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Don Quijote

Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen werden unter Don Quixote aufgeführt.

Don Quijote [doŋkiˈxote] (Don Quixote in alter Schreibung; Don Quichotte [kiˈʃɔt] in französischer Orthografie, teilweise auch im deutschen Sprachraum üblich) ist die allgemeinsprachliche Bezeichnung für den Roman El ingenioso hidalgo Don Quixote de la Mancha von Miguel de Cervantes, übersetzt Der sinnreiche Junker Don Quijote von der Mancha, und gleichzeitig der Name des Protagonisten.

Der erste Teil wurde 1605, der zweite 1615 herausgebracht. Beide Romane erschienen im Spanischen. Die erste deutsche Übersetzung wurde 1621 (Don Kichote de la Mantzscha) von Pahsch Basteln von der Sohle angefertigt; allerdings ist die 1799–1801 herausgegebene Übersetzung von Ludwig Tieck heute die bekannteste, die von Ludwig Braunfels gefertigte deutsche Übersetzung die sprachtreueste und kenntnisreichste.

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

Don Quijote ist ein kleiner Landadliger – dessen wahrer Name sogar dem Erzähler nicht genau bekannt ist (allerdings ist der Name des Adeligen im Buch als "Alonso Quijano" genannt) – und lebt „irgendwo“ in der Mancha in Spanien.

Dort verschlingt er einen Ritterroman nach dem anderen, bis er schließlich verrückt wird und glaubt, er selbst müsse sich als fahrender Ritter todesmutig in Gefahren stürzen, um das Unrecht zu bekämpfen. Seinem Klepper verleiht er den Namen Rosinante, ein Bauernmädel macht er zur Gebieterin seines Herzens, die er nicht weniger wohlklingend Dulcinea von Toboso (span. dulce „süß“) nennt. So kommt es zu einem ersten Ausritt. Alles, was er sieht, bringt er mit dem Rittertum in Zusammenhang, obwohl dieses schon seit Generationen nicht mehr aktuell ist. Eine einfache Schenke wird in seinen Augen zu einer Burg, und die Dirnen, die davorstehen, werden zu Burgfräulein. Nach seinem ersten Ausritt wird er völlig zerschlagen nach Hause geschafft. Barbier und Dorfpfarrer veranstalten dann ein Autodafé (Bücherverbrennung), dem – mit Ausnahme des Amadis de Gaula und des Tirant lo Blanch – sämtliche seiner Ritterromane zum Opfer fallen. Don Quijote rekrutiert dann einen „Schildknappen“, der ihn während der folgenden Abenteuer begleiten wird. Dieser heißt Sancho Panza (oder „Pansa“, was man als „heiliger Bauch“ verstehen kann), wohnt im selben Dorf und ist (zunächst) nicht der Hellste. In Ermangelung eines Pferdes begleitet er seinen Herrn auf einem Esel, den er gelegentlich mit dem Namen Rucio anspricht, was in einigen Gegenden Spaniens nichts anderes als „Esel“ bedeutet. Sancho Panza spricht häufig in Sprichworten. Erst mit dieser Kontrastfigur bekam der hagere Don Quijote seine universelle Bedeutung.

Dulcinea ist die Angebetete von Don Quijote. Er hat sie zwar nie wirklich gesehen, aber da ein richtiger Ritter eine Angebetete braucht, braucht auch Don Quijote eine solche. Alles, was er tut, tut er für sie. Als er etwa einen Zug von Galeerensträflingen befreit, verlangt er als Dank, dass alle zu Dulcinea gehen und ihr von seinen Taten, die er ihretwegen vollbracht hat, berichten sollen.

Das bekannteste Abenteuer ist zweifellos das, in welchem der Held – trotz der eindringlichen Warnungen seines Knappen – anstelle von Windmühlen Riesen sieht und diese zu bekämpfen versucht, was natürlich nicht glücklich ausgeht. Dass er diesen Kampf verliert, schreibt er bösen Mächten zu. (Der Ausdruck gegen Windmühlen kämpfen geht auf diese Geschichte zurück.) Der in seine Fantasien vernarrte Idealist kämpft auch gegen staubumwölkte Hammelherden, liefert sich mit rotweingefüllten Schläuchen einen „blutigen“ Kampf und erobert noch den „Helm des Mambrin“ – eine Barbierschüssel. Don Quijote gibt sich auf Anregung seines Knappen den Übernamen Der Ritter von der traurigen Gestalt, und als solche kehrt er übel zugerichtet auf dem Ochsenkarren in sein Heim zurück.

Im zweiten Buch nennt er sich dann auch Löwenritter.

Eröffnungssatz

«En un lugar de la Mancha, de cuyo nombre no quiero acordarme, no ha mucho tiempo que vivía un hidalgo de los de lanza en astillero, adarga antigua, rocín flaco y galgo corredor.»

„An einem Orte der Mancha, an dessen Namen ich mich nicht erinnern will, lebte vor nicht langer Zeit ein Hidalgo, einer von jenen, die einen Speer im Lanzengestell, eine alte Tartsche, einen hagern Gaul und einen Windhund zum Jagen haben.“

Der Ausspruch de cuyo nombre no quiero acordarme wurde durch das Buch berühmt. Wie andere Fragmente des Buches auch, wurde er ein gebräuchliches Klischee im modernen Spanisch. Der Satzteil könnte auch "dessen Namen zu erinnern ich nicht in der Lage bin" übersetzt werden.

Zwei Teile

Der Roman besteht aus zwei Büchern. Das Werk von Miguel de Cervantes wurde gleich nach der Erstveröffentlichung zu Beginn des Jahres 1605 ein Verkaufsschlager – schon wenige Wochen später liefen drei Raubdrucke um. Das Publikum empfand es als zeitkritischen und zugleich höchst ironischen Roman.

Nach dem Erfolg des ersten Buches schrieb ein anderer Schriftsteller unter dem Namen Alonso Fernández de Avellaneda eine inoffizielle und durch Cervantes nicht genehmigte Fortsetzung - Titel: Segundo tomo del ingenioso hidalgo Don Quixote de la Mancha – que contiene la tercera salida, y es la quinta parte de sus aventuras (1614). In Cervantes' späterer Fortsetzung (erschienen 1615 unter dem Titel Segunda parte del ingenioso cavallero Don Quixote de la Mancha) wird bei verschiedenen Gelegenheiten auf diese „unechte“ Fortsetzung angespielt.

Bedeutung

El ingenioso hidalgo Don Quixote de la Mancha ist zweifellos eines der wichtigsten Bücher der Weltliteratur, ganz zu schweigen von seiner Bedeutung im spanischsprachigen Raum. In der Literaturgeschichte des Abendlandes begründet das Werk die neue Gattung Roman. Der Ritter Don Quijote hat bald nach seiner Geburt ein eigenes Leben als literarische Figur entwickelt, die Cervantes, der wohl ursprünglich eine kurze, herbe Parodie auf die damals populären Rittergeschichten schreiben wollte, völlig mitgerissen hat. Jedoch nur vordergründig betrachtet ist der Don Quijote eine Parodie auf Ritterromane. (Das Autodafé-Kapitel ist ein Schnellverriss der zeitgenössischen romanischen Literatur.) Das zentrale Thema Cervantes' ist – wie bei seinem Zeitgenossen William Shakespeare – die Frage, was in unserer Umwelt Wirklichkeit ist und was Traum, der Konflikt zwischen Ideal und Realität. Nicht nur den Sinnen, auch den Worten kann man nicht vertrauen, selbst Namen werden zweideutig. Sogar der Leser bleibt im Zweifel, ob er seinen Helden als versponnenen Idealisten oder aber als lächerlichen Narren einordnen soll. Schließlich wird im zweiten Band aus dem Narren ein Weiser, während sich sein tumber Begleiter zu einem zweiten Salomo mausert.

Don Quijote hat über die Jahrhunderte vielfältige Interpretationen erfahren: So wurde das Werk als Parodie auf die Ritterromane seiner Zeit gesehen, als Darstellung eines heroischen Idealismus, als Traktat über die Ausgrenzung des Autors selbst oder auch als Kritik am spanischen Imperialismus. Vladimir Nabokov und José Ortega y Gasset beispielsweise haben einiges Erhellendes zu dieser Figur und ihrer Geschichte geschrieben. Einige Literaturwissenschaftler – allen voran Leandro Rodriguez – erkannten in zahlreichen Details der Handlung auch Anspielungen auf die Probleme, denen Conversos, von getauften Juden abstammende Familien, in der spanischen Gesellschaft des 16. Jahrhunderts ausgesetzt waren. Deutliche Anspielungen sowie die Tatsache eines Talmudzitates im Don Quijote führten auch zu der – allerdings nicht gesicherten – These, dass Cervantes selbst aus einer Familie von Conversos gestammt haben mag. Die Schriftstellerin Dominique Aubier erforschte in mehreren Arbeiten Bezüge zur jüdischen Kabbalistik im Don Quijote.

Bis zum heutigen Tag besteht in der Literaturwissenschaft kein Konsens über die eigentliche Aussage und Zielgruppe des Romans.

Viele Künstler haben Gemälde oder Illustrationen zu Don Quijote und seinen Geschichten angefertigt, unter ihnen Grandville, Honoré Daumier, Vicente Blasco Ibáñez, Gustave Doré, Salvador Dalí, Pablo Picasso und Markus Vallazza. Salvador Dalí hat unter anderem die Illustrationen zu einer Don-Quijote-Ausgabe gezeichnet, die im Original im Pariser Dalí-Museum zu sehen sind.

Kampf gegen die Windmühlen

Heute ist Don Quijotes Kampf gegen die Windmühle(n) die bekannteste Episode des Romans. Sie spielt im Original nur eine untergeordnete Rolle, ist aber für die meisten modernen Bearbeitungen dieses Stoffs zentral. Einer häufigen Interpretation zufolge war das 19. Jahrhundert von diesem ausweglosen Kampf des gnädigen Herrn gegen die gnadenlose Maschine fasziniert, weil der rasante technische Fortschritt damals den Machtverlust der Aristokratie vorantrieb. Die lächerliche Auflehnung des Junkers gegen Windmühlen war dafür das ideale Symbol.

Rezeption

Literarisches

Aber was soll mein Geist seinem Sohne geben, der gleich ihm so arm an Poesie ist als reich an Liebe?' [...] Nicht der königliche Adler allein [...][,] auch der Schwan ist stolz [...]. Er sinnt nur darauf, sich an den Schoß der Leda zu schmiegen, ohne ihn zu verletzen; und alles was sterblich ist an ihm, in Gesänge auszuhauchen. (F. Schlegel, Lucinde, Prolog)

Filmografie

Der Roman wurde seit 1933 mehrfach verfilmt, jedoch mit unterschiedlichen Schwerpunkten in der Handlung.

Auch Terry Gilliam und Orson Welles versuchten, den Stoff zu verfilmen, schafften es jedoch nicht. Lost in La Mancha ist ein Dokumentarfilm über Gilliams Versuch.

Vertonungen

In der Musik gibt es unter anderen folgende wichtige Vertonungen:

Sonstiges

Literatur

Deutsche Ausgaben (Auswahl)

 Wikisource: Don Kichote de la Mantzscha – Quellentexte
Heute erhältlich als:

Weiterführende Literatur

Für Einführungen zu Cervantes und Bibliographien, siehe auch Artikel „Miguel de Cervantes“.

Medien

 Commons: Don Quixote – Bilder, Videos und Audiodateien