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Otto von Habsburg

Otto von Habsburg (* 20. November 1912 in der Villa Wartholz bei Reichenau an der Rax, Niederösterreich, als Se. Kais. und Kgl. Hoheit Franz Joseph Otto Robert Maria Anton Karl Max Heinrich Sixtus Xaver Felix Renatus Ludwig Gaetan Pius Ignatius, Kaiserlicher Prinz, Erzherzog von Österreich, Königlicher Prinz von Ungarn), in Österreich amtlich Otto Habsburg-Lothringen) ist ein Publizist, ehemaliges Mitglied des Europäischen Parlaments für die CSU, Journalist und Schriftsteller. Er war von 1922 bis 2006 auch Oberhaupt des Adelshauses Habsburg-Lothringen. Er ist Staatsbürger mehrerer Staaten, von Österreich, Ungarn, Deutschland und von Kroatien.

Inhaltsverzeichnis

Lebenslauf

Als erstgeborener Sohn des österreichischen Kaisers Karl I. und seiner Ehefrau Zita und als Kronprinz (ab 1916) wurde er auf eine zukünftige Herrscherrolle vorbereitet. Nach Auflösung der Doppelmonarchie Österreich-Ungarn am Ende des Ersten Weltkrieges wohnte er bis März 1919 mit seinen Eltern - vor der Ausreise der ehemaligen Kaiserfamilie angesichts der drohenden Landesverweisung seines Vaters - im Schloss Eckartsau in Niederösterreich. Von 1919 bis 1921 lebte Otto von Habsburg mit seinen Eltern im Exil in der Schweiz, später auf Madeira und in Spanien.

Seine Ausbildung stand unter strenger Aufsicht seiner Mutter, die ihn zu einem römisch-katholischen Monarchen zu erziehen versuchte. So wurde er in den Sprachen der Völker der K.u.k.-Monarchie unterrichtet und musste den alt-österreichischen und alt-ungarischen Stundenplan eines Gymnasiums nebeneinander absolvieren. Seine Matura bestand er 1930 in Lequeitio (Baskenland) mit Auszeichnung. Die Großjährigkeitserklärung und damit das Ende der Vormundschaft seiner Mutter Zita erfolgte am 20. November 1930. Damit wurde Otto Oberhaupt des Hauses Habsburg und Souverän des Ordens vom Goldenen Vlies. 1935 schloss er sein 1930 begonnenes Studium der politischen und sozialen Wissenschaften an der Katholieke Universiteit Leuven (Belgien) mit Auszeichnung und der Promotion ab. Die Einreise in die nach dem Ersten Weltkrieg neu entstandene Republik Österreich war ihm durch das Habsburger-Gesetz von 1919 untersagt, solange er nicht auf seine Herrschaftsansprüche verzichtet und sich als Bürger der Republik bekannt hatte. Dies tat er erst 1961.

1940 bis 1944 lebte Habsburg in den USA, 1944 bis 1951 hauptsächlich in Frankreich, später wieder in Spanien und seit 1954 in Pöcking in Bayern. Nach dem zweiten Weltkrieg begann Otto von Habsburg eine Tätigkeit als Vortragsreisender bzw. wurde Schriftsteller.

1957 bis 1973 war er Vizepräsident, 1973 bis 2004 war er als Nachfolger des Gründers Richard Nikolaus Graf von Coudenhove-Kalergi Präsident der Internationalen Paneuropa-Union; seit 2004 ist er deren Ehrenpräsident.

Von 1979 bis 1999 war er, nachdem er neben der österreichischen Staatsbürgerschaft auch die deutsche Staatsangehörigkeit angenommen hatte, für die Christlich-Sozialen Union in Bayern (CSU) – seit 1982 ist von Habsburg Mitglied, er hat aber keine Parteiämter übernommen – Abgeordneter ins Europäische Parlament, und zweimal dessen Alterspräsident. Er war Obmann der Europäischen Volkspartei im Politischen Ausschuss von 1981 bis 1999, Vorsitzender der Delegation im Gemischten Parlamentarischen Ausschuss EU - Ungarn, Mitglied im Politischen Ausschuss für Recht und Bürgerrechte und Stellvertretendes Mitglied im Entwicklungsausschuss und im Ausschuss für Haushaltskontrolle. Otto von Habsburg schied aus gesundheitlichen Gründen am 13. Juni 1999 auf eigenen Wunsch aus dem Europa-Parlament aus.

Heute lebt Otto von Habsburg in seiner „Villa Austria“ in Pöcking am Starnberger See (Deutschland) und arbeitet dort als Publizist. Zudem ist er trotz seines hohen Alters viel auf Reisen durch Europa.

Otto von Habsburg spricht neben seiner deutschen Muttersprache auch mehrere Fremdsprachen, wie Ungarisch, Kroatisch, Englisch, Spanisch, Französisch und Latein. Aufgrund dieser Sprachkenntnisse konnte er den Sitzungen zum großen Teil ohne Dolmetscher beiwohnen. Seine Bücher schreibt er auf Deutsch, Ungarisch und Französisch.

Familie

Otto von Habsburg war Oberhaupt der Familie Habsburg-Lothringen von 1922 bis 2006, mit 2007 übernahm sein Sohn Karl Habsburg-Lothringen diese Rolle.

1951 heiratete er in Nancy Regina Prinzessin von Sachsen-Meiningen (*1925). Mit ihr hat er sieben Kinder und 22 Enkelkinder:

Politische Rolle

Eigenname und Titel der ehemaligen Monarchie Österreich-Ungarn

Mit dem Tod seines Vaters Karl I. im Jahr 1922 hat er auch dessen Titel geerbt. Im Einzelfall ist dazu von Titel zu Titel zu unterscheiden, ob dieser noch existiert bzw. übergehen kann. Bei der Kaiserproklamation von Kaiser Franz I. am 11. August 1804 wurde beispielsweise angeführt, dass das Oberhaupt des Hauses Österreich den Titel eines Kaisers unabhängig von der Verfassung der Erbländer führt. Auch wurde in der Republik Österreich der Adel abgeschafft. In Deutschland (1918) und Italien (1945) sind die Adelstitel Bestandteil des Namens geworden. In Ungarn ist die Monarchie erst 1945 abgeschafft worden.

Als Staatsbürger der neu gegründeten Republik Deutschösterreich (1918/19) bzw. der Republik Österreich (seit 1919), die nach der Auflösung der Donaumonarchie am Ende des Ersten Weltkrieges entstanden war, fiel er 1919 unter das von der republikanischen Regierung erlassene Adelsaufhebungsgesetz, durch das sein bisheriger Adelsname in Österreich verbürgerlicht wurde und er sich nach einer ministeriellen Entscheidung aus dem Jahr 1957 bis heute in Österreich nur noch Otto Habsburg-Lothringen benennen darf.[1]

Zwischenkriegszeit

Vor allem ab 1930 gab es in Österreich ernsthafte Bestrebungen von Seiten der Politik, so auch von den ab 1933 diktatorisch herrschenden Bundeskanzlern Engelbert Dollfuß und Kurt Schuschnigg, den Sohn des letzten Kaisers in einer neu zu konstituierenden Monarchie als Kaiser einzusetzen. Dadurch sollten die politischen Lagerkämpfe zwischen den politischen Lagern überwunden werden. Mit dieser Rückbesinnung auf die k.u.k. Monarchie sollte das Staatsbewußtsein der Österreicher verstärkt und ein Gegengewicht zu den nationalen Anschlussbestrebungen an das Deutsche Reich geschaffen werden.

Parallel dazu waren seit etwa 1922 kleinere traditionalistische Vereinigungen entstanden, z.B. in Wien "Ö. StV. Ottonia" (vormals Corps Ottonen), die eine konstitutionelle Monarchie mit dem Habsburger Prinzen an der Spitze gründen wollten. Allerdings wurden diese Restaurierungsbewegung (siehe Legitimisten) nur von wenigen Politikern gutgeheißen. Bis 1938 war dem „Emigranten“ Otto von Habsburg von 1.603 österreichischen Gemeinden (die allerdings 1934-1938 nicht demokratisch verwaltet wurden) die Ehrenbürgerschaft verliehen worden, das erste Ehrenbürgerrecht hatte er in der Gemeinde Ampass in Tirol am 7. Dezember 1931 erhalten. Noch am 11. Februar 1938, wenige Wochen vor dem „Anschluss“ Österreichs an das nationalsozialistische Deutsche Reich, gab es noch monarchistische Massenveranstaltungen mit etwa 80.000 Teilnehmern in Wien und den Landeshauptstädten. Monarchistisch ausgerichtete Parteien hatten zuvor bei allen freien Wahlen der Ersten Republik nur einen geringen Wählerzuspruch bekommen und den Einzug in die Parlamente stets verfehlt.

Von Adolf Hitler, von Ungarn und der Tschechoslowakei (von Seiten tschechischer Politiker wurde die Parole „Lieber Hitler als Habsburg!“ herausgegeben) wurden die monarchistischen Restaurationsabsichten in Österreich mit Einmarschplänen (der dt. Einmarschplan lautete „Unternehmen Otto“) beantwortet, da sie eine monarchische Reflexwirkung auf ihre Länder befürchteten. Die österreichische Ständestaats-Regierung unter Dollfuß und später Schuschnigg begnügte sich vorerst mit inoffiziellen Kontakten, der Rückstufung der Habsburgergesetze vom Verfassungsrang in den einfachen Gesetzesrang, der Rückgabe von enteignetem Vermögen und der zeitweisen Auszahlung einer Apanage. Im Zuge der Rückbesinnung auf das k.u.k. Erbe wurde vom Ständestaat 1934 auch der Doppeladler im Staatswappen (allerdings ohne Krone und Szepter) eingeführt und beim Bundesheer die k.u.k. Tradition betont, etwa durch die teilweise Wiedereinführung alter Armeeuniformen. Otto von Habsburg wurde allerdings von Bundeskanzler Schuschnigg mehrmals ersucht, nicht nach Österreich einzureisen, um damit anderen Staaten keinen Angriffsgrund zu geben.

Als Hitler versuchte, den Habsburger unter Vorspielung vermeintlicher Unterstützung der monarchischen Idee in seine Bewegung einzubeziehen und ihn für seine Zwecke zu nutzen, lehnte dieser das Ansinnen strikt ab. Habsburg war als Verfechter der alten monarchischen Herrschaftsordnung und als konservativ-christlicher Europäer ein Gegner des Nationalsozialismus und in diesem Sinne - im Gegensatz zu vielen Österreichern - auch gegen eine Vereinigung mit dem Deutschen Reich. Während des Zweiten Weltkrieges setzte sich Otto von Habsburg für eine schonende Behandlung Österreichs bei US-Präsident Roosevelt ein, der ihn sehr schätzte. Der spanische Diktator Franco favorisierte den Habsburger als möglichen Nachfolger auf dem spanischen Königsthron. Bereits 1936 wurde er Mitglied der Paneuropa-Union (PEU) und auch in späteren Jahren setzte er sich für die Einigung Europas ein.

Drittes Reich und Zweiter Weltkrieg

Kurz vor dem Anschluss ersuchte Otto von Habsburg den damaligen Bundeskanzler Schuschnigg, ihm die Kanzlerschaft der Republik zu übertragen, um militärischen Widerstand zu organisieren. Dies bedeutete eine indirekte Anerkennung der Republik und verdeutlichte den starken Abwehrwillen gegenüber dem nationalsozialistischen Diktator. Während Schuschnigg gegen einen möglichen deutschen Einmarsch protestieren und kapitulieren wollte, war Habsburg wie weite Teile der damaligen österreichischen Armee und Armeeführung für militärischen Widerstand.

In seinem Schreiben vom 17. Februar 1938 an Schuschnigg forderte Habsburg neben einer aktiven Verteidigung und strikten Ablehnung des Nationalsozialismus „Vorerst muss die Befriedung nach links aktiv betrieben werden. Die Arbeiter haben in den letzten Tagen bewiesen, dass sie Patrioten sind. Diese Gruppe kann durch den Nationalsozialismus nicht vergiftet werden, wird daher stets am sichersten für Österreich eintreten, wogegen die Regierung ihr die Möglichkeit geben muss, an der Gestaltung des Vaterlandes - für welches sie sich einzusetzen bereit ist - aktiv mitzuwirken.“ Schuschnigg lehnte ab.

Nachdem mit dem „Anschluss“ die NS-Herrschaft in Österreich begonnen hatte, wurde Habsburg wegen Hochverrats steckbrieflich zur Fahndung ausgeschrieben und sein persönliches Vermögen und das von ihm verwaltete Familienvermögen der Familie Habsburg auf persönlichen Befehl Hitlers enteignet. Die Spitzen der legitimistischen Bewegung wurden sofort verhaftet und großteils hingerichtet. Zwischen 1938 und 1942 dürften 4000 bis 4500 österreichische Monarchisten verhaftet worden sein; etwa 800 bis 1000 von ihnen wurden hingerichtet oder verloren in Konzentrationslagern ihr Leben. Otto von Habsburg, seiner Mutter und den Geschwistern wurde auf Befehl Hitlers die Reichsbürgerschaft entzogen. Das enteignete Vermögen fiel an das Großdeutsche Reich und ging nach dessen Untergang in den Besitz der Republik Österreich über.

Nach der Flucht aus Belgien nach dem Einmarsch der Wehrmacht, die über Paris (sein Name befand sich auf der „Wiesbadener Liste“, einer Liste jener Personen, die Frankreich im Falle der Kapitulation sofort zu verhaften und an das Deutsche Reich auszuliefern hatte) nach Spanien führte, wirkte er bei der Flucht von ca. 15.000 Menschen nach Spanien mit und organisierte Visa nach Übersee.

In den USA und in Großbritannien gab es intensive persönliche Kontakte zu Präsident Franklin Roosevelt bzw. Sir Winston Churchill und diverse Maßnahmen wie die erfolgreiche Initiierung des „Austrian Day“, die erfolgreiche Aufnahme Österreichs in die Briefmarkenserie „Occupied Nations“, den Versuch der Bildung einer Exilregierung und eines „Austrian Battalion“ und vor allem die Teilnahme an der 2. Konferenz von Quebec, wo er bei Präsident Roosevelt erfolgreich eine Verkleinerung der sowjetischen Zone bzw. die Aufteilung Wiens auf die vier Alliierten anregte.

Das Habsburg zugeschriebene Verdienst, Luftangriffe auf Österreich zu verhindern bzw. zu verschieben (im Deutschen Reich wurden die „Donau- und Alpenreichsgaue“ wegen des unerklärlichen Umstandes als „Reichsluftschutzkeller“ bezeichnet), wird in Österreich angezweifelt: Die anfängliche Nichtbombardierung rührt laut einigen österreichischen Militärhistorikern daher, dass die Basen der englischen und der amerikanischen Luftstreitkräfte, von denen aus die Bombengeschwader starteten, vorerst zu weit von Österreich entfernt waren, die sichere Rückkehr der Flugzeuge zu garantieren. Erst als die Basen 1943/1944 Österreich näherrückten, wurden Bombardierungen aufgenommen. Warum freilich München, andere der österr. Grenze naheliegenden dt. Städte und auch Bombenziele ganz im Osten schon ab 1942 vernichtend bombardiert wurden und nicht ab diesem Zeitpunkt auch Österreich kann diese österreichische Theorie nicht beantworten.

Durch Otto Habsburgs Bemühungen sollte die staatliche Eigenständigkeit Österreichs nach dem Krieg erreicht, die Zonenplanung der Alliierten im besetzten Nachkriegsösterreich zugunsten der Westmächte verändert und Ungarn aus der Allianz mit dem Deutschen Reich herausgebrochen werden. Hinsichtlich Ungarns wurden die westalliierten Pläne einer ungarischen Kapitulation gegenüber den Westmächten, einer Luftlandung alliierter Truppen in Ungarn bzw. Landung in Jugoslawien zur Unterstützung und einer beabsichtigten Einsetzung Otto von Habsburgs im Rahmen bzw. an der Spitze der ungarischen Regierung durch die dem zuvorkommende überraschende Besetzung Ungarns zunichte gemacht. Gerade Churchill war ein Verfechter dieser Pläne, um dem bevorstehenden Vormarsch der Sowjets nach Mitteleuropa Einhalt zu gebieten.

Eine weitere realistische Restaurationsmöglichkeit für Otto von Habsburg bestand während des Zweiten Weltkrieges, indem er Churchill für das Konzept einer Donauföderation gewann bzw. Otto von Habsburg in Plänen der britischen Diplomatie für solche Überlegungen geführt wurde: Auf dem Gebiet des früheren Österreich-Ungarn sollte nach seinen Vorstellungen ein neuer Vielvölkerstaat Österreich-Ungarn nach dem Vorbild Belgiens entstehen, der zwei große Bevölkerungsgruppen vereinigte. Auch die Länder Bayern, Baden, Württemberg und Hohenzollern-Sigmaringen sollten als Monarchien wiederhergestellt und in einem so genannten „Süddeutschen Bund“ vereinigt werden. Es gab von Churchill auch einen Vorschlag zur Isolierung Preußens und zur Schaffung eines erweiterten Donaubundes.

Churchill wollte als Gegengewicht zum Deutschen Reich eine modernisierte Auflage des alten Österreich-Ungarn schaffen, wobei er hinsichtlich letzterem meinte: „Wenn es nicht existierte, müsste man es erfinden“ (dieses Bonmot wird ursprünglich dem tschechischen Historiker und Politiker František Palacký [1798-1876] zugeschrieben). Churchills diesbezügliche Konzepte scheiterten jedoch an der Ablehnung durch Josef Stalin auf der Konferenz von Teheran. Roosevelt schätzte die realistische Chance zur Durchsetzung dieses Projektes infolge des weiten Vordringens der Roten Armee als gering ein und vertrat daher dieses Projekt nicht in gleicher Weise wie Churchill. Amerikaner und Briten verbanden mit dieser Föderation allerdings nicht das Ziel der erneuten Inthronisierung des Hauses Habsburg.

In einer Unterredung unter vier Augen des Erzbischof von New York Francis Spellman mit Präsident Roosevelt am 3. September 1943 antwortete der Präsident auf Spellmans ausdrückliches Befragen, ob Österreich, Ungarn und Kroatien unter irgendeine Art russisches Protektorat fallen würde, mit einem eindeutigen Ja. Zu Österreich meinte Roosevelt, es werde keine Opposition gegen ein kommunistisch beherrschtes österreichisches Regime geben. Die einzige Möglichkeit wäre es, wenn Otto von Österreich mit Hilfe Ungarns den Thron gewinnen könnte - aber selbst er müsste sich mit den Russen zu arrangieren haben.

Bei Präsident Truman scheint es in der Vorbereitungsphase der Potsdamer Konferenz von 1945 Überlegungen gegeben zu haben, einen Süddeutschen Bund mit Ungarn und Wien als Hauptstadt zu bilden.

Von 1945 bis zur Verzichtserklärung 1961

In einem mit „Otto von Österreich“ signierten Brief vom 2. Juli 1945 an Präsident Truman empfahl er die Schaffung von österreichischen Regierungsstellen in den von den Westalliierten besetzten Bundesländer und warnte vor der Anerkennung der provisorischen Staatsregierung unter Leitung des Sozialdemokraten Karl Renner in Wien, die er als von Kommunisten beherrscht beschrieb[2].

Das wiedergegründete Österreich wies den nach Kriegsende nach Innsbruck (französische Zone) eingereisten Otto von Habsburg 1946 aus dem Land und untersagte ihm die Wiedereinreise - trotz seines positiven Eintretens für Österreich während des Krieges. Dies geschah einerseits aus verfassungsrechtlichen Gründen, da 1945 die gesamte österreichische Verfassung aus dem Jahr 1929 wieder inkraftgesetzt worden war und damit automatisch auch das Habsburger-Gesetz von 1919. Aus realpolitischen Gründen erfolgte die für Habsburg bittere Ausweisung trotz Widerstands der Franzosen wohl zur Besänftigung der Sowjets, welche eine Habsburgerrenaisance in ihrer Einflusssphäre verhindern wollten und daher 1955 zur Zustimmung zum österreichischen Staatsvertrag auch die völkerrechtliche Verankerung der Geltung der Habsburgergesetze verlangten.

In der Zeit nach seiner Ausweisung 1946 behielt Otto von Habsburg seine österreichische Staatsbürgerschaft. Da er keinen gültigen Reisepass hatte, erhielt er über Vermittlung von Charles de Gaulle einen monegassischen Reisepass, bzw. einen Pass des Malteserordens. Später erhielt er weiters einen spanischen Diplomatenpass.

Am 21. Februar 1958 erklärte Otto von Habsburg seinen Verzicht auf Ansprüche und bekannte sich zur Beachtung der Gesetze der Republik Österreich. In der Folge kam es zu innenpolitischem Hickhack um seine mögliche Rückkehr, der sich auch nach einer offiziell protokollierten Verzichtserklärung vom 31. Mai 1961 fortsetzen sollte.[3]

Von 1961 bis heute

1961 erklärte er nach langwierigen Verhandlungen mit der österreichischen Bundesregierung den Verzicht auf sämtliche Erbfolgeansprüche und sonstige Vorrechte seines Hauses. Über die rechtliche Bewertung dieser Erklärung entstand in der Bundesregierung ein Streit bzw. eine Koalitionskrise, da die Sozialistische Partei (SPÖ; seit 1991 wieder Sozialdemokratische Partei) die Ernsthaftigkeit der Erklärung in Frage stellte. Erst seit 1961 darf er wieder nach Österreich einreisen, da der österreichische Verwaltungsgerichtshof die Rechtmäßigkeit der Klärung feststellte und die Einreise erlaubte. Bis dahin verwehrte der sozialistische Innenminister Franz Olah die Einreise Otto von Habsburgs und die österreichische Polizei rückte mehrmals zur Verhaftung des vermeintlich nach Österreich Eingereisten aus. Die österreichische Linke sprach hinsichtlich der VwGH-Entscheidung von einem Juristenputsch und organisierte in Zusammenarbeit mit dem Österreichischen Gewerkschaftsbund Anti-Habsburg-Demonstrationen. Habsburg selbst hat die Verzichtserklärung in dieser Form aber nicht anerkannt.[4]

Die erste Einreise in Österreich seit 1946 erfolgte am 31. Oktober 1966. Hinsichtlich der Restituierung von enteignetem Habsburgervermögen, aber vor allem hinsichtlich der Bewertung des Habsburgergesetzes in Bezug auf die Verzichtserklärung gab es bis 1966 diverse heftige Regierungskrisen zwischen der Österreichische Volkspartei (ÖVP) und der Sozialistischen Partei. Erst nach persönlichen Kontakten und einem offiziellen Handschlag zwischen Otto von Habsburg und Bundeskanzler Bruno Kreisky 1972 anlässlich eines Paneuropakongresses entspannte sich das Verhältnis zwischen der österreichischen Sozialdemokratie und der Familie Habsburg.

1961 hat es von Seiten des spanischen Diktators und Staatschefs Francisco Franco Überlegungen gegeben, nach seinem Tod Otto von Habsburg als König von Spanien einzusetzen, da die Habsburger das Land fast 200 Jahre lang regiert hatten (von 1504 bis 1700). Otto von Habsburg lehnte dies nach langen Gesprächen mit Franco wegen der langen Abwesenheit der Habsburger Dynastie aus Spanien ab und empfahl Franco die Einsetzung des nunmehrigen Königs Juan Carlos I., des Enkels von Alfons XIII. aus der Dynastie der Bourbonen.

1979 initiierte Otto von Habsburg gegen große Widerstände jene Resolution, welche durch einen leeren Stuhl im Europäischen Parlament medienwirksam auf die Völker hinter dem Eisernen Vorhang aufmerksam machte. Am 13. Juli 1988 reiste Otto von Habsburg erstmalig seit 1918 in das noch kommunistische Ungarn nach Budapest. Am 19. August 1989 war er Mitinitiator und Schirmherr des „Paneuropäischen Picknicks“, bei dem an der ungarisch-österreichischen Grenze erstmals für drei Stunden der Eiserne Vorhang zunächst symbolisch geöffnet wurde, was 661 DDR-Bürger zur Flucht in den freien Westen nutzten und als Schlüsselereignis den friedlichen Fall des Eisernen Vorhanges mitbewirkte.

Sein erster Besuch in Sarajevo erfolgte am 5. April 1997.

Würdigungen und Kritik

Neben zahlreichen inner- und außereuropäischen Auszeichnungen, Ehrenbürgerschaften und Ehrendoktoraten ehrten ihn 2002 zahlreiche europäische Staatsoberhäupter bzw. Regierungschefs in einem großen Festakt in der Wiener Hofburg auf Einladung von Bundespräsident Thomas Klestil zu seinem 90. Geburtstag für sein Lebenswerk für Europa und sein Eintreten gegen den Nationalsozialismus und den Kommunismus. Bei dieser Veranstaltung erwähnte der ehemalige französische Staatspräsident und spätere Präsident des Europäischen Konvents, Valéry Giscard d’Estaing, die heute in Österreich weitgehend in Vergessenheit geratene bzw. infolge des historisch belasteten Verhältnisses der Republik Österreich zur Familie Habsburg unbeachtete Tatsache, dass Otto von Habsburg durch verschiedene Interventionen der heimischen Bevölkerung die Qualen des Bombardements im Zweiten Weltkrieg zu ersparen versuchte. 2007 wurde Otto Habsburg-Lothringen anlässlich seines 95. Geburtstages von Bundespräsident Heinz Fischer in der Hofburg in Wien zu einem Gespräch empfangen.

Von Habsburg ist Mitglied der Mont Pelerin Society, und von 1930 bis zur Übergabe an seinen Sohn Karl im Jahr 2000 Souverän des Ordens vom Goldenen Vlies.

Als Oberhaupt der Familie Habsburg-Lothringen war er von 1922 bis 2002 auch Oberster Bandinhaber des Akademischen Bundes der Katholisch-Österreichischen Landsmannschaften. Dieses Amt übergab er zu seinem 90. Geburtstag in einem feierlichen Akt in der Wiener Augustinerkirche an seinen Sohn und präsumtiven Erben Karl. Er sprach sich schon immer dafür aus, den Gottesbezug in die Europäische Verfassung einfließen zu lassen[5].

Auf Kritik stieß Habsburg für sein öffentliches Eintreten für die umstrittene rechtsnationale Wochenzeitung Junge Freiheit, der er sich auch wiederholt als Interviewpartner zur Verfügung stellte. Als Erstunterzeichner zweier von der Redaktion initiierter Petitionen setzte er sich 2002 vor dem Hintergrund eines Rechtsstreits gegen die Verfassungsschutz-Kategorisierung der Zeitung als „rechtsextremistisch“ bzw. 2006 gegen deren Ausladung bei der Leipziger Buchmesse ein.

2002 gab Habsburg ein vielkritisiertes Interview mit der FPÖ-nahen deutschnationalen Wochenzeitung Zur Zeit. Dort äußerte sich Habsburg u. a. folgendermaßen:

Wenn man die US-Innenpolitik betrachtet, dann ist sie in zwei Hälften gespalten. Auf der einen Seite das Verteidigungsministerium, in dem die Schlüsselpositionen mit Juden besetzt sind, das Pentagon ist heute eine jüdische Institution. Auf der anderen Seite, im State Department, sind die Schwarzen - zum Beispiel Colin Powell oder besonders Condoleezza Rice. Im Moment spielen dabei die Angelsachsen, also die weißen Amerikaner, eine relativ geringe Rolle.

Schon Ende 1998 war gegen Habsburg ins Visier der Kritik sowie der Staatsanwaltschaft München geraten, weil er die Vorwürfe und Rücktrittsaufforderungen gegen seinen Sohn Karl Habsburg im Zusammenhang mit der World-Vision-Spendenaffäre mit der nationalsozialistischen Judenverfolgung verglich. Der EU-Wahlkampf Karl Habsburgs für die ÖVP war 1996 - laut Habsburg ohne sein Wissen - zum Teil mit unterschlagenen und an die Paneuropa Union umgeleiteten Spendengeldern der Hilfsorganisation World Vision finanziert worden.[6]

Im November 2007 erschien ein Interview mit Habsburg in Die Presse, in der er den Staatsstreich Engelbert Dollfuss' verteidigte:

Ich habe Dollfuss unendlich respektiert. Der Mann war tapfer, bereit, sich bis zur letzten Konsequenz für Österreich einzusetzen. Damals habe ich ja alles aus dieser Perspektive gesehen: Wir müssen Österreich erhalten. Die Presse: Und hatten Sie kein Problem damit, dass Dollfuss das Parlament auflöste, Parteien und Gewerkschaften verbot? Habsburg: Überhaupt keines. Wenn es ums Land geht, bin ich zu jeglicher Sache bereit.

Umstrittene Bemerkungen zur Opferrolle Österreichs

Im Laufe einer Gedenkveranstaltung der ÖVP anlässlich des 70. Jahrestags des Anschlusses am 10. März 2008 sorgte Habsburg in Österreich für Aufsehen und Entrüstung. In seiner Rede vertrat er die in Österreich Opferthese genannte (und im offiziellen Österreich weithin umstrittene[7]) Ansicht, Österreich sei das erste Opfer Nazi-Deutschlands gewesen:

Was eigentlich ein Skandal war, nämlich die Diskussion hier in Österreich über die Frage, ob Österreich ein Mitschuldiger war oder ob es ein Opfer war. Meine Damen und Herren, ich glaube es gibt keinen Staat in Europa, der mehr Recht hat, sich als Opfer zu bezeichnen, als es Österreich gewesen ist.[8]

Über die Moskauer Deklaration, die auf die Mitschuld Österreichs am Krieg verweist, sagte Habsburg:

Das ist doch eine der größten Akten der Heuchelei und der Lüge, die gewesen ist. In der man von Österreichs Schuld gesprochen hat, zu einer Zeit, wo Österreich schon längst von der Karte verschwunden war und es außerdem die Mächte noch anerkannt haben.[8]

Den Einmarsch Hitlers am Wiener Heldenplatz kommentierte er:

Wir müssen einfach verstehen, dass da ja in allen Ländern wenn so ein großer Rummel ist, kommen die Leute zusammen, hören zu oder applaudieren und so weiter. Das ist eine Selbstverständlichkeit. Man zeigt noch immer die Filme des Heldenplatzes auf dem es 60.000 Leute gegeben hat - das ist wahr. Aber, schauen Sie, bei jedem Fußballereignis kann man 60.000 Leute zusammentrommeln.[8]

Zu Habsburgs Äußerungen wurde angemerkt, er sei selbst Opfer des NS-Regimes gewesen. Dies macht zwar erklärlich, rechtfertigt allerdings nicht, die Opferrolle im Widerspruch zur historischen Evidenz für ganz Österreich in Anspruch zu nehmen.

Auszeichnungen

Schriften

Literatur

 Commons: Otto von Habsburg – Bilder, Videos und Audiodateien
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Einzelnachweise

  1. Karl-Franzens-Universität Graz: Österreichische Soziologinnen und Soziologen im Exil 1933 bis 1945, zuletzt zugegriffen am 25. Jänner 2007
  2. APA: Der Habsburgerstreit (1958-1966), Pressemeldung vom 5. Juli 1963
  3. http://www.kaiser-politiker-visionaer-europaeer.de/html/lebenslauf.html
  4. Biographie. In: Otto von Habsburg (Autorisierte Ehrenseite). 7. Oktober 2007 (Stand: 21. Juni 2008).
  5. Kath.net: Otto von Habsburg: Für den Glauben kämpfen 17. März 2007
  6. Siehe z. B.: Die Presse, 7.12.1998; und 9.12.1998
  7. Opferthese, In: erinnerungsort wien, Kreisky Archiv
  8. a b c Habsburg plädiert für Opferrolle Österreichs Ö1 Abendjournal, 10.3.2008


Personendaten
Habsburg, Otto von
Habsburg-Lothringen, Otto
deutsch-österreichischer Politiker und Autor
20. November 1912
Villa Wartholz bei Reichenau an der Rax