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Landkreis Freiberg

Dieser Artikel behandelt den Landkreis Freiberg nach 1994. Für 1939–1952 siehe Amtshauptmannschaft Freiberg.

Der Landkreis Freiberg ist ein Landkreis im Freistaat Sachsen.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Der Landkreis reicht vom Mittelsächsischen Hügelland im Norden über einen schmalen Streifen des Erzgebirgsvorlands bis zu den Höhen des Osterzgebirges. Im Norden bildet die A 4 zum Teil die Grenze. Im Osten bildet unter anderem der Tharandter Wald mit seinem westlichen Rand, die Höhenrücken zwischen Colmnitzbach, Sohrbach, Bobritzsch und Gimmlitz die Grenze und nach Westen hin sind es zum Teil das Tal der Zschopau und der Flöha bzw. deren östliche Höhen. Nach Süden reicht der Landkreis bis an die Grenze zwischen Deutschland und Tschechien.

Nachbarkreise sind im Norden der Landkreis Meißen, im Osten der Weißeritzkreis, im Süden der tschechische Verwaltungsbezirk Karlsbad (Karlovarský kraj), im Südwesten der Mittlere Erzgebirgskreis, im Westen die kreisfreie Stadt Chemnitz und im Nordwesten der Landkreis Mittweida.

Die Höhen der im nördlichen Teil leicht gewellten Hochfläche jedoch im südlichen Teil bewegteren Landschaft reichen von 227 m ü. NN (Tal der Freiberger Mulde bei Siebenlehn als tiefster Punkt) bis 837 m über NN (Kohlberg bei Neuhausen im Erzgebirge als höchster Punkt).

Die wichtigsten Gewässer sind die Freiberger Mulde, die Zschopau, die Bobritzsch, die Große und die Kleine Striegis, die Striegis, die Gimmlitz, die Flöha, die Talsperre Rauschenbach und die Talsperre Lichtenberg. Die Flüsse, meist noch als Oberlauf oder Mittellauf, sind mit ihren windungsreichen und nach Norden hin stark ausgeprägten Kerb- und Kerbsohlentälern in das umliegende Gelände eingeschnitten. Somit stellten sie von je her bis in das 19. Jahrhundert hinein für die west-östlich verlaufenden Verkehrswege ernsthafte Hindernisse dar. Der Kreis hat in seinem südlichen Teil Anteil am Naturpark Erzgebirge/Vogtland

Bemerkenswert sind die auf den alten Erzgängen aufsitzenden Bergbauhalden, die so genannten Züge zwischen Halsbrücke, Freiberg und Brand-Erbisdorf. Kunstteiche und Kunstgräben um Freiberg, Brand-Erbisdorf und Großhartmannsdorf stellten mit ihrem Graben- und Röschensystem die Wasserversorgung und -entsorgung des Erzbergbaus jahrhundertelang sicher, darunter der Rothschönberger Stolln, der Brander und Freiberger Bergbau über die Triebisch zur Elbe hin entwässerte.

Kreisübergreifend ist zu Beginn des 21. Jahrhunderts mit den Städten Nossen im Landkreis Meißen, Roßwein im Landkreis Döbeln, der neuen Stadt Großschirma, den Städten Freiberg und Brand-Erbisdorf eine Zone der Verstädterung tendenziell im Entstehen. Diese umfasst 2004 etwa 75.000 Einwohner.

Im Norden des Kreises ist das Land, das sich an die Lößzone der Lommatzscher Pflege anschließt, von Ackerflächen, Wiesen und Wäldern bedeckt. Die geoökologische Grenze zwischen Hügelland und Bergland liegt ungefähr auf der Linie Seifersdorf - Großschirma - Sand - Oberschaar - Herrndorf - Landberg im Tharandter Wald (Weißeritzkreis). Auf den steinigen Hochebenen wächst überwiegend Fichtenwald, an den steilen Talhängen vorwiegend Laubwald. Je weiter man nach Süden kommt, um so mehr nimmt der Anteil der Ackerbauflächen ab, es dominieren Bergwiesen und ganz im Süden in Nähe der im Winter schneesicheren, rauhen Kammlagen findet sich geschlossener Fichtenwald. Die Böden setzen sich im Norden aus Lößen und Lehmen und nach Süden hin mehr und mehr aus Verwitterungsböden zusammen.

Siehe auch: Liste der Landschaften in Sachsen, Liste der Gewässer in Sachsen, Liste der Berge in Sachsen, Naturräume in Sachsen

Wirtschaft

Der Landkreis zählt zur Euroregion Erzgebirge/Krušnohoří und mit seinem Nordteil zur Metropolregion Sachsendreieck. In der Region dominierte über 800 Jahre der Freiberger Silberbergbau. Später wurden andere Erze wie Blei-, Nickel-, Eisen-, Kupfer- und Zinnerze gefördert und in den Standorten Freiberg, Muldenhütten und Halsbrücke, wo neben Silber auch Gold, Platin und andere Edelmetalle aufbereitet wurden, verhüttet. Dies führte bereits im 18. und 19. Jahrhundert zu ökologischen Problemen, die Ende des 20. Jahrhunderts kulminierten, heute aber durch moderne Reinigungsverfahren von Rauchgas und Abwasser und durch die fast vollständige Einstellung dieses Industriezweiges nach 1990 keine Rolle mehr spielen. Innerhalb kürzester Zeit konnte sich die Natur selbst regenerieren. Bereits seit frühester Zeit der Industrialisierung dieses Gebietes, die bis zum Ausgang des Mittelalters mit der Einführung frühkapitalistischer Produktionsformen zurückreicht, ist eine Art Clusterbildung zu verzeichnen. Bergbau und Hüttenwesen zogen Handel und die nachfolgenden Gewerke und Industrien wie Köhlerei, Holzverarbeitung, Textil- und Lederherstellung, Maschinenbau und metallverarbeitende Industrie oder Wasserwirtschaft an und gingen untereinander enge Verflechtungen ein. Spätestens ab dem 18. Jahrhundert trat die praxisorientierte Wissenschaft hinzu. So konnte auf relativ kleinem Raum in Zeiten konjunkturellen Aufschwungs wirtschaftlich effektive und gewinnbringende Strukturen geschaffen werden. Unter Anderem ist hier eine der Quellen dafür zu suchen, dass sich Sachsen mehrmals in der Geschichte als wirtschaftliche Macht innerhalb Deutschlands und Mitteleuropas behaupten konnte. In Zeiten der Rezession allerdings, die über Jahrhunderte mit der Entwicklung des Silberpreises am Weltmarkt verknüpft war, mussten Alternativen gefunden werden. Diese bestanden dann zum Beispiel in Heimarbeit im oberen Erzgebirge und in der Land- und Forstwirtschaft.

Der Landkreis ist heute von Hochtechnologien wie Solartechnik und Recycling hochwertiger Stoffe, vom Dienstleistungssektor und vom Tourismus geprägt, durch ihn führen die Silberstraße und die Deutsche Alleenstraße. Im Norden des Kreises ist die Alte Fürstenstraße der Wettiner und von Norden nach Süden die Alte Salzstraße durch Mittelsachsen im Aufbau. In Freiberg selbst sind durch Hochtechnologie und Wissenschaft Ansätze zu einem wirtschaftlichen Cluster gegeben. Land- und Forstwirtschaft spielen eine nur noch untergeordnete Rolle. Der Westteil des Kreises ist wirtschaftlich eng mit dem Ballungsraum Chemnitz-Zwickau verbunden. Ab dem 20. Jahrhundert gibt es mit zunehmender Tendenz Tagespendler in die Ballungsräume Dresden, Chemnitz-Zwickau und auch Leipzig-Halle.

Verkehr

Das Kreisgebiet wird an der Nordgrenze von der Bundesautobahn 4 und dem Dreieck Nossen (Bundesautobahn 14) tangiert und durch eine Autobahnanschlussstelle (Siebenlehn) erschlossen. Von Nord nach Süd durchläuft die Bundesstraße 101 über Großschirma, Freiberg und Brand-Erbisdorf, von West nach Ost die Bundesstraße 173 über Flöha, Oederan und Freiberg, welche sich in der Kreisstadt kreuzen. Von Ost nach Südwest wird das Kreisgebiet von der Bundesstraße 171, die über die Städte Frauenstein und Sayda verläuft, durchschnitten. Es existiert ein dichtes Netz von Staatsstraßen sowie Kreis- und Ortsverbindungsstraßen.

Das Gebiet des Landkreises Freiberg ist in den Verkehrsverbund Mittelsachsen (VMS) mit gemeinsamen Tarif für Bahn und Bus integriert. Der ÖPNV wird durch das Freiberg und Brand-Erbisdorf verbindende Stadtlinienbusnetz (derzeit 7 Linien) repräsentiert. Flöha verfügt ebenfalls über ein Stadtlinienbusnetz. Freiberg besaß Anfang des 20. Jahrhunderts eine Straßenbahn. Der traditionell sehr dichte Überlandverkehr wird durch verschiedene Bus-Gesellschaften bedient.

Das Eisenbahnnetz war ehedem sehr dicht. Heute verlaufen durch den Kreis nur die Sachsen-Franken-Magistrale (Dresden - Freiberg - Flöha - Chemnitz - Zwickau - Plauen - Nürnberg), die Strecken Flöha - Annaberg, Flöha - Neuhausen und die Freiberger Muldentalbahn nach Holzhau. Über einen Eisenbahnanschluss (Normalspur) verfügten neben Brand-Erbisdorf ehemals auch Halsbrücke, Langenau, Großhartmannsdorf, Großschirma, Siebenlehn sowie Deutschneudorf. Frauenstein, Sayda, Bobritzsch und Eppendorf konnten einst mit Schmalspurbahnen erreicht werden. Ein Verkehrsmittel der besonderen Art ist die Drahtseilbahn Augustusburg, die vom Zschopautal (Erdmannsdorf) zum Schloss Augustusburg verkehrt.

In Langhennersdorf bei Freiberg existiert ein Flugplatz.

Geschichte

Der älteste Beleg menschlicher Aktivitäten ist die Spitzhaue von Niederschöna, die in das Mesolithikum einzuordnen ist. Des Weiteren wurden in Hohentanne, Halsbach, Großschirma, Freiberg und Memmendorf steinere Gerätschaften oder Bruchstücke derer aufgefunden, die dem Neolithikum zuzuordnen sind. Aufgefundene Axthämmer stammen aus der Bronzezeit und der frühen Eisenzeit. Belege für eine dauerhafte Besiedlung des Gebietes sind dies jedoch nicht, sondern man vermutet, das all diese Funde auf Streifzüge, Wanderungen und Jagden zurückzuführen sind.

Im 1. Jahrhundert gehörte das Gebiet vermutlich zum Einflussbereich der Hermunduren, im 4. und 5. Jahrhundert zu dem der Thüringer und Silingen. Archäologische Zeugnisse aus dieser Zeit gibt es bisher nicht. Eine Besiedlung setzt im nördlichen Teil beziehungsweise in den dafür geeigneten, nicht von Hochwasser bedrohten und/oder vermoorten Flusstälern im 6. bis zum 8. Jahrhundert durch die westslawischen Daleminzier ein, die vor allem in die fruchtbaren Lößgebiete um Lommatzsch und Meißen einwanderten, die das besprochene Gebiet nur berühren. Ortsnamen wie Bobritzsch, Loßnitz, Großschirma, Kleinschirma und Flöha könnten dies belegen. Bis zum Beginn der Besiedlung durch Deutsche gehörte das gesamte Gebiet zum so genannten Miriquidi, einem Urwald im Raum des Erzgebirges, der später die so genannten "Böhmischen Wälder" genannt wurde. Aus der Geschichte der Erzgebirgspässe ist bekannt, dass Heinrich I. 929 durch das östliche Erzgebirge, nachdem er die Stadt Gana erobert hatte, zog. 965 oder 973 der Bericht des arabischen Kaufmannes Ibrahim Ibn Jakub belegt die Nutzung der alten Verkehrswege für den Handel Böhmens mit den norddeutschen Ländern. Der von ihm beschriebene Weg, eine der sogenannten Salzstraßen, verlief wahrscheinlich von Magdeburg über Halle, Wurzen, Oederan, Sayda und Brüx nach Prag. Der Pass über Deutscheinsiedel wird 1185 erstmals in einer Urkunde des Markgrafen Otto von Meißen im Codex diplomaticus Saxoniae regiae urkundlich erwähnt.

Eine entscheidende Rolle für die weitere Geschichte spielt die Gründung des Klosters Altzella bei Nossen unmittelbar nördlich der jetzigen Kreisgrenze. Belegt sind aus historischer Zeit die so genannte Frankenstraße, die im Rahmen der Ostkolonisation entstand und aus Franken beziehungsweise Thüringen durch Sachsen hindurch über die Elbe bei Dresden in die Oberlausitz, nach Schlesien und bis nach Krakau führte. Im 12. Jahrhundert wurde, von Altzella ausgehend, der Wald gerodet, was zur Anlage von Waldhufendörfern wie zum Beispiel Weißenborn/Erzgeb., führte. Es gab nicht mehr genau lokalisierbare Verbindungen (s. o.) aus dem Raum Halle und Leipzig nach Böhmen (Prag), die aber zum zufälligen Fund von gediegenem Silber 1168 bei dem damaligen Christiansdorf, einer Vorläufersiedlung von Freiberg, führten. Aus dieser Siedlung ging die so genannte Sächsstadt und das spätere Freiberg hervor.

Die Hussiteneinfälle in das Gebiet um Freiberg und in das Erzgebirge im Jahre 1430 (1429/30) sind inzwischen wissenschaftlich widerlegt. Die vom Erzgebirgschronist Magister Christian Lehmann (1611-1688) beschriebenen Geschehnisse sind nach heutigem Stand in das Reich der Legenden zu verbannen!: „Um Michaelis fielen die Hussiten mit einem Mächtigen reuberischen Hauffen ein, verheereten die gantze Gegend mit Mord, raub und brandt und schaften den raub uber das gebirg. ... Die Dörfer, Schlösser und Flecken, die am Paß liegen, sind von ihnen gäntzlich ruiniert worden.“ Und weiter: „In Zschopau und Scharfenstein haben sich die Leute mit ihrem Vieh und Mobilien salviret, (so daß die Hussiten) nicht viel anhaben können, doch haben sie, was sie in ledigen Flecken und Dörfern angetroffen, alles vollens verwüstet.“ Viele Leute in unserer Gegend seien „ausgeplündert und niedergemacht worden, mit Feuer und Schwert verderbt, daß viele Dörfer öde blieben und den Nahmen verlohren, dargegen die Felder verbuschten und mit Holz bewuchsen."

Verwaltungsgeschichte

Territoriale Vorläufer waren die Amtshauptmannschaft Freiberg, die 1938 in Landkreis Freiberg umbenannt wurde. Bei der DDR-Kreisreform 1952 wurde dieser Landkreis neugeordnet und in die Kreise Freiberg und Brand-Erbisdorf aufgeteilt.

Seine heutige Größe erhielt der Kreis am 1. August 1994, als die Kreise Brand-Erbisdorf und Flöha mit dem Kreis Freiberg verbunden wurden. Durch die Umsetzung der Kreisreform in Sachsen erfolgt mit Wirkung zum 1. August 2008 eine Fusion mit den Kreisen Döbeln und Mittweida zum Landkreis Mittelsachsen.

Landräte

Städte und Gemeinden

(Einwohnerzahlen vom 31. Dezember 2006)

Städte

  1. Augustusburg (5.152)
  2. Brand-Erbisdorf (11.087)
  3. Flöha (10.492)
  4. Frauenstein (3.253)
  5. Freiberg (42.897)
  6. Großschirma (6.084)
  7. Oederan (7.913)
  8. Sayda (2.180)

Verwaltungsgemeinschaften

Gemeinden

  1. Bobritzsch (4.621)
  2. Dorfchemnitz (1.785)
  3. Eppendorf (4.721)
  4. Falkenau (2.040)
  5. Frankenstein (1.208)
  6. Großhartmannsdorf (2.807)
  7. Halsbrücke (5.572)
  8. Hilbersdorf (1.427)
  9. Leubsdorf (3.905)
  10. Lichtenberg/Erzgeb. (2.957)
  11. Mulda/Sa. (2.874)
  12. Neuhausen/Erzgeb. (3.204)
  13. Niederwiesa (5.237)
  14. Oberschöna (3.679)
  15. Rechenberg-Bienenmühle (2.278)
  16. Reinsberg (3.247)
  17. Weißenborn/Erzgeb. (2.723)

Siehe auch: Amtshauptmannschaft Flöha, Amtshauptmann

Literatur