Seil
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Seil

Dieser Artikel behandelt das elastische Element zur Übertragung von Zugkräften, zur gleichnamigen Insel der Inneren Hebriden, siehe Seil (Schottland).

Ein Seil ist ein aus zusammengedrehten Fasern oder Drähten bestehendes längliches, biegeschlaffes, elastisches Element zur Übertragung von Zugkräften.

Inhaltsverzeichnis

Bezeichnungen

Textile Seile werden umgangssprachlich auch als Strick oder Kordel bezeichnet.

Leine und Trosse

Seemännisch unterscheidet man zwischen Leine (dünne Seile) und Trosse (dicke Seile). Schiffe werden mit Festmacherleinen festgemacht, jedoch mit Schlepptrossen geschleppt. Seile werden in der Seefahrt ferner nach ihrer Funktion unterschiedlich benannt, so etwa Schoten und Fallen als "laufendes Gut", oder Wanten und Stage als "stehendes Gut".

Tampen

Unter einem Tampen versteht man in der Seemannssprache das Endstück eines Seiles oder ein kurzes Stück Seil.

Reepschnur

Die Reepschnur ist ein statisches Seil mit geringem Durchmesser (4 mm - 8 mm).

Bestandteile und Aufbau

Materialien

Naturfaser-Seile
werden aus folgenden Faserpflanzen hergestellt:
(Baumwolle), Flachs, Hanf, Kokos, Manila und Sisal
Kunstfaser-Seile
haben folgendes Ausgangsmaterial (Beispiele):
Aramid (Nomex/Kevlar), Dyneema[1], Flüssigkristallpolymer, Polyester, Polyamid (Nylon, DeDeRon, Perlon), Polypropylen, Polyethylen, auch Polyethen (Spectra) sowie Zylon [2]
Metall- bzw. Drahtseile
werden aus Stahl oder Edelstahl hergestellt,
für Elektrische Leitungen werden auch Seile aus Kupfer, Messing, Aluminium und Speziallegierungen verwendet.


Materialeigenschaften

Vorteile Nachteile Verwendung
Baumwolle vergleichsweise geringe Festigkeit gegen Motten anfällig! Textilien, Kordeln
Flachs Springseil
Hanf höchste Festigkeit bei den Naturfasern geringe Bruchdehnung, Fasern sind grob und hart, im Freien verrottet Hanf langsam Segel, Taue in der Takelage
Kokos sehr hohe Scheuerfestigkeit, gute Elastizität, geringe Schmutzaufnahme Fußmatten, Baumbinder
Manila reißfest, widerstandsfähig gegen Meerwasser, leicht Taue in der Seefahrt
Sisal hohe Reiß- und Scheuerfestigkeit, leicht und gut färbbar, widerstandsfähig gegen Feuchtigkeit Schiffstaue, Seile, Fußmatten, Netze, Teppiche, Hängematten
Polypropylen (PP) sehr leicht, (schwimmfähig), nimmt kein Wasser auf, chemisch beständig gegenüber den meisten Säuren und Laugen, verhältnismäßig preisgünstig, nicht sehr abriebfest und temperaturbeständig Schwimmleine, Wurfleine
Polyamid (PA) hohe Festigkeit und hohe Bruchdehnung, d.h. hohe Energieaufnahme quillt im Wasser auf, wird u.U. hart, nicht komplett beständig gegen einige Säuren und UV-Strahlung Klettern, Sichern
Polyester (PES) hohe Festigkeit, nimmt kein Wasser auf, sehr beständig gegenüber Witterungseinflüsse und den meisten Chemikalien relativ schwer, niedrige Bruchdehnung
Hochfestes Polyethylen (PE) "Dyneema", extrem hohe Bruchfestigkeit (5-fache von Polyamid), sehr leicht, (schwimmfähig) nimmt kein Wasser auf extrem geringe Bruchdehnung

Die früher z.B. beim Segeln und Bergsteigen verwendeten Seile waren meist aus Hanf; heute werden überwiegend synthetische Materialien verwendet. Sie sind bei geringerem Gewicht und Durchmesser stabiler, scheuerfester und besser knotbar. Außerdem saugen sie abhängig von der Imprägnierung kaum Wasser auf und frieren dadurch nicht so leicht ein. Allerdings altern Kunststoffseile durch den UV-Strahlung des Sonnenlichtes schneller, so dass ihre Haltbarkeit und Festigkeit mit der Zeit abnimmt.

Herstellung

a) Gleichschlag b) Gegenschlag

Seile wurden früher per Hand auf Seilerbahnen, auch Reeperbahnen genannt, gedreht. Heutzutage erfolgt die Herstellung maschinell mittels Seilschlagmaschinen. Sie tragen diesen Namen, weil man das Verdrillen auch schlagen nennt, um es vom Flechten zu unterscheiden.

Die Fasern eines Kunststoffseils sind zu millimeterdicken Fäden gesponnen (etwa 1 - 3 mm) und werden gruppenweise zu Litzen zusammengedreht. Ein dünnes Seil besteht aus 3 bis 4 solcher Litzen, die verdrillt werden.

Gleichschlagseile sind Seile, bei denen die Verdrillung der einzelnen Litzenbündel und deren Verdrillung untereinander in der selben Drehrichtung erfolgt. Die Litzenbündel bleiben dadurch so wie die Litzen im Einzelnen zueinander verschieblich. Dadurch wird das Seil geschmeidiger und damit biegsamer.

Bei Gegenschlagseilen sind die Verdrillungen der Litzenbündel in sich und zueinander verschieden. Das Seil ist somit in sich ausgefacht, da durch die Reibung der Litzen zueinander eine Art Fachwerk entsteht. Das Seil ist somit steifer.

Dickere Seile (Trossen) bestehen wiederum aus mehreren dünneren Seilen, die miteinander verdrillt werden und in dieser Funktion Kardeelen heißen. Die Schlagrichtung der Kardeelen und des gesamten Seils sind einander entgegengesetzt, was ein Aufdrehen des Seiles verhindert.

Das Verbinden von Seilenden erfolgt durch spleißen, bei dem die Seilenden ineinander verflochten werden.

Kennzeichnung der Seile

In der gesamten Länge eines Seiles befinden sich im Kern farbige Fasern (eine oder zwei). Nach der Farbe der Faser kann das Baujahr bestimmt werden. Die Farbenkombination wiederholt sich nach 11 Jahren und können unter den Herstellern abweichend sein.

Beispiel eines Kletterseilherstellers:

1986 rot/gelb 1987 blau/gelb 1988 grün/gelb 1989 schwarz/gelb 1990 rot/blau 1991 rot/grün 1992 rot/schwarz 1993 grün
1994 blau 1995 gelb 1996 schwarz 1997 rot/gelb 1998 blau/gelb 1999 grün/gelb 2000 schwarz/gelb 2001 rot/blau
2002 rot/grün 2003 rot/schwarz 2004 grün 2005 blau 2006 gelb 2007 schwarz 2008 rot/gelb 2009 blau/gelb

Duodess

Bei geflochtenen Kletterseilen kann eine eingewebte Markierung in der Seilmitte mit dem Duodess-Verfahren hergestellt werden. Markierungen mit (eventuell schädigenden) Filzmarkern, oder verrutschenden Klebebändern sind somit nicht mehr nötig, um die Einschätzung der Restseilmenge vornehmen zu können.[3]

Triodess

Wie beim Duodess-Verfahren kommt es beim Triodess-Verfahren zu einer eingewebten Markierung (Musterwechsel) auf den letzten fünf bis sieben Metern. [4] An dieser „Seil-Gefahrenzone“ ist somit erkenntlich, dass es höchste Zeit wird sich einen geeigneten Standplatz zu suchen.[5]

Die Seele des Seils

Neben geschlagenenen Seilen werden auch geflochtene Seile hergestellt, die meist elastischer sind und sich nicht aufdrehen, aber eine größere Oberfläche haben. Sie werden um eine innere Faser oder Litze, die man Seele nennt, herum angefertigt. Dazu nimmt man meist ein anderes Material, und stellt so eine Form von Verbundwerkstoff her, der die Eigenschaften beider Materialien vereint.

Stahlseile

Stahlseile haben im Bauingenieurwesen einen hohen Stellenwert, beispielsweise im Brückenbau. Stahlseile mit einer Stahlseele haben eine größere Bruchlast (die Kraft, bei der das Seil bricht, oder umgangssprachlich: reißt), Stahlseile mit Hanfseele sind leichter zu handhaben und unempfindlicher gegen kleinere Krümmungsradien unter Belastung. Bei Seekabeln dienen Stahlseile unter Wasser auch als Schutzummantelung. Dünne Stahlseile werden im Alltag z.B. als Bowdenzüge an Fahrrad und Motorrad häufig als Zugseile für den Schalt- oder Bremsvorgang verwendet.

In Stahlseile werden oft textile Fäden eingearbeitet, die mit Öl getränkt sind. Durch ständige Abgabe des Öles beim Bewegen des Seiles erfolgt eine geringe Schmierung des Seiles und es wird geschmeidiger. Außerdem wird Rost im Seil verhindert. Drähte für Stahlseile haben eine Zugfestigkeit um 2000 N/mm².

Statische Seile

Als statische Seile werden allgemein Seile und auch Reepschnüre mit niedriger Dehnfähigkeit (EN 1891) bezeichnet. Sie sind für die Personensicherung bei Höhenarbeiten, für Seilzugänge, für Personenrettung, für Speläologie und andere ähnliche Tätigkeiten geeignet. Bei diesen Tätigkeiten ist es wichtig, dass das Seil eine minimale Dehnfähigkeit und maximale Festigkeit aufweist.

Dynamische Seile

Kletterseile (nach EN 892) sollen bei Sturz enorm hohe Kräfte sicher aufnehmen, ohne eine für den Menschen durch zu hohe Bremsbeschleunigung gefährliche Wirkung zu verursachen, sowohl bei der Seilsicherung beim Klettern wie auch beim Anseilen zur Seilschaft. Sie werden um eine Seele aus einem elastischen Material gefertigt. Durch die Kräfteumwandlung im Seil (siehe Helix#Seilerei) wird die Energie in der elastischen Seele zwischengespeichert, und die Ausdehnungsgeschwindigkeit des Seils in der Länge nimmt langsam ab (dynamischer Kräfteverlauf, geringe Beschleunigungen). Das Seil wird dabei länger, aber deutlich dünner. Nachdem sie zum Stillstand gekommen ist, überträgt sie sich zurück auf Seil, und die Last pendelt in der Vertikalen aus. Extremste Anwendung dieses Prinzips ist das Bungee-Jumping.

Aufbewahrung und Pflege

Für längere Aufbewahrung ist es für viele Seile am besten, sie auf einer Seiltrommel aufzuspulen; trockene und nicht zu warme Räume sind im Allgemeinen vorzuziehen, doch brauchen manche Materialien eine gewisse Feuchtigkeit. Des weiteren sollten insbesondere Kunststoffseile bei der Lagerung nicht dem Sonnenlicht ausgesetzt sein, da die UV-Strahlung sie dann schnell altern lässt und ihre Reißfestigkeit reduziert. Beim Waschen von Kletterseilen verwendet man kaltes Wasser und lässt sie dann langsam an der Luft - keinesfalls in praller Sonne - trocknen. Man sollte sie grundsätzlich nicht mit Reinigern oder sonstigen haushaltsüblichen Chemikalien zusammenbringen. Polyesterseile dürfen wegen ihrer Laugenempfindlichkeit nicht mit Seife gewaschen werden.

Bänder und Gurte

Flach geflochtene Seile nennt man Band (Mehrzahl: Bänder) oder Gurt (Mehrzahl: Gurte). Sie werden als Hebezeug, als Antriebsriemen, oder Spanngurt eingesetzt.

im Handwerk
Befestigungsgurt als: Sicherheitsgurt oder Tragegurt, Möbelgurt, Rollladengurt
beim Sport
Klettern: Klettergurt, Bandschlinge
Segeln: Lifebelt, Strecktau
Slackline (Balancieren)

Siehe auch

  1. KunstfaserseilMaterial
  2. Knotenmaterial
  3. Bild von der Duodess-Seilmitte
  4. Mammut Seilkunde Duo- + Triodess
  5. „Seilkunde“, Bruckmann Basic, 2007, ISBN 3-765-439-061 (Seite 10)
 Commons: Category:Ropes – Bilder, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Seil – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen und Grammatik