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Karl Radek

Karl Radek (gebürtig Karol Sobelsohn; * 31. Oktober 1885 in Lemberg, heute Ukraine, damals Österreich-Ungarn; † vermutlich 19. Mai 1939 in Werchneuralsk, Sowjetunion) war ein Politiker und Journalist, der in Polen, Deutschland und der Sowjetunion wirkte.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Herkunft

Radek stammt aus einer jüdischen Familie im Habsburger Reich, er selbst sah sich später als Atheist. Seine Familie orientierte sich an der deutschen Kultur, weshalb zuhause Deutsch gesprochen wurde. Jedoch hatte Radek bereits als Schüler Kontakt zur polnischen Arbeiterbewegung und schrieb für polnische Zeitungen. Jiddisch lernte Radek nach eigenen Angaben erst als Erwachsener und „mehr aus Jux“.

Zwischen Deutschland und Russland

Karl Radek gehörte anfangs zu den führenden Politikern in der polnischen und deutschen Sozialdemokratie. Als Kritiker von Rosa Luxemburg schloss er sich nach seinem Ausschluss aus der SPD schon vor dem Ersten Weltkrieg Lenin an und war einer seiner Vertrauensleute im Schweizer Exil. Er war auch einer der Teilnehmer der berühmten Fahrt Lenins im verplombten Eisenbahnwaggon durch Deutschland nach Russland. Radek wurde unter anderem Sekretär für Deutschland im Exekutivkomitee der Komintern und war 1918 Delegierter bei den Friedensverhandlungen zwischen Deutschland und der Sowjetunion in Brest-Litowsk.

Im Jahr darauf reiste er illegal nach Deutschland, um zu sondieren, ob die sowjetischen Bolschewiki von dort Unterstützung erwarten könnten. Nach seiner Verhaftung wurde ihm von der Sowjetunion nachträglich ein diplomatischer Status gegeben, um sein Leben zu schützen. Dies erschien notwendig, da zu dieser Zeit einige der führenden Kommunisten - wie Rosa Luxemburg - in Deutschland nach einer Gefangennahme ermordet worden waren.

Radek erhielt bald die Erlaubnis, in der Haft im Berlin-Moabiter Gefängnis zu arbeiten und legte sich dafür eine Bibliothek an, für die er eine weitere Gefängniszelle erhielt. In diesem „Moabiter-Salon“ empfing er auch deutsche Politiker, Wirtschaftsführer und Intellektuelle. Wichtig ist insbesondere die Begegnung mit Walter Rathenau von der AEG, der später deutscher Außenminister wurde. Beide erkannten, trotz aller persönlichen Abneigung, dass ihre Staaten gemeinsame Interessen hatten. Damit war eine Grundlage für den Vertrag von Rapallo gelegt.

Als Außenpolitiker der UdSSR - er war 1918 kurzzeitig Volkskommissar für das Äußere - suchte er nicht nur bei den deutschen Linken Unterstützung, sondern auch bei den Nationalisten. So wurde er sowjetischerseits der führende Vertreter des Nationalbolschewismus. Programmatischen Ausdruck fand diese Haltung 1923, als er eine Rede auf Schlageter hielt, der während der Ruhrbesetzung von den Franzosen getötet wurde.

Als Vertreter der Komintern unterstützte er nachdrücklich den Hamburger Aufstand der KPD (1923). Die Politik der SPD-Regierung wurde von ihm mit dem Begriff des Sozialfaschismus bezeichnet, der später von Stalin übernommen und systematisiert wurde: „Sozialdemokratie ist die Zwillingsschwester des Faschismus“.

Daneben war Radek auch Urheber einer Diskussion über Gemeinsamkeiten der KPD mit rechten Gegnern des Versailler Vertrages und der Weimarer Republik. Der Auslöser war seine Rede zum Tod von Albert Leo Schlageter, den er als Wanderer ins Nichts bezeichnete, am 21. Juni 1923 auf dem 3. Plenum des Exekutivkomitees der Kommunistischen Internationale (EKKI). Radek und die KPD hofften, mit diesen Positionen die nationale Komponente ihrer Politik zu stärken.

Zwischen Trotzki und Stalin

In den 1920er Jahren gehörte Radek als Mitglied des Zentralkomitees der KPdSU zur Opposition um Trotzki, wurde 1927 aus der Partei ausgeschlossen und nach Sibirien verbannt. Nach der Rückkehr und seiner Selbstkritik 1929 war er als international geschätzter Journalist und Kulturfunktionär tätig. 1934 gab ein Prawda-Artikel von Radek das Startsignal zur Vergöttlichung Stalins.

1937 wurde Radek im zweiten Moskauer Schauprozess angeklagt. Im Prozessverlauf versuchte er auf versteckte Weise anzudeuten, dass er trotz seiner scheinbaren Geständnisse kein Verräter sei. So erinnerte er den Staatsanwalt Andrej Januarjewitsch Wyschinski daran, dass die Anklage einzig auf seiner Aussage beruhe und erwähnte in Folge auch „andere Absprachen“. Es wird vermutet, dass es diese Absprachen waren, die ihm ein Todesurteil ersparten. Radek wurde schließlich im Februar 1937 zu zehn Jahren Lagerhaft verurteilt.

Seither ist er verschollen. Nach einer unbewiesenen Angabe wurde er 1941 in Moskau gesehen, offiziellen Angaben zufolge aber am 19. Mai 1939 im Lager Werchneuralsk im Südural von einem kriminellen Mitgefangenen erschlagen. Erst in der Perestroika-Zeit wurde Radek im Jahre 1988 rehabilitiert.

Radek in Literatur und Kunst

Radek hat eine Spur in der Literatur hinterlassen wie wenige andere Bolschewiki. Lion Feuchtwanger war bei der Urteilsverkündung in Radeks Prozess anwesend und schrieb in seinem Reisebericht Moskau 1937 über das Lächeln, mit dem Radek den Raum verließ. Dieses Lächeln taucht seither in der Literatur über Radek immer wieder auf.

Arthur Koestler inspirierte er zu der Hauptfigur in seinem Roman Sonnenfinsternis (1940).

Die Widersprüchlichkeit seiner Persönlichkeit spiegelt der biographische, von Kritikern aber teils als idealisierend empfundene Roman Radek von Stefan Heym (1995).

Bregenzer Festspiele und Neue Oper Wien zeigten im August 2006 die Uraufführung von Richard Dünsers Kammeroper Radek über eine der „politischen Schlüsselfiguren des 20. Jahrhunderts“.[1]

Einzelnachweise

  1. Richard Dünsers „Radek“, auf the Webseite des ORF.
Personendaten
Radek, Karl
Sobelsohn, Karol
russischer Politiker und Journalist
31. Oktober 1885
Lemberg, Ukraine
um 19. Mai 1939
vermutlich Werchneuralsk, Sowjetunion