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Sibylle Berg

Sibylle Berg (* 2. Juni 1962 in Weimar) ist eine deutsche Schriftstellerin und Dramatikerin.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Sibylle Berg wurde 1962 als Tochter eines Musikers und einer Bibliothekarin in Weimar geboren, nach einem Ausreiseantrag 1984 von der Bundesrepublik Deutschland freigekauft, war Clownschülerin und jobbte in verschiedenen Berufen, bis sie nach eigener Aussage das Gefühl hatte, alt genug zu sein, um Schriftstellerin zu werden. Ihr erster Roman Ein paar Leute suchen das Glück und lachen sich tot, der zuvor einige Male abgelehnt worden war, erschien 1997 im Reclam-Verlag Leipzig und verkaufte sich über 100.000-mal.

Sie schreibt Romane, Essays, Kolumnen und Theaterstücke. Als Romanautorin hat sie den Verlag bisher zweimal gewechselt. Ihre Kurztexte hat sie in Zeitschriften wie dem Schweizer Magazin, der Zeit [1] oder Allegra veröffentlicht. Die Uraufführungen ihrer Stücke entstehen ausschließlich mit dem schweizerischen Regisseur Niklaus Peter Helbling. Sie wurden bis heute in 14 Sprachen übersetzt.

Sie scheint mit ihren Werken die Leser stark zu polarisieren. Etikettiert wird sie etwa als kultige Pop-Literatin oder als „Fachfrau fürs Zynische“.[2]

Sie ist verheiratet und lebt in Zürich und Tel Aviv.[3]

Literarisches Schaffen

Sibylle Bergs Erstling Ein paar Leute suchen das Glück und lachen sich tot (1997) bringt der Autorin die Etikette der „kultigen Pop-Literatin“ ein. Ein Werk später gesellt sich mit Sex II (1998) das Klischee der „Designerin des Schreckens“ dazu. Und spätere Erscheinungen bringen den einen oder anderen Rezensenten dazu, in Sibylle Berg die „Fachfrau fürs Zynische und Fiese“ sehen zu wollen.

Die Betrachtung ihres Gesamtwerks macht deutlich, dass Sibylle Berg zweifellos polarisiert, ohne allerdings klischierte Etiketten zu bedienen. Berg schreibt Geschichten mit überraschenden Wendungen, ihre Protagonisten beginnen oft im Trivialen, werden in die vermutete Großartigkeit der eigenen Wunschvorstellungen entlassen und fallen prompt dem fantasievoll inszenierten Grauen zum Opfer – oder erfahren das Schöne, wenn ihre Persönlichkeit für die eigenen Wünsche tatsächlich bereit ist.

In Sex II (1998) entfernt sich Sibylle Berg bewusst von der „Designerin des Schreckens“, sie bleibt auf Distanz und begnügt sich damit, das Grauen zu beschreiben. Als nüchterne Vision, der Realität abgeschaut, die nicht zwingende und einzige Möglichkeit bleiben muss. Das viel zitierte Klischee der „düsteren Hoffnungslosigkeit“ in einigen Werken ist weniger ausweglos als vielmehr Spiegel und die Aufforderung, Leben und Dinge selbst in die Hand zu nehmen.

Berg arbeitet mit Extremen und überlässt die Entscheidung für die eigene Position dem Leser. Wohin das Abenteuer Leben führen kann, löst die Autorin in Amerika (1999) atmosphärisch dicht erzählt in völlig unterschiedlichen Bildern auf. So unterschiedlich wie die Lebenssituationen ihrer Leser. Die einen bleiben auf der Strecke, andere werden von ihren Wünschen überrollt, die sich erfüllen, einige wagen einen Neuanfang und gewinnen gerade dadurch, indem sie beim Zukunftsdenken ihre Vergangenheit nicht vergessen.

Mit ihren Kurzgeschichten in Das Unerfreuliche zuerst. Herrengeschichten (2001) zettelt Berg nicht den ihr oft unterstellten Feldzug gegen Männer an, sie beschreibt schlicht den traurigen Umgang der Geschlechter untereinander. Männer schneiden tatsächlich nicht allzu gut ab, Frauen allerdings auch nicht. Berg verpackt Hilflosigkeit, Sprachlosigkeit und Unvermögen in Geschichten, die so tragisch enden wie sie enden, weil das richtige Wort zur rechten Zeit, die Sprache der eigenen Wünsche, das Verstehen und damit die Fähigkeit zum gemeinsamen Glück fehlen.

Ende gut (2004) plakatiert temporeich die Wirren einer möglichen Endzeit und lässt die Protagonisten einen Neuanfang in Ruhe und Frieden finden. Das Fiese allerdings behält immer seinen Platz, als dramaturgische Notwendigkeit, um in ihren Plots sichtbaren Raum für überraschende Wendungen und Auswege zu schaffen.

Die Fahrt (2007) war Podcast der Frankfurter Buchmesse 2007. Thema des Buches sind gestrandete Personen aus Berlin auf Reisen durch Europa, Asien, Amerika, Australien und Ozeanien auf der Suche nach einem Partner, innerer Ruhe, einer passenden Lebensform und Heimat. Ihnen gemeinsam ist die aus unterschiedlichen Blickwinkeln gefühlte Einsamkeit und die Erfahrung, dass die Welt nicht auf sie gewartet habe. Ihre Lebenswege kreuzen sich an verschiedenen Schnittstellen und Örtlichkeiten, und gelegentlich wird dieselbe Episode aus der Perspektive verschiedener Personen erzählt. Gegenübergestellt werden schlaglichtartig Schicksale der Einheimischen in den von den Protagonisten bereisten Ländern beleuchtet, die im Gegensatz zu den Reisenden ortsgebunden-abhängig sind und nicht in der Lage sind, ihre Lebenssituation durch Mobilität zu beeinflussen. Zwecks Recherche und Inspiration für dieses Buch reiste die Autorin zuvor selbst zu einigen der von ihr beschriebenen Orte.

2008 wird Berg mit dem Wolfgang-Koeppen-Preis ausgezeichnet.

Werke

Prosa

Als Herausgeberin

Theaterstücke

Quellen

  1. Frau Berg erklärt die Welt Ihre Zeit-Kolumne vom Frühjahr 2005
  2. Die Frau fürs Fiese Beitrag zur Sendung Kulturzeit von 3sat
  3. Kurz-Bio im Blog zur Sendung Kulturplatz von SF 1
Personendaten
Berg, Sibylle
deutsche Schriftstellerin
2. Juni 1962
Weimar