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Erfurter Parteitag

Der Erfurter Parteitag wurde vom 14. bis 20. Oktober 1891 von der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) im Erfurter Kaisersaal abgehalten. Das hier verabschiedete Programm wird Erfurter Programm genannt.

Inhaltsverzeichnis

Bedeutung

Der Erfurter Parteitag unter Leitung von August Bebel gehört zu den wichtigsten Programmparteitagen der SPD. Nach Ende der Verfolgungen durch das Bismarcksche Sozialistengesetz (1878-1890) suchte die aufstrebende Arbeiterpartei nach einer neuen Strategie und Taktik im Zeitalter dynamischer Industrialisierung und gesellschaftlicher Veränderungen in Deutschland.

Debatte

Der Ablauf der Programmdebatte im Vorfeld des Erfurter Parteitages deutete darauf hin, dass eine intensive Auseinandersetzung mit den Theorien Karl Marx' nicht stattfand[1]. So versuchten alle Entwürfe Grundzüge der marxistischen Ideologie mit sozialdemokratischer, am Pragmatismus orientierter, Realpolitik zu verbinden. Insgesamt gab es vier Programmentwürfe, einen offiziellen des Vorstandes sowie drei Alternativentwürfe, die vor Beginn des Parteitages eingereicht wurden. Zur Abwägung und Analyse dieser Alternativentwürfe wurde seitens des Parteivorstandes eine Programmkommission unter Führung Wilhelm Liebknechts eingerichtet. Besonderes Interesse fanden hier die Entwürfe von Karl Kautsky und Eduard Bernstein, die in grundlegenden Zielen nicht von dem des Vorstandes abwichen. Diese beiden Papiere, ein eher theoretisches von Kautsky und ein eher praktisches von Bernstein, fanden innerhalb der 21-köpfigen Programmkommission großen Anklang, wurden zusammengeführt und schließlich mit wenigen Änderungen einstimmig angenommen. Dieser neue Programmentwurf besaß aufgrund der Stellung der deutschen Arbeiterbewegung internationalen Vorbildcharakter und enthielt in der Tradition des Gothaer Programms einen theoretischen und einen praktischen Teil. Darüber hinaus wurde der neue Name SPD im Erfurter Programm festgeschrieben. Auf dem Erfurter Parteitag selbst wurde das Programm ohne Diskussion seitens der 250 Delegierten angenommen.[2]

Inhalt

Das als Erfurter Programm bekannt gewordene Parteiprogramm findet nach den reformistischen Ansätzen des Gothaer Programms (1875) in Teilen wieder zur marxistischen Theorie und Lehre zurück und kehrt von den Lasalle'schen Inhalten des Gothaer Programms vollständig ab. So erklärte Karl Kautsky selbst, er habe für den theoretischen Part[3] Teile von Marx' Das Kapital zusammengefasst. Die von ihm erwähnten Teile beziehen sich höchstwahrscheinlich auf den Abschnitt Die geschichtliche Tendenz der kapitalistischen Akkumulation.[4] Im krassen Gegensatz zu Marx enthielt das Programm jedoch keine expliziten Forderungen nach einer proletarischen Revolution[5] und dokumentiert somit die oben erwähnte zwiespältige Auseinandersetzung mit den Inhalten des Kommunistischen Manifests.

Der praktische, aktionspolitische Teil des Programms enthält im Kontrast zum theoretischen Teil zahlreiche demokratische und sozialpolitische Ziele (Wahlrecht, Achtstundentag, Arbeiterschutz). Damit beginnt der lange Zwiespalt in der Partei zwischen sozialistischer Theorie und realpolitischer Praxis, der erst mit dem Godesberger Programm 1959 endgültig überwunden wird.

Einzelnachweise

  1. Axel Kuhn: Die deutsche Arbeiterbewegung (2004)
  2. Axel Kuhn: Die deutsche Arbeiterbewegung (2004), 99
  3. http://www.marxists.org/deutsch/archiv/kautsky/1892/erfurter/index.htm
  4. Axel Kuhn: Die deutsche Arbeiterbewegung (2004), 99
  5. Erfurter Programm auf http://www.marx.org/deutsch/geschichte/deutsch/spd/1891/erfurt.htm

Literatur

Siehe auch