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Kapsel (Medikament)

Eine Kapsel ist eine feste Arzneiform, die eine festgelegte Dosis eines Arzneistoffes darreicht. Meist werden Kapseln peroral angewandt, es gibt aber auch Kapseln zur vaginalen oder rektalen Anwendung.

Kapseln bestehen aus einer Kapselhülle und einer Füllung. Die Hülle besteht heute meist aus Gelatine, gelegentlich aus Papier, früher auch aus Stärke oder Leim. In der Kapselhülle befindet sich eine Füllung mit dem/den Wirkstoffen und den verschiedenen Hilfsstoffen. Die Füllung kann aber auch aus Flüssigkeiten, Granulaten, Tabletten oder (kleineren) Kapseln bestehen. Man unterscheidet auch zwischen Gelatine-Steckkapseln und Weichgelatine-Kapseln. Die oft vorgenommene Färbung der Hülle schützt den Inhalt vor Licht, hilft, das einzelne Arzneimittel zu identifizieren und dient Marketingzwecken. Manche Kapseln sind heute mit einem Lebensmittelfarbstoff beschriftet oder haben aufgedruckte Bilder.

Hartgelatine-Kapseln sind eine relativ einfach herzustellende Arzneiform, die auch gelegentlich in der Apotheke individuell hergestellt wird. Sie werden auch als leere Packungsform geliefert und lassen sich per Hand oder mit einem Gerät befüllen, das individuell hergestellte Arzneien vereinfacht in die Kapseln bringt. Die oft flüssige Füllung von Weichgelatinekapseln erfolgt in der Regel maschinell durch einen industriellen Hersteller.

Verwandte Arzneiformen: Tablette, Dragée, Pille, Filmtabletten

Inhaltsverzeichnis

Kapselarten

Stärkekapseln

Stärkekapseln werden in speziellen Oblatenbäckereien aus Weizenstärke und Weizenmehl hergestellt. Es gibt zwei verschiedene Formen. Die erste Form besteht aus einer Schüssel und einem Deckel (größerer Durchmesser). Die zweite Form besteht aus zwei gleichen Teilen, die nach der Abfüllung am Rand zusammen geklebt werden. Das Fassungsvermögen von Stärkekapseln liegt zwischen 0,2 und 1,5 g Pulver. Zur Erleichterung der Einnahme der Kapseln werden diese kurz in Wasser getaucht. Dadurch wird die Kapsel schlüpfrig, zerfällt aber nicht. Stärkekapseln sind ausschließlich zur Aufnahme von trockenem Pulver geeignet. Wegen der Empfindlichkeit gegenüber Feuchtigkeit und mechanischer Beanspruchung und vor allem wegen der unbefriedigenden Zerfalleigenschaften finden Stärkekapseln heute seltener Verwendung.

Hartgelatinekapseln

Sie werden aus einer Gelatinemasse ohne Weichmacher hergestellt. Hartgelatinekapseln bestehen aus zwei vorgefertigten zylindrisch geformten Hohlformen mit halbkugeligen Boden. Diese ineinander steckbaren Kapselhälften gibt es in acht verschiedenen Größen (von groß nach klein: 000,00,0,1,2,3,4,5), gebräuchlich sind die Größen 0-3, am häufigsten die Größe 1. Zur Erhaltung der Festigkeit und Elastizität der Kapseln, dürfen sie nicht zu trocken aber auch nicht zu feucht gelagert werden. Hartgelatinekapseln dienen fast ausschließlich der Aufnahme von festen Zubereitungen (Pulver, Granulate, Pellets, Mikrokapseln). Für eine gleichmäßige Dosierung sind eine möglichst einheitliche Korngröße und ein gutes Fließvermögen der Zubereitung erforderlich. Damit Hartgelatinekapseln eine mechanische Stabilität erhalten, werden sie über einen Rillen-Nocken-Mechanismus verschlossen. So ist ungewolltes Öffnen einer Kapsel verhindert. Dieses System ist als SNAP-FIT® bekannt. Andere Verschlusssysteme sind STAR-LOCK® und LOK-CAPS®. Ist der Inhaltsstoff der Kapsel besonders feuchtigkeitsempfindlich, kann die Kapsel auch zugeklebt, zugeschweißt oder mit einer Banderole versehen werden.

Weichgelatinekapseln

Weichgelatinekapseln gibt es in vielen unterschiedlichen Formen. Sie besitzen gegenüber den Hartgelatinekapseln eine dickere, aber elastischere, weiche Hülle. Die Elastizität wird durch Zugabe von Weichmachern, wie Sorbitol oder Glycerol, erreicht. Weichgelatinekapseln werden bevorzugt zur Aufnahme flüssiger und halbfester Zubereitungen verwendet. Lediglich wässrige oder hygroskopische Flüssigkeiten sind wegen der Auflösung der Gelatinehülle von der Anwendung ausgeschlossen. Rektal- und Vaginalkapseln besitzen dieselben Eigenschaften.

Gelegentlich wird der Wirkstoff in die Kapselhülle eingearbeitet anstatt in die Füllung (Lutschkapseln).

Mikrokapseln

Mikrokapseln sind feste Partikel oder Flüssigkeitströpfchen, die mit einem Gelatinemantel oder anderen Substanzen (arabischem Gummi oder anderen Polymeren z. B. Stärke, Cellulose) überzogen werden. Sie haben eine Größenordnung von Mikrometer bis zu wenigen Millimeter. Mikroverkapselte Substanzen sind rieselfähige Pulver und werden meist als Zwischenprodukt in der Arzneiformung eingesetzt. Die Vorteile von Mikroverkapselung sind, dass Flüssigkeiten sich in trockene Pulver überführen lassen und ohne Schwierigkeiten zu Feststoffzubereitungen verarbeitet werden können. Unangenehmer Geruch oder Geschmack kann so verdeckt werden, flüchtige Stoffe werden fixiert. Das Hüllmaterial der Mikrokapseln bietet Schutz vor äußeren Einflüssen (Licht, Luft, Feuchtigkeit). Durch die Mikroverkapselung lassen sich auch unverträgliche Arzneistoffe miteinander verarbeiten. Durch die entsprechende Verarbeitung können auch magensaftresistente Kapseln oder Kapseln mit verzögerter Wirkstofffreisetzung hergestellt werden.