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Kreis Euskirchen

Der Kreis Euskirchen ist ein Kreis im äußersten Südwesten von Nordrhein-Westfalen mit knapp 200.000 Einwohnern. Verwaltungssitz ist die namensgebende Kreisstadt Euskirchen.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Lage

Der Kreis liegt im Südwesten des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen an der Grenze zu Rheinland-Pfalz und Belgien. Südlich des zu Hellenthal gehörenden Ortsteils Kehr, am Losheimer Landgraben (nicht zu verwechseln mit dem Losheimergraben), liegt der südlichste Punkt von NRW.

Im Norden des 1.248,86 km² großen Kreisgebietes befinden sich am südlichen Teil der Kölner Bucht die Zülpicher Börde sowie die Ausläufer der Ville, der der ungefähre Grenzverlauf von Nordwesten in Richtung Südosten folgt. Im Westen verläuft die Grenze entlang der Rureifel bis hinauf zum Zitterwald und entlang des Our-Tales und der Schnee-Eifel. Südlich befindet sich das Obere Kylltal sowie die Anfänge des Ahrgebirges und der größte Teil des Münstereifeler Walds.

Das nördliche Kreisgebiet im Bereich der Städte Euskirchen und Zülpich sowie der Gemeinde Weilerswist ist geprägt von großen Flachland-Flächen, die vorwiegend landwirtschaftlich genutzt werden. Der südliche Teil wird durch die Erhebungen der Eifel mit großflächigen Waldgebieten bestimmt, die insgesamt 36,1 % der Gesamtfläche einnehmen.

Der Kreis Euskirchen hat in Nord-Süd-Richtung eine maximale Ausdehnung von 47 km. Der nördlichste Punkt liegt südlich von Brühl im Forst Ville zwischen der Bundesautobahn 553 und der L 194, der südlichste, der zugleich der südlichste des Landes Nordrhein-Westfalen ist, liegt, wie zuvor erwähnt, an der Grenze zu Rheinland-Pfalz auf dem Gebiet der Gemeinde Hellenthal. In Ost-West-Richtung dehnt sich das Kreisgebiet über maximal 42 km aus. Der westlichste Punkt befindet sich in Nähe der Oleftalsperre bei Hellenthal an der Grenze zu Belgien, an der Rocherather Straße, die auf belgischer Seite durch das Gebiet des Truppenübungsplatzes Lager Elsenborn führt. Der östlichste Punkt liegt im Münstereifeler Wald, nahe des Rheinbacher Ortsteils Todenfeld und der Ortsgemeinde Berg in der Verbandsgemeinde Altenahr.

Der höchste Punkt befindet sich mit 690 m ü. NN auf dem Weißen Stein bei Udenbreth, der niedrigste mit 108 m ü. NN bei Burg Kühlseggen in der Gemeinde Weilerswist.

Gewässer

Knapp 14 km² des Kreises bestehen aus Wasserfläche, was ca. 1,1% des Gesamtgebietes entspricht. Der größte Teil davon liegt im Gebiet der Eifel. Während die Anzahl von Fließgewässern sehr hoch ist, sind keinerlei natürliche Seen vorhanden.

Flüsse und Bäche

Vorwiegend in den Höhenlagen der Eifel sind zahlreiche Quellgebiete von Bächen und Flüssen sowie Wasserscheiden zu finden. Im Kreis Euskirchen entspringen unter anderem die vier wichtigsten, das Kreisgebiet durchfließenden Flüsse Erft, Ahr, Kyll und Urft. Während Erft und Ahr direkt in den Rhein münden, entwässert die Kyll zunächst in die Mosel und die Urft in die Rur, die in die Maas mündet.

Seen und Talsperren

Alle nennenswerten Stillgewässer sind künstlich angelegt worden. Die Stauseen entstanden vom Anfang des 20. Jahrhunderts bis in die 1970er Jahre als Talsperren zur Wassergewinnung und Stromerzeugung oder als Hochwasserrückhaltebecken. Die beiden Baggerseen bei Zülpich stammen aus den 1970er Jahren und sind durch den Braunkohle-Tagebau entstanden. Einige der Gewässer sind als Naherholungsgebiet für die Freizeitgestaltung als Bade- oder Wassersportsee ausgelegt.

Name Lage Speicherraum Oberfläche Nutzung
Urfttalsperre Schleiden-Gemünd 45,51 Mio. m³ 230 ha Hochwasserschutz
Niedrigwasseraufhöhung
Energieerzeugung
Oleftalsperre Hellenthal 19,3 Mio. m³ 110 ha Hochwasserschutz
Niedrigwasseraufhöhung
Trink- und Brauchwassergewinnung
Energieerzeugung
Wassersportsee Zülpich Zülpich 85 ha Wassersport- und Badesee
Naturschutzsee Füssenich (Neffelsee) Zülpich-Füssenich/Geich 70 ha Naturschutzsee
Kronenburger See Dahlem-Kronenburg 2,7 Mio. m³ 27 ha Hochwasserschutz
Wassersport- und Badesee
Steinbachtalsperre Euskirchen-Kirchheim 1,06 Mio. m³ 14,6 ha Niedrigwasseraufhöhung
Brauchwassergewinnung
Badesee
Freilinger See (Stauanlage Weilerbach) Blankenheim-Freilingen 0,73 Mio. m³ 9 ha Wassersport- und Badesee
Madbachtalsperre Euskirchen-Kirchheim 68.500 m³  ? ha Brauchwassergewinnung
Badesee

Kreisgliederung

Der Kreis Euskirchen setzt sich aus fünf Städten und sechs Gemeinden zusammen. Euskirchen und Mechernich gelten als Mittlere kreisangehörige Städte, da ihre Einwohnerzahlen jeweils zwischen 25.000 und 60.000 liegen. Geographisch und topographisch werden Euskirchen, Zülpich und Weilerswist der Kölner Bucht zugerechnet, die restlichen Gemeinden gehören zur Eifel.

Städte Einwohner
Bad Münstereifel 18.839
Euskirchen 55.477
Mechernich 27.393
Schleiden 13.657
Zülpich 20.070
Gemeinden Einwohner
Blankenheim 8.424
Dahlem 4.223
Hellenthal 8.466
Kall 11.926
Nettersheim 7.942
Weilerswist 16.277

Stand: 30. Juni 2007

Nachbarkreise

Der Kreis Euskirchen grenzt an vier Kreise in Nordrhein-Westfalen, drei Landkreise in Rheinland-Pfalz sowie an das Königreich Belgien. Die Gesamtlänge der Kreisgrenze beträgt 290 km.

Der nördliche Teil des Kreisgebietes ist von Westen nach Osten umgeben vom Kreis Aachen, dem Kreis Düren, dem Rhein-Erft-Kreis und dem Rhein-Sieg-Kreis, die sich alle in Nordrhein-Westfalen befinden. Vom Osten bis zum Südwesten verläuft die Grenze zu Rheinland-Pfalz mit den Landkreisen Ahrweiler und Vulkaneifel sowie dem Eifelkreis Bitburg-Prüm, zu dem die gemeinsame Grenze nur ca. 1,5 km lang ist. Im Südwesten bis Westen befindet sich das Arrondissement Verviers (Provinz Lüttich) in Belgien, zu dem die Grenze über 28 km nahezu vollständig entlang der Bundesstraße 265 verläuft.

Geschichte

Der Kreis wurde am 1. Mai 1816 als Kreis Lechenich aus den Bürgermeistereien Entzen, Erp, Euskirchen, Frauenberg, Friesheim, Gymnich, Kommeren, Lechenich, Liblar, Lommersum, Nemmenich, Satzvey, Sinzenich, Wachendorf, Weilerswist, Wichterich und Zülpich (heute durch Eingemeindungen Teile der Städte Erftstadt, Euskirchen, Zülpich sowie der Gemeinde Weilerswist) gebildet. Er gehörte zum Regierungsbezirk Cöln, mit dem er zunächst der preußischen Provinz Jülich-Kleve-Berg und ab 1822 der Rheinprovinz zugeordnet war. Am 17. Februar 1827 erfolgte die Umbenennung in „Kreis Euskirchen“ und das Landratsamt wurde von Lechenich nach Euskirchen verlegt.

Am 1. Oktober 1932 wurden aus dem Kreis Rheinbach folgende Gemeinden in den Kreis Euskirchen eingegliedert:

Zum 1. Januar 1939 wurde der Kreis Euskirchen in „Landkreis Euskirchen“ umbenannt.

Am 23. August 1946 wird der Kreis Euskirchen Teil des neu gegründeten Landes Nordrhein-Westfalen, das mit dem Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland am 24. Mai 1949 zum Bundesland wird.

Mit dem Aachen-Gesetz vom 14. Dezember 1971 wird am 1. Januar 1972 der Kreis Schleiden (bis zum 24. Dezember 1929 Kreis Gemünd) aufgelöst und die Städte Schleiden, Mechernich sowie die Gemeinden Hellenthal, Kall, Nettersheim, Dahlem und Blankenheim werden in den Kreis Euskirchen eingegliedert. Gleichzeitig scheidet der Kreis Euskirchen aus dem Bezirk des Verwaltungsgerichts Köln aus und wir dem Aachener Verwaltungsgericht zugeordnet.

Das am 5. November 1974 beschlossene Köln-Gesetz schlägt am 1. Januar 1975 die 1969 entstandene Stadt Erftstadt dem aus dem ursprünglichen Kreis Bergheim neu gegründeten Erftkreis (heute Rhein-Erft-Kreis) zu.


Zeitliche Entwicklung des Kreis Euskirchen

Politik

Landrat

Landrat des Kreises Euskirchen ist seit 1994 in dritter Amtszeit Günter Rosenke (CDU), der sein Amt seit 1999 hauptamtlich ausübt und damit gleichzeitig Leiter der Kreisverwaltung und der Kreispolizeibehörde ist. Er wurde bei der letzten Landratswahl am 26. September 2004 mit 57,31 % der gültigen Stimmen in seinem Amt bestätigt. Uwe Schmitz (SPD) erreichte 25,32 %, Franz Troschke (UWV) 10,04 % und Hans Reiff (FDP) 9,32 %. Die Wahlbeteiligung lag bei den 153.006 Wahlberechtigen bei 57,3 %.

1. stellvertretender Landrat ist Josef Carl Rhiem (CDU), 2. stellvertretender Landrat Hans Schmitz (SPD). Als allgemeiner Vertreter ist Manfred Poth tätig.


Kreistag

Der Kreistag besteht aus 48 Abgeordneten, die am 26. September 2004 gewählt wurden.

Partei Stimmen Prozent Mandate
CDU 42.866 50,21 24
SPD 18.760 21,97 10
FDP 8.637 10,12 5
UWV 8.153 9,55 5
Bündnis 90/Grüne 6.958 8,15 4

Die Fraktionsvorsitzenden sind:

Quelle: Kommunales Rechenzentrum Niederrhein

Wappen, Dienstsiegel und Banner

Der Regierungspräsident Köln hat am 31. Oktober 1973 dem Kreis Euskirchen das folgende Wappen genehmigt:

Geviert; in Feld 1 in Rot drei zwei zu eins gestellte goldene (gelbe) Rosen; in Feld 2 in Gold (Gelb) ein rot bewehrter und bezungter schwarzer Löwe; in Feld 3 in Silber (Weiß) ein durchgehendes schwarzes kurkölnisches Balkenkreuz; in Feld 4 in Rot ein dreizackiger goldener (gelber) Zickzackbalken.

Der Kreis führt Dienstsiegel mit dem Kreiswappen. Sie zeigen in der Umschrift oben „Kreis“ und unten „Euskirchen“. Im Siegelrund das Kreiswappen im Schilde: Geviert: rechts oben in Schwarz drei, 2 : 1 gestellte, weiße Rosen; links oben in Weiß ein schwarzer Löwe; rechts unten in Weiß ein durchgehendes Balkenkreuz; links unten in Schwarz ein dreizackiger weißer Zickzackbalken.

Der Kreis führt ein Banner. Es ist Rot-Gold (Gelb) im Verhältnis 1 : 1 längsgestreift, mit dem Wappenschild im quadratischen silbernen (weißen) Bannerhaupt.

Darüber hinaus verwendet der Kreis Euskirchen folgendes Logo: Das Wort „Kreis“ in dunkelblauer Schrift mit einem türkisfarbenen Halbkreis darüber und darunter ebenfalls in blau den Schirftzug „EUSKIRCHEN“ über einem türkisen, stilisierten Ebene, die in Bergland übergeht. Darunter befindet sich in blauer Schrift der Slogan „Einfach wohl fühlen!“.


Kultur und Sehenswürdigkeiten

Museen

Siehe auch: Liste deutscher Museen nach Orten, Liste deutscher Museen nach Themen

Bauwerke

Im westlichen Teil des Kreisgebietes, insbesondere am Verlauf der Grenze zu Belgien, befinden sich bedeutende Ruinen und erhaltene Anlagen des ehemaligen Westwalles.

Wirtschaft und Infrastruktur

Verkehr

Bahn

Die Erschließung mit Bahnlinien begann 1864, als die Rheinische Eisenbahn-Gesellschaft eine Strecke von Düren zur Kreisstadt Euskirchen eröffnete. Von hier wurde die Trasse zwischen 1865 und 1870 weiter in die Eifel hineingeführt, während die direkte Verbindung von Köln her erst 1875 fertiggestellt war.

Die Preußische Staatsbahn erbaute vom Knoten Euskirchen ferner Bahnen nach Bonn (1880) und Bad Münstereifel (1890). Außerdem gingen von der "Eifelstrecke" noch folgende Zweigbahnen ab:

Die Euskirchener Kreisbahnen erschlossen 1895 einige abseits der Hauptlinien gelegene Gegenden durch die Schmalspurbahnen Euskirchen - Mülheim-Wichterich - Liblar und Mülheim-Wichterich - Zülpich - Satzvey - Arloff.

In Zülpich Stadt bestand seit 1909/11 Anschluss an die Strecke Düren - Zülpich - Embken der Dürener Kreisbahn.

Die Eisenbahnen umfassten nun ein Netz von 214 km Länge. Davon sind für den Personenverkehr nur 84 km übrig geblieben, nachdem zahlreiche Strecken stillgelegt wurden.

Heute stellt die Stadt Euskirchen den zentralen Verkehrsknoten für den Bahnverkehr im Kreisgebiet dar. Durch Euskirchen verlaufen alle verbleibenden Bahnstrecken:

Bus

Der Kreis Euskirchen ist Mitglied im Verkehrsverbund Rhein-Sieg (VRS) und wird von folgenden Verkehrsunternehmen versorgt:

Außerdem bietet der Aachener Verkehrsverbund (AVV) einige Linien im Kreisgebiet an.

Straßen

Die wichtigste Straßenverbindung im Kreis Euskirchen und für einen Großteil der Eifel ist die A 1. Die so genannte Eifelautobahn entstand ab 1977 mit dem 16,9 km langen Teilstück vom Autobahnkreuz Bliesheim über die Anschlussstelle Euskirchen (110) bis nach Wißkirchen (111). 1981 wurde der 8,5 km lange Abschnitt bis Bad Münstereifel/Mechernich (112) fertiggestellt und im folgenden Jahr die restlichen 13,4 km mit Anschluss bei Nettersheim (113) bis zum derzeitigen Autobahnende bei Blankenheim (114). Das fehlende Teilstück bis zum südlichen Abschnitt der A 1 bei Daun wird im Bundesverkehrswegeplan 2003 als vordringlicher Bedarf geführt, so dass mit der Weiterführung gerechnet werden kann. Im Norden des Kreisgebietes verläuft seit 1970 außerdem die A 61 mit der Anschlussstelle Weilerswist (25).

In den 1970er Jahren wurden zwei weitere Autobahnen im Kreisgebiet geplant. Die A 545 sollte von Aachen über Schleiden und Kall bis zur A 1 bei Nettersheim führen. Bis in die 1990er Jahre gab es Planungen für die A 56 von der niederländischen Grenze bei Heinsberg über Düren, Zülpich, Euskirchen bis nach Bonn. Bei Euskirchen wurden dafür bereits umfangreiche Vorleistungen erbracht, wie z.B. das Autobahnkreuz Euskirchen, das heute Teil der gleichnamigen Doppelanschlussstelle ist.

Durch das Kreisgebiet verlaufen auch zahlreiche Bundesstraßen. Die wichtigste die die B 51, die in Euskirchen sowie im südlichen Bereich ab Blankenheim stark befahren ist, da sie dort den Verkehr der nicht fertiggestellten A 1 aufnehmen muss. Die B 56 ist zwischen Zülpich und Euskirchen auf der Trasse der geplanten A 56 als Kraftfahrstraße ausgebaut und soll als nördliche Ortsumfahrung von Euskirchen verlängert werden. Die B 258 verläuft von Mayen über Blankenheim und Schleiden durch den Nationalpark Eifel bis nach Aachen. Ebenso durch den Nationalpark führen die B 265 von Köln über Zülpich, Schleiden und Hellenthal bis nach Prüm, die ca. 28 km entlang der Grenze zu Belgien verläuft, sowie die B 266 von Simmerath über Schleiden, Mechernich und Euskirchen bis Linz am Rhein. Beim Hellenthaler Ortsteil Losheim beginnt die B 421, die anfangs mehrfach die Grenze zwischen Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz überquert und bis nach Kirn im Landkreis Bad Kreuznach in Rheinland-Pfalz führt. Die in Neuss beginnende B 477 führt im Kreisgebiet über Zülpich und Mechernich bis nach Nettersheim-Tondorf, wo sie endet.

Sonstiges

Die Sagenwelt des Kreises Euskirchen ist bevölkert von zahlreichen Werwölfen und Werwölfinnen, u. a. eine Erinnerung an die zahlreichen Wolfsrudel, die bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts das Gebiet zwischen Eifel und Erft heimsuchten.

Einzelnachweise


Literatur

 Commons: Kreis Euskirchen – Bilder, Videos und Audiodateien