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Tabak

Tabak

Tabakfeld

Systematik
Abteilung: Bedecktsamer (Magnoliophyta)
Klasse: Dreifurchenpollen-
Zweikeimblättrige
(Rosopsida)
Unterklasse: Asternähnliche (Asteridae)
Ordnung: Nachtschattenartige (Solanales)
Familie: Nachtschattengewächse (Solanaceae)
Gattung: Tabak
Wissenschaftlicher Name
Nicotiana
L.

Tabak (Nicotiana) ist eine Pflanzengattung aus der Familie der Nachtschattengewächse (Solanaceae), zu der unter anderem auch die Tomate, Kartoffel und Tollkirsche gehören. Tabak gelangte mit der Entdeckung Amerikas in die damals bekannte Welt. Der französische Gesandte in Portugal Jean Nicot sorgte für die Einführung des Tabaks als Heilpflanze in Frankreich, nach ihm wurde später der wichtigste Inhaltsstoff Nikotin benannt. Heutzutage sind 65 Nicotiana-Arten bekannt. Die Tabakpflanzen erzeugen in den Wurzeln das Alkaloid Nikotin, welches sie in den Blättern einlagern und das dort der Abwehr von Fraßinsekten dient. Nikotin kommt aber auch z.B. in der Aubergine vor. Durch den hohen Gehalt an Nikotin wird Tabak heute als Droge eingestuft, früher jedoch ausschließlich als Genussmittel.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

In der Gattung Tabak existieren sowohl Arten, die als kleine einjährige oder ausdauernde krautige Pflanzen mit einer Größe von 0,1 bis 0,3 m wachsen, aber auch größere, weichholzige Sträucher, die bis zu 2 m hoch werden und selten auch Bäume mit einer Größe von bis zu 10 m. Gelegentlich verbreiten die Pflanzen einen übel riechenden Geruch. Die Wurzeln sind nicht selten brutkörpertragend, in den Sprossen und Blättern ist Kristallsand zu finden, das Phellogen wird unter der Epidermis ausgebildet, das innere Phloem ist faserig. Die drüsigen Trichome bilden fast ausschließlich mehrzellige Köpfe; es kommen jedoch auch einzellige Köpfe vor.

Die Blätter sitzen an einem Blattstiel oder sind blattstiellos, oftmals bilden die basalen stängelständigen Blätter unterschiedliche Formen aus, wobei die stängelständigen Blätter meist kleiner sind und in die Brakteen der Blütenstände übergehen können. Die Blattränder sind ganzrandig oder gewellt. Sie sind (2) 8 bis 15 (100) cm lang, die Blattstiele sind kürzer als die Blätter und gleichmäßig geschwungen.

Die Blütenstände sind terminale, vielblütige Dolden, selten sind die Blüten auch mit Laubblättern statt Brakteen verbunden. Die Blüten sind duftlos oder duftend, oftmals in den Abendstunden aufblühend, bei Sonnenlicht wieder schließend oder offenbleibend; es existieren auch selbstbestäubende Arten. Der Kelch ist radiärsymmetrisch oder seltener auch zygomorph, mit fünf gleichlangen oder ungleichmäßigen linearen, dreieckigen oder pfriemförmigen Kelchblattlappen. Die Lappen sind normalerweise kürzer als der urnenförmig, zylindrische oder glockenförmige verwachsene Teil des Kelches, nur in Ausnahmen sind die gleich lang. Die radiärsymmetrische oder zygomorphe Blütenkrone ist fünfzählig; 5 bis 90 mm lang; trichterförmig, röhrenförmig oder stieltellerförmig und sehr vielfältig gefärbt. Die Kronblattlappen besitzen einen eingebuchteten Rand. Die fünf Staubblätter können innerhalb oder außerhalb der Blüte enden, die Staubfäden sind gerade oder stark knieförmig gebogen; haben innerhalb einer Blüte die gleiche Länge oder kommen in zwei Längen (4 + 1) oder drei Längen (2 + 2 +1) vor. Die Antheren sind dorsal fixiert, können gelb, grün oder violett sein, sind 1,2 bis 2,3 mm lang und sind dann fast kreisförmig oder 3,5 bis 5,5 mm lang und dann mit eiförmiger, verkehrt eiförmiger oder länglicher Form.

Die Samenkapseln sind scheidewandspaltig-fachspaltig, 4 bis 20 (28) mm lang und beinhalten eine große Anzahl an Samen, meist zwischen 100 und 5000. Die Samen sind 0,4 bis 1,3 mm lang, fast kugelförmig, nierenförmig oder unternierenförmig, manchmal verlängert; die Tausendkornmasse beträgt 0,1 Gramm.

Besonderheiten, Krankheiten und Schädlinge

Tabak ist eine Pflanze der Subtropen mit hoher Wärmebedürftigkeit und geringer Kältetoleranz. Unter 15°C ist das Wachstum gehemmt, bei 0°C werden die Blätter geschädigt, bei –3°C sterben die Pflanzen. Für einen guten Wuchs benötigt die Tabakpflanze neben Wärme genügend Feuchtigkeit, dies sind allerdings auch die besten Voraussetzungen für die verbreiteten Krankheiten des Tabaks. Leichter Wind steht dem Pilzbefall entgegen, starker Wind und Hagel zerstören die Blätter und machen sie für die Verarbeitung unbrauchbar.

Der Tabakblauschimmel (Peronospora tabacina) ist die gefährlichste und eine auf der ganzen Welt verbreitete Krankheit. Im Jahr 1960 trat er erstmals in Europa auf und vernichtete in diesem Jahr einen Großteil der Ernte. Auf der Blattunterseite bildet sich der für die Peronospora – Pilze typische graubläuliche Belag, es entstehen Löcher in den Blättern die eine Verwendung als Rohstoff für Zigarren und Zigaretten verhindert. Bekämpft werden kann diese Krankheit nur durch den prophylaktischen Einsatz von Fungiziden und durch eine Fruchtfolge in der Tabak frühestens nach drei Jahren wieder auf der gleichen Fläche angebaut wird.

Weitere pilzliche Krankheiten sind die Wurzelbräune (Thielaviopsis basicola) und Sclerotinia-Krankheit (Sclerotinia Sclerotiorum), die Bakterien-Krankheit Wildfeuer (Pseudomonas tabaci) sowie verschiedene Viruskrankheiten insbesondere Tabakmosaik (Tabacco mosaic virus).

Ein verbreitetes Unkraut im Tabakanbau Europas ist der schwer bekämpfbare Acker-Schachtelhalm (Equisetum arvense); der Schmarotzer Kleiner Sommerwurz (Orobanche minor) schädigt die Pflanzen durch Entzug wichtiger Nährstoffe.

Schädlinge des Tabaks sind Engerlinge (Larven der Mai- und Junikäfer; Melolontha melolontha), Drahtwürmer (Agriotes spp.), Schnecken (Deroceras sp.), Stockälchen (Ditylenchus Dipsaci) und die Wanderheuschrecke (Locusta migratoria).

Ein weiterer Schädling der Tabakpflanze ist die Raupe des Tabakschwärmers (Manduca sexta), die gegen das Nervengift Nikotin unempfindlich ist. Die Pflanze reagiert auf den Speichel einer Raupe mit einem Ausstoß des Hormons Jasmonsäure, bereits nach fünf bis zehn Minuten im ganzen befallenen Blatt, nach 30 Minuten in der kompletten Pflanze. An der Blattwunde strömen daraufhin Grüne Blattduftstoffe aus, die kilometerweit durch die Luft getragen werden. Nach einer Stunde werden in der Tabakpflanze Abwehrmechanismen aktiviert, so dass nach etwa fünf Stunden die Produktion von für die Raupe des Tabakschwärmers verdauungsstörenden Proteinen beginnt. Nach insgesamt zehn Stunden sendet die Pflanze einen ganzen Cocktail von Duftstoffen aus, der eine bestimmte Wespenart anlockt, welche ihre Eier parasitär in den Raupen des Tabakschwärmers ablegt. Besonders bei den Wildformen des Tabaks nehmen Nachbarpflanzen ebenfalls das Ausströmen der Botenstoffe war und reagieren mit einem frühzeitigen Umschalten ihrer Gene.

Systematik

Die Gattung wird in folgende Sektionen unterteilt:

Hier eine Artenauswahl mit Angabe der Sektionszugehörigkeit innerhalb der Gattung:[1]

Folgende in dieser Gattung beschriebenen Arten werden aktuell anderen Gattungen zugeordnet:

Verbreitung

Der Tabakanbau ist der landwirtschaftliche Anbau von Tabak als Nutzpflanze zur Gewinnung von Rohtabak aus den geernteten und getrockneten Blättern, teilweise auch aus den ganzen Pflanzen. Wegen der großen Anpassungsfähigkeit der subtropischen Pflanze wird Tabak bis in die gemäßigten Zonen von 38° südlicher Breite bis 56° nördlicher Breite angebaut. Die wichtigsten Anbaugebiete sind Nord-, Mittel- und Südamerika, Volksrepublik China, Südostasien, Vorderasien/Balkan und Europa. In Deutschland wird Tabak auf 4000 ha (2007) überwiegend in Baden zwischen Mannheim und Lahr und in der Vorderpfalz angebaut. Die Anbaufläche beträgt nur noch ein Zehntel der deutschen Anbaufläche der 1950er Jahre.

Der Tabakanbau führt in den afrikanischen Anbaugebieten zu verstärkter Abholzung von Wäldern, Auslaugung des Bodens und starker wirtschaftlichen Abhängigkeit der Tabakimporteure. [2]

Bis Ende der 1960er Jahre war auch der private Tabakanbau in Deutschland recht gebräuchlich. Einige Jahrzehnte in Vergessenheit geraten wird dieser gerade mit steigenden Steuerlasten auf Tabakprodukte wieder aktuell. Dabei ist die Herstellung von rauchbarem Tabak arbeitsintensiv und eher als Liebhaberei (Hobby) attraktiv.

Der Tabakanbau in Europa wird von der EU mit Subventionen von 1 Milliarden Euro jährlich gefördert.[3] Davon entfallen rund 150 Millionen Euro auf den Tabakanbau in Deutschland. Seit 2005 sollen jedoch 20 Prozent der bisher gewährten Subventionen gezielt dafür eingesetzt werden, die Tabakbauern zum Umsteigen auf andere Erzeugnisse zu ermuntern. In Österreich beispielsweise führte das dazu, dass laut einer Pressemeldung im Jahr 2005 alle etwa 70 verbliebenen Tabakbauern ihren Betrieb einstellten. Im Jahr 2010 soll die Subventionierung eingestellt werden.

Welternte von Rohtabak

Die weltweite Rohtabakernte beträgt rund 7 Millionen Tonnen, davon 2,55 Millionen Tonnen in der Volksrepublik China.

Weitere bedeutende Tabakanbaustaaten sind:

Hauptimporteure sind die USA, Deutschland, Großbritannien, Russland und die Niederlande.

Anbau in Deutschland

Nach einer Urkunde aus der Pfalz soll der erste Tabak in Deutschland im Jahr 1573 im Pfarrgarten von Hatzenbühl (Bistum Speyer) angebaut worden sein. Die Geistlichen jener Zeit waren oftmals Übermittler von botanischen Neuerungen und neuer medizinischer Anwendungen. So interessierte zunächst die Anwendung von Tabaksamen in der Medizin insbesondere in der Augenheilkunde. Pfalzgraf Friedrich IV ordnete bereits 1598 Anbauversuche in der Kurpfalz an. 1615 wurde in Holland der erste Tabakbau zu Erwerbszwecken aufgenommen. "Holländischer Knaster" in der "Delfter Thonpfeife" geraucht und holländischer Schnupftabak wurden zur Mode. Holländische Tabakbauern ließen sich im Raum Mannheim nieder und bauten die Sorten "Amersforter", "Geudertheimer" und "Goundie" an. Durch die im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) in Deutschland herumziehenden Söldnerheere wurde das Tabakrauchen stark verbreitet. Die in der Markgrafschaft Baden-Durlach und dem Bistum Speyer aufgenommenen Hugenotten brachten Tabaksamen und Anbauerfahrung aus Frankreich mit und schufen damit die Voraussetzung für die weitere Verbreitung des Anbaus in Deutschland. Die mitgebrachte Tabaksorte wurde nach der neuen Heimat "Friedrichstaler" genannt. Herrschaftshäuser in Ostdeutschland warben Hugenotten und Pfälzer als Tabakbauern mit großzügigen Privilegien an. So entstanden auch in Pommern und der Uckermark bedeutende Anbaugebiete. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts kam es zu einer großen Ausbreitung; ca. 200.000 Landwirtschaftsbetriebe bauten damals auf über 30.000 ha Tabak an. (Baden 10 tausend ha, Preußen 7 tha; Bayern einschl. Pfalz 7 tha, restliche deutsche Länder 6 tha). Ab Anfang des 20. Jahrhunderts wurde für die kleinbäuerliche Landwirtschaft insbesondere in Baden und der Vorderpfalz Tabak eine der wichtigsten Einnahmequellen für die Landwirtschaft. Tabak bot vielen Landwirtsfamilien sowie vielen Taglöhnern Arbeit und Einkommen, nachdem ein Beimischungszwang für heimischen Tabak in Zigarren und Zigaretten in Deutschland eingeführt worden war.

Mit 4000 Arbeitsstunden pro Hektar war der Arbeitsaufwand (Ende 19. Jahrhundert) allerdings sehr hoch, aber die Einnahmen pro Flächeneinheit um das 10- bis 20-fache höher als bei Getreideanbau. Durch entsprechende Mechanisierung konnte inzwischen der Handarbeitsaufwand gesenkt werden, beträgt aber (2007) noch immer ca. 1000 Std/ha.

Der Tabaksamen ist einer der kleinsten Samen im landwirtschaftlichen Bereich. Zehntausend Tabak-Körnchen wiegen gerade 1 Gramm. Bei 40–50 Tausend Tabakpflanzen pro Hektar und einem durchschnittlichen Anbau von 0,5 ha wurden 4,5 Gramm Saatgutmenge benötigt.

Tabak ist eine subtropische Pflanze die neben Feuchtigkeit vergleichsweise hohe Temperaturen für die Keimung benötigt. Die Tabaksaison beginnt in den gemäßigten Klimaten mit dem Einweichen der Körner, Einwickeln in Leinentüchern und Erwärmung auf 36 Grad Celsius Temperatur. Dies geschah in aller Regel unter zur Hilfenahme von Bettflaschen die von Landwirtsfamilien in Betten verwahrt wurden.

Bei Feuchtigkeit und Temperaturen um 40 Grad Celsius platzen die braunen Samenschalen nach fünf bis acht Tagen auf und der weiße Keimling wird sichtbar. Jetzt wird in Frühbeetkästen gesät. Die Frühbeetkästen, die das Bild der meisten Bauerngärten bestimmten, wurden rechtzeitig mit einem 20–30 Zentimeter dicken Mistbeet vorbereitet, auf dessen Oberfläche eine Spezialerde aus Torf und Mulch, genannt Fruhstorfer-Einheitserde, aufgebracht war. Zugedeckt wurden die Frühbeete mit Glasscheiben, um subtropische Klimaverhältnisse zu schaffen.

Zwei Methoden der Aussaat wurden verwendet. Entweder wurde das Gieß- oder das Handsaatverfahren eingesetzt. Die Gießsaat erfolgte in der Weise, dass die für ein Frühbeet benötigte Saatgutmenge in die Gießkanne gegeben, die Kanne mit Wasser gefüllt und dann kräftig umgerührt wurde, damit alle Samen im Wasser gleichmäßig verteilt waren. Daraufhin wurde das Gießwasser gleichmäßig im Frühbeet verteilt.

Die Hand-Sämethode, die von konservativen Landwirten benutzt wurde, basierte auf der Verwendung von Grieß. Man mischte den angekeimten Samen mit einem Pfund Grieß in einer Schale. Anschließend wurde diese Menge gleichmäßig im Frühbeet verteilt. Der weiße Grieß und der braune Untergrund der Fruhstorfer-Einheitserde machten es relativ leicht, die Saatmenge gleichmäßig zu verteilen.

Für die ersten Tage wurden die Frühbeete mit Zeitungspapier abgedeckt, um den Boden vor schneller Austrocknung zu schützen. Nach ca. drei bis vier Tagen wurde das Papier entfernt. Einer besonderen Pflege bedurfte die Temperaturregelung in den Frühbeetkästen. Durch tägliches Öffnen und Schließen einzelner Scheiben wurde für Luftzirkulation und Wärmesteuerung gesorgt. Nach etwa vier Wochen waren die Pflanzen groß genug, um die ersten größeren Pflanzen zu pikieren bzw. für das Feld zu entnehmen.

Die Auspflanzung des Tabaks im Feld erfolgt in Deutschland Anfang Mai, wenn die Gefahr von Spätfrösten nicht mehr besteht. Die bis in die 1970er Jahre hinein verwendete Handpflanzung erfolgte in das fein krümelig hergerichtete Saatbett auf den Acker, nachdem mit einem Markierrechen die Pflanzstellen festgelegt wurden. Seitdem erfolgt die Pflanzung mit traktorgezogenen Pflanzmaschinen. Die Pflege des Tabaks auf dem Feld beschränkte sich bis 1959 in erster Linie die mechanische Unkrautbekämpfung mit Handhacke, Hackgeschirr und Häufelpflug. Seit dem Ausbruch der Blauschimmelkrankheit (1960) ist Abständen von 2 Wochen eine prophylaktische Fungizidspritzung notwendig.

Die Nährstoffversorgung und damit die Düngung ist von entscheidender Bedeutung für die spätere Qualität des Tabaks. Der Kali- und Kalziumbedarf der Pflanzen ist sehr hoch und ein ausreichendes Angebot durch Düngung fördert die Qualität. Dagegen sind chlorreiche Dünger und übermäßige Stickstoffzufuhr nachteilig für Reife, Brand und Duft des Tabaks.

Ein besonderer Pflegeschritt, der bei anderen Nutzpflanzen nur vereinzelt vorkommt, ist das Köpfen (Entfernen der Blütenstände) und Geizen (Entfernen der Seitentriebe). Beim Tabak unterbricht das Abschneiden des Gipfeltriebes den Saftstrom, der sonst für die Samenbildung verwendet würde, um danach ausschließlich für die "Blattausbildung" zur Verfügung zu stehen.

Geerntet werden ca 15-18 Blätter je Pflanze, beginnend mit dem Sandblatt, wenn die Blattfarbe gelb zu werden beginnt. Bei dieser Gelegenheit werden auch die Grumpen (vertrocknete Blätter am Boden) eingesammelt. Mit dem fortschreitenden Reifeprozess werden in Abständen von jeweils einer Woche die nächsten zwei bis vier untersten Blätter geerntet. Dieser Vorgang wird über vier bis sechs Wochen wiederholt, bis alle verwendbaren Blätter abgeerntet sind. Das wertvollste Erntegut ist das Sandblatt, die absteigenden Qualitätsstufen sind Mittelgut, Hauptgut, Obergut und Grumpen. Je höher das Blatt an der Pflanze gewachsen ist, um so höher der Gehalt an Alkaloiden, dicker die Blattstruktur und niedriger der Marktpreis.

Nach der Ernte treiben die in den Blattachseln entstehenden "Geiztriebe" erneut aus. Die neuen Blätter werden als Nachtabak bezeichnet. Im letzten Jahrhundert wurde der Nachtabak von den Anbauern zum "Selbstverbrauch" aufbereitet und der blattlose "Tabakstrunk" getrocknet und als Heizmaterial verwendet.

"Tabakbrechen" nennt man die Ernte des Tabaks. Sie erfolgt an warmen trockenen Tagen (verringerte Turgeszenz), nachdem der Morgentau auf den Blättern abgetrocknet ist. Um die Blätter nicht zu schädigen, war ein "Anwelken" des Bruchs am Feldrand üblich. Der Wassergehalt der geernteten Blätter von 90% muss vor einer weiteren Verarbeitung auf 12-15 % gesenkt werden. Das Einfädeln bzw. Einnähen auf ca. 150 cm lange Fäden erfolgt heute weitgehend maschinell. Die früher übliche Naturtrocknung in Trockenschuppen wurde weitgehend durch Trocknungsanlagen abgelöst. Bevor der Tabak in der Industrie verarbeitet werden kann, muss noch eine Fermentation erfolgen, bei welcher durch eine Enzym- und Mikrobentätigkeit einige schädliche Substanzen umgeformt bzw. abgebaut werden.

Mit dem Ausbruch der Blauschimmelkrankheit im Jahr 1959, die durch unvorsichtiges Hantieren eines Wissenschaftlers mit diesem Peronospora-Pilz an der Bundesanstalt für Tabakbau in Forchheim verursacht wurde, war das Überleben vieler landwirtschaftlicher Betriebe in Frage gestellt. Der dramatische Strukturwandel der Landwirtschaft wurde in den Tabakanbaugebieten dadurch noch verstärkt. Der Tabakanbau spielt in Deutschland nur noch in bestimmten Regionen (Südpfalz, Nordbaden) eine wirtschaftlich bedeutsame Rolle.

Nutzung

Bis ins 17. Jahrhundert hatte Tabak eine Bedeutung als Heilpflanze in der Augenheilkunde. Als Nutzpflanze haben derzeit (2007) nur zwei Arten wirtschaftliche Bedeutung, die zahlreiche Varietäten bilden und aus denen viele Sorten gezüchtet wurden. Die verbreitetste Art ist der Virginische Tabak (Nicotiana tabacum), zu dem nahezu alle heute angebauten Sorten gehören. Die Tabakernte (2007) wird nach entsprechender Verarbeitung weit überwiegend für Zigaretten genutzt. In Deutschland waren bis Ende des 20. Jahrhunderts die Sorten "Friedrichstaler", "Havanna", "Geudertheimer" und "Burley" verbreitet. Dies sind dunkle Sorten, die für Zigarren und als Beimischung zu dunklen Zigaretten Verwendung fanden. Virgina ist eine aktuelle Sorte die als Beimischung in helle Zigaretten-Marken verwendet wird. Vereinzelt wird außerdem noch Bauern-Tabak (Nicotiana rustica) angebaut. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Arten und Sorten, die als Zierpflanzen Verwendung finden. In der Pharma-Forschung laufen intensive Untersuchungen, künftig mit speziell gezüchteten Tabaksorten Rohstoffe für Medikamente herzustellen.

Tabakwaren

Die getrockneten, kurierten und gerebelten Tabak-Blätter (Rauchkraut) können in Tabakspfeifen oder gedreht als Zigaretten, Zigarillos und Zigarren geraucht werden. Das giftige, suchtauslösende Nikotin wird dabei zu großen Teilen verbrannt; nur ein geringer Anteil verdampft und wird inhaliert. Weniger verbreitet ist der Konsum in Form von Snus, Kautabak und Schnupftabak. Bereits der Verzehr geringer Mengen kann wegen des hohen Nikotinanteils zum Tod durch Atemlähmung führen. Diese Erkenntnis wurde früher von Tabakbauern zur Schädlingsbekämpfung genutzt, indem „Tabakbrühe“ gegen Insekten eingesetzt wurde. Da von dieser Maßnahme auch schonungswürdige Nützlinge betroffen werden, wird diese Methode nicht mehr verwendet.

Parfümerie

In Herrenparfüms werden Tabaknoten gerne eingesetzt. Für echte Effekte sind Absolues aus echten Tabakblättern unerlässlich. Absolues werden durch Extraktion über das Concrète gewonnen.

Gentechnik

Der Tabak gehört zu denjenigen Pflanzen, deren Genom am besten erforscht ist. Er wird in der Gentechnik-Forschung bevorzugt, weil er weder von Mensch noch Tier verzehrt wird und deshalb nicht versehentlich in die Nahrungskette gelangen kann. Durch Veränderungen des Erbgutes entstand beispielsweise nikotinfreier Tabak; die Produktion von Medikamenten in Tabakpflanzen ist inzwischen ein ernsthafter und erfolgreicher Forschungszweig.

Zierpflanzen

Tabakarten und -sorten werden auch als Schmuckpflanzen angebaut. Unter diesen gibt es Wildarten wie den bis zu 1,7 m hohen, nachts stark duftenden Wald-Tabak (Nicotiana sylvestris) mit langen weißen Blütenröhren oder die vielen Sorten des Ziertabaks Nicotiana x sanderae, einer Kreuzung aus dem rotblühenden N. forgetiana und dem weißblühenden N. alata. Aus dieser Kreuzung entstanden Nachkommen in vielen Farbtönen und in unterschiedlichen Wuchshöhen, teils immerduftend, teils nachtduftend oder auch ohne Duft. Der „Scharlachkönig“ ist eine dunkel scharlachrot blühende, etwa 60 cm hohe Sorte.

Geschichte und Konsum

Junger Mann mit Pfeife (Michel Gobin, 17. Jh.)
Hauptartikel: Geschichte des Tabakkonsums

Die Geschichte des Tabakkonsums in Europa reicht bis ins Jahr 1492 zurück, als Christoph Kolumbus Amerika entdeckte. Die dort lebenden Einwohner hatten schon das Tabakrauchen gekannt. Im Laufe der Jahren hat sich der Konsum sehr verändert. So gibt es verschiedene Konsumformen, Marken, so dass gar eine eigene Marktbranche entstand. Mit der Verbreitung ist auch die Kritik aufgekommen, so dass viele Länder das Rauchen an verschiedenen Orten gesetzlich verbieten.

Siehe auch

Literatur

Quellen

  1. Artenliste bei GRIN Taxonomy for Plants
  2. Regenwald Report 1.Quartal 2003 Seite 4, Südwind-magazin 09/2004 Seite 27 und 34 sowie ZEIT vom 6.6.2005
  3. EU-Report, Juli 2004
 Commons: Tabak – Bilder, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Tabak – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen und Grammatik
 Wikiquote: Tabak – Zitate
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