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Tesero-Dammbruch

Bei Tesero im Val di Stava (beziehungsweise Val di Fiemme/Fleimstal) in der Region Trentino-Südtirol, Italien brach am 19. Juli 1985 der Absetzdamm eines Bergwerks und verursachte eine Flutwelle, die 268 Todesopfer forderte.

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Absetzbecken

Zwei Becken lagen in verschiedenen Höhen direkt über- beziehungsweise hintereinander. Sie dienten als Absetzbecken für die Deponien des Bergwerks von Prestavel der Bergwerks-Gesellschaft Fluormine.

Ihre Dämme waren mehr als 20 Jahre alt. Der obere Damm war 34 m hoch und die Böschungsneigung erreichte 80 % (40°). Die Gründungsfuge hatte eine Neigung von 25 %. 1975 war die Stabilität untersucht und besonders der obere Damm als instabil und unsicher eingestuft worden. Die Sicherheitsfaktoren waren extrem niedrig. Dem wirtschaftlichen Vorteil war Vorrang vor der Sicherheit gegeben worden.

Die letztlichen Anlässe für das Versagen waren wahrscheinlich ein beschädigtes Drainagerohr im Damm, das nicht richtig repariert wurde, die gefährdete Stabilität des aus Sand gebauten Dammes, da sich der Sand mit Wasser vollsaugte und somit instabil wurde und große Regenmengen sowie Mengen von Schmelzwasser des Winters, die das obere Staubecken überfüllten.

Katastrophe

Am 19. Juli genau um 12:22:55 Uhr brach der obere Damm, stürzte in den unteren, brachte auch diesen zum Brechen und eine riesige Flutwelle mit 180.000 bis 200.000 m³ Schlamm, Sand und Wasser raste zunächst mit 30 km/h den Rio di Stava (Stava-Bach) entlang nach Stava und weiter mit 90 km/h bis in das Tal des Flusses Avisio hinunter nach Tesero, das 30 km von Bozen entfernt ist. Weitere 40.000-50.000 m³ Erdreich, Gebäudeschutt und entwurzelte Bäume wurden mitgerissen. Alles auf ihrem Weg wurde zerstört. In dem Touristenort Tesero gab es nach unterschiedlichen Berichten 200, 261, 264, 268, 269 oder 361 Tote. Die von der Stava-Stiftung (siehe Weblink) offiziell angegebene Zahl ist 268.

Die weitere Bilanz war: drei zerstörte Hotels, 53 Häuser, sechs Industriegebäude, acht Brücken, neun stark beschädigte Gebäude.

Die Schlammschicht war 20 bis 40 cm dick und erstreckte sich auf einer Länge von 4,2 km über eine Fläche von 435.000 m². Die Schadenssumme wird mit 155 Millionen Euro angegeben.

Prozess

Nach dem Bruch gab es einen Strafprozess, der bis 1992 dauerte. 10 Personen wurden wegen Totschlags verurteilt, darunter die Manager der Mine und die Verantwortlichen für den Bau und Betrieb der Anlagen sowie auch Verantwortliche der Aufsichtsbehörden der autonomen Provinz Trentino. Der Schaden musste von den Betreiberfirmen und der Provinzregierung getragen werden. Die letzten Zivilklagen waren erst 1999 abgeschlossen.

Zusätzlich merkten die Richter an, dass nur ein Zehntel der Prozesskosten nötig gewesen wäre, um den Damm fachgerecht zu reparieren. Denn den Betreibern war die Instabilität bekannt.

Koordinaten: 46° 19' 14" N, 11° 30' 02" O