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David Ricardo

David Ricardo (* 18. April 1772 in London; † 11. September 1823 in Gatcombe Park) war ein Vertreter der Klassischen Nationalökonomie.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Ricardo entstammte einer strenggläubigen jüdischen (vgl. Sephardim), früher aus Portugal in die Niederlande, dann von dort nach England eingewanderten Familie. Er war das dritte von siebzehn Kindern und hatte fünf Brüder. Sein Vater war ein erfolgreicher Börsenmakler und galt als einer der reichsten Menschen der damaligen Welt. Bereits mit 14 Jahren arbeitet David im Geschäft seines Vater mit.

Dann jedoch kommt es zum Bruch mit der Familie. Ricardo verliebt sich in das christliche Mädchen Priscilla Anne Wilkinson einer Quäkerin und brennt mit ihr durch. Da er mit der Heirat das jüdische Gesetz verletzt, wird er im Alter von 21 Jahren von der Familie ausgestossen und enterbt. Durch sein Geschick als Börsenmakler gelingt es ihm, innerhalb kürzester Zeit ein beträchtliches Vermögen anzuhäufen. Doch das Börsenparkett reicht Ricardo auf Dauer nicht aus: Er interessiert sich für Mathematik und Naturwissenschaften. Eher zufällig gerät er an die Ökonomie. Während eines Kuraufenthaltes seiner Frau liest Ricardo das Hauptwerk von Adam Smith »The Wealth of Nations« (»Der Wohlstand der Nationen«) und ist Feuer und Flamme für dessen Themen. Als im Jahre 1797 - infolge des Krieges gegen Napoleon - der Goldstandard in England fällt und die Preise ansteigen, wendet sich Ricardo erstmals an die Öffentlichkeit: Er verurteilt den allzu freien Umgang der Regierung mit der Notenpresse. Ricardo lernt die wichtigsten Ökonomen seiner Zeit kennen. In James Mill findet er einen väterlichen Freund und in Thomas Robert Malthus einen Menschen, mit dem er sich privat ausgezeichnet versteht, auch wenn sie auf fachlichem Gebiet zumeist gegnerische Positionen vertreten. Mill wird die treibende Kraft für Ricardos Publikationen. Er motiviert ihn sowohl zum »Essay on the Influence of a low Price of Corn on the Profits of Stock« (»Essay über den Einfluss eines niedrigen Getreidepreises auf den Kapitalprofit«, 1815) als auch zu seinem Hauptwerk »On the Principles of Political Economy and Taxation« (»Über die Grundsätze der Politischen Ökonomie und der Besteuerung«, 1817). Den Beschreibungen seiner Zeitgenossen zufolge ist Ricardo ein freundlicher, nie rechthaberischer, überlegter und etwas zurückhaltender Mensch, der während der letzten Jahre seines Lebens als radikaler Reformer im britischen Unterhaus sitzt. Zu dieser Zeit schließt Ricardo sich dem Unitarismus an.

Als Börsenmakler kam er schon früh zu einem Vermögen, das es ihm ermöglichte, sich mit 25 Jahren teilweise aus dem Erwerbsleben zurückzuziehen. 1798 folgten naturwissenschaftliche Studien. Im Jahr 1799 befasste sich Ricardo mit Adam Smiths Hauptwerk Wohlstand der Nationen – Auslöser für weitere ökonomische Studien.

Doch erst im Jahr 1809 wandte sich Ricardo mit einer Schrift an die Öffentlichkeit. Sein Vermögen gestattete Ricardo, sich mit 42 Jahren ausschließlich mit ökonomischen Studien zu beschäftigen. Er zog nach Gloucestershire.

Ricardo wurde 1819 als Vertreter des irischen Bezirkes Portalington in das britische Unterhaus gewählt, wo er bis zu seinem Tod tätig war. Hier setzte er sich für den Freihandel und die Aufhebung der Corn Laws ein. Seine politischen Positionen wurden von einem ausgeprägten Idealismus getragen.

Freundschaften verbanden ihn mit James Mill, Thomas Robert Malthus und Jeremy Bentham.

Als Ricardo 1823 starb, hatte er ein sehr großes Vermögen angesammelt.

Werk

David Ricardo veröffentlichte 1817 Principles of Political Economy and Taxation und entwickelte die Theorie der komparativen Kostenvorteile, einem Kernpunkt der Außenhandelstheorie. Nach Ricardo lohnt sich Außenhandel für alle Volkswirtschaften, auch für jene, die gegenüber anderen Staaten bei allen Gütern Kostennachteile haben. Weil jedes Land den größtmöglichen Güterertrag erzielt, wenn es die Produkte mit den geringeren Arbeitskosten selbst herstellt und die übrigen Güter im Austausch bezieht, wobei schon die relativen Kostenvorteile die internationale Arbeitsteilung und ihre weitere Spezialisierung gewährleisten. Weitere wichtige Schriften Ricardos sind Essay on the Influence of a low Price of Corn on the Profits of Stock (1815), worin er die freie Korneinfuhr empfahl und die 1820 verfasste Essay on the Funding System, worin er Steuererhöhung statt der Anleihen forderte.

Ricardo konnte sich gemeinsam mit Robert Torrens mit der These durchsetzen, wonach die Basisgeldmenge begrenzt werden müsse. Damit war die gegenteilige These John Fullartons und Thomas Tookes widerlegt, wonach der Geldbedarf einer Volkswirtschaft sich ganz von alleine regeln würde.

Ricardos Name ist eng verknüpft mit der Theorie der Grundrente, welche die Entstehung der letzteren darauf zurückführt, dass von verschiedenen vorhandenen Bodenqualitäten die besseren nicht ausreichten, um den Bedarf zu decken, und deshalb der Preis der Bodenprodukte so hoch stehen müsse, dass die Kosten für Bebauung des schlechtesten noch unentbehrlichen Grundstücks gerade gedeckt würden.

Ricardos pessimistische Haltung zum technischen Fortschritt (s. dort), wie sie später auch Marx teilte, gilt heute als wenig plausibel. Der Marxismus beinhaltet außerdem Ricardos Definition von Wert, wonach dieser von der menschlichen Arbeit abhängt, der an der Ware verrichtet wurde. Marx baute darauf seine Version der Arbeitswertlehre und seine Theorie vom Mehrwert auf.

Heute spricht man von der „Neoricardianischen Schule“, wenn Wirtschaftswissenschaftler wie Joan Robinson oder Piero Sraffa auf Teile von Ricardos Theorie zurückgreifen. Ricardos "Kornmodell" gilt auch als ein frühes Beispiel einer Ein-Gut-Parabel. Nach Ricardo ist auch die sogenannte Ricardianische Äquivalenz benannt.

Ehrungen

Ricardo zu Ehren führte später der Lehrstuhl der politischen Ökonomie an der Londoner Universität seinen Namen.

Werke

Postume Ausgaben:

Literatur

Personendaten
Ricardo, David
englischer Nationalökonom
19. April 1772
London, Großbritannien
11. September 1823
London, Großbritannien