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Kampf

Dieser Artikel befasst sich mit dem Kampf als Auseinandersetzung oder Aggression. Für weitere Bedeutungen siehe Kampf (Begriffsklärung).

Als Kampf (von ahd.: Kampel, „Zank“ sowie lat.: campus, „Feld“, auch im Sinne von „Schlachtfeld“) wird eine Auseinandersetzung zweier oder mehrerer rivalisierender Parteien bezeichnet, deren Ziel es ist, einen Vorteil zu erreichen oder für das Gegenüber einen Nachteil herbeizuführen. Die angreifende Seite wird in der Regel als Aggressor bezeichnet. Ein Kampf kann u. a. mittels gewaltsamer Handlungen, in Form von ausgetragenen Kontroversen, als wirtschaftliche Konkurrenz, als sportlicher Wettbewerb oder in virtueller Form in Computerspielen geführt werden. Oft hilft eine Strategie dabei, einen Vorteil zu gewinnen.

Mit Kampf kann auch eine große Anstrengung gemeint sein, mit dem Ziel, sich selbst zu beherrschen, Widrigkeiten zu überwinden oder in einer Situation zu bestehen (z. B. "gegen den Wind ankämpfen", "um Anerkennung kämpfen").

Inhaltsverzeichnis

Zwischen Ernst und Spiel

Eine grundsätzliche Unterscheidung wird zwischen kriegerischem und sportlichem Kampf getroffen, also zwischen einer gewaltsamen und einer spielerischen oder symbolischen Konkurrenz. Ob symbolische Kampfhandlungen Gewaltvorbereitung oder Gewaltverzicht bedeuten, wird seit der Antike diskutiert. Nach moderner westlicher Auffassung soll der symbolische oder sportliche Kampf auch einen Sinn für Fairness schaffen, der in einer ernsten Auseinandersetzung erhalten bliebe. Die Grenze zwischen sportlicher und ernster Auseinandersetzung verschwimmt etwa bei wirtschaftlicher Konkurrenz oder der Konkurrenz zwischen Rivalen in Beziehungsangelegenheiten.

Spielerische Kämpfe sind auch in der Tierwelt zu beobachten. Der Mensch hat eine große Vielfalt sportlichen Wettbewerbs geschaffen, um sich im Rahmen von Regeln, auf die man sich geeinigt hat, friedlich messen zu können oder sich zu unterhalten. Bei Wettbewerben kann man sich Anerkennung oder Preise, manchmal auch Hohn oder Mitleid verschaffen. Das Risiko, zu verlieren, kann die Motivation verstärken statt verringern.

Wenn das Kämpfen zu einer ideologischen Forderung wird, kann ein "Recht des Stärkeren" dabei herauskommen, zum Beispiel beim sogenannten Sozialdarwinismus.

Geschichte

Seitdem es Lebewesen gibt, die weit genug entwickelt sind, anderen vorsätzlich zu schaden, gibt es Kämpfe. Kämpfe um Ressourcen, Vermehrungspartner, Territorien usw. sind ein wesentlicher Bestandteil der Evolution. Dabei entwickelten sich unter höher entwickelten Tieren (z. B. Primaten) aber auch immer ausgefeiltere Methoden zur Vermeidung oder friedlichen Beilegung von Aggressionen (vgl. Sozialverhalten), wie z. B. nicht-tödliche Kämpfe um den Rang, Unterwerfungsgesten, Zuneigungsbekundungen und dergleichen.

Der Mensch hat durch seine Intelligenz Taktiken zum Führen von Kämpfen entwickelt, indem er organisiert handelte und einen immer größeren Aufwand zum Erreichen eines Vorteils einsetzte. Um Menschen zu motivieren, bei Auseinandersetzungen mitzuwirken, wurden immer ausgefeiltere Propaganda-Techniken entwickelt, die sich Ideologien und Emotionalisierungen wie etwa Feindbilder oder religiöse Begründungen zu Nutze machen. Die Waffentechnik wurde immer weiter entwickelt und ausgefeilt.

Der Mensch entwickelte auch zivilisiertere Lösungen von (potenziellen) Konflikten, wie z. B. die Nutzung von Gerichten, Märkten und anderen Einrichtungen oder Politik und Diplomatie. Große Armeen dienen angeblich eher der Vermeidung von Kriegen (z. B. durch ein Machtvakuum) als ihrer Führung. Einen vergleichbaren Sinn kann eine starke Polizei haben. Eine Eskalation von zunächst zivilisiertem zu gewaltsamem Streit ist und war trotzdem immer möglich.

Die christliche Weltordnung des europäischen Mittelalters mit ihrer Utopie eines Gewaltverzichts auf der einen Seite und einer gewissen Toleranz für Regelbrüche auf der anderen Seite (Vergebung von Sünden) hat zum heutigen Gewaltmonopol des Staates geführt. Es soll die Selbstjustiz verhindern und jedem Kampf Spielregeln oder ein Verfahren zu Grunde legen. Diese Entwicklung seit dem 13./14. Jahrhundert hat der Soziologe Norbert Elias in seinem Hauptwerk Über den Prozeß der Zivilisation untersucht. Er fragte sich, wie der Zweikampf der mittelalterlichen "Raubritter" zum klar geregelten aristokratischen Duell werden konnte, als der Adel nicht mehr verstreut lebte, sondern mehr und mehr zu großen Höfen zusammengezogen wurde. Davon ausgehend versuchte Elias zu verstehen, warum Verkehrsregeln in den Großstädten des 20. Jahrhunderts funktionierten, ohne zu ständigen Auseinandersetzungen zwischen den Beteiligten zu führen.

Seit dem 18. Jahrhundert (in Großbritannien seit der Glorious Revolution, in Kontinentaleuropa im Wesentlichen erst nach der Französischen Revolution) entwickelte sich in der westlichen Welt allmählich der Sport, als friedliche Form des Kämpfens.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gelang die weitgehende Verhinderung von Auseinandersetzungen in und zwischen den meisten europäischen Staaten auch durch die Vorstellung einer äußeren Bedrohung (Nationalismus). Gleichzeitig stieg die Gewaltbereitschaft gegen Minderheiten im Innern und gegen andere Nationen durch Propaganda, soziale Umwälzungen (Industrialisierung), simplifizierende darwinistische Überzeugungen, einer empfundenen Bedrohung der 'alten Ordnung' durch Forderungen nach Beseitigung von Missständen und andere Faktoren. Insbesondere nationalistische Vorstellungen mündeten in den Ersten Weltkrieg.

Einen Höhepunkt erreichten Kämpfe von Mensch gegen Mensch während des zweiten Weltkriegs, als mit Faschismus und Nationalsozialismus extrem aggressive Ideologien den Tod von Millionen von Menschen verursachten. Der anschließende Kalte Krieg zwischen den siegreichen Westmächten auf der einen Seite und der damaligen Sowjetunion auf der anderen Seite verlief deutlich zivilisierter, wenn man von Stellvertreterkriegen, meist in ärmeren Regionen der Welt, absieht. Parallel dazu entwickelte sich der Terrorismus als ein Kampf außerhalb von Spielregeln.

Das Kämpfen in der wettbewerbsorientierten US-amerikanischen Gesellschaft nach dem Zweiten Weltkrieg hat etwa der Soziologe Erving Goffman untersucht und ist alltäglichen Phänomenen wie dem "no-contest smile" nachgegangen.

Literatur

Siehe auch

Parteien

Gewaltsamer Kampf