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Namedyer Werth

Das Namedyer Werth ist (seit 1851) eine Halbinsel am Mittelrhein, dem Andernacher Ortsteil Namedy vorgelagert. Sie liegt zwischen Rheinkilometer 614 und 616,6 und ist heute ungefähr 21 Hektar groß. Die ehemalige Insel erstreckte sich zwischen Kilometer 614,6 und 616,3 (1850).

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Erstmalige Erwähnung fand die Insel 859 angesichts eines Treffens der Könige Karl II. des Kahlen, Ludwig II. des Deutschen und Lothars II. auf der damals namenlosen Insel. Erste Namensgebung als Weideplatz auf der Rheininsel uff dem werde (mnd. = auf der Insel) erfolgte 1529, im selben Jahr der Name Grasswert (mhd. wert = Insel). Im Mittelrheingebiet enden zwischen Hersel und Lorch alle Rheininselnnamen auf -werth wie Nonnenwerth, Hammersteiner Werth, Weissenthurmer Werth, Graswerth, Niederwerth. Auch in anderne Rheiabschnitten findet sich dieser Begriff, auch mit der Variante "Wörth" wie Rabenwörth. Nach häufigem Namenswechsel nach den Eigentümern der Insel erfolgte 1653 erstmals die Bezeichnung unter dem Namedier Wert, 1765 Namedyer Wert. Sie war mit einem Nussbaumwald bedeckt, der der schönste am Rhein gewesen sein soll. Der flache uferseitige Rheinarm war eine wichtige Laichquelle für Fische. Durch den katastrophalen Eisgang und das gewaltige Hochwasser vom 27. Februar 1784 (am Kölner Pegel 13,55 m, zum Vergleich: 1994/1995 10,69 m) nach einem extremen Winter wurde der Wald durch die Eisschollen zerstört, die verbliebenen Wurzeln später entfernt, und die Insel in ein reines Weide- und Grasland umgewandelt. Bei nachfolgenden Hochwasserfluten wurde so oft die Bodenkrume weggeschwemmt.

1789 tauchte der Name Namedyer Insel auf. Davor, zwischen 1770 und 1775, hieß sie Schlierswert / Schlirswerth, auch (Auf dem) Sohlers Wert, möglicherweise benannt nach dem damaligen Besitzer E. A. von Sohler, kurtrierischer Hofrat. Ab 1800 hieß sie nach dem neuen Besitzer von Mees aus Leutesdorf Meesen-Wert, Moesenwerth, Meesische Au, Meisen-Werth, auch Meissenwerth. 1806 tauchen erstmals die Namen Crum Werth, Krummes Wert(h), Krummenwerth, auch Krummetwerth (nach Krummet = Grasschnitt) auf, 1826 Das Krumme Werth genannt. Der Name wurde nach ihrer Krümmung benannt, die exakt der linksseitigen Uferlinie folgte. 1816 errichtete Jacob Rech eine Flußwassermühle auf dem Werth, die später zum Wirtshaus umgewandelt wurde. Im Laufe des 19. Jahrhunderts siedelten sich wieder Bäume an. Nach 1851 kam im Zuge der großen Rheinregulierung die Anbindung der Insel an das Festland - das Namedyer Werth wurde zu einer Halbinsel. Auch eine Schreibweise Namedyer Wörth gab es Anfang des 20. Jahrhunderts.

Naturschutzgebiet und Geysir

Seit 1985 ist es nach Vorschlag von 1937 als Naturschutzgebiet ausgewiesen, mit dem Schutzzweck der Erhaltung des Auenwaldes als Standort und Lebensraum seltener, in ihrem Bestand bedrohter Pflanzen- und Tierarten, insbesondere als Rast- und Brutplatz bedrohter Vögel.

Auf dem Namedyer Werth springt seit 1903 der Namedyer Sprudel, der Welt höchster Kaltwassergeysir. Er war bis 1957 in Betrieb, wurde dann wegen technischer Probleme stillgelegt. Seit dem 7. Juli 2006 darf er nach erneuter Bohrung wieder springen, diesmal unter dem Namen Geysir Andernach.

Heutiger Zustand

Das Namedyer Werth ist heute gar keine eigentliche (Halb-)Insel mehr, sondern eher eine Landzunge am Rheinufer, kurz hinter Andernach. Über die komplette Länge des Naturschutzgebiet erstreckt sich die Bundesstraße 9, die auf einer Brücke über die Halbinsel geführt wird. Entlang des ehemaligen Ufers, am Rande des Schutzgebiets, führen die linksrheinische Bahnstrecke der Deutschen Bahn, sowie die Kölner Straße der Stadt Andernach herum. Die Lärmbelästigung durch Straßen- und Bahnverkehr sind enorm.

In trockenen Sommern kann es vorkommen, dass der seichte Wasserarm, der das Namedyer Werth zur Halbinsel macht, komplett verschwindet.

Siehe auch

Liste der Rheininseln

Koordinaten: 50° 27' N, 7° 22' O