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Mie-Streuung

Als Mie-Streuung oder auch Lorenz-Mie-Streuung bezeichnet man die Streuung elektromagnetischer Wellen an sphärischen Objekten, deren Durchmesser in etwa der Wellenlänge der Strahlung entspricht. Entgegen einem weitläufigen Missverständnis beschreibt die Mie-Theorie jedoch auch die Streuung an kleineren Partikeln exakt. Sie wurde nach dem deutschen Physiker Gustav Mie und dem dänischen Physiker Ludvig Lorenz benannt. Die Mie-Theorie ist die mathematische Beschreibung der elektromagnetischen Streuung einer ebenen Welle an einer Sphäre. Dabei wird die einfallende ebene Welle und das gestreute elektromagnetische Feld in eine Reihe nach abstrahlenden sphärischen Wellenfunktionen beschrieben. Das interne Feld wird in reguläre sphärische Wellenfunktionen entwickelt. Über die Randbedingungen auf der Kugeloberfläche können dann die Entwicklungskoeffizienten des gestreuten Feldes und damit das gestreute elektromagnetische Feld in jedem Raumpunkt berechnet werden. In seinem Aufsatz von 1908 gelang Mie die mathematische Beschreibung der Farbeffekte einer Suspension von kolloidalen Goldnanopartikeln. Die Mie-Theorie wird heutzutage zur Erklärung der unterschiedlichsten Effekte in der Optik eingesetzt, z.B. Regenbogen und Strahlungstransport. Weiterhin kann mit Hilfe der Mie-Theorie in der Partikelmesstechnik mit einfachen Methoden auf die Größe und die Brechzahl eines mikroskopischen Partikels geschlossen werden. Das charakteristisch je nach Winkel im Raum schwankende Streulicht kann man auch als Interferenz der am Körper gebeugten Welle verstehen. Diese Intensitätsverteilung der Streuung im Raum (siehe Bild) kann leicht aufgenommen werden und ermöglicht so das Zurückrechnen auf die Eigenschaften des Partikels.

Die Mie-Streuung hat auch in der Funktechnik eine Bedeutung, so kann die Reflexion und auch der Radarquerschnitt von metallischen Körpern berechnet werden, deren Umfang etwa in der Größenordnung der Funkwellen liegt. Die effektive Rückstrahlfläche einer Metallkugel mit einem Durchmesser von etwa einem Drittel der Wellenlänge beträgt z.B. das Vierfache dessen, was bei isotroper Streuung zu erwarten wäre, da sie dann in Resonanz zur Welle ist. Weitere (kleinere) Maxima treten bei ganzzahligen Vielfachen des Umfanges zur Wellenlänge auf und verschwinden ab etwa einem Umfang des Zehnfachen der Wellenlänge[1].

Siehe auch: Rayleigh-Streuung, Tyndall-Effekt

Literatur

  1. http://www.radartutorial.eu/18.explanations/ex22.de.html