzeugs versah seinen Dienst im Jahr 1911 auf dem Verkehrsluftschiff LZ 10 „Schwaben“ für die DELAG. Am 1. Mai 1927 trat ein Bordsteward der britischen Fluggesellschaft Imperial Airways, der Vorläufergesellschaft der heutigen British Airways, den weltweit ersten Flugbegleiterdienst an Bord eines Flugzeugs auf dem Flug London–Paris an. Der erste deutsche Bordsteward war ab dem 29. April 1928 für die Deutsche Lufthansa AG als Flugbegleiter tätig, – zunächst auf der Strecke Berlin–Paris an Bord einer Junkers G 31. Die konzeptionelle Weiterentwicklung zum heutigen Berufsbild Flugbegleiter geht auf eine Service-Idee des Betriebsleiters der Boeing Air Transport, der Vorläufergesellschaft der heutigen United Airlines, im Jahr 1930 zurück, der die Ansicht vertrat, Stewardessen würden durch ihre Präsenz an Bord eine beruhigende Wirkung auf Passagiere ausüben, und damit die Flugangst vor dem damals immer noch als exotisch und neuartig empfundenen Verkehrsmittel Flugzeug verringern. Am 15. Mai 1930 begleitete die Krankenschwester Ellen Church (1905-1966) aus dem Bundesstaat Iowa (USA) als erste Flugbegleiterin den Flug einer dreimotorigen Boeing 80 A der Boeing Air Transport.[1] Dies geschah gegen den Widerstand der Stewards und Piloten als auch gegen den Willen der Ehefrauen der Piloten. Die weltweit erste gemischte, d.h. aus Männern und Frauen bestehende Flugbegleitergruppe wurde von Boeing Air Transport ab Juni 1938 eingesetzt.

Aufgaben und Funktionen

Zu den Hauptaufgaben von Flugbegleitern gehört die Gewährleistung von Sicherheit an Bord und die Betreuung der Passagiere (z.B. das Verhalten beim Abfall des Kabinendrucks, Rutschen und der Gebrauch der Schwimmwesten). Im Notfall ist es Aufgabe der Flugbegleiter, innerhalb kürzester Zeit das Flugzeug zu evakuieren. Sie müssen Brände bekämpfen können und im Notfall unverzüglich die richtigen Maßnahmen ergreifen.

Der ranghöchste Flugbegleiter, welcher per Gesetz dem Kommandanten (Kapitän) gegenüber die Verantwortung für die Durchführung und Koordination der im Betriebshandbuch festgelegten Sicherheits- und Notverfahren für die Fluggastkabine trägt, ist der Purser ‚AP‘ oder ‚PUR‘ [weibliche Form: Purserette, auch: Chefsteward(ess)]. Er ist die Schnittstelle zwischen der Kabinenbesatzung und der Besatzung der Pilotenkanzel. In den europäischen gesetzlichen Bestimmungen JAR-OPS wird der Purser als leitender Flugbegleiter, in der englischen Gesetzesausgabe als Senior Cabin Crew Member bezeichnet.

Flight director oder cabin services director sind veraltete Bezeichnungen und nur im englischen Sprachraum auf Großraumflugzeugen gebräuchlich. Darüber hinaus gibt es noch die Bezeichnung Chef de Cabine (CDC).

Der Purser Assistant kommt bei manchen Fluggesellschaften auf Großraumflugzeugen als Verantwortlicher eines separaten Kabinenbereichs oder einer Klasse zum Einsatz und ist dem Purser unterstellt.

Die Anzahl der Flugbegleiter hängt von der Anzahl der Sitzplätze und der Buchungsklasse ab. Bis zu 19 Fluggastsitzen ist kein Kabinenmitarbeiter vorgeschrieben; ab dem 20. Sitzplatz ist ein Flugbegleiter vorgeschrieben. Danach ist ab jedem 50. Passagiersitzplatz ein weiterer Kabinenmitarbeiter einzusetzen.

Der Flugbegleiter ist ein Repräsentant der Fluggesellschaft, welcher dem Fluggast am intensivsten begegnet und durch extensiven Kundenkontakt an der Gestaltung des öffentlichen Erscheinungsbildes der Fluggesellschaft beteiligt ist. Deshalb wird bei den meisten Fluggesellschaften der Ausbildung und dem Auftreten des Kabinenpersonals eine wichtige Bedeutung beigemessen. Im weiteren Sinne sind Flugbegleiter auch „Botschafter“ des Landes, in dem die Fluggesellschaft ihren Sitz hat. Deshalb orientiert sich die einheitliche Kleidung häufig an landestypischen Traditionen.

In Passagierflugzeugen des Militärs (z.B. bei der Flugbereitschaft) übernehmen vor allem Soldaten oder seltener eigene Angestellte die Flugbegleitung.

Ausbildung

Flugbegleiter gelten in Deutschland als formal nicht qualifizierte Arbeitskräfte, ihre Tätigkeit ist nicht als Ausbildungsberuf anerkannt, da die staatlichen Kriterien

in der betriebsinternen Ausbildung der jeweiligen Fluggesellschaft nicht erfüllt werden. Flugbegleiter werden in einem mehrwöchigen Grundkurs theoretisch und praktisch ausgebildet. Die Wissensvermittlung erfolgt nach Kriterien, die für die Luftfahrtunternehmen ökonomisch relevant sind. Die Ausbildung endet mit einer firmeninternen Prüfung ohne staatlich anerkannten Abschluss.

Jede Fluggesellschaft bildet ihr eigenes Kabinenpersonal aus. Selbst bei der Einstellung eines Mitarbeiters mit jahrelanger Flugerfahrung erfolgt eine Grundausbildung ganz von vorn.

Allgemein

Alle Besatzungsmitglieder werden in regelmäßigen Abständen durch verschiedene Behörden einer Zuverlässigkeitsüberprüfung unterzogen. Für die Angehörigen des Bordpersonals gelten die jedem Angestellten obliegenden Pflichten, insbesondere zur Verschwiegenheit über dienstliche Angelegenheiten. Die Angehörigen des Bordpersonals sind in besonderem Maß verpflichtet, sich jederzeit in und außer Dienst so zu verhalten, dass das Ansehen einer Fluggesellschaft nicht geschädigt wird. Besatzungsmitgliedern ist es grundsätzlich untersagt, in Bezug auf ihre dienstliche Tätigkeit Zuwendungen jeglicher Art (Trinkgelder, Belohnungen, Sachleistungen) von Fluggästen zu fordern, anzunehmen oder sich versprechen zu lassen. Alle sicherheitsrelevanten Verfahrensweisen sowie der Umgang mit Evakuierungsmitteln und Kenntnisse über Gefahrgüter müssen vom Besatzungsmitglied zu jeder Zeit beherrscht werden.

Körperliche Beschwerden

als solche kommen vor:

Dienstzeiten

Die maximalen Flugdienstzeiten/Ruhezeiten werden in Deutschland durch Rechtsvorschriften des Luftfahrtbundesamtes sowie durch Tarifverträge geregelt. Die höchstzulässige Arbeitszeit der Besatzungsmitglieder beträgt einschließlich der in der Verordnung geregelten Bereitschaftszeit 2000 Stunden im Kalenderjahr. Die monatliche Flugstundenzahl beträgt z.B. bei einer großen Deutschen Fluggesellschaft 70-87 Stunden im Gemischt- und Interkontinentalbereich und 69 bis 89 Stunden im Kontinentalbereich. Jede Airline hat eine eigene Regelung zur monatlichen maximalen Flugstundengrenze. Viele Airlines bieten Flugbegleitern auch die Möglichkeit der Teilzeitbeschäftigung. Die Anzahl der Flugstunden wird innerhalb eines Monats herabgesetzt oder einzelne Monate eines Jahres können als Teilzeitmonate beschäftigungsfrei bleiben. Flugbegleiter haben keinen Anspruch auf freie Wochenenden oder Feiertage. Bei einer großen Deutschen Fluggesellschaft z.B. haben die Flugbegleiter Anspruch auf mindestens zehn freie Tage im Monat beziehungsweise 35 freie Tage im Quartal bei Vollbeschäftigung.

Anforderungen

FlugbegleiterInnen müssen bestimmten Anforderungen entsprechen, die von Fluggesellschaft zu Fluggesellschaft verschieden sind:

Eigenschaften und Fähigkeiten

Notwendige Kenntnisse

Maßnahmen zur Deeskalation in Konfliktsituationen

Berufliche Vorteile

Der Arbeitsplatz im Flugzeug

Der Arbeitsplatz an Bord

Zudem ist die Flugzeugkabine einer erhöhten und in ihren Folgen bisher nicht eindeutig geklärten kosmischen Strahlung und höherer Belastung durch Ozon ausgesetzt. Jedoch konnten bisher in keiner Studie gesundheitsgefährdende Risiken oder Nebenwirkungen auf den Menschen nachgewiesen werden. Dennoch hat zumindest der Bundesgesetzgeber alle Fluggesellschaften verpflichtet, die anfallenden Strahlendosen aufzuzeichnen und zu archivieren. Jeder Mitarbeiter muss jederzeit Zugriff auf diese Statistiken haben. Die flugbedingte effektive Dosis darf im Kalenderjahr 20 mSv nicht überschreiten, während das Limit für die Lebensarbeitszeit durch berufsbedingte Strahlenexposition, ungeachtet ihrer Herkunft, bei 400 mSv liegt. Die Vorschriften zum Schutz des Fliegenden Personals vor Exposition durch kosmische Strahlung sind im §103 StrlSchV niedergelegt. Die am 1. August 2001 in Kraft getretene Neufassung der Verordnung basiert auf der EU-Richtlinie 96/29/EURATOM.

Rechtliches

Flugbegleiter dürfen auf Anordnung des Flugkapitäns als Luftfahrzeugführer im Rahmen von dessen Eingriffsbefugnissen nach § 12 Luftsicherheitsgesetz (Bordgewalt) auch körperliche Gewalt gegen Passagiere ausüben. Zum Schutz vor Terroristen fliegen zum Teil in Deutschland auch zivil gekleidete Beamte der Bundespolizei, sogenannte Sky-Marshals, mit, denen – anders als den Flugbegleitern – nach § 12 Abs. 3 Satz 3 LuftsicherheitsG unter dem Kommando des bordverantwortlichen Flugkapitäns (Kommandant) auch der Einsatz von Schusswaffen gestattet ist.

Spitznamen und Sonstiges

„Saftschubse“ ist eine umgangssprachliche, abwertende Bezeichnung der Berufsgruppe der Flugbegleiter. Es wurde in die am 28. August 2004 erschienene 23. Auflage des Dudens aufgenommen.[2] Ursprünglich wurde das Wort als ironische Selbstbezeichnung für den sekundären Bereich dieser Tätigkeit – dem Verteilen von Speisen und Getränken an die Passagiere – als eine zynische Reaktion auf die Reduzierung der Tätigkeit des Flugbegleiters in der öffentlichen Wahrnehmung gebildet. Auch „Trolley-Dolly“, "Notrutsche", "Düse" oder „Luftkellner“ wurden in diesem Zusammenhang als Spitzname für Flugbegleiter entwickelt.

Mit Wasserballett wird umgangssprachlich die Sicherheitseinführung (Anlegen der Rettungswesten, Ausgänge etc.) bezeichnet.

Schutzpatronin der Stewardessen ist Bona von Pisa.

Literatur

Siehe auch

 Commons: Flugbegleiter – Bilder, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. „15.05.1930: Endlich Häppchen aus Frauenhand! Ellen Church, die erste Stewardess der Welt, startet zu ihrem ersten Flug“, SWR2 Zeitwort, 15. Mai 2008, Audiodatei, 4:45 Min.
  2. Die Saftschubse, Die Zeit, 2. September 2004. (Stand: 23. Mai 2008).
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