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Gebenstorf

Gebenstorf
Basisdaten
Kanton: Aargau
Bezirk: Baden
BFS-Nr.: 4029Vorlage:Infobox Ort in der Schweiz/Gemeinde
PLZ: 5412
Koordinaten: (660424 / 259174)Koordinaten: 47° 28′ 50″ N, 8° 14′ 25″ O; CH1903: (660424 / 259174)
Höhe: 375 m ü. M.
Fläche: 5.64 km²
Einwohner: 4474

(31. Dezember 2007)

Website: www.gebenstorf.ch
Karte

Vorlage:Infobox Ort in der Schweiz/Pixel

Gebenstorf (schweizerdeutsch: Gäbischtorf) ist eine Einwohnergemeinde im Bezirk Baden im Schweizer Kanton Aargau. Sie liegt in der Mitte zwischen Baden und Brugg. Bis 1884 gehörte auch Turgi zu Gebenstorf, bevor es eine eigene Gemeinde wurde.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Die Gemeinde liegt unmittelbar am Wasserschloss der Schweiz, wo drei der fünf grössten Flüsse der Schweiz (Aare, Limmat und Reuss) zusammenfliessen. Der alte Dorfkern liegt zwischen dem Ostufer der Reuss und dem westlichen Abhang des Gebenstorfer Horns. In einer Flussschlaufe der Reuss liegt der Weiler gleichen Namens, der mit Gebenstorf zusammengewachsen ist. Etwa einen Kilometer nördlich des Dorfzentrums fliesst die Reuss in die Aare, nochmals einen Kilometer weiter entfernt befindet sich die Mündung der Limmat.

Limmat und Aare bilden eine 900 Meter lange und 300 Meter breite Halbinsel, auf der sich die Ortschaft Vogelsang befindet. Die Spitze der Halbinsel wird durch einen künstlich angelegten Kanal durchschnitten, der als Energiequelle für eine ehemalige Baumwollspinnerei diente. Im Mündungsbereich von Aare und Limmat liegen ausserdem drei aus Sedimenten entstandene Inseln.

Das Gemeindegebiet ist 564 Hektaren gross, davon sind 234 Hektaren bewaldet und 138 Hektaren überbaut. Die höchste Stelle liegt auf dem Chörnlisberg (561 m ü. M.), einem Teil des Gebenstorfer Horns, die tiefste Stelle nördlich von Vogelsang am Zusammenfluss von Aare und Limmat (328 m ü. M.).

Nachbargemeinden sind Untersiggenthal im Norden, Turgi im Nordosten, Baden im Osten, Birmenstorf im Süden, Windisch im Westen sowie Brugg im Nordwesten.

Geschichte

Ab dem 1. Jahrhundert n. Chr. führte die Römerstrasse vom Legionslager Vindonissa nach Aquae Helveticae (Baden) durch das heutige Gemeindegebiet. Diese Erkenntnis ist seit 1534 gesichert: Damals fand ein Bauer in Wil (heute ein Teil von Turgi) beim Pflügen seines Feldes einen römischen Meilenstein, der heute im Landesmuseum in Zürich ausgestellt ist. Im Ortsteil Vogelsang wurden römische Soldatengräber entdeckt.

Ein Dorf entstand allerdings erst im 8. Jahrhundert, als alamannische Siedler sich hier niederliessen. Die Ortsteile Reuss und Vogelsang sowie die beiden «Berghöfe» Schwabenberg und Petersberg auf dem Gebenstorfer Horn entstanden zwischen 1000 und 1200. Im Jahr 1247 erfolgte die erste Erwähnung als Gobistorf, als die Habsburger die Kirche des Dorfes erwarben.

Die Habsburger übertrugen 1330 ihren Besitz und ihre Rechte in Gebenstorf an das Kloster Königsfelden in Windisch, mit Ausnahme der hohen Gerichtsbarkeit. Im Jahr 1415 eroberten die Eidgenossen den Aargau und Gebenstorf bildete fortan ein eigenes Amt in der Grafschaft Baden, einer gemeinen Herrschaft.

Während der Reformation von 1529 trat etwa die Hälfte der Bevölkerung zum neuen Glauben über. Nach dem Zweiten Kappelerkrieg von 1531 wurde die Reformation in der Grafschaft Baden wieder weitgehend rückgängig gemacht. Doch Gebenstorf blieb als eine der wenigen Ausnahmen konfessionell gemischt. Die Kirche wurde für Jahrhunderte von beiden Konfessionen gemeinsam genutzt. Im September 1769 heiratete Johann Heinrich Pestalozzi dort Anna Schulthess. Im Juni 1889 musste die Margaretenkirche wegen Baufälligkeit abgerissen werden und die beiden Konfessionen bauten jeweils eigene Gotteshäuser. Die katholische Pfarrkirche wurde 1889 eingeweiht, die reformierte Kirche am 29. November 1891.

Im März 1798 marschierten die Franzosen in die Schweiz ein und riefen die Helvetische Republik aus. Gebenstorf wurde eine Gemeinde im kurzlebigen Kanton Baden; seit 1803 gehört sie zum Kanton Aargau. 1826 hielt die Industrialisierung Einzug, als auf freiem Feld in Turgi, weitab des Dorfes, eine erste Fabrik errichtet wurde. Aus dem Nichts entstand eine proletarisch geprägte Industriearbeitersiedlung, deren Bewohner aus allen Teilen der Schweiz und aus dem nahen Ausland stammten. Am 29. September 1856 wurde dort ein Bahnhof an der Strecke Baden - Brugg eröffnet.

Der Gegensatz zwischen den alteingesessenen Gebenstorfern und den bunt gemischten Turgemern wurde immer grösser. Obwohl Turgi mittlerweile mehr Einwohner zählte, wurden dessen Einwohner bei den Gemeindeversammlungen regelmässig überstimmt, da die Bevölkerung des neuen Dorfes einen hohen Anteil nicht stimmberechtigter Jugendlicher und Ausländer aufwies. Die Situation entspannte sich erst, als Turgi am 1. Januar 1884 von Gebenstorf getrennt wurde und eine selbständige Gemeinde bildete. Doch auch in Gebenstorf hatte sich mittlerweile zahlreiche Industriebetriebe angesiedelt, vor allem in Vogelsang.

Nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wurde die so genannte Limmatstellung errichtet. Die zahlreichen Bunker und Panzersperren, die zum Teil heute noch bestehen, hatten die Aufgabe, in der Engstelle zwischen Bruggerberg und Gebenstorfer Horn einen allfälligen Angriff der deutschen Wehrmacht aufzuhalten. Von 1940 bis 1943 lebten rund 300 polnische Soldaten in einem Internierungslager bei Gebenstorf.

Wegen seiner ausgezeichneten Verkehrslage zwischen Brugg und Baden entwickelte sich Gebenstorf ab 1950 zu einem bevorzugten Wohnort. Die Gemeinde erlebte einen Wachstumsschub wie schon im 19. Jahrhundert und wandelte sich allmählich von einem Industriedorf zu einer Schlafgemeinde für Pendler. Innerhalb von fünfzig Jahren verdoppelte sich die Einwohnerzahl.

Wappen

Die Blasonierung des Gemeindewappens lautet: «Gespalten von Rot mit weissem Rebmesser und von Weiss mit roter Pflugschar.» Die erste Abbildung des Wappens erschien 1872 auf dem Gemeindesiegel. Das Rebmesser und die Pflugschar stellen die einstmals wichtigsten Erwerbszweige der Gemeinde dar, den Weinbau und die Landwirtschaft.[1]

Bevölkerung

Bevölkerungsentwicklung (bis 1880 inkl. Turgi):[2]

Jahr 1844 1880 1900 1930 1950 1960 1970 1980 1990 2000
Einwohner 1517 2435 1574 1955 2110 2728 3539 3610 4079 4182

Am 31. Dezember 2007 lebten 4474 Menschen in Gebenstorf, der Ausländeranteil betrug 26,5 %.[3] Bei der Volkszählung 2000 waren 40,7 % römisch-katholisch, 34,2 % reformiert, 5,3 % christlich-orthodox und 5,1 % moslemisch; 1,2 % gehörten anderen Glaubensrichtungen an. 83,3 % bezeichneten Deutsch als ihre Hauptsprache, 4,8 % Italienisch, je 2,3 % Albanisch und Serbokroatisch, 1,0 % Französisch, je 0,8 % Englisch und Portugiesisch, 0,7 % Türkisch.[4]

Politik und Recht

Die Versammlung der Stimmberechtigten, die Gemeindeversammlung, übt die Legislativgewalt aus. Ausführende Behörde ist der Gemeinderat. Seine Amtsdauer beträgt vier Jahre und er wird im Majorzverfahren (Mehrheitswahlverfahren) vom Volk gewählt. Er führt und repräsentiert die Gemeinde. Dazu vollzieht er die Beschlüsse der Gemeindeversammlung und die Aufgaben, die ihm von Kanton und Bund zugeteilt wurden. Gemeindeammann der Amtsperiode 2006-2009 ist Roger Haudenschild (FDP).

Für Rechtsstreitigkeiten ist das Bezirksgericht Baden zuständig. Gebenstorf gehört zum Friedensrichterkreis Mellingen.

Wirtschaft

Knapp 200 Unternehmen bieten in Gebenstorf etwas mehr als 800 Arbeitsplätze an, davon 6 % in der Landwirtschaft, 30 % in der Industrie und 64 % im Dienstleistungssektor.[5] Die meisten Erwerbstätigen sind jedoch Wegpendler und arbeiten in den nahen Städten Brugg und Baden. Die von 1909 bis 1998 bestehende BAG in Vogelsang war während mehreren Jahrzehnten eine der grössten Produzenten von Glühlampen in der Schweiz.

Verkehr

Das Dorf liegt an der Hauptstrasse zwischen Brugg und Baden. Zwei Brücken führen über die Reuss. Beim Ortsteil Vogelsang führt je eine Brücke über die Aare und die Limmat. Der Autobahnanschluss Baden-West befindet sich rund vier Kilometer südöstlich bei Dättwil.

Gebenstorf ist Endstation von zwei Buslinien der RVBW, die über Baden nach Wettingen bzw. Spreitenbach führen. Hier beginnt auch die Postautolinie über Turgi und Untersiggenthal nach Würenlingen. Eine Postautolinie verkehrt von Brugg über Gebenstorf zum Bahnhof Mellingen-Heitersberg (Anschluss an die Linie S3 der S-Bahn Zürich). Der nächstgelegene Bahnhof ist Turgi.

Bildung

Gebenstorf besitzt vier Kindergärten sowie drei Schulhäuser, in denen die Primarschule, die Sekundarschule und die Realschule untergebracht sind. Die Bezirksschule kann in Turgi besucht werden. Die nächstgelegenen Kantonsschulen (Gymnasien) befinden sich in Baden und Wettingen.

Persönlichkeiten

Literatur

Einzelnachweise

  1. Joseph Galliker, Marcel Giger: Gemeindewappen des Kantons Aargau. Lehrmittelverlag des Kantons Aargau, Buchs 2004. ISBN 3-906738-07-8
  2. Bevölkerungsentwicklung der Gemeinden im Bezirk Baden - Statistisches Amt des Kantons Aargau
  3. Bevölkerungsstatistik 2. Halbjahr 2007 - Statistisches Amt des Kantons Aargau
  4. Gemeindeporträt - Statistisches Amt des Kantons Aargau
  5. Betriebszählung 2005 - Statistisches Amt des Kantons Aargau
 Commons: Gebenstorf – Bilder, Videos und Audiodateien