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Ausbausprache

Unter Ausbausprache versteht man in der Linguistik im Anschluss an Heinz Kloss eine Sprachform, die so weit entwickelt ist, dass sie für anspruchsvolle kommunikative Zwecke (z.B. Sachprosa) dienen kann. Zum Ausbau der Sprache gehört ein gewisser Grad der Normierung in Bezug auf die Grammatik, Orthographie und den Wortschatz.

Der Ausbau einer Sprache zur Ausbausprache (auch Standardsprache oder Hochsprache genannt) erfordert eine gewisse Zeit und kann in unterschiedlichem Tempo verlaufen. Meist ist mit dem Ausbau einer Sprache auch eine Erweiterung ihres Wortschatzes verbunden. Solange der Prozess des Sprachausbaus noch in den Anfängen steckt, ist es oft schwierig zu entscheiden, ob es sich um eine Standardsprache handelt oder nicht. Auch der umgekehrte Prozess kommt vor, nämlich dass ein Standard nicht gepflegt wird und eine Sprache so wieder zum Dialekt wird. Dieses ist zum Beispiel mit einigen neuindischen Sprachen geschehen, die mit der Expansion des Hindi wieder zu Dialekten des Hindi wurden, obwohl sie einst Ausbausprache waren (beispielsweise Rajasthani, Bihari).

Auch viele Gebärdensprachen haben einen Prozess des Ausbaus durchlaufen, wobei die Schreibung von Gebärdensprachen noch in den Kinderschuhen steckt und man deshalb auch keine Regeln zur Orthographie erwarten kann. Das über den Wortschatz und die Grammatik Gesagte gilt aber auch für Gebärdensprachen.

Im Gegensatz zur Ausbausprache wird eine Sprachform, die so unterschiedlich von anderen Sprachformen ist, dass sie keinesfalls als Dialekt einer anderen angesehen werden kann, Abstandsprache genannt. Das gilt zum Beispiel für einige dravidische Sprachen, die in kleinen Enklaven in Mittel- und Nordindien gesprochen werden, über keinen Standard verfügen und auch keinem Ausbauprozess unterworfen sind.

Die Begriffe Ausbausprache, Abstandsprache und Dachsprache wurden vom Sprachsoziologen Heinz Kloss geprägt. Beispiel für eine Ausbausprache, die aber die Bedingungen für eine Abstandsprache höchstens ansatzweise erfüllt, ist nach Kloss das Letzeburgische (Luxemburgische).

Siehe auch

Literatur