Indochinakrieg
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Indochinakrieg

Der Indochinakrieg (1946 bis 1954) (auch als Erster Indochinakrieg oder Französischer Indochinakrieg bezeichnet) war ein Krieg um die Dekolonisierung und die Unabhängigkeit in Französisch-Indochina zwischen Frankreich und der Liga für die Unabhängigkeit Vietnams (auch Việt Minh genannt), die unter der Führung der vietnamesischen Kommunisten stand. Er ist ein Teil einer Kette von militärischen Auseinandersetzungen, die die Länder Indochinas von 1941 bis 1979 zu überstehen hatten.

Inhaltsverzeichnis

Zusammenfassung

Nach dem Zweiten Weltkrieg versuchte Frankreich, seine ehemalige Kolonie, die es im Jahr 1941 kampflos an die Japaner hatte abtreten müssen, wiederzuerlangen. Die Rebellenorganisation Việt Minh verfolgte unter ihrem kommunistischen Anführer Ho Chi Minh jedoch das Ziel, die Unabhängigkeit des Landes zu erreichen. Im Sommer 1945 stellte Frankreich die französische Hoheit im Süden Indochinas wieder her. Im März gelang Frankreich ein Kompromiss mit Ho Chi Minh, der zunächst die Unabhängigkeit Vietnams im Rahmen der Union Française akzeptierte. Im Dezember 1946 entschloss man sich auf französischer Seite, die Viet Minh militärisch zu bekämpfen und den alten Status der Kolonie wieder herzustellen. Die eigentlichen Kämpfe begannen am 12. Dezember mit der Sprengung des Elektrizitätswerks von Hanoi durch die Truppen des Oberbefehlshabers des vietnamesischen Militärs, General Giap. Nach anfänglichen Erfolgen im Jahr 1947 entschieden sich die Franzosen, welche die Kampfkraft der Viet-Minh-Organisation unterschätzt hatten, sich aufgrund des Mangels an Soldaten, in Befestigungen entlang der wichtigen Straßen im Norden Vietnams zurückzuziehen. Nach einer zwei Jahre andauernden Patt-Situation hatte sich die Viet-Minh-Armee auch aufgrund von Hilfslieferungen aus dem kommunistisch gewordenen China soweit gestärkt, dass es ihr möglich war, die Franzosen in den Jahren von 1950 bis 1953 fast vollständig aus dem nordvietnamesischen Landesteil Tonking zu vertreiben. Dies gelang ihr, obwohl die USA im Zuge ihrer antikommunistischen Politik Frankreich seit 1950 mit beträchtlichen Mittel unterstützte. Nach der Schlacht von Điện Biên Phủ, bei der die französische Kolonialarmee im Frühling 1954 eine vernichtende Niederlage erlitt, wurden Friedensverhandlungen eröffnet. Auf der Genfer Konferenz wurde am 21. Juli 1954 die Teilung Vietnams entlang des 17. Breitengrades beschlossen, mit einem Nordteil (später Nordvietnam) unter Führung von Ho Chi Minh und einem Südteil (später Südvietnam) unter dem Präsidenten Ngô Đình Diệm. Die USA weigerten sich, dieses Abkommen anzuerkennen.

Ursachen und Entstehung des Krieges

Erst mit der Besetzung Indochinas durch die Japaner im Zweiten Weltkrieg wurde die französische Kolonialherrschaft (nunmehr ausgeübt durch das Vichy-Regime) zunächst eingeschränkt und am Ende ganz beendet. Nach der Niederlage der Japaner und dem Ende der Besatzung konnten die Vietnamesen ihre Souveränität beanspruchen. In Hanoi proklamierte Hồ Chí Minh am 2. September 1945 die Unabhängigkeit der Demokratischen Republik Vietnam (DRV).

Frankreich wollte sein infolge der demütigenden Besetzung durch Deutschland im Zweiten Weltkrieg verlorene Prestige zurückgewinnen und dachte nicht daran, während des mühsamen Wiederaufbaus auf die Früchte seines Kolonialregime in Indochina zu verzichten. Bereits zwei Tage nach der Unabhängigkeitserklärung landete ein französisches Expeditionskorps im Süden des Landes.

Die junge vietnamesische Regierung stand allerdings nicht nur unter dem Druck der alten Kolonialmacht. Chinesische Truppen des Gouverneurs der Provinz Yünnan, Lu Han (盧漢) waren - wie im Kairoer Meeting der Alliierten 1943 vereinbart - nach dem Rückzug der Japaner in den Norden des Landes vorgedrungen und bedrohten die Position der Unabhängigkeitsbewegung. Daraufhin ersuchte Ho Chi Minh im Februar 1946 um französische Hilfe und willigte in eine Teilautonomie seines Landes in einem französisch dominierten Indochina ein. Aus jener Zeit ist ein Zitat von überliefert, demzufolge Hồ Chí Minh lieber "zehn Jahre französischen Mist riechen, als lebenslang chinesischen essen" wollte (er benutzte das vietnamesische Wort "kut", welches dasselbe wie das franz. "merde" bedeutet ...). Einen Monat später zogen sich die Chinesen ohne nennenswerte Zusammenstöße zurück und nahmen die Japaner als Kriegsgefangene mit.

Als Zeichen ihrer Hegemonie marschierten nunmehr französische Truppen und reaktivierte Fremdenlegionäre in Hanoi ein. Das folgende spannungsgeladene Nebeneinander der Việt Minh und der Franzosen eskalierte durch einen gewalttätigen Vorfall zwischen französischen Zivilisten und Vietminh-Truppen in der Hafenstadt Haiphong im November 1946. Bei diesem Vorfall kamen etwa 6000 Menschen - fast nur Zivilisten - ums Leben, als die in der Stadt stationierten französischen Truppen angeblich eine an einer Reisausgabestelle anstehende Menschenmenge mit Việt Minh-Truppen verwechselte und der französische Kreuzer Sufren das Gelände beschoss. Zuvor holten die Việt Minh eine vom französischen Zoll konfiszierte Waffenlieferung aus China mit Gewalt zurück, indem sie das Zollboot kaperten. Die Franzosen übernahmen wenige Tage später gewaltsam die Kontrolle der Stadt. Daraufhin begann der vietnamesische Armeechef Võ Nguyên Giáp seine Truppen in ländlichen Gebieten zu zerstreuen und somit dem Zugriff der französischen Armee zu entziehen. Dadurch wurde allerdings die Hauptstadt entblößt und die ehemalige Kolonialmacht stürzte die Regierung Ho Chi Minhs am 19. Dezember 1947.

Die Bewegung der Việt Minh, die 1941 zur Bekämpfung der japanischen Besatzer gegründet worden war, ging daraufhin wieder in den Untergrund. In den folgenden Jahren sah sich Frankreich einem blutigen Guerillakrieg ausgesetzt. Da die französischen Truppen den Widerstand der Vietnamesen nicht brechen konnten, wurde im Frühjahr 1953 General Henri Navarre als neuer Oberbefehlshaber nach Indochina entsandt. Navarre wollte durch das Halten von befestigten Schlüsselpositionen entlang den Versorgungslinien der Vietnamesen diese in die verlustreichen Abnutzungsgefechte eines Stellungskrieges zwingen.

Ausklang und Friedensschluss

Am 26. April 1954 tagte die Indochina-Konferenz in Genf. An der Konferenz nahmen die beiden Kriegsparteien Frankreich und die Demokratische Republik Vietnam, sowie die USA, China, Großbritannien, die Sowjetunion, Vietnam, Laos und Kambodscha teil. Nach 87 Verhandlungstagen und unter dem Einfluss der vernichtenden Niederlage der Franzosen in der Schlacht um die Festung Điện Biên Phủ verständigten sich die Teilnehmer auf einen Waffenstillstand. Dieses "Genfer Abkommen" trat am 21. Juli 1954 in Kraft und beendete den Indochinakrieg und die französische Kolonialzeit in Asien.

Der wichtigste Punkt des Waffenstillstandsabkommens war die Festlegung einer Demarkationslinie entlang des 17. Breitengrades, um die beiden Kriegsparteien durch Umgruppierung zu trennen. Diese sollte nur provisorisch sein und diente zur Entflechtung der verfeindeten Kriegsparteien. Bis zu gleichfalls im Abkommen vorgesehenen freien Wahlen sollten sich die Việt Minh in das Gebiet nördlich, die Franzosen in das Gebiet südlich der Demarkationslinie begeben. Die allgemeinen, geheimen und freien Wahlen sollten im Juli 1956 eine gemeinsame Regierung für ganz Vietnam legitimieren. Die Umsetzung des Abkommens sollte von einer Beobachterkommission in welcher Polen, Kanada und Indien vertreten waren, überwacht werden. Für die Việt Minh als unbestrittene Sieger auf den Schlachtfeldern Indochinas stellten die Ergebnisse der Konferenz faktisch einen Verlust errungener Kriegsziele und damit eine klare Niederlage am Verhandlungstisch dar. Die Interessen der Großmächte Sowjetunion, Frankreich, Großbritannien und der Volksrepublik China, welche nach dem Ende der Stalin-Ära wieder miteinander ins Gespräch kommen wollten, hatten die Oberhand behalten.

Ganz anders gingen die USA die Genfer Verhandlungen an. Der damalige US-Außenminister John Foster Dulles ließ verlauten, dass "nichts außer einem Autounfall" ihn in die Nähe des chinesischen Premiers Zhou Enlai bringen könnte. Das State Department gab lediglich eine Note ab, wonach die USA sich als nicht an das Abkommen gebunden betrachteten, es aber respektieren würden.

Folgen

Schon 1950 hatte Frankreich mit dem ehemaligen Kaiser Vietnams Bao Dai die "Elysee-Verträge" unterschrieben, welche die "Gründung" eines Staates namens "Nhà nước Việt Nam" (dt.: "Staat Vietnam") beinhaltete. Es handelte sich um einen "Staat" von Frankreichs Gnaden und dessen "Präsident" Bảo Đại hatte bereits den Japanern als Marionette gedient. Bereits am 16. Juni 1954 "bewegten" die Vereinigten Staaten Bảo Đại zur Ernennung des eher antifranzösischen Ngô Đình Diệm zum Premierminister. Am 23. Oktober 1955 ergriff Ngô Đình Diệm nach der Durchführung von durch den CIA-Repräsentanten Edward Lansdale assistierten Scheinwahlen die Macht und rief die "Việt Nam Cong Hoa" (Republik Vietnam, "Südvietnam") aus. Die "Gegenkandidaten" waren der Ex-Kaiser Bảo Đại und Ngô Đình Nhu, einer der Brüder von Ngô Đình Diệm.

Ngô Đình Diệm und seine amerikanischen Berater verhinderten die Durchführung der allgemeinen, geheimen und freien Wahlen in der Republik Vietnam und schlossen die Grenze zum Norden. Die Amerikaner befürchteten nach einem (wahrscheinlichen) Wahlsieg der Việt Minh, "ganz Südostasien an den Kommunismus (siehe auch: Domino-Theorie) zu verlieren", nachdem die Demokratische Republik Vietnam zu einem sozialistischen Staat geworden war. Ngô Đình Diệm festigte seine Macht durch die Niederschlagung und Bestechung der Sekten Cao Dai, Hoa Hao und Binh Xuyen und begann 1955, vermeintliche und echte Regimegegner (vor allem ehemalige Mitglieder der Việt Minh) zu verfolgen. Diese Verfolgungen nahmen schnell brutale Züge an und legten die Grundlagen für die folgenden bewaffneten Auseinandersetzungen und damit auch für den späteren Vietnamkrieg.

Die beiden Königreiche Laos und Kambodscha, die ebenfalls zu Indochina gehört hatten, wurden mit diesem Abkommen wieder zu souveränen Staaten. Die USA führten mittels der CIA und der Generäle Phumi und Vang Pao einen geheimen Krieg um die Macht im Königreich Laos. Einzig in Kambodscha wurden die im Genfer Abkommen vereinbarten freien Wahlen auch tatsächlich durchgeführt. Kambodscha blieb von 1954 bis zum Lon-Nol-Putsch im April 1971 ein demokratischer Staat in Form einer konstitutionellen Monarchie mit dem König Norodom Suranarit, dem Vater von Prinz Sihanouk.

Deutsche Beteiligung

Während des Indochina-Krieges starben insgesamt 10.483 Legionäre, ungefähr die Hälfte der Gefallenen waren deutsche Staatsangehörige. Im Indochina-Krieg kämpften ca. 35.000 Deutsche, zumeist (Halb-)Waisen des Weltkrieges oder ehemalige Angehörige der Wehrmacht, als Fremdenlegionäre auf Seite der Franzosen. In Điện Biên Phủ starben 1.500 Fremdenlegionäre. Von den 7.000 gefangenen Legionären kehrten ca. 2.000 zurück. Es ist zu vermuten, dass auch hier die Hälfte deutscher Abstammung waren. (Ein Hinweis auf den Einsatz deutscher Fremdenlegionäre findet sich in Peter Scholl-Latours Buch "Tod im Reisfeld".)

Die Schlacht wird auch als letzte Schlacht der Waffen-SS bezeichnet, da in der Fremdenlegion eine große Anzahl ehemaliger Angehöriger der Waffen-SS kämpfte, denen nach dem Ende des 2. Weltkrieges die Rückkehr in ein Zivilleben nicht gelang und die sich daher für die Fremdenlegion – hinsichtlich Corps-Geist und Eliteverständnis mit der Waffen-SS durchaus vergleichbar – gemeldet hatten.[1]

Einzelnachweise

  1. Paul Bonnecarrere, Frankreichs fremde Söhne - Fremdenlegionäre im Indochina-Krieg

Literatur

Fachliteratur und Quellen in deutscher Sprache
Fachliteratur und Quellen in französischer Sprache
Romane mit Schauplatz Indochina
 Commons: Erster Indochinakrieg – Bilder, Videos und Audiodateien
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