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Lankow (Schwerin)

Lankow
Stadt Schwerin
Koordinaten: 53° 39′ N, 11° 22′ OKoordinaten: 53° 38′ 59″ N, 11° 22′ 6″ O
Höhe: 39,2–70,8 m ü. NN
Einwohner: 10.985 (31. Dez. 2007)
Eingemeindung: 1. Jan. 1928
Postleitzahl: 19057
Vorwahl: 0385
Lage von Lankow in Schwerin

Lankow ist ein Stadtteil der mecklenburg-vorpommerschen Landeshauptstadt Schwerin zwischen dem Lankower- und Medeweger See.

Lankow liegt im Nordwesten Schwerins. Bis zum Anfang der 1960er Jahre bestand dieser Ortsteil nur aus einzelnen Bauerngehöften. Danach begann hier der großflächige Wohnungsbau vor allem in Plattenbauweise und die Ansiedlung verschiedener Industriebetriebe (Betonplattenwerk, Verpackungsmittelwerk, Baustoffversorgung u. a.).

Lankow ist umgeben von viel Natur. Mehrere Seen sowie der nahe gelegene Friedrichsthaler Wald bieten den Bewohnern Erholungsmöglichkeiten.

Blick über den Lankower See auf Lankow

Geschichte

Am 22. April 1237 beurkundete Gunzelin, Graf von Schwerin, dass Heinrich von Schwerin und sein Bruder zwei Hufen zu Lankow gegen Acker auf dem Schweriner Stadtfelde an das Domkapitel zu Schwerin vertauscht haben. Dies ist auch die älteste urkundliche Erwähnung des Dorfes „Lanckow“ (Namensdeutung: sumpfiger Ort).

Im Laufe der Jahre 1300 erwarb das Domkapitel das ganze Dorf. Im Dreißigjährigen Krieg wurden 1626/27 auch die in der unmittelbaren Umgebung der Stadt Schwerin gelegenen Dörfer schwer geschädigt. So wurde u.a. durch die dänische Einquartierung den Lankower Bauern das gesamte Vieh fortgetrieben. Im Zusammenhang mit den Veränderungen des territorialen Besitzes als ein Ergebnis des Krieges wurde Lankow 1648 Domanialdorf (Besitzungen des Landesherren). 1669 bestanden sechs Landwirtschaftliche Betriebe. Der Ort besaß zu diesem Zeitpunkt 44 Einwohner, darunter 34 weibliche. 28 Personen waren im Alter bis 20 Jahre, 12 zwischen 21 und 40 und 4 waren älter als 41. Erstmalig 1757 wurde eine Ziegelei sowie ein Krug im Ort erwähnt. An der Straße nach Friedrichsthal werden 1798 die ersten Lärchen gepflanzt. Im Dorfe bestanden 1801 sechs Bauern- und zehn Büdnerstellen sowie eine Schule und ein Krug. Im August 1813 wurde Schwerin und das Dorf Lankow durch die Truppen der Französischen Hauptmacht Davousts, durch die Brigade L-Allemann und die Division Loisen besetzt. Der Großherzogliche Staatskalender 1845 weist für Lankow sieben Erbpächter, vierzehn Büdner, darunter ein Schmied, zwei Ziegeleien, eine Schule, einen Krug und einen Schulzen aus.

Die Einwohnerzahl Lankows stieg von 1905 bis 1910 von 394 auf 486 Personen. Die Firma des Stellmachers Kuhlmann wird 1907 gegründet. Bei den Wahlen zum verfassungsgebenden mecklenburgischen Landtag am 19. Januar 1919 entfielen 47,9% aller abgegebenen Stimmen auf die SPD-Kandidaten. Bei der Wahl zur Nationalversammlung am 26. Januar wählten 48,3% Sozialdemokratisch. Der Lankower Sportverein (LSV) wird 1921 gegründet.

Lankow wurde 1928 in das Gebiet der Stadt Schwerin eingemeindet. Es zählte zu diesem Zeitpunkt 7 Bauernhöfe, 17 Büdnereien, 74 Häuslereien, 3 Ziegeleien, eine Schule und eine Gastwirtschaft. In Lankow lebten 632 Einwohner. Durch die Eingemeindung wurde das Straßenbahnnetz von Schwerin verlängert und ab 7. Juli fuhr die Straßenbahn vom Alten Garten kommend über die Lübecker Straße zur Einmündung des Neumühler Weges. In der Gaststätte Westphal (heute "Lindengarten") tagte 1929 der Landesparteitag der KPD. Am 26. April 1931 wurde in der Westphalschen Gaststätte der erste mecklenburgische „Volkskongress gegen Faschismus“ ausgerichtet. Im Anschluss an den Kongress fand eine antifaschistische Demonstration in die Stadt mit einer Abschlusskundgebung auf Schlachthofplatz statt.

Die Straßenbahnlinie nach Lankow wird 1936 wegen Unrentabilität aufgegeben. Lankow wird durch Busse an Schwerin angebunden. Am 21. Mai 1937 wurde das Umspannwerk in der Gadebuscher Straße in Betrieb gesetzt. Nach der Befreiung vom Nationalsozialismus wurde 1945 durch den Rat der Stadt Schwerin Wilhelm Rambow als Ortsvorsteher von Lankow eingesetzt. Am 5. August 1946 konnte wieder der Busverkehr zwischen Lankow und dem Stadtzentrum aufgenommen werden. Am 15. September stimmten bei der Wahl zur Stadtverordnetenversammlung von 1254 Wahlberechtigten 57,4% und bei der Wahl zum mecklenburgischen Landtag am 20. Oktober 51,6% für die Kandidaten der SED.

Nach dem Stadtadressbuch der Landeshauptstadt Schwerin gab es 1949 im Prinzenweg (heute Am Neumühler See) noch Behelfheime (im Volksmund: Kistjerowka) für 45 Familien. Neben der Konsum-Lebensmittelverkaufsstelle in der Gadebuscher Straße werden noch zwei Kolonialwarenhandlungen aufgeführt. In Arbeitseinsätzen schufen die Lankower 1951 einen Schulergänzungsbau (neue Schule). Dadurch konnten erstmals die Schüler nach der 4.Klasse in Lankow bleiben. Am 1. Juni 1952 wird der LSV in Turn- und Sportgemeinschaft "Jahn" Lankow umbenannt.

Am 25. Juli 1954 erfolgte die Gründung der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft "Einheit" vom Typ I in Lankow mit 13 Mitgliedern. Grundlage waren die Flächen des örtlichen Landwirtschaftsbetriebes (ÖLB). Im Juli 1956 betrug die landwirtschaftliche Nutzfläche der LPG 210,56 ha. Zu den 28 Mitgliedern gehörten u.a. fünfzehn ehemalige Landarbeiter, zwei Neubauern und zehn Arbeiter. Auf Initiative der Schule wurde am Lankower See eine Badestelle eingerichtet.

Im Neumühler Weg werden 1958 für die Mitglieder der LPG Einfamilienhäuser errichtet. Im November 1959 beschlossen die Mitglieder der LPG Lankow (270 ha) und der LPG Neumühle (190 ha) ab 1. Januar 1960 den Zusammenschluss ihrer Wirtschaften zu einer LPG. Am 22. November wurde die im Rahmen der Bürgerinitiative geschaffene Turnhalle mit einem Wertumfang von 130.000 Mark übergeben. Die Lankower leisteten zum Bau diese Sporthalle 16.000 unbezahlte Stunden. Mit dem Aufbau eines Industriegebietes zwischen der Grevesmühlener Straße und der Eisenbahnlinie von Schwerin nach Rehna wurde 1960 begonnen.

Am 15. Mai 1961 fasste die Stadtverordnetenversammlung Schwerin und der Kreisausschuss der Nationalen Front einstimmig den Beschluss über den Aufbau des sozialistischen Wohnkomplexes Lankow. Am 15. Juli verließen die ersten Deckenplatten das Betonwerk Lankow. Die Schülermannschaft der Schule Lankow wurde 1963 DDR-Vizemeister im Hallenhandball. Am 22. Dezember zogen die ersten Mieter in den ersten Block III in der heutigen Dr.-Josef-Herzfeld-Straße ein. Am 1. September 1965 begann für 234 Schüler in zehn Klassen der Unterricht in der ersten neuen Schule in Lankow, in der Ernst-Thälmann-Schule. 1966 wurde die männliche Jugend der TSG Lankow DDR-Vizemeister im Hallenhandball. Trainer war Hartmut Flau. Die Mannschaft wechselte im gleichen Jahr zur BSG Post Schwerin und stieg 1967 im die zweite DDR-Handballliga auf.

Die Werkstatt des Stellmachers Kuhlmann stellt 1967 eine rollende Zahnstation her um die zahnärztliche Versorgung in den Dörfern zu verbessern. Im ehemaligen Jugendhaus in der Ernst-Thälmann-Straße 276 (heute die Lübecker Straße) wurde 1969 die Radiologische Klinik eröffnet. Im September nahm in der Grevesmühlener Straße der VEB Verpackungsmittelwerk Schwerin seine Produktion auf. Am 4. Oktober erfolgte die feierliche Inbetriebnahme der Straßenbahnlinie 2 bis in höhe Lankow-Siedlung.

1970 war Baubeginn für den Verkehrshof des VEB Kraftverkehr Schwerin in der Grevesmühlener Straße und die Fertigstellung des Produktionsgebäudes des VEB Datenverarbeitungszentrum. Am 1. September nahm die Ingenieurschule für Maschinenbau ISM (heute BS Technik) ihren Unterricht auf. 1971 wurde In der Grevesmühlener Straße der VEB Textilreinigung "REIKO" in Betrieb genommen. 1973 Im Januar erhält die ISM ein neues Schulgebäude. Am 25. Mai 1974 erfolgte die Übergabe des Naherholungszentrums am Nordufer des Lankower Sees.

Im März 1976 wurde die Großbäckerei Lankow (ab 1. Januar 1977 Konsum-Backwaren-Kombinat Schwerin) in der Büdnerstraße in Betrieb genommen. In der Willi-Schröder-Straße (heute Rahlstedter Straße) wird die Poliklinik Lankow eröffnet. Am 6. Oktober wird die neue Tankstelle in der Ernst-Thälmann-Straße (heute die Lübecker Straße) für die Benutzer freigegeben.

Am 11. Juni 1978 erfolgte die Einweihung des Verwaltungstraktes des Bischöflichen Amtes und des angegliederten Gottesdienstraumes in der Lankower Straße 14. Der erste Seniorenklub der Volkssolidarität öffnet 1984 in der Kürt-Bürger-Straße (heute die Ratzeburger Straße). Am 31. Dezember 1985 öffnet der Jugendklub (heute der Klub 44 a) in der Kurt-Bürger-Straße 44a (heute die Ratzeburger Straße).

In den Jahren 1999-2000 wurde in Lankow die Versöhnungskirche errichtet. Die bereits 1966 gegründete evangelisch-lutherische Versöhnungsgemeinde nutzte bis dahin gemietete Räume einer Villa am Lankower See. Der zur Verfügung stehende Raum reichte der wachsenden Gemeinde jedoch schon bald nicht mehr aus, wodurch der schon seit Errichtung des Plattenbaugebietes gehegte Wunsch nach einem Kirchenbau nach der Wende umgesetzt wurde.[1]

Die Plattenbauten wurden nach 1990 zu großen Teilen saniert. Im Süden des Stadtteils entstand die neue Eigenheimsiedlung Am Mühlenberg. Der Wohnungsrückbau hingegen hielt sich bisher in Grenzen, so wurde Ende 2004 das Hochhaus in der Ratzeburger Straße abgerissen.

Verkehr

Von Lankow aus ist die Innenstadt Schwerins mit dem Schweriner Nahverkehr in 15 Minuten zu erreichen, der Große Dreesch in 25 Minuten. Die Haltestelle Lankow-Siedlung ist Endpunkt der am stärksten genutzten Straßenbahnlinie 2, die zu Stoßzeiten im 7/8-Miutentakt verkehrt. Die Buslinien 13, 14, 17 und 18 stellen Verbindungen in weitere Stadtteile her. Der Stadtteil besitzt einen Haltepunkt an der Bahnstrecke Schwerin–Rehna, der wochentags im Stundentakt bedient wird.

Bis 2007 führte die Bundesstraße 104 noch durch den Stadtteil, nach der Fertigstellung eines weiteren Bauabschnitts der Schweriner Umgehungsstraße wurde deren Verlauf jedoch geändert, so dass sie Lankow heute lediglich im Westen tangiert. In nordwestlicher Richtung führt von Lankow aus die stark befahrene Landesstraße L03 nach Grevesmühlen.

Quellen

  1. Webpräsenz der Kirchengemeinde - „40 Jahre Versöhnungsgemeinde in Lankow“