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Internationale Filmfestspiele Berlin

Die Internationalen Filmfestspiele Berlin (Berlinale) sind ein jährlich in Berlin stattfindendes Filmfestival der A-Kategorie und gelten als eines der weltweit bedeutendsten Ereignisse der Filmbranche.[1] Die im Wettbewerb erfolgreichen Filme werden von einer internationalen Jury mit dem Goldenen und Silbernen Bären ausgezeichnet. Bis zu 400 Filme werden in verschiedenen Sektionen präsentiert. Mit mehr als 230.000 verkauften Eintrittskarten und etwa 430.000 Kinobesuche insgesamt (inklusive akkreditierter Fachbesucher) ist die Berlinale das größte Publikumsfestival der Welt.[2]

Rund 20.000 Fachbesucher aus 120 Ländern nehmen an dem Festival teil. Etwa 4.200 Journalisten berichten über die Zeit der Festspiele in mehr als 100 Länder.[3] Während der Berlinale findet zeitgleich der European Film Market (EFM) statt. Der EFM gehört zu den international wichtigsten Treffen der Filmindustrie und hat sich zu einem bedeutendem Handelsplatz für Produzenten, Verleiher, Filmeinkäufer und Co-Produktionsagenten etabliert. [4]

Gegründet wurde die Berlinale im Jahr 1951. Festivaldirektor ist seit 2001 Dieter Kosslick. Seit 2002 gehört das Filmfest zum Geschäftsbereich der Kulturveranstaltungen des Bundes in Berlin GmbH und wird neben privaten Sponsoren aus dem Bundeshaushalt finanziert.[5] Gegenwärtig haben sich die Internationalen Filmfestspiele Berlin zu dem herausragendsten Kultur- und Medienereignis der Metropole entwickelt.[6] Die 59. Auflage findet vom 5. bis 15. Februar 2009 statt.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Die Berlinale findet seit 1951 in Berlin statt, zunächst im Sommer, seit 1978 im Februar. Sie geht auf eine Initiative von Oscar Martay zurück. Martay war Film Officer der amerikanischen Militärregierung und beaufsichtigte und förderte in dieser Funktion die Berliner Filmindustrie, unter anderem mit mehreren Darlehen der amerikanischen Militärregierung, mit denen die Finanzierung der Filmfestspiele in den ersten Jahren sichergestellt wurden. Unter dem Motto „Schaufenster der freien Welt“ eröffnete die erste Berlinale am 6. Juni 1951 mit Alfred Hitchcocks Rebecca im Titania-Palast. Zum ersten Festspielleiter wurde der Filmhistoriker Alfred Bauer berufen, der nach dem Krieg die britische Militärregierung in Filmangelegenheiten beraten hatte.

Seit der ersten Berlinale wird der nach einer Vorlage der Bildhauerin Renée Sintenis gestaltete Goldene Berliner Bär verliehen. Die Preisträger wurden in den ersten Jahren teilweise durch Publikumswahl bestimmt. Nachdem die FIAPF (Fédération Internationale des Associations de Producteurs de Films) die Berlinale offiziell mit den Festivals in Cannes, Venedig und Locarno gleichgestellt hatte, änderte sich das entsprechend den FIAPF-Richtlinien: Die Berlinale wurde zu einem A-Festival und berief 1956 erstmals eine internationale Jury ein, die den „Goldenen“ und die „Silbernen Bären“ vergab. Die frühe Berlinale war vor allem ein Publikums- und Glamour-Festival gewesen, auf dem sich zahlreiche Filmstars präsentierten (etwa Gary Cooper, Sophia Loren, Jean Marais, Richard Widmark, Jean Gabin, Michèle Morgan, Henry Fonda, Errol Flynn, Giulietta Masina, David Niven, Cary Grant, Jean-Paul Belmondo und Rita Hayworth).

Die Ausrichtung des Festivals änderte sich ab Ende der 1960er Jahre aufgrund der gesellschaftlichen und politischen Polarisierung. So kam es etwa auf der Berlinale 1970 durch den Vietnamkriegs-Film o.k. von Michael Verhoeven zu so heftigem Streit, dass die Jury zurücktrat und das Wettbewerbsprogramm abgebrochen wurde. Auf der Berlinale 1971 wurde daraufhin neben dem traditionellen Wettbewerb mit dem Internationalen Forum des jungen Films ein ehemalige Gegenveranstaltung in das Festival integriert, das junge und progressive Filme vorstellen sollte. Durch die Veränderungen in Folge von Willy Brandts Ostpolitik und der damit verbundenen Öffnung der Ostblockstaaten wurde es 1974 erstmals möglich, dass ein sowjetischer Film gezeigt werden konnte. 1975 war erstmals eine Produktion aus der DDR vertreten.

Das Cubix Kino am Alexanderplatz

1976 wurde der bisherige Festivalleiter Alfred Bauer durch den Filmpublizisten Wolf Donner abgelöst. Donner führte zahlreiche Änderungen und Modernisierungen des Festivals ein, etwa die Verlegung vom Sommer in den Winter. Einer der Gründe für diese Änderung war der Termin der damaligen Filmmesse (des heutigen European Film Market), der sich im Winter weniger mit den Terminen anderer Filmmärkte überschnitt. Donner etablierte neue Sektionen wie die Deutsche Reihe und das Kinderfilmfest, die ehemalige Informationsschau wurde zum Panorama in seiner heutigen Form. Seit Donners Zeit gilt die Berlinale vor allem als „Arbeitsfestival“ und weniger als Bühne für Stars und „Sternchen“.

Wolf Donner wurde 1979 durch Moritz de Hadeln abgelöst, der die Berlinale bis 2001 leitete. Seit 2000 ist das Theater am Potsdamer Platz mit 1800 Sitzplätzen die Hauptspielstätte der Berlinale. Während dieser Zeit heißt das Theater Berlinale Palast. Neben den Filmpremieren der Wettbewerbsfilme finden hier auch der Eröffnungsfilm und die Preisverleihung statt.

Die Berliner Filmfestspiele werden seit dem 1. Mai 2001 von Dieter Kosslick geleitet. Auch unter Kosslick gab es einige Veränderungen: So wurde die neue Reihe Perspektive Deutsches Kino eingeführt, 2003 entstand zur Nachwuchsförderung der Berlinale Talent Campus und zur Berlinale 2007 wurde mit den Berlinale Shorts eine weitere neue Sektion vorgestellt.

Sektionen

Wettbewerb

Der Wettbewerb ist die zentrale Sektion der Filmfestspiele; im Wettbewerbsprogramm werden die Hauptpreise – der Goldene Berliner Bär und die Silbernen Bären – verliehen. Im Wettbewerb werden, entsprechend den FIAPF-Richtlinien, ausschließlich Filme gezeigt, die innerhalb der letzten 12 Monate vor Festivalbeginn produziert und noch nicht außerhalb ihrer Ursprungsländer aufgeführt wurden.

Etwa 20 Filme stehen jedes Jahr im Wettbewerb. Die Nominierung der Filme sowie die Auswahl der Jurymitglieder ist Aufgabe der Festivaldirektion. Die Preisträger werden von einer internationalen Jury unter Führung eines Jury-Präsidenten gewählt und zum Ende des Festivals verkündet. Aktuelle Spielstätten des Wettbewerbs sind u. a. der Berlinale Palast am Potsdamer Platz sowie die Kinos CinemaxX, Urania, Kino International und Zoo Palast. Jury-Präsident der Berlinale 2008 ist der Gewinner des Goldenen Bären von 1990, Constantin Costa-Gavras.[7]

Forum

Das Internationale Forum des jungen Films (kurz: Forum) findet seit 1971 statt; der inhaltliche Schwerpunkt liegt traditionell im Bereich des politisch engagierten Kinos. Das Forum geht zurück auf eine Initiative des von Erika und Ulrich Gregor gegründeten Vereins Freunde der Deutschen Kinemathek. Das Forum gab jungen Regisseuren wie Raoul Ruiz, Derek Jarman und Peter Greenaway eine erste Gelegenheit sich international zu präsentieren. Es bietet auch Filmen mit ungewöhnlichen Formaten eine Plattform, so etwa den überlangen Produktionen Taiga von Ulrike Ottinger (8 Stunden 21 Minuten) oder Satantango von Bela Tarr (7 Stunden 16 Minuten).

Einen weiteren Schwerpunkt des Forums bildet der außereuropäische Film. In den 1970er/80er Jahren konzentrierte man sich auf US-Independentfilme, Filme aus Lateinamerika und internationale Avantgarde-Filme. In den 1980er/90er Jahren widmete man sich dem unabhängigen Kino Asiens. Leiter des Forums ist seit 2001 der Berliner Filmjournalist Christoph Terhechte. „Das Internationale Forum, immer noch das wichtigste Nebenprogramm der Berliner Filmfestspiele, ist für die Neugierigen unter den Cineasten schon seit Jahren zu deren Hauptprogramm geworden.“ (Peter W. Jansen) Spielstätten des Forums sind die Kinos Delphi, Babylon, Arsenal (mittlerweile am Potsdamer Platz), CineStar und CinemaxX.

Retrospektive

Die filmhistorische Retrospektive wird seit 1977 von der Stiftung Deutsche Kinemathek (heute: Filmmuseum Berlin - Deutsche Kinemathek) organisiert und durchgeführt; im Rahmen der Retrospektive wird jährlich eine Hommage veranstaltet. Leiter der Retrospektive ist Rainer Rother. Aktuelle Spielstätten der Retrospektive sind das CinemaxX und das Zeughauskino.

Verzeichnis der Retrospektiven:

Verzeichnis der Hommagen:

Panorama

Das Panorama gehört zum offiziellen Programm der Berlinale; es wird seit 1986 veranstaltet, Vorläufer aus der Anfangszeit der Berlinale war die sogenannte Informationsschau. Leiter war zunächst Manfred Salzgeber, der 1992 von Wieland Speck abgelöst wurde. Schwerpunkte des Panoramas sind das Arthouse-Kino und der Autorenfilm; alle Filme werden als Welt- oder europäische Premiere gezeigt. Das Hauptprogramm bietet jährlich etwa 18 Spielfilme, das Rahmenprogramm bilden zahlreiche weitere Produktionen. Subsektionen sind die Reihen Dokumente, Panorama Special und Panorama-Kurzfilme. Inhaltlich widmet sich das Panorama weniger direkt politischen als eher gesellschaftlichen Themen: So werden traditionell viele schwul-lesbische Filme gezeigt. Spielstätten des Panoramas sind der Zoo-Palast, das CinemaxX, das International und das CineStar.

Generation

Die seit 1978 bestehende Berlinale-Sektion für Kinder- und Jugendfilme zeigt eine aktuelle Auswahl internationaler Spiel- und Kurzfilme für ein junges Publikum. Sie gilt in diesem Bereich als eine der wichtigsten Plattformen weltweit. Die Sektion wird seit der Berlinale 2004 durch den Jugendfilmwettbewerb 14plus ergänzt. Um dieser differenzierten Programmstruktur auch im Titel gerecht zu werden, wurde die Sektion zur Berlinale 2007 in Generation umbenannt. Entsprechend heißen die Wettbewerbe nun Generation Kplus und Generation 14plus.

Im Wettbewerb Generation Kplus verleiht eine elfköpfige Kinderjury den Gläsernen Bären an je einen Spiel- und einen Kurzfilm. Eine Internationale Jury von Filmfachleuten vergibt zudem die mit Geld dotierten Preise des Deutschen Kinderhilfswerks. Den Gläsernen Bären für den besten Spielfilm im Wettbewerb Generation 14plus vergibt eine siebenköpfige Jury von Jugendlichen. Mit seinem Programm möchte die Sektion Generation für ein erweitertes Verständnis von Filmen für junge Menschen werben. Die Wettbewerbsbeiträge beschränken sich nicht auf klassische Kinder- oder Jugendfilmproduktionen, sondern schließen auch Filme ein, die zwar nicht für diese Zielgruppen konzipiert wurden, aber Kinder oder Jugendliche thematisch und formal ansprechen.

In unregelmäßigen Abständen werden seit 1982 auch Retrospektiven veranstaltet. In der Sonderreihe Cross Section werden seit 2006 für Kinder und Jugendliche geeignete Filme aus den anderen Sektionen der Berlinale außer Konkurrenz wiederholt. Seit Oktober 2002 wird Generation von Thomas Hailer geleitet. Hauptspielstätte von Generation war der Zoo Palast. Seit 2008 ist das Babylon die Hauptspielstätte. Weitere Vorstellungen gibt es in dem Kino Colosseum (Prenzlauer Berg).

Berlinale Special

Berlinale Special ist eine 2004 neu eingeführte Reihe im offiziellen Programm, in der sowohl aktuelle Arbeiten großer Filmemacher als auch Wiederaufführungen von klassischen Werken der Filmgeschichte und Produktionen zu Festivalschwerpunkten oder aktuell-brisanten Themen gezeigt werden sollen. Aufführungsort ist das ehemalige Premierenkino des Panoramas, der Filmpalast Berlin am Kurfürstendamm.

Perspektive Deutsches Kino

Die unter Dieter Kosslick eingeführte Sektion Perspektive Deutsches Kino widmet sich der aktuellen deutschen Filmproduktion und ergänzt die geschlossene Reihe German Cinema; gezeigt wird rund ein Dutzend Spiel-, Dokumentar- und Experimentalfilme, die aus etwa 250 Bewerbungen ausgewählt werden. Leiter ist Alfred Holighaus.

Berlinale Shorts

Im Jahr 2006 wurde mit den Berlinale Shorts eine eigene Sektion für Kurzfilme eingerichtet. Je ein Goldener und ein Silberner Bär werden seit 1955 an die besten Kurzfilme vergeben, seit 2003 von einer eigens dafür einberufenen internationalen Jury. In den Berlinale Shorts laufen ca. 30 Kurzfilme, von denen ungefähr 10 am Wettbewerb teilnehmen. Die Sektion wird seit 2007 von Maike Mia Höhne geleitet. Kurze Filme sind ebenfalls in den Sektionen Generation, Perspektive Deutsches Kino und im Forum expanded zu sehen.

Weitere Veranstaltungen

European Film Market

Der European Film Market findet 2008 im Martin-Gropius-Bau statt

Neben dem American Film Market im November und dem Branchentreffen in Cannes Ende Mai, gilt der European Film Market (EFM) als einer der drei bedeutenden Treffen der Filmindustrie und hat sich zu einem wichtigen Handelsplatz für Produzenten, Verleiher, Filmeinkäufer und Co-Produktionsagenten etabliert.[8]

Der EFM ist die Nachfolgeveranstaltung der Filmmesse. Er wurde von 1980 bis 1987 von Aina Bellis geleitet; seit 1988 ist Beki Probst für diese an die Berlinale angegliederte Veranstaltung für die Filmwirtschaft zuständig. Veranstaltungsort des EFM waren bis 2000 die Räume in der Budapester Straße, seitdem fand der Filmmarkt im Atrium des Debis-Hauses am Potsdamer Platz statt, das eine Fläche von rund 2.500 m² bot.

Die stetige Expansion der Veranstaltung führte 2006 zum Umzug in den Martin-Gropius-Bau. Im Rahmen des EFM 2007 wurden 1099 Vorführungen von 713 angemeldeten Filmen durchgeführt. Dafür wurden die Kinos CinemaxX und CineStar genutzt.

Preise und Auszeichnungen

Einzelverweise

  1. 2007 CALENDAR OF FIAPF ACCREDITED* FESTIVALS, FIAPF, 18. Februar 2008
  2. Berlinale 2007 - Zahlen und Fakten, 13. Februar 2008
  3. Kosslick zieht positive Berlinale-Bilanz , PR-inside.com, 16. Februar 2008
  4. Berlin Film Festival a market force, Variety, 13. Februar 2008
  5. Kulturveranstaltungen des Bundes in Berlin GmbH, 13. Februar 2008
  6. Das war die Berlinale, 20. Februar 2008
  7. „Costa-Gavras wird Jury-Präsident“, Spiegel Online, 26. November 2007
  8. Kodak Cinema&Television Press Release, www.kodak.com, 20. Februar 2008
  9. Berlinale Preise der Internationalen Jury, 12. Dezember 2007

Literatur

 Commons: Berlinale – Bilder, Videos und Audiodateien