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Karl Engert

Karl Engert (* 23. Oktober 1877 in Stettin; † 8. September 1951) war Vizepräsident am Volksgerichtshof und SS-Oberführer.

Leben

Der Sohn des Regierungs-Gewerberats Armin Engert und seiner Ehefrau Hedwig Gruber, Tochter des Landgerichtsrats Julius Gruber, begann seine juristische Laufbahn als Amtsgerichtssekretär in München. Danach wurde er am Amtsgericht von Scheinfeld tätig. In Regensburg wurde er zum Landgerichtsdirektor ernannt.

In Schweinfurt bekleidete er die Position eines Landgerichtspräsidenten. Im Bayerischen Justizministerium wurde er zum Ministerialrat befördert. Im Ersten Weltkrieg diente er als Leutnant und wurde Kriegsgerichtsrat.

Schon früh nahm er Beziehungen zu den Nationalsozialisten auf und wurde 1921 Mitglied und der Mitbegründer der ersten Ortsgruppe der NSDAP in Franken und deren Ortsgruppenleiter (OGL). Es folgte einige Jahre der Beschäftigung als Schriftsteller für Zeitungen und Zeitschriften.

Von 1932 bis 1933 nahm er ein Mandat im Bayerischen Landtag für die NSDAP wahr. Danach wurde er Ministerialdirektor im Reichsministerium der Justiz. Dort war er der Leiter der Abteilung V und für die juristischen Fragen der Strafrechtspflege verantwortlich.

Seine juristische Karriere erreicht den Höhepunkt mit der Ernennung zum Vizepräsidenten am Volksgerichtshof und Vorsitzenden des 2. Senats in Berlin. Auf einer Tagung der führenden Juristen des Deutschen Reichs wurde er am 23. und 24. April 1941 in Berlin darüber unterrichtet, wie die „Vernichtung unwerten Lebens“ (NS-Jargon) durch das Einatmen von Gas praktiziert werden kann.

Seiner NS-Gesinnung nach verurteilte er vor dem Volksgerichtshof Jugendliche unter 18 Jahren zum Tode, obwohl die juristischen Bestimmungen die Todesstrafe nicht zuließen. Er zog aber eine besondere Bestimmung als Ausnahme heran, in der es hieß, dass eine Verurteilung zum Tode dann möglich sei, wenn der Jugendliche die geistige und sittliche Reife eines Achtzehnjährigen hätte.

So verurteilte er mit dieser Begründung am 11. August 1942 Helmuth Hübener zum Tode, der einer jugendlichen Widerstandsgruppe engehörte. Ebenso wurde Walter Klingenbeck, der Anführer einer Gruppe von Jugendlichen, auf diese Weise im September 1942 zum Tode verurteilt.

Engert war über die Verfolgung und Massentötung im NS-Regime sehr genau informiert. So besuchte er die Konzentrationslager Mauthausen und Auschwitz. In seiner Abteilung wurden Richtlinien erstellt, die die Deportation und Tötung von Gefangenen erst ermöglichten. So lautete eine Verfügung vom 27. Oktober 1944:

„Bei Strafgefangenen, die wegen politischer Straftaten verurteilt worden sind, ist darauf zu achten, daß der zuständigen Staatspolizeistelle rechtzeitig, d.h. mindestens 6 Wochen vor dem Strafende Gelegenheit zur vorbeugenden Maßnahmen [KZ] gegeben wird.“

Weiterhin kam aus seiner Abteilung eine Richtlinie, die Maßnahmen der Räumung von Haftanstalten vorsah: "Anstaltsräumung bei Feindbedrohung". Wegen dieser Richtlinie kam es zum Massaker von Sonnenburg, weswegen Engert im Nürnberger Juristenprozess u. a. angeklagt wurde. Zu einer Verurteilung Engerts kam es aber nicht mehr, weil Engert wegen Krankheit nicht mehr verhandlungsfähig war. Aber bei den Vernehmungen, die noch möglich waren, leugnete er jede Verantwortung wegen der Richtlinien ab.

Referenzen

Personendaten
Engert, Karl
Vizepräsident am Volksgerichtshof und SS-Oberführer
23. Oktober 1877
Stettin
8. September 1951