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Mammisi

Ein Mammisi (koptisch: „Ort der Geburt“, „Geburtshaus“) ist ein Teil eines altägyptischen Tempelkomplexes, der die Form eines kleinen Tempels hat und archäologisch von der Spätzeit bis in die Römerzeit nachweisbar ist, also etwa vom 8. Jahrhundert vor Christus bis ins 4. Jahrhundert nach Christus. Mammisi stehen innerhalb der Umwallung des Haupttempels im rechten Winkel zum Hauptprozessionsweg. Berühmte Beispiele sind in Dendera, Edfu und Philae zu finden. Als Vorläufer der Geburtshäuser gelten kleine Vorgängerbauten der Ramessidenzeit sowie thematisch relevante Teile des Bildprogramms älterer Tempel.

Da es in der späteren Zeit der altägyptischen Religion üblich war, Tempel so genannten Göttertriaden zu widmen, also einer Gruppe von drei Göttern, die in der Konstellation Vater-Mutter-Kind zueinander standen, wurde im Tempelkult auch die Themengruppe „Hochzeit“, „Geburt“, „Kinderaufzucht“ und „Inthronisierung des Nachfolgers“ behandelt. Für diese Feiern der Wiedergeburt des Königtums dienten die Mammisi als Kultort.

Der Ursprung der Mammisi wird in vorzeitlichen „Wochenlauben“ vermutet, provisorischen Gebäuden oder Schutzdächern aus Holz und Matten, in denen werdende Mütter während der Vorbereitungen zur Geburt und in den ersten Wochen danach von der menschlichen Gemeinschaft isoliert wurden. Der Bezug zur improvisierten Bauweise der alten „Lauben“ zeigt sich in den hier oft verwendeten „Pflanzensäulen“ und den halbhohen Steinwänden, die wie mit altertümlichen Matten behängte Holzschranken aussehen, die als Sichtschutz verwendet wurden.