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Frankfurt-Sachsenhausen

Sachsenhausen
Stadtteil von Frankfurt am Main

Koordinaten 50° 6′ 23″ N, 8° 41′ 15″ O7Koordinaten: 50° 6′ 23″ N, 8° 41′ 15″ O
Fläche 59,2 km²
Einwohner 55.422
Bevölkerungsdichte 936 Einwohner/km²
Postleitzahl 60594, 60596, 60598, 60599
Vorwahl 069
Website Website
Gliederung
Ortsbezirk 5 – Süd
Stadtbezirke
  • 300 - Sachsenhausen-Nord
  • 321 - Sachsenhausen-Nord
  • 322 - Sachsenhausen-Nord
  • 324 - Sachsenhausen-Nord
  • 331 - Sachsenhausen-Nord
  • 323 - Sachsenhausen-Süd
  • 325 - Sachsenhausen-Süd
  • 326 - Sachsenh.-Fritz-Kissel-Sdlg
  • 332 - Sachsenhausen-Süd

Sachsenhausen besteht aus zwei Stadtteilen von Frankfurt am Main. Sachsenhausen-Nord ist südlich des Stadtzentrums und am linken Ufer des Mains gelegen. Im Süden bildet Sachsenhausen-Süd die Stadtgrenze von Frankfurt am Main zum Kreis Offenbach. Im Westen schließen sich die Stadtteile Frankfurt-Niederrad, Frankfurt-Schwanheim und Frankfurt-Flughafen und im Osten der Stadtteil Frankfurt-Oberrad an.

Während der nördliche Teil von Sachsenhausen eine relativ hohe Bevölkerungsdichte aufweist, ist die Fläche des Südteils zu einem großen Teil durch den Frankfurter Stadtwald abgedeckt. Sachsenhausen-Süd ist der größte Stadtteil von Frankfurt.

Im Frankfurter Dialekt sagt man: „Dribb de Bach“ heißt „drüben vom Bach“, auf der anderen Mainseite von Frankfurt, also in Sachsenhausen. „Hibb de Bach“ heißt „hüben vom Bach“, also auf der nördlichen Seite des Mains.

Sachsenhausen ist für seine Apfelwein-Wirtschaften bekannt, insbesondere ist Alt-Sachsenhausen durch eine Ballung von Gaststätten einer der Anziehungspunkte für Frankfurts Besucher.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Entstehung

Anders als viele andere der Frankfurter Stadtteile war das südlich des Mains gelegene Sachsenhausen nie eigenständig, sondern gehörte schon im Mittelalter zu Frankfurt. Für die These, dass Sachsenhausen nach 783 durch Zwangsansiedlung von in den Sachsenkriegen besiegten Sachsen durch Karl den Großen entstand, gibt es keine historischen Belege. Zur Herkunft des Ortsnamens gibt es daneben verschiedene weitere Deutungen. Die Wahrscheinlichste darunter ist die Annahme, dass sich der Name von Sassenhusen herleitet, also einem Ort, wo „Beisassen“ hausten – so wurden im Mittelalter Einwohner ohne volle Bürgerrechte bezeichnet.

Im frühen 12. Jahrhundert ließen sich Ministerialen der Pfalz Frankfurt am südlichen Mainufer nieder. Der erste urkundliche Erwähnung des Ortes stammt aus dem Jahr 1193, als Heinrich VI. dem dort ansässigen, 1190 von Kuno von Münzenberg errichtetem Hospital den Sandhof schenkte. Das Hospital sowie die zugehörige Kirche wurden 1221 Kaiser Friedrich II. zu Gunsten des Deutschen Ordens überlassen.

Die weitere Besiedlung Sachsenhausens scheint auch in Zusammenhang mit dem Bau der Alten Brücke über den Main zu stehen, die 1222 erstmals urkundlich erwähnt wurde, deren Bau aber möglicherweise bereits Ende des 12. Jahrhunderts durch Kuno von Münzenberg, der seinerzeit große Besitzungen beiderseits des Mainufers besaß, veranlasst wurde. Die erste Holzkonstruktion wurde Mitte des 13. Jahrhunderts durch eine Steinbrücke ersetzt.

Spätmittelalter und Neuzeit

Sachsenhäuser Warte

Nachdem sich zunächst nur Ritterfamilien in Sachsenhausen niedergelassen hatten, siedelten Ende des 13. und im 14. Jahrhundert auch Fischer, Landarbeiter und Handwerker am südlichen Mainufer an. 1372 erwarb Frankfurt einen Teil des Reichsforstes, den heutigen Frankfurter Stadtwald, von Kaiser Karl IV., und 1390 wurde Sachsenhausen im Zuge der Frankfurter Befestigung ummauert. Zu dieser Zeit hatte Sachsenhausen etwa 2700 Einwohner und wurde auch rechtlich ein Stadtteil von Frankfurt. 1414 wurde auf dem Mühlberg ein hölzerner Beobachtungsturm durch eine neue, steinerne Warte ersetzt welche bereits im Jahre 1416 vom Trierer Erzbischof Werner von Falkenstein (1388–1418) zerstört wurde. Auf dem höher gelegenen Sachsenhäuser Berg konnte in den Jahren 1470/71, auf dem höchsten Punkt der nach Süden führenden Straße, die neue Sachsenhäuser Warte als Teil der Frankfurter Landwehr gebaut werden, einer der vier heute noch erhaltenen Frankfurter Warttürme. Nach dem Vorbild der schon bestehenden Gallus- und bzw. Bockenheimer Warte errichtete man eine kleine Burg mit Häusern, Waffenlager, Wachturm und Brunnen.

Im Zuge der Stadt-Befestigung wird 1490 als weiterer Wehrturm am Mainufer der Kuhhirtenturm, auch Elefant-Turm genannt, gebaut.

18. Jahrhundert

Ab Mitte des 17. Jahrhunderts wurden die Befestigungsanlagen teilweise wieder geschleift, da sie militärisch keine Bedeutung mehr hatten; der Schleifung fielen 1765 der Sachsenhäuser und 1802 der Frankfurter Brückenturm der Alten Brücke zum Opfer. Das Siedlungsgebiet dehnte sich zunächst nach Süden und später auch in Ost-West-Richtung aus, und die Bevölkerungszahl, die bis dahin auf niedrigem Niveau stagniert hatte, stieg insbesondere im 19. Jahrhundert rasch an: 1761 waren etwa 4.000 und 1811 5.000 Menschen in Sachsenhausen ansässig, 1890 bereits rund 24.000 und im Jahr 1912 etwa 50.000.

Auch die Bevölkerungsstruktur wandelte sich im Lauf der Jahrhunderte: traditionell ein Dorf der Handwerker - 1781 wurden 336 Winzer und Gärtner, 125 Fischer, 30 Brauer, 22 Bäcker und 20 Gerber gezählt - zog es im ausgehenden 18. und vor allem im 19. Jahrhundert verstärkt auch wohlhabende Bürger nach Sachsenhausen.

19. Jahrhundert

Anfang des 19. Jahrhunderts wurden in Frankfurt die Befestigungsanlagen geschleift. In Sachsenhausen hatte dies zur Folge, dass sich die Besiedlung ausgehend von den – heute als Alt-Sachsenhausen bezeichneten – eng bebauten Quartiere schnell ausbreitete. Entlang des Mainufers entstanden die ersten Sommerhäuser und Villen, in anderen Teilen Sachsenhausens folgten Mitte und Ende des Jahrhunderts erste Industrieansiedlungen. Vor allem nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 erlebte die Stadt eine Bevölkerungsexplosion: Allein in Sachsenhausen vervielfachte sich die Einwohnerzahl von rund 8.000 (1866) auf über 36.000 um das Jahr 1900.

Am Rand der Wohngebiete ließen sich im südlichen Sachsenhausen Industrie- und Gewerbebetriebe nieder. 1846 eröffnete die Main-Neckar-Bahn ihren Betrieb, die zunächst im Bahnhof Mainspitze am Sachsenhäuser Mainufer endete, bevor 1848 die erste Main-Neckar-Eisenbahnbrücke entstand. Bereits 1847 ging mit der Frankfurt-Offenbacher Lokalbahn die zweite Bahnstrecke in Sachsenhausen in Betrieb, der Lokalbahnhof in der Nähe des Affentors diente bis 1955 dem Personenverkehr. 1873 nahm die Frankfurt-Bebraer Eisenbahn ihren Betrieb auf, für die auch ein neuer Bahnhof, der Bebraer Bahnhof, heute Südbahnhof, erbaut wurde, der 1924 sein bis heute erhaltenes Empfangsgebäude erhielt. Mit der Untermainbrücke und der Obermainbrücke entstanden 1874 und 1879 zwei weitere Verkehrswege über den Main.

Als Ersatz für die um 1340 gebaute Spitalkapelle Zu den Heiligen Drei Königen, die seit 1452 auch Pfarrkirche war, wurde in den Jahren 1875 bis 1881 unter Leitung von Dombaumeister Franz Josef von Denzinger die Dreikönigskirche im neugotischen Stil erbaut, deren 80 Meter hoher Turm das Sachsenhäuser Mainufer auch heute noch beherrscht. Die 15 Glasmalereien des Kirchenschiffes und das Turmfenster schuf Charles Crodel 1956/57.

Entlang des Ufers, am Schaumainkai, entstanden zahlreiche bürgerliche Villen, von 1874 bis 1878 wurde hier auch das Städelsche Kunstinstitut gebaut.

Von der Alten Brücke aus verkehrte ab 1884 die eine der weltweit ersten elektrischen Straßenbahnen der eigens für den Bau der Strecke gegründeten Frankfurt-Offenbacher Trambahn-Gesellschaft durch Sachsenhausen. Die Strecke führte zunächst bis ins benachbarte Oberrad und wurde kurz darauf nach Offenbach am Main verlängert. Eine weitere Straßenbahnstrecke wurde 1889 eröffnet: die Frankfurter Waldbahn verband Sachsenhausen mit Neu-Isenburg, Niederrad und dem damals noch sehr abgelegenen Schwanheim. 1899 wurde als erster eigener Betriebshof der Frankfurter Straßenbahn das Sachsenhäuser Depot errichtet.

20. Jahrhundert

In den 1920er Jahren entstand im Stadtwald eine Sportanlage mit dem Frankfurter Waldstadion, das 1925 eingeweiht wurde, einer Radrennbahn (2002 wieder abgerissen), Schwimmstadion und Sporthalle. Stadion und Gelände wurden von dem NS-Regime (Nationalsozialisten) in den 1930er Jahren auch für politische Aufmärsche und Versammlungen genutzt.

In den 1930er Jahren wurde die Heimatsiedlung gebaut und Frankfurt damit nach Süden erweitert.

Im Zweiten Weltkrieg wurden ab 1943 große Teile von Sachsenhausen zerstört. Die Einwohnerzahl ging aufgrund dessen von knapp 53.000 vor dem Krieg vorübergehend auf 34.700 zurück, wuchs in den 1950er Jahren aber schnell wieder an.

In der Nachkriegszeit wurde Sachsenhausen durch seine Ansammlung von Apfelwein-Wirtschaften im Viertel Alt-Sachsenhausen sowohl überregional als auch durch die im Rhein-Main-Gebiet ansässigen US-amerikanischen Streitkräfte international bekannt und zu einer Touristenattraktion.

Institutionen

Am östlichen Ortsrand von Sachsenhausen befindet sich seit 1950 der Campus der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen. Schräg gegenüber in Richtung Stadtteilmitte befindet sich die Freiwillige Feuerwehr des Stadtteils.

Im nördlichen Stadtteil befinden sich das Krankenhaus Sachsenhausen und der Ostteil der Unikliniken. Zudem liegen dort die Bereichsleitungswache 4 der Feuerwehr und das 8. und 9. Polizeirevier.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Sachsenhausener Originale

Sachsenhausen ist bekannt für seine skurrile Figuren, die es im Laufe der Jahrhunderte hervorgebracht hat. Die bekannteste von ihnen lebte im 19. Jahrhundert: Der Fraa Rauscher aus de Klappergass wurden die unterschiedlichsten Erinnerungen gewidmet: ein Denkmal, das in unerwarteten Augenblicken Passanten mit Wasser bespuckt, ein bekannter Gassenhauer (1929 gedichtet vom Frankfurter Grafiker Kurt Eugen Strouhs) und eine Apfelweinsorte der Firma Possmann aus Frankfurt-Rödelheim.

Ein zeitgenössisches Sachsenhäuser Original ist der nackte Jörg, ein Nudist, der seit vielen Jahren gelegentlich in Sachsenhausen zu sehen ist. Er trägt niemals Kleidung – außer ein paar Sandalen im Winter – nur seinen Walkman. Beheimatet ist er in der Wohngegend am Sachsenhäuser Berg. Seine Identität und seine Beweggründe sind Gegenstand zahlreicher Legenden; nach eigenen Angaben leidet er an einer Kleiderallergie. Es existieren bereits T-Shirts mit seinem Bild und im Karneval war er Thema bei den Büttenrednern.

Regelmäßige Veranstaltungen

Wirtschaft und Infrastruktur

Verkehr

Wie alle Frankfurter Stadtteile ist Sachsenhausen an den Öffentlichen Personennahverkehr angeschlossen. Die Straßenbahn-Linie 12 verkehrt von der Rheinlandstraße in Schwanheim über Niederrad und Sachsenhausen nach Fechenheim, die Linie 14 (Bornheim, Ernst-May-Platz–Neu-Isenburg), die Linie 15 (Niederrad, Haardtwaldplatz–Offenbach) hat außerhalb der Berufszeit und in den Ferien ihren Endhaltepunkt am Südbahnhof in Sachsenhausen, die Linie 16 (Ginnheim–Offenbach), die Linie 19 verkehrt in der Schulzeit für die Schüler an Sachsenhäuser Schulen von Schwanheim nach Sachsenhausen und die Linie 21 verkehrt von der Commerzbank-Arena über Niederrad und Sachsenhausen in der Berufszeit nach Nied. Die Buslinien 30 (Bad Vilbel–Hainer Weg), 35 (Hauptbahnhof–Sachsenhausen-Lerchesberg), 36 (Westbahnhof-Hainer Weg), 45 (Sachsenhausen Deutschherrnviertel – Südbahnhof), 46 (Hauptbahnhof–Mühlberg Gerbermühle), 47 (Am Sandberg–Südbahnhof), 61 (Flughafen–Südbahnhof), 78 (Schwanheim Rheinlandstraße–Südbahnhof), OF-50 (Neu Isenburg, Gravenbruch–Südbahnhof) und 653 (Götzenhain–Südbahnhof) führen ebenfalls durch Sachsenhausen. Außerdem verkehren die S-Bahn-Linien S3 (Bad SodenDarmstadt), S4 (Kronberg–Darmstadt), S5 (Friedrichsdorf-Ffm-Süd) und S6 (Friedberg-Ffm-Süd) durch Sachsenhausen.

Bildung

In Sachsenhausen gibt es vier Grundschulen (Textorschule, Willemerschule, Riedhofschule und Martin-Buber-Schule), drei Gymnasien (Schillerschule, Carl-Schurz-Schule und Freiherr-vom-Stein-Schule), zwei Realschulen (Deutschherrenschule und Holbeinschule) und die Hauptschule Schwanthalerschule. Außerdem befindet sich dort eine Privatschule, die Freie Schule Frankfurt. Darüber hinaus ist in Sachsenhausen die Abendhaupt- und Abendrealschule Frankfurt angesiedelt.

Söhne und Töchter Sachsenhausens

Einzelnachweise

  1. Initiativgruppe der „Frankfurter Interkulturellen Wochen“ (Hrsg.): [online, PDF, 1,42 MB Interkulturelle Wochen in Frankfurt]. 2007, S. 65 (Stand: 10. September 2007; Programmheft der Interkulturellen Wochen in Frankfurt 2007).
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