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Karabiner

Dieser Artikel beschreibt den Karabiner als Gewehr. Für den Haken mit Verschluss (umgangssprachlich oft als Karabiner bezeichnet), siehe Karabinerhaken.


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Der Karabiner (Französisch carabine = Büchse, Stutzen, kurzer Reiterkarabiner, wohl von carabin = leichter Reiter) ist ein leichtes Militär-Gewehr mit verkürztem Lauf und manchmal schwächerem Kaliber.

Karabiner wurden ursprünglich für die Kavallerie und bespannte Truppen, zum Beispiel die Feldartillerie, entwickelt, da die längeren Infanteriegewehre beim Einsatz zu Pferd zu unhandlich waren. Neben dem verkürzten Lauf (bei ca. 1 m Gesamtlänge der Waffe) verfügten Karabiner oft über einen Ring an der linken Seite, in den der Karabinerhaken eingehakt werden kann, damit der Karabiner nach dem Schuss einfach fallengelassen werden konnte, um den Kampf mit Pistolen oder der Blankwaffe (Säbel, Lanze) fortzusetzen.

Die Grundeinteilung der militärischen Langwaffen in Infanteriegewehre (einschließlich der gezogenen Jägerbüchsen) und Karabiner blieb bis in die Zeit des Ersten Weltkrieges gültig. Neben den normalen Infanteriegewehren gibt es aber oft auch Kurzgewehre und zusätzlich noch echte Karabiner (z.B. Portugal 1886, alle drei Versionen für die Patrone 8x60R Kropatschek).

Vielfach wurden als Karabiner aber verstärkt Waffen bezeichnet, die zunächst Pistolenmunition verschossen. So gab es von der Mauser C96, der Borchardt C93 und der Pistole 08 Karabinerversionen mit festem Schaft und langem Lauf. Viele Unterhebelrepetierer aus den USA (bekannteste Marken Winchester und Marlin) verfeuern Pistolenpatronen. 2004 hat die Carl Walther GmbH eine Karabinerversion der P99 herausgegeben - da in Deutschland für Berechtigte Langwaffen einfacher als Kurzwaffen zu erwerben sind, bei denen strikte Mengenbeschränkungen gelten, ein logischer Schritt.

Mit der Zeit wurde das Kaliber von immer stärkeren Pistolenpatronen zu Mittelpatronen verstärkt, wie beim M1 Carbine in den USA, dem SKS-45 von Sergej Gawrilowitsch Simonow, oder auch dem Sturmgewehr 44. Hierbei ist zu beachten, dass der Name Sturmgewehr 44 aufgrund der Tatsache, dass es sich um einen Maschinenkarabiner handelt, irreführend ist.

Heutzutage redet man bei einem Karabiner wieder von einer Langwaffe mit leichtem bis mittlerem Kaliber.

Inhaltsverzeichnis

Deutsche Karabiner in der jüngeren Vergangenheit

Seit 1898 war im deutschen Kaiserreich das Gewehr 98 der Mauser-Werke in Oberndorf/Neckar als Standard-Infanteriegewehr eingeführt. Daneben entstand der Karabiner 98AZ (für Aufpflanz- und Zusammensetzvorrichtung), kenntlich an dem fast bis zur Mündung reichenden Ganzschaft mit Handschutz, einem unten angesetzten Dorn zum Zusammenstellen mehrerer Karabiner und dem mit einem Scharnier aufklappbaren Oberring. Wichtigster Unterschied zwischen beiden Modellen war der Durchmesser der Systemhülse: beim Gewehr betrug dieser 36 mm, beim Karabiner 98 33 mm. Der Karabiner 98AZ wurde am 16. Januar 1908 vom Kaiser genehmigt und als "Karabiner 98" eingeführt. In der Reichswehr hieß diese Waffe dann Karabiner 98 a, zur Unterscheidung von dem Karabiner 98 b, der sich vom Gewehr 98 ableitete. Letzte Stufe der Entwicklung der Mausergewehre des Systems 98 war der Karabiner 98k (für kurz), produziert ab 1934.

Der Karabiner 98a blieb eine Notlösung, weil die Kürzung des Laufes zunächst nicht durch eine entsprechende Anpassung der Munition begleitet war: Rückstoß und Mündungsfeuer waren extrem und setzten der praktischen Verwendbarkeit enge Grenzen. Karabiner 98a wurden nach dem Ersten Weltkrieg nicht mehr gefertigt und sind heute gesuchte Sammlerwaffen. Sie wurden ausschließlich von den staatlichen Gewehrfabriken Amberg, Danzig, Erfurt und Spandau hergestellt.

In der Zwischenkriegszeit führte die deutsche Reichswehr den sog. Karabiner 98b. Es handelt sich im Grunde um ein Infanteriegewehr 98 in voller Baulänge, mit lediglich nach Karabinerart umgebogenem Kammerstengel und seitlicher Riemenbefestigung. Daneben wurde bei diesem Modell das „Lange-Visier“ (Kurvenvisier) des Infanteriegewehres durch ein Tangentenvisier mit austauschbarer Rampe ersetzt.

Mit der Einführung eines neuen, schwereren Geschosstyps für die deutsche Standardpatrone 8 x 57 IS 1923 wurde die Entwicklung eines "echten" Karabiners als moderner Infanteriewaffe greifbar. Die Konzeption begann bei Mauser etwa um 1924. Über verschiedene Zwischenstufen (Mauser Standardgewehr, Mauser-Banner) führte sie zum Karabiner K 98k (k = kurz), der ab 1935 (mit Wiedereinführung der allg. Wehrpflicht) als Standardwaffe an die deutschen Streitkräfte ausgegeben wurde.

Mauser Karabiner K 98k

Der Karabiner K 98k (Karabiner 98 kurz, landläufig schlicht als 98k bezeichnet) ist die letzte Entwicklungsstufe von Repetiergewehren als militärischer Standardbewaffnung. Seine Gesamtlänge beträgt 110 cm, sein Gewicht - je nach Ausführung - rund 3,8 bis 4,1 kg. Er verschießt die Patrone 8x57 IS mit schwerem Spitzgeschoss. Vorkriegswaffen und Waffen aus der frühen Kriegszeit sind von vorzüglicher Fertigungsqualität und mit Schäften aus Nussbaum bzw. Rüster (Ulmenholz) versehen. Ab 1938 wurden Schäfte für den K 98k aus laminiertem Buchenschichtholz hergestellt, die Oberflächenbearbeitung bis 1945 immer mehr „entfeinert“. Metallteile (v. a. die Beschläge), aber auch Abzugbügel und Magazinkastendeckel wurden zunehmend aus Blechprägeteilen statt gefrästem Stahl hergestellt. Die meisten der ab etwa Dezember 1944 hergestellten Karabiner 98k hatten keinen Bajonetthalter mehr und die Funktion der Schloßzerlegehilfe („Zerlegeloch“) im Kolben, die bis dahin noch aus mehreren Einzelteilen bestanden hatte, übernahm eine einfache Bohrung im Kolbenschuh. Metall- und Holzteile waren i. d. R. nur noch grob bearbeitet und wo vorher eine Brünierung die Metalloberflächen geschützt hatte, kam jetzt eine Phosphatierung, oft in verschiedenen Farbtönen, zur Anwendung. Für letztere Ausführungen des Grundmodells hat sich die Bezeichnung „Kriegsmodell“ eingebürgert. Funktion und Präzision der späten Ausführungen sind deshalb aber nicht schlechter. Leicht modifizierte Ausführungen wurden auch exportiert, z. B. an Portugal (die Karabiner der sog. „Portugalkontrakte“ sind heute als Sport- und Sammlerwaffen hoch begehrt).

Während des Zweiten Weltkrieges, von 1940 - 1942, wurde eine nochmals verkürzte Version für Gebirgs- und Fallschirmjäger bei den Waffenwerken Brünn gefertigt, das G 33/40.

Folgende Waffenfabriken stellten den Karabiner 98 k zwischen 1934 und 1945 her. Die Codes geben den Hersteller an.

Nach Kriegsende wurden K 98k kurzfristig für die Besatzungsmächte weiterproduziert. Kopien und Modifikationen wurden auch weiterhin in der damaligen Tschechoslowakei und in Jugoslawien gefertigt. Deutsche Beutewaffen (insbesondere K 98k und MP 38/MP 40) und tschechische Nachbauten bildeten die Erstaustattung der israelischen Streitkräfte ab 1948.

Die Kasernierte Volkspolizei in der Sowjetischen Besatzungszone und die „Betriebskampfgruppen“ im kommunistischen Machtbereich führten den K 98k neben anderen Waffen der deutschen Wehrmacht. In der Bundesrepublik Deutschland waren zunächst Zoll und Bundesgrenzschutz mit K 98k ausgerüstet, daneben auch Verbände der Bereitschaftspolizei. Noch in den 50er Jahren erschien der, bei der Fa. Heym gefertigte, sog. „Zollkarabiner“ auf Basis des 98k.

Für die Bewaffnung der neuaufgestellten Bundeswehr ab 1955 kamen Karabiner dagegen von Anfang an nicht in Frage, weil schon in der Endphase des Zweiten Weltkrieges die meisten Nationen den Wandel zum Selbstladegewehr/Selbstladekarabiner (siehe auch: Selbstlader, zum Beispiel Deutschland: G 43; Sowjetunion: SKS; USA: M1 Garand und .30 M1 Carbine) bzw. zum Sturmgewehr (Deutschland: StGw 44) vollzogen hatten. Dessen ungeachtet führt das Wachbataillon der Deutschen Bundeswehr bis heute den K 98k als Paradewaffe.

Im Gegensatz zur Bundeswehr bestand die erste Bewaffnung des Bundesgrenzschutzes aus K98k der Wehrmacht, die von Frankreich an den Verbündeten geliefert wurde.

Mit der Entwicklung des Ordonnanzgewehr-Schießens durch verschiedene Sportverbände haben historische Karabiner heute große Bedeutung als Sport- und Sammlerwaffen. Vielfach wurden auch vorhandene Militärwaffen zu Jagdgewehren umgearbeitet.

Technische Daten

Kaliber 8 x 57 IS sS Patrone
Gesamtlänge 1110 mm
Lauflänge 600 mm
Gewicht 3900 g
Magazinkapazität 5-Schuss

Mündungsgeschwindigkeit 755 m/s

Literatur

Siehe auch