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Heinrich Zerkaulen

Heinrich Zerkaulen (* 2. März 1892 in Bonn; † 13. Februar 1954 in Hofgeismar) war ein deutscher Schriftsteller und Mitglied im Bamberger Dichterkreis.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Heinrich Zerkaulen war der Sohn eines Schuhmachers. Nach dem Abitur studierte er Pharmazie an den Universitäten in München und Marburg. Zu Beginn des Ersten Weltkriegs meldete er sich als Kriegsfreiwilliger und kämpfte an der Ostfront. Nach einer schweren Verwundung war er ab 1916 als Feuilletonredakteur in Düsseldorf und Essen tätig. Ab 1923 wirkte er als Leiter der literarischen Abteilung des Städtischen Ausstellungswesens in Dresden, und ab 1931 war er freier Schriftsteller. Nach 1933 gehörte Zerkaulen zu jenen regimetreuen Autoren, die von der nationalsozialistischen Kulturpolitik besonders gefördert wurden. Er gehörte im Oktober 1933 zu den 88 Schriftstellern, die ein Treuegelöbnis für Adolf Hitler abgaben.[1] Nach 1945 brachte ihm seine politische Einstellung eine längere Internierung durch die amerikanische Besatzungsmacht ein, die er in seinem letzten Werk "Zwischen Nacht und Tag. Erlebnisse aus dem Camp 94" (1951) schildert.

Künstlerisches Schaffen

Heinrich Zerkaulens Werk umfasst Romane, Erzählungen, Lyrik und Dramen. Nachdem er anfangs hauptsächlich Gedichte im volkstümlichen und patriotischen Ton verfasst hatte, wandte er sich in den Zwanzigerjahren der erzählenden Prosa zu, in der er die Biografien historischer Persönlichkeiten und Stoffe aus seiner rheinischen Heimat verarbeitete. Dabei gehörte Zerkaulen zu einer Gruppe von Autoren, die in der Provinz eine Gegenwelt zur dekadenten Industriewelt der Städte suchte.

„Diese Literatur beanspruchte mehr zu liefern als nur ein fiktiv-ideales Gegenbild zur problemzerrissenen Industriewelt mit ihren politischen und gesellschaftlichen Krisen: Hier sei der >völkische Lebensgrund< zu finden, von dem aus die Ganzheit des Lebens und die Gemeinsamkeit des Volkes gegen die Relativierungen und Interessenantagonismen der liberal-sozialistisch-bürgerlichen Industriewelt rettend wiederhergestellt werden sollte.“

Uwe-K. Ketelsen: Völkisch-nationale und nationalsozialistische Literatur in Deutschland 1890 - 1945, Stuttgart 1976, S. 75

Die provinzielle deutsche Idylle, die Zerkaulen und andere Autoren entwickelten, ist auch als Gegenwelt zur kritischen Provinzliteratur der Weimarer Zeit zu sehen, wie sie etwa Ödön von Horváth, Marieluise Fleißer oder Oskar Maria Graf repräsentieren (vgl. Ketelsen a.a.O., S. 75).

Während des Dritten Reiches hatte Zerkaulen großen Erfolg mit seinem Theaterstück "Jugend von Langemarck" und dem Roman "Hörnerklang der Frühe", in denen er Fronterlebnisse des Ersten Weltkriegs verklärte:

„Zerkaulens fast ins Religiöse gesteigerter Nationalismus konnte sich ab 1933 voll entfalten, zunächst in dem Drama Jugend von Langemarck (Leipzig 1933), das die in blindem Gehorsam gefallenen Freiwilligen des Ersten Weltkriegs heroisierte und damit eines der meistgespielten Stücke der NS-Zeit wurde.“[2]

Daneben gab er von 1936 bis 1941 die Romanzeitung Der goldene Born heraus. Nach 1945 gelang es ihm nicht mehr, an seine früheren Erfolge anzuknüpfen.

Werke

Herausgeberschaft

Literatur

Einzelnachweise

  1. Ernst Klee, Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. S. Fischer, Frankfurt am Main 2007, ISBN 978-3-10-039326-5, S. 680.
  2. Hans Sarkowicz, Alf Mentzer: Literatur in Nazi-Deutschland. Ein biografisches Lexikon. Europa-Verlag, Hamburg 2000, ISBN 3-203-82025-0, zitiert nach Klee, Kulturlexikon, S. 680.

Quellen

Literaturlexikon von Walther Kuly, Band 12, Seite 480, ISBN 3-570-04682-6

Personendaten
Zerkaulen, Heinrich
deutscher Schriftsteller der Zeit des Nationalsozialismus
2. März 1892
Bonn
13. Februar 1954
Hofgeismar