Frauenbewegung
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Frauenbewegung

Die Frauenbewegung ist eine internationale soziale Bewegung, die sich für die Rechte der Frauen in der Gesellschaft einsetzt.

Frauenrechtlerin ist nicht nur Bezeichnung für eine Mitstreiterin der älteren Frauenbewegung (1848–1933), sondern ist auch heute noch gebräuchlich[1]. Für Angehörige der neuen Frauenbewegung seit den 1960er Jahren wird jedoch eher die Bezeichnung Feministin verwendet.

Inhaltsverzeichnis

Weltanschauliche Grundlagen

Erste Ansätze einer Frauenrechtsbewegung entstanden im Zeitalter der Aufklärung gleichzeitig mit dem Beginn der Bürgerrechtsbewegung. Grundgedanke war die Gleichheit aller Menschen, wie sie beispielsweise im Laufe der französischen Revolution proklamiert wurde. So forderte Olympe de Gouges bereits kurz nach der Deklaration der Menschen- und Bürgerrechte dieselben Rechte und Pflichten für Frauen ein.

In Bezug auf das Verhältnis zwischen den Geschlechtern kristallisierten sich bereits sehr früh zwei grundlegend verschiedene Auffassungen heraus: eine dualistische bzw. differenzialistische und eine generalistische bzw. egalitäre Sichtweise. Erstere ging von einer grundlegenden, natürlich oder durch die neuen Wissenschaften begründeten Verschiedenheit der Geschlechter aus. Der egalitäre Ansatz basierte auf den Ideen der Aufklärung. Danach waren alle Menschen "von Natur aus gleich", woraus die Forderung nach der Gleichstellung der Geschlechter in sämtlichen Bereichen der Gesellschaft abgeleitet wurde. Aber auch der dualistische Ansatz berief sich auf die im Zuge der Aufklärung mit der Verbreitung des Kapitalismus und Bürgertums entstehenden neuen Überzeugungen von "polarisierten Geschlechtercharakteren" (K. Hausen).

Die erste Welle der Frauenbewegung

Im Zuge der Französischen Revolution wurde auch die Gleichheit zwischen Mann und Frau zum Thema, zuerst vor allem in den Salons Europas aber während des Vormärz auch bei den Altkatholikinnen. Auf die intellektuellen Zirkel bezog sich die abfällige Bezeichnung Blaustrumpf.

Die erste Welle der Frauenbewegung in den USA entstand im Zuge der Anti-Sklaverei-Bewegung. Unter den „Abolitionisten“ befanden sich auch viele, oft religiös motivierte Frauen. Sie erkannten, dass nicht nur die Bürgerrechte der Afroamerikaner, sondern auch die der Frauen nicht denen der weißen Männer entsprachen. So wurde 1848 die „Seneca Falls Declaration“ verabschiedet, die sich bewusst an der US-amerikanischen Unabhängigkeitserklärung orientierte und vor allem das Wahlrecht für Frauen und eine Reform der Ehe- und Besitzrechte forderte.

Die Mitglieder der ersten Frauenbewegung wurden Frauenrechtlerinnen genannt. Da eines ihrer Hauptziele das Frauenwahlrecht war, wurden sie auch (häufig abwertend) als Suffragetten (suffrageengl. Wahlrecht, von latein. suffragium – Abstimmung) bezeichnet.

Wichtigste angestrebte Ziele der ersten Frauenbewegung:

Die früher vorgenommene Unterscheidung der ersten Welle der deutschen Frauenbewegung in sozialistische Frauen wie Clara Zetkin, und bürgerlich-gemäßigte wie Helene Lange und Gertrud Bäumer sowie bürgerlich-radikale Feministinnen um Minna Cauer und Anita Augspurg wird heute aus sachlichen Gründen wegen vielfältiger Überschneidungen der Flügel in Einzelfragen nicht mehr aufrechterhalten. Sinnvoller ist es, Schwerpunkte des Engagements zu unterscheiden. Vor allem der bürgerlich-radikale Flügel strebte das Frauenwahlrecht auf nationaler Ebene und das Recht auf Zugang zu den Universitäten an, teilweise auch gemeinsam mit den Sozialistinnen. Der bürgerlich-gemäßigte Flügel trat vorrangig zunächst für das Kommunalwahlrecht und für eine Verbesserung der Bildungsmöglichkeiten für Frauen ein sowie für die Anerkennung der Erwerbsarbeit von Frauen. Allen Flügeln gemeinsam ging es um die Umgestaltung der Gesellschaft auf neuer sittlicher Grundlage .

Die zweite Welle der Frauenbewegung

Der Auslöser der zweiten Welle der Frauenbewegung war ein allgemeiner gesellschaftlicher Umbruch und Wertewandel seit den 1950er Jahren. In Deutschland wie in den USA wurde sie im Zuge der Neuen Linken im Rahmen des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes, SDS, Studentenbewegung zur sozialen Bewegung. In den USA wurden die Frauen durch die Bürgerrechtsbewegung der Afroamerikaner und die Massenbewegung gegen den Vietnamkrieg inspiriert, sich auch wieder stärker für die Lösung ihrer eigenen Probleme zu engagieren.

Die besonderen Merkmale dieser Frauenbewegung waren

Schon der Aktionsrat zur Befreiung der Frauen formulierte 1968 weniger "Frauenprobleme" als Kritik an der auch von der Neuen Linken nicht in Frage gestellten hierarchischen Geschlechterordnung und leitete daraus die temporär notwendige Selbstorganisation der Frauen ab. Daraus entstand die "autonome" Frauenbewegung. Der hier benutzte Begriff der Autonomie war nicht identisch mit dem der anarchistischen Bewegung. Vielmehr meinte er im geteilten Deutschland (und in Absetzung vom "Sozialistischen Frauenbund") die Unabhängigkeit von allen Formen traditioneller und neuer linker Politik.

Als Reaktion auf die Frauenbewegung entwickelte sich ab den späten 1960er Jahren eine Männerbewegung. Diese trägt heute teilweise reaktionäre Züge, da sie den Feminismus als Feindbild betrachtet und Teil des konservativen „Backlash“ der 1980er Jahre ist. Es gibt jedoch seit den 1960er Jahren auch Männergruppen, die versuchen, ein neues Selbstverständnis zu finden, das Erkenntnisse der Geschlechter- und Männerforschung aufnimmt. Der Schwäche der kritischen Männerbewegung zumindest in Deutschland geschuldet, entwickelte sich hier eine Männerforschung und praktische Arbeit mit Jungen Jungenarbeit mit großer Verspätung.

Die dritte Welle der Frauenbewegung

In den 1990er Jahren entwickelte sich in den USA eine dritte Welle der Frauenbewegung. Sie war vor allem eine Reaktion auf einen populären Antifeminismus und auf die Ansicht, dass Feminismus obsolet sei, weil er alle Ziele erreicht hätte.

Die dritte Welle des Feminismus orientiert sich sehr stark an den Zielen der zweiten Phase, die sie auch heute noch nicht verwirklicht sieht. Angebliche oder tatsächliche Fehler von Teilen der zweiten Welle, wie z. B. Ethnozentrismus und (teilweiser) Ausschluss der Männer sollen korrigiert und der Feminismus den aktuellen gesellschaftlichen Gegebenheiten angepasst werden. Darüber hinaus geht es um das Infragestellen problematischer Identitätskonzepte, von Geschlechtsidentität und Sexualität.

Es ist vor allem ein Generationenwechsel. Feminismus hatte unter der jungen Generation einen schlechten Ruf, galt als hausbacken und „uncool“. Andererseits sehen viele junge Frauen eine Gleichberechtigung der Geschlechter noch keineswegs verwirklicht. So entstanden u. a. die Riot grrrls in den USA aus einem Punk-Kontext. Elemente der Riot Grrrl-Bewegung wurden auch in Deutschland aufgegriffen. Die jungen Feministinnen der dritten Welle arbeiten vor allem mit dem Internet und zielorientiert in Projekten und Netzwerken mit feministischer Ausrichtung, z. B. in der Third Wave Foundation (USA).

Bekannte Vertreterinnen der Frauenbewegung

Deutschland

Frankreich

Italien

Großbritannien

USA / Kanada

1848–1960*

nach 1960

Schweiz

Siehe auch: Frauenstimmrecht (Schweiz), Schweizer Frauenbewegung

Österreich

Andere Länder

Bekannte Organisationen der Frauenbewegung

Literatur

Allgemein

Deutschland

Frankreich

Vereinigtes Königreich

Italien

Japan

Lateinamerika

Schweiz

USA

Zum Third-Wave-Feminismus

Filme

Siehe auch

 Wikiquote: Frauenbewegung – Zitate

Deutschland

Großbritannien

Schweiz

Türkei

Quellen und Anmerkungen

  1. Begriff „Frauenrechtlerin“ in der Gegenwart: tagesschau.de 29.11.2006 taz.de 26.9.2006 tagesspiegel.de 03.09.2006 PR Newswire 04.01.2006